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Frage beantwortet

Fahrgastrechte mehrere Tickets über International-Bahn.de

Guten Tag,

ich habe über international-bahn.de im Juli von Stuttgart nach Montelimar (FR) gebucht.
Ohne mein Wissen erhielt ich statt einem Ticket zwei Tickets für einzelne Reiseabschnitte.
Bei der Fahrt hatte ich 4 Stunden Verspätung.
Ich habe einen Antrag zu meinen Fahrgastrechten ausgefüllt. Die DB teilt mir mit, dass auf ihrem Teilticket keine Verspätung angefallen ist (das stimmt), sodass mir keine Entschädigung zustehe. Der Rest wurde an die SNCF weitergeleitet. So würde ich deutlich weniger Entschädigung erhalten, da eben nur der Teilpreis für die Berechnung herangezogen wird.

Ist das so korrekt? Wenn man so Tickets verkaufen kann, werden durch die Stückelung die Fahrgastrechte doch total ausgehebelt.
Hat jemand schon Erfahrung, ob dass das generelle Vorgehen bei international-bahn.de ist?
Und wie die SÖP solche Fälle bewertet?

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Das Problem ist, dass "international-bahn" letztendlich nur eine Vermittlungsplattform ist, die den Buchungswunsch in Teilstücke zerlegt, und die Teilstücke separat bei den verschiedenen Bahnen bucht.
(Analogie: Sie buchen einen Flug mit Umstieg bei einem Reisebüro. Das Reisebüro gibt ihnen zwei getrennte Tickets von zwei unterschiedlichen Fluglinien. Der erste Flug vor dem Umstieg ist OK, der zweite Flug nach dem Umstieg hat Verspätung. Sie kommen zu spät an. Wo reklamieren Sie?)

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Ist das so korrekt? Wenn man so Tickets verkaufen kann, werden durch die Stückelung die Fahrgastrechte doch total ausgehebelt.

Leider, das ist das große Problem bei gestückelten Tickets, auch wenn es da, meine ich, ein Abkommen gibt, nach dem man trotzdem weiterbefördert wird, wobei ich nicht weiß, wer da genau alles mitmacht.

Hat jemand schon Erfahrung, ob dass das generelle Vorgehen bei international-bahn.de ist?
Ja, leider machen die das so.

Zitat aus den AGB:
4.2 Haben Sie für eine internationale Reisestrecke mehrere Fahrkarten erhalten, verkörpert jede Fahrkarte mindestens einen eigenständigen Beförderungsvertrag. Die Haftung für fahrgastrechtliche Ansprüche gilt dann auch nur für den jeweiligen Beförderungsvertrag. Mehr Informationen zu den Regelungen bei unterschiedlichen Vertragspartnern für Ihre internationale Reisestrecke finden Sie unter: https://www.bahn.de/agb in der Rubrik „Regelungen zu den Vertragspartnern“.

Generell ist jede Bahngesellschaft (Eisenbahnverkehrsunternehmen) für ihren Reiseabschnitt verantwortlich. Sollte es zu Verspätungen kommen, ist die nachfolgende Bahngesellschaft nicht verpflichtet, Sie mit dem Ticket für einen anderen Zug zu befördern. In den meisten Fällen sind die Eisenbahnverkehrsunternehmen untereinander auch in diesem Fall kulant und befördern Sie als Kunden auch in einem alternativen Zug ohne Mehrkosten. Ihre Sitzplatzreservierung ist in einem solchen Fall jedoch nicht mehr gültig. Falls Sie aufgrund von Verspätungen oder Zugausfällen verspätet an Ihren Zielort angekommen, gelten EU-weit Fahrgastrechte für Kunden im Eisenbahnverkehr. Für weitere Fragen, auch zu Kontaktdaten der Erstattungsstellen der Eisenbahnverkehrsunternehmen für Fahrgastrechtsansprüche, suchen Sie die jeweiligen Reisezentren an den Bahnhöfen auf oder kontaktieren Sie unser Service Center für internationale Buchungen per E-Mail unter service-international@bahn.de. /ch

Man sollte die Sache durchaus rechtlich prüfen lassen, denn was die Bahn in die AGB schreibt könnte die Buchstaben nicht wert sein.

Denn die Verordnung für Fahrgastrechte (EG 1371/2007) spricht im Artikel 3 Nr. 8 und Artikel 4 vom Beförderungsvertrag im Anhang dazu findet man schon das hier:

ABSCHLUSS UND AUSFÜHRUNG DES BEFÖRDERUNGSVERTRAGES
Artikel 6
Beförderungsvertrag(1) Durch den Beförderungsvertrag wird der Beförderer verpflichtet, den Reisenden sowie gegebenenfalls Reisegepäck und Fahrzeuge zum Bestimmungsort zu befördern und das Reisegepäck und die Fahrzeuge am Bestimmungsort auszuliefern.
(2) Der Beförderungsvertrag ist in einem oder mehreren Beförderungsausweisen festzuhalten, die dem Reisenden auszuhändigen sind. ...

Der Reisende hier hat einen einzigen Beförderungsvertrag geschlossen und zwar von Stuttgart nach Montelimar befördert zu werden, diese Beförderungsleistung wurde nicht vertragsgemäß erbracht also stehen dem Reisenden entsprechende Ausgleichsansprüche zu.

Daher dürfte die AGB der DB leicht angreifbar und sehr wahrscheinlich nichtig sein, da die AGB gerade versucht zum Nachteil des Kunden von den Regelung der Verordnung ab zu weichen.

Da die DB eben die ganze Strecke zum Verkauf anbietet ist es auch als ein einziger Vertrag zu betrachten, sollte das nicht gewollt sein, steht es ihr ja immer noch frei nur noch Fahrkarten bis zur Grenze bzw. bis zum Endpunkt der DB eigenen Züge zu vertreiben.

Daher ist es durchaus interessant eine fachliche Bewertung der SÖP hierzu zu erhalten, daher einfach den Fall dort mit einem entsprechenden Hinweis auf den Begriff Beförderungsvertrag im Sinne der Verordnung verweisen und sehen was dabei heraus kommt das Verfahren ist kostenfrei und verursacht nur geringen aufwand.

kabo
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Das Problem ist, dass "international-bahn" letztendlich nur eine Vermittlungsplattform ist, die den Buchungswunsch in Teilstücke zerlegt, und die Teilstücke separat bei den verschiedenen Bahnen bucht.
(Analogie: Sie buchen einen Flug mit Umstieg bei einem Reisebüro. Das Reisebüro gibt ihnen zwei getrennte Tickets von zwei unterschiedlichen Fluglinien. Der erste Flug vor dem Umstieg ist OK, der zweite Flug nach dem Umstieg hat Verspätung. Sie kommen zu spät an. Wo reklamieren Sie?)

Aber das Beispiel aus dem Flugrecht passt eben nicht.

Denn hier hat man klar zwei getrennte Beförderungsverträge Ticket A und Ticket B. Dass muss das RB/OTA auch so kommunizieren.

Hier hat der TO aber eine Reise von A nach B mit der Bahn gebucht.

Wenn wir beim Beispiel Flugzeug bleiben ist eher eher mit sogenannten Codeshares zu vergleichen der Reisende schließt einen Vertrag ab obwohl er dann später mit mehreren Fluggesellschaften fliegt.

Im übrigen hilft der Verweis auf "International-bahn" nicht weiter laut zugehörigen Impressum ist das ganze Teil der DB Vertrieb GmbH sich dann plötzlich als Dritte-Partei und nur Vermittler dar zu stellen ähnlich einem OTA wird daher scheitern.

Leo
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1. Die EU schreibt seit 2007 vor, dass möglichst Durchgangs-Fahrkarten ausgegeben werden sollen; diese würden dann kundenfreundlich einen einzigen Beförderungsvertrag darstellen.

2. Im Laufe der Zeit gibt es jedoch immer weniger Durchgangsfahrkarten – d.h. die Probleme werden stetig mehr statt weniger (Beispiel London). Angebllich liegt das an dem immer mehr um sich greifenden IRT-Karten (Gegenbeispiel: früher London, Stockholm).

3. Dem Kunden werden löchrige HOTNAT bzw. sonstige Versprechungen mit Fußangeln (z.B. nur falls in einem Buchungsschritt gebucht) gemacht, auf die er sich aber nicht wirklich verlassen kann.

4. „Analogie: Sie buchen einen Flug mit Umstieg bei einem Reisebüro. Das Reisebüro gibt ihnen zwei getrennte Tickets von zwei unterschiedlichen Fluglinien.“ Der erste Flug vor dem Umstieg ist OK, der zweite Flug nach dem Umstieg hat Verspätung. Sie kommen zu spät an. Wo reklamieren Sie?“

Sofern das Reisebüro nicht sämtliche Sorgfaltspflichten verletzt hat, hat es den gesamten Flug bei einer einzigen Gesellschaft gebucht, die dann auch dafür gerade steht, dass man selbstverständlich mit dem nächsten Flug ohne Zusatzkosten weiterkommt, und hinterher (aber widerwilliger als das Servicecenter Fahrgastrechte) für die Erstattung sorgt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Interlining

Als Beispiel mein letzter beim Reisebüro gebuchter EIN EINZIGER Beförderungsvertrag, wie beim Fliegen selbstverständlich alles IRT:

„FLUGSCHEIN INTERN. 220xxxxxx
15.02.2015 München-Hong Kong
01.03.2015 Hong Kong-Tokyo Haneda
14.03.2015 Tokyo Narita-Auckland Int.
15.04.2015 Auckland Int. Apt.-Vancouve
29.04.2015 Vancouver-Frankfurt
05.05.2015 Düsseldorf-München“

Hierbei waren 3 verschiedene Fluggesellschaften aus 3 verschiedenen Kontinenten beteiligt, natürlich alle aus einer Allianz, hier:

https://www.staralliance.com/de/

Vor ca. 20 Jahren war ich öfters mit Air France und Delta in den USA:

https://www.skyteam.com/DE

Solange man in einem Schritt bei einer der beteiligten Fluggesellschaften bucht, bleibt man bei einer Allianz und hat dann weltweit keine Probleme. Das geht sogar bei doppelten Gabel- und Multi-Hop- Flügen mittlerweile online. Und auch der letzte Hüpfer im 13-Personen-Zubringer ist im Ticket mit drin. So kommt man mit einem Beförderungsvertrag von jedem Flughfen zu jedem in der Welt.

Bei der Bahn Allianz Railteam kann man von so etwas nur träumen, da kommt man noch nicht einmal von Bahnhof zu Bahnhof in 2 Nachbarländern wie Dutschland und Frankreich:

https://www.railteam.eu/de/

Fazit: Mit der Bahn muss man (über getarnte Vermittler oder selbständig bei den einzelnen Beförderern) oft GETRENNT buchen und dann viel Pufferzeit an Anstoßstellen 2 separater Tickets mitbringen – Fliegen ist da viel unproblematischer und meist auch noch billiger.

Codeshare ist eine nur noch eine neuere Form des Interlining, bei der die unterschiedlichen Gesellschaften verschleiert werden:

https://de.wikipedia.org/wiki/Codesharing

Braunschweiger
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https://community.bahn.de/questions/2409902-ruckerstattun... ist in dem Zusammenhang auch noch interessant.
Da erklärt die DB folgendes: "In seltenen Fällen ist die Ausstellung einer durchgehenden Fahrkarte aus technischen Gründen nicht möglich. Dann greifen die Fahrgastrechte trotzdem. Dies gilt natürlich nicht für die Fälle, wo "absichtlich" zwei oder mehr Fahrkarten gebucht wurden. /si"

Das scheint hier doch zu greifen, und dann sollte auch die Gesamtsumme für die Entschädigung herangezogen werden.

bahnfahrer1000
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Zusammenfassung: Bei meiner Reise von Stuttgart nach Montelimar (ICE nach Strasburg, TGV nach Lyon, TER nach Montelimar) fiel der letzte Zug aus, sodass ich eine Verspätung von mehr als 4h hatte.
Das Portal international-bahn.de bot mir die Reise als eine Einheit an, stellte mir jedoch nach der Buchung zwei Fahrkarten aus (Stuttgart-Strasburg (DB), Strasburg-Montelimar (SNCF)).

Update:

  • Servicecenter Fahrgasterechte (SF) hat sich nur für die deutsche Fahrkarte zuständig gesehen. Dort lage keine Verspätung vor - kein Entschädigung.
  • Das SF hat den französischen Teil der Fahrkarte an die SNCF weitergeleitet. Die SNCF hat für diesen Teil die Entschädigung abgelehnt, weil die Rechte nicht für TER gelten würden.
  • Meinen Widerspruch hat das Servicecenter Fahrgasterechte (SF) abgewiesen, ohne auf den Fall einzugehen.

Ich werde mich jetzt mit dem Deutschen Bahnkunden Verband DBV und der Verbraucherzentrale in Verbindung setzen, weil ich eine grundsätzliche Bedeutung sehen: international-bahn.de und das Servicecenter Fahrgastrechte verletzen mit Ihrer Praxis die europäischen Fahrgastrechte.
Kennt jemand dort die richtigen Ansprechpartner?

Je nach Rückmeldung werde ich auch die SÖP in Betracht ziehen.

kabo
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Ich vermute eher, dass dies die richtige Stelle ist:
https://europa.eu/youreurope/citizens/national-contact-po...

Das ist die nationale Durchsetzungsstelle für Fahrgastrechte in Frankreich.

Die französische Fahrgastrechte-Stelle hat die Zuständigkeit der französischen Bahn ja nicht bestritten.