Frage beantwortet

Fahrgastrechte - warum keine Erstattung trotz abgestempelter 60min Verspätung

Hallo Community.
ich habe am Wochenende mein Fahrgastrechteformular-Gutschriftsbrief erhalten - ich habe mich gefreut.
Nicht erfreut war ich, dass mir das Service Center nicht alle meine Rechte entsprechend eingeräumt hat. Der Stempel vom Zugbegleiter besagte bereits 60min Verspätung, tatsächlich waren es mehr als 80 (leider keine 120 :( ) und ich habe mich mangels Zugalternative abholen lassen müssen.
letzteres wurde mir anscheinend angekreidet, bzw. verrechnet mit 30ct pro km - was erst einmal ein gutes Geschäft für die Bahn ist - eine Taxifahrt kostet weit mehr - es wurde der tatsächliche Rückweg erstattet. Jedoch nicht die wirkliche Verspätung in Osnabrück, welche ich sogar angegeben habe.
Wie komme ich - ohne viel Aufsehen zu erheben, eine teure Service Hotline anzurufen oder sonst noch mehr Aufwand in die ärgerliche Angelegenheit hineinzustecken, zu meinem tatsächlichen Recht?

Viele Grüße

Christian Kielhorn

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So einen Fall habe ich auch noch nicht erlebt. In den Fällen, wo mit ähnliches passiert ist (ich bin viel unterwegs, oft auch im Raum Osnabrück) wurde die Verpätung immer bis zum Zielort der Fahrkarte gerechnet, auch wenn man sich hat abholen lassen müssen.

Aber: Nach genauem Studium der EU-Fahrgastrechteverordnung hat das Servicecenter Fahrgastrechte vermutlich sogar recht.

Art. 16 legt fest, dass bei vorzeitigem Abbruch der Reise wegen Verspätung das Eisenbahnunternehmen dem Fahrgast den nicht in Anspruch genommenen Teil der Fahrkarte erstatten muss. Das wurde hier gemacht, da für den Abschnitt von Osnabrück zum Zielort der Fahrkarte 30ct/km erstattet wurden.
Art. 17 legt die Höhe der Verspätungsentschädigung fest (25% ab 60min, 50% ab 120min). Und in Art. 17 heißt es am Anfang:

(1) Ohne das Recht auf Beförderung zu verlieren, kann ein
Fahrgast bei Verspätungen vom Eisenbahnunternehmen eine
Fahrpreisentschädigung verlangen, wenn er zwischen dem auf der
Fahrkarte angegebenen Abfahrts- und Zielort eine Verspätung
erleidet, für die keine Fahrpreiserstattung nach Artikel 16 erfolgt
ist.

D.h. wenn man eine (Teil)Erstattung der Fahrkarte wegen verspätungsbedingtem vorzeitigem Reiseabbruch nach Art. 16 erhalten hat, dann gibt es nicht zusätzlich die 25% Entschädigung nach Art. 17 wegen mehr als 60min Verspätung.

Wusste ich bis vor 10 Minuten auch nicht - aber ich danke Ihnen für Ihre Frage. Jetzt weiß ich, dass ich immer auf ein Taxi zum Zielort der Fahrkarte auf DB-Kosten bestehen muss. Denn dann liegt kein Reiseabbruch vor, der einen bei der Verspätungsentschädigung zum Nachteil gereicht.

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DerULF
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Hallo Herr Kielhorn,
dass sich das Servcicecenter Fahrgastrechte vertut ist gar nicht so selten. Als ersten Schritt lohnt es sich aber, zunächst einmal schriftlich zu schildern, warum man der Meinung ist, dass die Entschädigung nicht stimmt. Die Service Points in den Bahnhöfen leiten Ihr Schreiben kostenlos an das Servicecenter Fahrgastrechte weiter.
Wenn das nicht fruchtet, kann es sinnvoll sein, die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr in Berlin anzusprechen (http://www.soep-online.de/).
Schönen Gruß und viel Erfolg
DerULF

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So einen Fall habe ich auch noch nicht erlebt. In den Fällen, wo mit ähnliches passiert ist (ich bin viel unterwegs, oft auch im Raum Osnabrück) wurde die Verpätung immer bis zum Zielort der Fahrkarte gerechnet, auch wenn man sich hat abholen lassen müssen.

Aber: Nach genauem Studium der EU-Fahrgastrechteverordnung hat das Servicecenter Fahrgastrechte vermutlich sogar recht.

Art. 16 legt fest, dass bei vorzeitigem Abbruch der Reise wegen Verspätung das Eisenbahnunternehmen dem Fahrgast den nicht in Anspruch genommenen Teil der Fahrkarte erstatten muss. Das wurde hier gemacht, da für den Abschnitt von Osnabrück zum Zielort der Fahrkarte 30ct/km erstattet wurden.
Art. 17 legt die Höhe der Verspätungsentschädigung fest (25% ab 60min, 50% ab 120min). Und in Art. 17 heißt es am Anfang:

(1) Ohne das Recht auf Beförderung zu verlieren, kann ein
Fahrgast bei Verspätungen vom Eisenbahnunternehmen eine
Fahrpreisentschädigung verlangen, wenn er zwischen dem auf der
Fahrkarte angegebenen Abfahrts- und Zielort eine Verspätung
erleidet, für die keine Fahrpreiserstattung nach Artikel 16 erfolgt
ist.

D.h. wenn man eine (Teil)Erstattung der Fahrkarte wegen verspätungsbedingtem vorzeitigem Reiseabbruch nach Art. 16 erhalten hat, dann gibt es nicht zusätzlich die 25% Entschädigung nach Art. 17 wegen mehr als 60min Verspätung.

Wusste ich bis vor 10 Minuten auch nicht - aber ich danke Ihnen für Ihre Frage. Jetzt weiß ich, dass ich immer auf ein Taxi zum Zielort der Fahrkarte auf DB-Kosten bestehen muss. Denn dann liegt kein Reiseabbruch vor, der einen bei der Verspätungsentschädigung zum Nachteil gereicht.