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Fahrgast mit Rad bei Zugausfall

Hallo, bitte um Info zum Handling von Reisenden mit Fahrrad bei Zugausfall. Hintergrund ist eine wenig charmante Erfahrung Anfang der Woche in Leipzig. Wir sind mit Rädern von Dresden nach Hamm nachmittags in Leipzig gestrandet. Weiterfahrt mit der Bahn war erst am Folgetag möglich. Die abschliessende Anweisung des übellaunigen MAs am Infopoint: Räder stehenlassen und bei Gelegenheit später abholen!! Taxischein hat er kategorisch abgelehnt. Der hinzugebetene Vorgesetze war nur wenig besser aufgelegt und hat uns ebenfalls einen Taxischein verweigert mit dem Hinweis, es wären nur 80€ pro Person vorgesehen und ausserdem gäbe es in ganz Leipzig keinen Taxiunternehmer, der Fahrräder befördern würde. Schlussendlich hat er uns ein Hotel gebucht und aus dem Bahnhof hinauskomplimentiert.

Antworten

Hallo FranzundCo, sofern ein Zug ausfällt, hat man nicht viele Möglichkeiten. Sollte man einen IC nehmen wollen, muss man das Personal vorab fragen, ob noch Stellplätze zur Verfügung stehen. Es wäre daher ratsam, einen Regionalzug zu nehmen, denn dort gibt es keine festen Stellplätze und sofern ein Platz frei ist, kann man diesen nutzen.
Zu den Taxiunternehmen in Leipzig kann ich leider nichts sagen, aber immerhin hat man eine Alternative gefunden und Sie unterbringen können. /no

Sparflieger
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Die eigentliche Frage wurde aber noch nicht beantwortet, wie die generelle Regelung lautet, wenn der Zug ausfällt und kein Weiterkommen mehr möglich ist.

Der Verweis auf den Regionalverkehr führt nur in den seltensten Fällen zum Ziel, zumal den Reisenden dann gerade im Fernverkehr Verbindungen zugemutet werden, die durch die dann eintretenden Fahrgastrechte nicht ansatzweise wieder "gut gemacht" werden.

Jetzt einmal worst case:

Im o.g. Fall sind am nächsten Tag alle Züge von Leipzig nach Hamm für Fahrräder ausgebucht. Ist der Reisende dann wirklich verpflichtet, eine Reise per RE anzutreten?

Wo sind denn Regelungen speziell für Reisende mit Fahrrad zu finden?

Joeopitz
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Joeopitz

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Hallo,

außer im Punkt 8 der Beförderungsbedingungen „Fahradmitnahme“ scheint es wohl keine festgeschriebenen Regularien zu geben.
Tatsächlich bleibt wohl nur der Nahverkehr, eine neue Reservierung (falls möglich) im Fernverkehr, Weiterfahrt ohne Räder, Übernachtung oder hilfsbereites, verständnisvolles Personal vor Ort und im Zug....

Sparflieger
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Hallo Joe,

das ist es ja, nichts genaues weiß man nicht.

Ich habe ähnliche Situationen selber erlebt, der letzte IC hatte keinen Fahrradwagen.

Zuerst ist man total sauer auf den/die ZuB, wenn man hört, dass man nicht mitgenommen wird .

Aber was sollen die machen, riskieren wegen mir ein Verfahren an den Hals zu kriegen, wenn man mir erlaubt, mein Rad im Gang/Tür abzustellen?

Manche machen es, die meisten nicht aus verständlichen Gründen.

Es gab mal Aufkleber in den Fahrradwagen, dass die DB bei einer vorhandenen Reservierung und fehlendem Fahrradwagen für eine Beförderung garantiert.

Diese Aufkleber sind verschwunden, warum eigentlich?

Joeopitz
Joeopitz

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Hallo Sparflieger,

„Diese Aufkleber sind verschwunden, warum eigentlich?“

Entweder war der Kleber nicht gut, oder die Bahn will die Beförderung nicht mehr garantieren. Ich glaube am Kleber liegt es nicht.

kabo
kabo

kabo

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Letztendlich sehen die Fahrgastrechte keine gesonderten Regelungen für Reisende mit Fahrrad vor. D.h. aufgrund der Tatsache, dass man ein Fahrrad dabei hat, hat man nicht mehr Rechte als Reisende ohne Fahrrad.
Der Taxigutschein wurde also wohl zu recht verweigert - Reisende ohne Fahrrad hätten auch keinen bekommen.

Der Taxigutschein wurde mir (uns, wir waren drei Betroffene, zwei nach Hamm, einer nach Wuppertal) mit der Begründung verwehrt, ZU TEUER, es wäre max. 80€ je Person zur Verfügung. Bei einer Strecke von Leipzig nach Hamm kämen da 700€ zusammen, das könne die Bahn nicht übernehmen. Ausserdem gäbe es in Leipzig keine Taxis, die Fahrräder mitnähmen.

Das Eisenbahn-Bundesamt sagte mir gestern telefonisch: die Bahn ist gem. EU 1371/2007 in der Beförderungpflicht, wenn sie das nicht selbst kann, dann halt mit Ersatzverkehr. Die ominösen 80€ sind in diesem Fall überhaupt nicht relevant. Hotelübernachtung braucht es nicht, da ein Weitertransport ja möglich war ...

Inwiefern ist es dem Reisenden zuzumuten, zusätzlich Urlaub etc. aufzuwenden, um der Bahn Kosten zu sparen. Mein Arbeitgeber war nicht begeistert ...

kabo
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Entweder war die Antwort des Eisenbahnbundesamtes nicht ganz vollständig, oder Sie haben die Antwort nicht vollständig wiedergegeben.
Richtig ist, dass die DB der Befòrderungspflicht nachkommen muss.
Richtig ist aber auch, dass die DB aussuchen darf, ob Sie einen Ersatz finanziert (Taxi) oder ob sie eine Übernachtung finanziert und die Beförderung am nächsten Tag selbst übernimmt.
Hier hat sich die DB für letzteres entschieden.
Dass Sie dadurch (deutlich) verspätet ankommen, wird dadurch kompensiert, dass Sie noch 50% des Ticketpreises erstattet bekommen.
Immaterielle Schäden (verärgerter Arbeitgeber) sind nicht ersatzfähig

"... die DB aussuchen darf, ob Sie einen Ersatz finanziert (Taxi) oder ob sie eine Übernachtung finanziert und die Beförderung am nächsten Tag selbst übernimmt"

Das ist die gängige Argumentation der Bahn unabhängig von deren Richtigkeit.

kabo
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kabo

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Diese Argumentation steht zumindest nicht im Widerspruch zur EU-Fahrgastrechterichtlinie. Taxigutscheine kommen darin nämlich gar nicht vor.

Richtig, das Wort "Taxigutschein" kommt in der EU-Richtline nicht vor.

Es heisst: "Besteht keine Möglichkeit zur Fortsetzung eines Verkehrs-
dienstes mehr, so organisiert das Eisenbahnunternehmen so rasch
wie möglich einen alternativen Beförderungsdienst für die
Fahrgäste."

Joeopitz
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Joeopitz

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Aber es gab doch kein Erdbeben oder keine Überschmemmung, dass den Verkehrsdienst unmöglich gemacht hat. Der Verkehrsdienst wurde fortgesetzt. Es gab doch bereits am nächsten Tag die Möglichkeit der Weiterreise.

Wörtlich heißt es...

„die Unterbringung in einem Hotel oder einer anderweitigen Unterkunft und die Beförderung zwischen dem Bahnhof und der Unterkunft in Fällen, in denen ein Aufenthalt von einer oder mehreren Nächten notwendig wird oder ein zusätzli- cher Aufenthalt notwendig wird, sofern dies praktisch durchführbar ist;“

Also wenn von „Unterkunft in Fällen, in denen ein Aufenthalt von einer oder mehreren Nächten notwendig wird“ die Rede ist, kann wohl nicht davon ausgegangen werden, daß nur weil evtl. in den nächsten Stunden kein Zug fährt, der Verkehrsdienst nicht fortgesetzt wird.

Artikel 18 (Hilfeleistung) ist m. E. eindeutig. Von höherer Gewalt (Erdbeben, Überschwemmung, etc.) ist da auch nicht die Rede, die Bahn ist eh bei diesen Fällen (auch bei nuklearen Ereignissen) aus aller Haftung raus.

kabo
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Sie gehen offenbar davon aus, dass ein Anspruch auf Weiterbeförderung am selben Tag besteht (zu Not halt mit Taxi). Das lässt sich aus der Richtlinie nicht herauslesen. Sonst wären Regelungen zur Kostenübernahme von Übernachtung ja auch unnötig. Hilfeleistung im Sinn der Richtlinie kann eben auch aus Übernachtung und Weiterbeförderung am Folgetag bestehen.

Joeopitz
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Joeopitz

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Ich wollte mit Erdbeben und Überschwemmung nicht auf höhere Gewalt kommen, sondern die Formulierung

„Besteht keine Möglichkeit zur Fortsetzung eines Verkehrsdienstes mehr...“ erläutern.

Auch wenn der Reisende nicht innerhalb von 24, 36 oder 48 Stunden weiterbefördert werden kann, besteht doch immer noch die Möglichkeit der Fortsetzung des Verkehrsdienstes. Evtl. nach einer oder mehreren Übernachtungen.

Es besteht erst dann keine Möglichkeit zur Durchführung des Verkehrsdienstes mehr, wenn der Bahnverkehr aus irgendeinem Grunde eingestellt werden muß. Dann greift Artikel 18 (3). Wenn die Bahn nicht mehr fahren kann, muß Sie so rasch wie möglich eine Alternative organisieren, z.B. einen Bus. Kann die Bahn aber noch fahren, dann greift Artikel 18 (2) b) „die Unterbringung in einem Hotel oder einer anderweitigen Unterkunft... in Fällen, in denen ein Aufenthalt von einer oder mehreren Nächten notwendig wird.“

Ist eine Weiterreise nicht mehr am selben Tag möglich, entsteht ein Haftungsanspruch des Reisenden ggü. der Bahn, bspw. für eine Hotelübernachtung. Artikel 32 im Anhang

Der Reisende hat den Anspruch ggü. der Bahn wenn die ihn nicht am selben Tag weitertransportieren kann. Aber die Bahn will nicht Ersatzverkehr bezahlen, ist ja teurer, als wenn die Bahn den Reisenden quasi hintenrum seine Anspruchskarte ziehen lässt.

Bei Rail and Fly Tickets wohl überhaupt kein Problem mit Taxi nach Frankfurt Airport für 530 Euro ersatzverkehrt zu werden. Zahlt anscheinend nicht die Bahn :-)