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Frage beantwortet

Bei BahnCard-Kontrolle war App-Service nicht verfügbar: Es folgte ein Polizeieinsatz / Was nun?

Guten Abend.
Ich bin seit Jahren im Besitz einer BahnCard 50 und nutze auch die digitalen Services sehr intensiv. Heute kam es jedoch bei einer Kontrolle zu der Situation, dass ich zwar ein Ticket hatte, aber die dazugehörige BahnCard über die Bahn-App nicht vorzeigen konnte. Es kam nur die Fehlermeldung "Service nicht verfügbar. Bitte versuchen Sie später erneut".

Daraufhin wurde der Kontrolleur etwas ungehalten und meinte, dass dies nun 60 EUR kosten würde und er meinen Ausweis sehen will. Ich kann indirekt verstehen, dass er genervt war, schließlich hatte er bereits zwei "Schwarzfahrer" im selben Waggon auf frischer Tat erwischt.

Jedenfalls folgte eine kurze und ruhige Diskussion darüber, wessen "Problem" dies nun sei. In Anbetracht der Drohung der Kosten für das angebliche "Schwarzfahren" reagierte ich aber auch "verschnupft" und verweigerte mich auszuweisen und bat darum, die Polizei zu rufen.

Als kleiner Einschub in Parenthese sei mir an dieser Stelle mein Beweggrund gestattet: Ich sah und sehe es nicht ein, 60 EUR zu bezahlen, weil ich auf einen Dienst der Bahn nicht zugreifen kann bzw. dieser temporär nicht verfügbar ist.

Zurück zur Geschichte: Der Bitte die Polizei hinzuzuziehen kam er dann auch nach und erwähnte weitere Kosten, welche jetzt auf mich zukommen würden: Das Einbeziehen der Polizei wohl 150 EUR sowie mögliche Schadensersatzansprüche wegen von mir verursachter Verzögerungen im Betriebsablauf. Bis die Beamten dann wirklich vor Ort waren, verging auch noch einige Zeit.

Wie geht es jetzt weiter bzw. wie stellt sich die Deutschen Bahn AG jetzt vor, mich dafür in Regress zu nehmen? Lässt sich der Sachverhalt jetzt nur unter Einziehungen eines Anwalts aus der Welt schaffen oder ist auch ein direktes Gespräch möglich?

Etwas schroff ausgedrückt: Ich bin mir keiner Schuld bewusst und erwarte dementsprechend eine unkomplizierte und schnelle Lösung durch die Bahn.

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Guten Abend,

ich habe nochmal in den Beförderungsbedingungen nachgesehen. Hier heißt es:

"Kann der Reisende bei der Fahrkartenkontrolle in Zügen mit Fahrkartenverkauf seine zum Kontrollzeitpunkt gültige BahnCard nicht vorlegen, so hat er zu dem von ihm bereits bezahlten Fahrpreis mit BahnCard-Rabatt für die betreffende Fahrt einen Betrag in Höhe von 25 % (BahnCard 25, My BahnCard 25) bzw. 50 % (BahnCard 50, My BahnCard 50) des Bordpreises ohne BahnCard-Rabatt nachzuzahlen. "

[ -> Der Bordpreis sind bei IC/ICE-Fahrkarten der Flexpreis plus 19 Euro (definiert in 3.8.2). Ein Ticket zum Bordpreis ist zwar in Zügen des Nahverkehrs meistens nicht erwerbbar (stattdessen wird das EBE, also die berühmten 60 Euro fällig), allerdings wird ja gar nicht gefordert, dass Sie ein Ticket zum Bordpreis erwerben, sondern nur die Differenz zum Bordpreis nachzahlen. Wenn der KiN das nicht nacherheben kann, ist das nicht die Schuld des Fahrgastes. ]

Hätten Sie gar kein Ticket dabei gehabt, aber einen personalisierten Fahrschein z.B. zuhause liegen, wären z.B. die 60 Euro erhoben worden. Diese können aber immer bis zwei Wochen nach der Fahrt gegen eine Gebühr von 7 Euro erstattet werden, wenn ein gültiges Ticket gezeigt wird. Darauf hätte der KiN in jedem Fall hinweisen müssen.

EDIT: Habe das "in Zügen mit Fahrkartenverkauf" (ist die S-Bahn ja nicht) überlesen. Dann waren die 60 Euro doch erstmal richtig ausgestellt, wird also wie kein Ticket behandelt.

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Wenn Sie Ihre BahnCard nicht vorzeigen können, werden bei Sparpreis-Tickets 25% des Flexpreises zuzüglich 19 Euro Bordzuschlag nacherhoben. Wenn Sie später nachweisen können, dass Sie die BahnCard besitzen, wird die Forderung gegen eine Gebühr von 7 Euro fallengelassen. Wird dieser Betrag nicht im Zug bezahlt, wird eine Fahrpreisnacherhebung (Doppelter Ticketpreis, mindestens 60 Euro) ausgestellt, die ebenfalls später gegen eine Gebühr von 7 Euro fallengelassen werden kann.

Hat der KiN/Zub Ihnen denn angeboten, den Differenzbetrag im Zug zu zahlen? Falls ja und Sie dies verweigert haben und sich anschließend nicht ausweisen wollten, sehe ich Schadensersatzansprüche zwar gerechtfertigt, in den wenigsten Fällen werden diese aber auch wirklich eingefordert, da die Bahn dafür rechtssicher belegen müsste, dass durch Ihr Verhalten Schäden entstanden sind. Falls nein, so hat der KiN/Zub schon einen Fehler gemacht.

Sie sind dafür verantwortlich, Ticket+BahnCard vorzeigen zu können. Wenn Sie die physische BahnCard nicht dabei haben, sollten Sie sicherstellen, dass die elektronische BahnCard vor Fahrtantritt aktualisiert in den DB Navigator geladen wurde.

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Guten Abend User "tbsn".
Vielen Dank für Ihre Antwort. :)

Zu Ihrer Frage, ob mir angeboten wurde, einen Differenzbetrag im Zug zu entrichten: Nein.

Ich vermute aber, weil dies schlicht nicht möglich ist, da der letzte Teil meiner Reise im Tarifgebiet des Großraum Hannovers endete (GVH) und ein Nachlösen innerhalb dieses Gebiet in der S-Bahn nicht möglich ist. Mein Ticket war von Bremen zum Zielbahnhof innerhalb des Tarifgebiets. Während der Kontrolle von Bremen nach Hannover funktionierte die App bzw. der Zugriff bei der Kontrolle auch noch. Nach der Weiterfahrt ab Hannover (ca. 30 Minuten später) aber nicht mehr.

In der Schilderung des Kontrolleurs war stets von 60 Euro die Rede, nicht von 7 Euro. Aber es ist dann jetzt, wie es ist.

Dann bleibt mir wohl nur, auf die Schadensersatzforderungen zu warten und die Angelegenheit abschließend über den Rechtsweg klären zu lassen.

Freundliche Grüße

tbsn
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Guten Abend,

ich habe nochmal in den Beförderungsbedingungen nachgesehen. Hier heißt es:

"Kann der Reisende bei der Fahrkartenkontrolle in Zügen mit Fahrkartenverkauf seine zum Kontrollzeitpunkt gültige BahnCard nicht vorlegen, so hat er zu dem von ihm bereits bezahlten Fahrpreis mit BahnCard-Rabatt für die betreffende Fahrt einen Betrag in Höhe von 25 % (BahnCard 25, My BahnCard 25) bzw. 50 % (BahnCard 50, My BahnCard 50) des Bordpreises ohne BahnCard-Rabatt nachzuzahlen. "

[ -> Der Bordpreis sind bei IC/ICE-Fahrkarten der Flexpreis plus 19 Euro (definiert in 3.8.2). Ein Ticket zum Bordpreis ist zwar in Zügen des Nahverkehrs meistens nicht erwerbbar (stattdessen wird das EBE, also die berühmten 60 Euro fällig), allerdings wird ja gar nicht gefordert, dass Sie ein Ticket zum Bordpreis erwerben, sondern nur die Differenz zum Bordpreis nachzahlen. Wenn der KiN das nicht nacherheben kann, ist das nicht die Schuld des Fahrgastes. ]

Hätten Sie gar kein Ticket dabei gehabt, aber einen personalisierten Fahrschein z.B. zuhause liegen, wären z.B. die 60 Euro erhoben worden. Diese können aber immer bis zwei Wochen nach der Fahrt gegen eine Gebühr von 7 Euro erstattet werden, wenn ein gültiges Ticket gezeigt wird. Darauf hätte der KiN in jedem Fall hinweisen müssen.

EDIT: Habe das "in Zügen mit Fahrkartenverkauf" (ist die S-Bahn ja nicht) überlesen. Dann waren die 60 Euro doch erstmal richtig ausgestellt, wird also wie kein Ticket behandelt.

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Hallo User "tbsn".
Vielen Dank für Ihre Recherche. Ein Hinweis darauf, dass ein nachträgliches Vorlegen nur 7 Euro kosten würde, hätte die Situation durchaus entspannt. In dem Falle wäre ich gewillt gewesen in den "sauren Apfel" zu beißen.

Das ganze wird dennoch unter juristischen Gesichtspunkten langsam richtig interessant. Wie sollte ich dies 14 Tage nach der Fahrt nachweisen und wem gegenüber? Ich habe keine Belehrung durch den Zugbegleiter erhalten oder irgendein Formular. Dementsprechend liegt mir auch keine Vorgangsnummer vor. Er tippte den Vorfall zwar fleißig in sein Gerät ein, aber da ich mich weigerte, den Ausweis vorzuzeigen, brach er die Eingabe ab. Ich nehme aber an, dass er inzwischen meine Personalien von der Polizei erhalten haben wird.

Der Zugbegleiter und der Zug waren weg, noch bevor die Polizei überhaupt eintraf. Aber ich hatte den Beamten telefonisch versprochen am Bahnhof zu warten und mich zu erkennen zu geben. Ich hätte mich also theoretisch einfach aus dem "Staub" machen können.

Ich werde am Dienstag am Serviceschalter und Standort der S-Bahn in Hannover versuchen, den Besitz einer BahnCard nachzuweisen, jedoch vermute ich, dass man mir dort wird nicht weiterhelfen können ohne "Vorgangsnummer". Und bis ein Schreiben bei mir eintrifft mit einem Bezug zum heutigen Tag, werden die 14 Tage vermutlich bereits vergangen sein.

Viele Grüße :)

kabo
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In Zügen ohne Fahrkartenverkauf zählt das "Nicht-vorzeigen-können" einer Bahncard als Schwarzfahrt. Die Nachzahlungsmöglichkeit besteht nur in Zügen mit personenbedientem Fahrkartenverkauf - also in Fernverkehrszügen.

In den Beförderungsbedingungen ist es (leider) so geregelt, dass das Funktionsrisiko von digitalen Diensten beim Kunden liegt - d.h. die Bahn bietet es zwar an, wenn es aber nicht funktioniert, hat der Kunde das Problem.

"Wie geht es jetzt weiter bzw. wie stellt sich die Deutschen Bahn AG jetzt vor, mich dafür in Regress zu nehmen?"
-> Die Fahrpreisnacherhebung wird mehr oder weniger automatisiert abgewickelt - wenn Sie da nicht zahlen, geht es ohne weitere Kommunikation an einen Inkasso-Dienst. Die Möglichkeit, da jemand von der DB persönlich zu sprechen, bevor es an den Inkasso-Dienst geht, finden Sie hier: https://www.db-fahrpreisnacherhebung.de/ (Realistisch landen Sie aber mit Ihrem Anruf bei einem Call-Center, wo sich niemand für Ihre Reklamation zuständig fühlen wird. Und wenn die Sache wegen Nicht-Zahlung beim Inkasso-Dienst angekommen ist, fühlt sich bei der DB erst recht niemand mehr zuständig.)

Wenn die Bundespolizei Einsatzkosten in Rechnung stellt, dann kommt die Rechnung von der Polizei direkt. Da hat die DB nichts mit zu tun. Die DB kann auch nicht beeinflussen, ob und in welcher Höhe die Kosten in Rechnung gestellt werden. Wenn eine Rechnung kommen sollte, müssten Sie das mit der Polizei ausdiskutieren.

Dass die DB Schadensersatzansprüche wegen Verzögerungen im Betriebsablauf geltend macht, wäre mir persönlich neu - aber das entscheidet jede Regionalgesellschaft selbst. Die S-Bahn-Hannover hat ja nichts zu verlieren.

"Etwas schroff ausgedrückt: Ich bin mir keiner Schuld bewusst und erwarte dementsprechend eine unkomplizierte und schnelle Lösung durch die Bahn."
-> Dann ist dieses "Kunden helfen anderen Kunden"-Forum wahrscheinlich nicht der richtige Ansprechpartner für Sie.

Ehrliche Einschätzung eines langjährigen Bahnfahrers:
Sie haben sich da unnötig ganz schön in was reingeritten. Sie sind bei der DB jetzt in der Schwarzfahrer-Schublade - und für Schwarzfahrer bietet die DB halt wenig Service und noch weniger Entgegenkommen. Sie fühlen sich natürlich zu Unrecht in die Schwarzfahrer-Schublade gesteckt - was ich persönlich als Kunde gut verstehen kann - aber bei der DB wahrscheinlich niemand interessieren wird. Formal ist die DB im Recht. Vielleicht kann ein Anwalt was erreichen - auf den Anwaltskosten werden Sie aber sitzen bleiben (falls Sie keine RSV ohne SB haben).

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Ich habe gerade einen Anruf von der Polizei auf meiner Mailbox abgehört, dass die Bahn auf weitere Schritte verzichtet. Damit hat sich das Thema also erledigt.

@Kabo @tbsn
Danke für Eure Antworten. :)

@Kabo
Was ich aber noch wegen dem Funktionsrisiko von digitalen Diensten anmerken möchte:

Nicht alles, was in Beförderungsbedingungen verschriftlicht ist, muss schlussendlich auch von einem Gericht als konform ausgelegt werden. Und ich denke hier zum Beispiel an Onlinebanking.

Leider hatte ich auch schon vor 10 Jahren die Erfahrung als "Schwarzfahrer" das volle Programm erleben zu dürfen. Ich hatte damals mein Ticket vergessen und sollte es auch nur nachzeigen. Das tat ich auch und erhielt auch einen Beleg darüber. Dennoch kamen nach ein paar Briefe einer Rechtsanwaltskanzlei. Ich übersandte den Beleg, dass ich das Ticket nachgezeigt hätte und die Sache aus Sicht der Bahn erledigt sei. Schlussendlich ging es bis vor Gericht, weil die Prozesse bei den Anwälten so automatisiert sind, dass denen völlig egal ist, was man denen schreibt. Es war nur vor Gericht gut nachweisen zu können, dass man es wenigstens versucht hatte. Schlussendlich holte sich die Bahn eine "blutige" Nase und meine Rechtsanwaltskosten sowieso die Verfahrenskosten gingen zu Lasten der Bahn. :D

Aber ich habe daraus gelernt und werde in Zukunft sicherstellen, auch die Karte wieder in analoger Form griffbereit zu haben. Aus Fehlern soll man ja bekanntlich versuchen zu lernen. ;)