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Fahrgastrechte bei Fahrscheinen mit Zugbindung

Ich habe für heute Abend einen Fahrschein mit Zugbindung gebucht. Wegen einer schon bei Abfahrt erheblichen Verspätung des Zuges werde ich mein Fahrtziel voraussichtlich erst mit etwa 90minütiger Verspätung erreichen können. Kann ich stattdessen auch morgen fahren? (vgl. Art. 16 lit. c) VO 1371/2007 EG)

Wenn ja, wie gehe ich vor, um den Fahrschein gültigschreiben zu lassen? Was tue ich, wenn mir die Information am Bahnhof die Gültigschreibung verweigert?

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Hallo raumfahrer, gemäß den Fahrgastrechten können Sie eine frühere oder spätere Zugverbindung nutzen, wenn die zu erwartende Ankunft am Zielbahnhof 20 Minuten später sein wird. Die Aufhebung geht jedoch nur bei einem DB-Mitarbeiter vor Ort, da dies nur am genannten Reisetag gültig ist. Sie können also nicht nach persönlicher Vorliebe einfach morgen fahren, wenn es heute noch Verbindungen in Richtung Ziel gibt. Die Fahrgastrechte sehen auch vor, dass Sie soweit wie möglich mit dem Zug fahren und am Umsteigebahnhof ein Hotel oder ein Taxi (bis 80 Euro) nutzen können und am nächsten Morgen die Fahrt fortsetzen können. So werden es Ihnen die Kollegen auch an der DB Information oder im DB Reisezentrum mitteilen. /ch

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Hallo Christian, ich danke Ihnen für Ihre Antwort. Wo kann ich denn nachlesen, dass die Aufhebung der Zugbindung nur für den eingetragenen Reisetag funktioniert? Sowohl Ihre Beförderungsbedingungen (vgl. 9.1.1 (ii) BB Personenverkehr) als auch die EU-Fahrgastrechteverordnung (vgl. Art. 16 lit. c) VO 1371/2007 EG) sprechen lediglich allgemein davon, dass der Fahrgast das Recht habe, seine Reise bis zum Zielbahnhof „zu einem späteren Zeitpunkt“ fortzusetzen.

Auch die Auffassung, dass der Fahrgast am Reisetag noch so weit wie möglich fahren müsse und gegebenenfalls am Umsteigeort übernachten müsste, kann ich weder in Ihren Beförderungsbedingungen noch in der EU-Fahrgastrechteverordnung finden. Dort ist vielmehr die Rede davon, dass der Fahrgast „unverzüglich“ die Wahl habe, die Reise später fortzusetzen, wenn sich eine Verspätung von mindestens 20 Minuten bzw. mehr als 60 Minuten abzeichnet.

Die letzte Verbindung des Tages kommt häufig recht spät am Zielbahnhof an, und ich schätze sehr, dass Ihr Unternehmen ein derart breites Fahrplanangebot hat. Aber ich halte es auch für ein berechtigtes Anliegen, eben nicht so spät in der Nacht am Ziel ankommen zu wollen, wenn sich schon abzeichnet, dass ein Anschluss platzen und daraus eine erhebliche Verspätung resultieren wird.

Was ist eigentlich die letzte Verbindung des Tages? Ist das die letzte Verbindung, die mich noch vor Mitternacht ans Ziel bringt? Oder wie spät ist es aus Ihrer Sicht zumutbar, noch am Ziel anzukommen?

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Ich kann Ihnen die Entscheidung leider nicht abnehmen, für welchen Zeitpunkt es für Sie zumutbar ist, mit der Bahn zu fahren und wenn die Gefahr besteht, nicht mehr den letzten Anschlusszug zu erreichen. Wenn die planmäßige Ankunftszeit zwischen 0 und 5 Uhr liegt und dieser Fall des Anschlussverlustes eintreten sollte, können Sie auf das Taxi oder Hotel auf eigene Kosten ausweichen. Die Entschädigung wird anschließend durch das Servicecenter Fahrgastrechte geprüft und bis zu einem Wert von 80 Euro erstattet. Meist entscheiden die Kollegen der DB Information, wie Sie zu verfahren haben und ob zum Beispiel ein Taxi- oder Hotelgutschein ausgehändigt wird. Daher der empfehlende Verweis, dass Sie so weit wie möglich mit der Bahn fahren. Wie sind Sie denn gestern an Ihr Ziel gekommen und mit welchen Zügen waren Sie konkret unterwegs? Was wurde Ihnen vom DB-Personal mitgeteilt? Ich hätte dazu gerne ein passendes Beispiel von Ihnen genannt, um es eindeutig nachzuvollziehen, worauf Sie hinaus möchten. Vielen Dank. /ch

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Hallo Chistian, grundsätzlich geht es mir schon um die allgemeine Frage, was ich in einem solchen Verspätungsfall tun darf oder nicht tun darf. Mir ist aber natürlich klar, dass sich solche Sachverhalte einfacher anhand eines Beispiels erörtern lassen.

Da das Beispiel von gestern aus verschiedenen Gründen nicht für die Erörterung im Internet geeignet ist, erlaube ich mir, Ihnen ein anderes aus der jüngeren Vergangenheit darzulegen: Ich hatte für den 18. August 2015 ein Sparpreisticket für die Fahrt von Koblenz Hbf über Nürnberg Hbf nach München Hbf erworben. Dabei hatte ich mich auf IC 2229 für die erste Teilstrecke und auf ICE 885 für die zweite Teilstrecke festgelegt.

Der IC 2229 hatte bereits bei der Abfahrt in Koblenz Hbf eine Verspätung von 21 min. Insofern war zu erwarten, dass ich meinen Anschlusszug in Nürnberg Hbf nicht erreichen würde. Tatsächlich ist der Zug dann auch erst 13 min nach Abfahrt des Anschlusszuges in Nürnberg Hbf eingetroffen. Die nächste (und letzte) Fahrtmöglichkeit für diesen Tag war der ICE 1517, der – planmäßig und auch tatsächlich – ungefähr eineinhalb Stunden später als mein gebuchter Anschlusszug in München Hbf eingetroffen ist, nämlich um 1:11 Uhr (+ 4 min) statt um 23:43 Uhr (+ 1 min).

Ich bin von der Bahn als Verkehrsmittel absolut überzeugt und nutze sie sehr regelmäßig. Mir ist auch klar, dass Sparpreistickets nicht so flexibel handhabbar sein können wie Normalpreisfahrscheine. Aber wenn – wie im geschilderten Fall – die Bahn nicht in der Lage ist, meine Zugbindung einzuhalten, erwarte ich schon, dass ich die komplette Fahrt auf den nächsten Tag verschieben kann. Eine Ankunftsverspätung von eineinhalb Stunden empfinde ich um diese Uhrzeit nicht mehr als zumutbar.

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Danke für die Ergänzung der Zugverbindung mit den entsprechenden Beispieldaten. Ich habe für den 18. August 2015 geschaut und der IC 2229 hat wegen der anhaltenden Unwetter in Deutschland Koblenz Hbf mit einer Verspätung von 21 Minuten um 19.09 Uhr verlassen. Der Intercity kam um 22.45 Uhr in Nürnberg Hbf an und es bestand dort tatsächlich noch eine letzte Möglichkeit mit dem ICE 1517 in Richtung München Hbf zu kommen. Vermutlich haben Sie deswegen auch an der DB Information eine Ablehnung bekommen, da es in erster Linie unserer Ziel ist, Sie mit der letzten Möglichkeit (also bis Betriebsschluss) bis zum Zielbahnhof zu befördern. Erst, wenn dies nicht mehr gewährleistet werden kann (also kein Zugverkehr/Ersatzverkehr mit Bussen), können Sie auf eine Übernachtung oder Taxi (bis 80 Euro) ausweichen. Ich kann verstehen, dass Sie es rechtsverbindlich bestätigt haben möchten, jedoch kann ich Ihnen hier über die Community keine Empfehlung geben, wie hier zu verfahren ist, da dies Einzelfallentscheidungen der Kollegen vor Ort sind. Wenn Sie sich dagegen entscheiden, können Sie Ihre Fahrt auf eigene Kosten am nächsten Tag fortsetzen und gerne beim Servicecenter Fahrgastrechte einreichen. Diese prüfen dann unabhängig Ihren Anspruch für Ihre gewählte Variante. /ch