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Frage beantwortet

Warum sind Verspätungs-Entschädigungs-Beträge unter 4 Euro nicht einzeln beantragbar?

Mich würde mal interessieren, warum Entschädigungsbeträge im Rahmen der Fahrgastrechte nicht einzeln beantragt werden können, wenn sie unter 4 Euro liegen. Wenn dem Fahrgast schon zugemutet wird, sich ggf. mit so geringen Beträgen zufriedenzugeben, kann die Bahn bzw. das Servicecenter selbst ja kaum damit argumentieren, dass diese geringen Beträge den Bearbeitungsaufwand nicht rechtfertigen würden ... Was soll da der Fahrgast sagen, der sich für so wenig Geld durch ein langes Formular durcharbeiten muss? Sollte es also tatsächlich am Bearbeitungsaufwand fürs Personal liegen, dass Beträge unter 4 Euro nicht ausbezahlt werden, dann kann es nur eine Konsequenz geben: eben einen pauschalen Mindestbetrag von 4 Euro festzulegen, der auf jeden Fall ausbezahlt wird - egal wie teuer die Fahrkarte war! Alles andere wäre fehlende Waffengleichheit.

Die Antwort wurde von DB Bahn bestätigt

Die vier Euro sind in diesem Fall die Bagatellgrenze. Geringere Beträge werden nicht erstattet.
https://de.wikipedia.org/wiki/Bagatellgrenze

„Wenn dem Fahrgast schon zugemutet wird, sich ggf. mit so geringen Beträgen zufriedenzugeben, kann die Bahn bzw. das Servicecenter selbst ja kaum damit argumentieren, dass diese geringen Beträge den Bearbeitungsaufwand nicht rechtfertigen würden“
-> Doch, das kann die Bahn.

„dann kann es nur eine Konsequenz geben: eben einen pauschalen Mindestbetrag von 4 Euro festzulegen, der auf jeden Fall ausbezahlt wird“
-> Nöö. Es gibt auch andere mögliche Konsequenzen. Z.B. eine Grenze festzulegen ab der erst entschädigt wird. Das macht die Bahn.
Eine andere Möglichkeit wäre den Mindestpreis für ein Einzelticket auf 16 Euro zu erhöhen. Es gäbe dann keine Entschädigungen unter 4 EUR mehr und die Mehreinnahmen decken den Arbeitsaufwand für die Entschädigungen. Gefällt aber wieder denen nicht, die dann für kurze Strecken deutlich mehr zahlen müssten.

Sicher ärgert man sich, über eine Verspätung, vor allem wenn man keine Entschädigung bekommt. Mehr Entschädigungen bedeuten aber immer mehr Kosten, mehr Aufwand und dadurch noch höhere Kosten. Höhere Kosten bedeuten aber auch höhere Fahrpreise. Das ist tatsächlich dann die Konsequenz.

„Alles andere wäre fehlende Waffengleichheit.“
-> Es geht doch hier nicht um einen Kampf gegeneinander. Die Bahn ist schlicht und einfach ein Wirtschaftsunternehmen, das kostendeckend arbeiten muß. Der Verzicht auf Bagatellentschädigungen findet wahrscheinlich bei den meisten Fahrgästen eine höhere Akzeptanz als eine weitere Fahrpreiserhöhung.

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Mark1807
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Das müssen die die Bahn beziehungsweise das Servicecenter direkt fragen, da können wir Bahnkunden in diesem Forum nur mutmaßen.

Die vier Euro sind in diesem Fall die Bagatellgrenze. Geringere Beträge werden nicht erstattet.
https://de.wikipedia.org/wiki/Bagatellgrenze

„Wenn dem Fahrgast schon zugemutet wird, sich ggf. mit so geringen Beträgen zufriedenzugeben, kann die Bahn bzw. das Servicecenter selbst ja kaum damit argumentieren, dass diese geringen Beträge den Bearbeitungsaufwand nicht rechtfertigen würden“
-> Doch, das kann die Bahn.

„dann kann es nur eine Konsequenz geben: eben einen pauschalen Mindestbetrag von 4 Euro festzulegen, der auf jeden Fall ausbezahlt wird“
-> Nöö. Es gibt auch andere mögliche Konsequenzen. Z.B. eine Grenze festzulegen ab der erst entschädigt wird. Das macht die Bahn.
Eine andere Möglichkeit wäre den Mindestpreis für ein Einzelticket auf 16 Euro zu erhöhen. Es gäbe dann keine Entschädigungen unter 4 EUR mehr und die Mehreinnahmen decken den Arbeitsaufwand für die Entschädigungen. Gefällt aber wieder denen nicht, die dann für kurze Strecken deutlich mehr zahlen müssten.

Sicher ärgert man sich, über eine Verspätung, vor allem wenn man keine Entschädigung bekommt. Mehr Entschädigungen bedeuten aber immer mehr Kosten, mehr Aufwand und dadurch noch höhere Kosten. Höhere Kosten bedeuten aber auch höhere Fahrpreise. Das ist tatsächlich dann die Konsequenz.

„Alles andere wäre fehlende Waffengleichheit.“
-> Es geht doch hier nicht um einen Kampf gegeneinander. Die Bahn ist schlicht und einfach ein Wirtschaftsunternehmen, das kostendeckend arbeiten muß. Der Verzicht auf Bagatellentschädigungen findet wahrscheinlich bei den meisten Fahrgästen eine höhere Akzeptanz als eine weitere Fahrpreiserhöhung.

Thorbena
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@Joeoptiz
Ich verstehe nicht wirklich, warum Sie die DB so in Schutz nehmen. Wenn man für eine Leistung bezahlt, dann ist es logisch für eine Minderleistung (hier Verspätung) eine Preisminderung zu erhalten.
4 € werden als Bagatellgrenze bezeichnet, sind es aber nicht. Wenn Sie versehentlich eine Fahrkarte für 2,80€ statt für 3,50€ kaufen, dann werden 60€ fällig. Da ist dann nix mehr mit Bagatelle.

"Eine andere Möglichkeit wäre den Mindestpreis für ein Einzelticket auf 16 Euro zu erhöhen. Es gäbe dann keine Entschädigungen unter 4 EUR mehr und die Mehreinnahmen decken den Arbeitsaufwand für die Entschädigungen. Gefällt aber wieder denen nicht, die dann für kurze Strecken deutlich mehr zahlen müssten."
Warum muss man dazu den Mindestpreis für die Fahrkarte erhöhen? Man könnte doch auch einfach sagen: 4 Euro werden auf jeden Fall immer ausbezahlt, selbst wenn das Ticket nur 5 Euro gekostet hat - denn alles, was unter 4 Euro liegt, lohnt weder den Bearbeitungsaufwand (für den Fahrgast wie für die Bahn), noch ist ein so geringer Betrag dem verspätungsbedingten Zeitverlust angemessen. Das wäre die kundenorientierte Lösung. Dass die Bahn dadurch mehr für ihre Verspätungen zahlen müsste, liegt nun mal in der Natur der Sache ... Vielleicht hätte das den "erzieherischen" Effekt, dass das Unternehmen seine Verspätungsprobleme mal etwas konsequenter anpackt ...

"Mehr Entschädigungen bedeuten aber immer mehr Kosten, mehr Aufwand und dadurch noch höhere Kosten. Höhere Kosten bedeuten aber auch höhere Fahrpreise."
... oder aber vielleicht zur Abwechslung mal keine höheren Fahrpreise, sondern ein paar Milliönchen weniger für die Bahn-Oberen - wäre ja auch mal eine Möglichkeit, selbstverschuldete Verspätungs-Kosten wieder reinzuholen ...

"Die Bahn ist schlicht und einfach ein Wirtschaftsunternehmen, das kostendeckend arbeiten muß."
Der Bahnkunde hat aber genauso ein Recht auf Wirtschaftlichkeit. Sprich: Wenn er eine Stunde oder mehr durch Bahnverspätungen verliert und dann auch noch einen großen Papieraufwand für die Entschädigung betreiben darf, dann muss sich das auch für ihn wirtschaftlich halbwegs rechnen. Und zum Begriff "Waffengleichheit": Es geht in der Tat nicht um einen Kampf gegeneinander, aber darum, dass beide Seiten eine Zumutung gleichermaßen zu spüren bekommen müssen - nämlich die des ggf. unverhältnismäßig geringen Geldbetrags (wenn man schon an diesem festhalten will und sich nicht zum o. g. Mindestsatz von 4 Euro entschließen kann).

Begriffe wie "Bagatellgrenze" zeugen im Übrigen von einer Arroganz der Bahn: Für die Bahn mag es nach einer Bagatelle aussehen, wenn dem Fahrgast nur z. B. 1,80 Euro "Entschädigung" zustehen - in so einem Fall kann die Verspätung ja nicht groß gewesen sein, so mag es für die Bahn scheinen. Wenn dahinter jedoch über anderthalb Stunden (!) Verspätung stecken (ist mir tatsächlich schon passiert!), dann sieht das für mich als Fahrgast leider doch ein wenig anders aus als nach einer Bagatelle ...

Fazit: Nicht umsonst stellte Rainer Engel von Pro Bahn nach Einführung der Fahrgastrechte 2009 mit Blick auf die minimalen Entschädigungssätze fest, dass es "immer noch billiger sei, beim Unterhalt von Fahrzeugen und Schienennetz zu schlampen, als pünktlich zu fahren" (Esser/Randerath, "Schwarzbuch Deutsche Bahn", 2009). Daran hat sich offenbar leider bis heute nichts geändert.