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Warum gibt es für den ICE keine Reservierungspflicht? Beim TGV funktioniert das ja ganz gut...

Warum gibt es für den ICE keine Reservierungspflicht? Ich habe mal den ICE Freitagabends in Köln nach München genommen; im Flur saßen Leute, die Wagenübergänge waren blockiert etc. Warum wird dies nicht durch eine Reservierungspflicht verhindert? Montag morgens, mit dem TGV von Metz nach Paris war das ganz anders; der Zug war zwar ausgebucht, jedoch hatte man Platz um sich frei zu bewegen, weil man eben reservieren musste.

Antworten

Weil die meisten Reisenden lieber stehend als gar nicht mitfahren. Ich verstehe ehrlich nicht, warum Frankreichs Tarif- und Bahnsystem hierzulande gern so hochgelobt wird. Ich habe just gestern für Freunde Fahrkarten besorgt nach Marseille. Das ist ein einziges Drama und ein einziger Wucher, wenn man nicht eine Karte nach DB-Tarif (EuropaSpezial mit dem Direktzug Frankfurt-Marseille) sondern stattdessen eine, zeitlich besser passende, Umsteigeverbindung über Paris oder über Basel und Dijon kriegen will. Man zahlt sich da, trotz zeitiger Buchung, dumm und deppert.
Gleichzeitig habe ich mehrfach schon selbst mit der Reservierungspflicht schlechte Erfahrungen gemacht. Sowohl bei einem Wochenendausflug nach Frankreich, wo ich nicht fahren konnte, wie ich wollte, sondern nen halben Tag verloren hab; als auch als ich die Familienweihnachten in Warschau verpasst hab, weil der Berlin-Warschau-Express ausgebucht war.

Kurz: Stehend oder auf dem Boden sitzend reist es sich immer noch besser, als gar nicht zu fahren. Wer unbedingt sitzen muss oder will, kann ja reservieren und ggf. einen anderen Zug nehmen. Aber warum alle anderen, die das nicht brauchen, damit zwangs"beglücken"?

Markus_415
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@ Bahn-Freak

Es gibt je nach Zugtyp und der Frage ob über Schnellfahrstrecken gefahren wird oder nicht, eine sicherheitsrelevante Obergrenze für die Besetzung eines Zuges. Darum müssen ICE3 vor der Fahrt über die Schnellfahrstrecke Frankfurt-Köln auch gelegentlich geräumt werden, da dort höhere Sicherheitsanforderungen gelten. Genaue Zahlen kann ich nicht nennen, da es Bahninterna wären. Man kann grob sagen, dass ein Zug ab einer Auslastung zwischen 150 und 200% bezogen auf die vorhandenen Sitzplätze als überbesetzt gilt.

Markus_415
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Zur Frage: Deutschland hat eine andere Reisekultur als Frankreich oder Spanien Bei uns werden ICE nicht wie Flugzeuge von A nach B genutzt sondern sie verbinden viele kleinere Knoten miteinander und ermöglichen sehr vielfältige Umsteigeverbindungen. Ich selbst nutze die ICE gerne zwischen meiner Heimat Eisenach und unserer Landeshauptstadt Erfurt auf einer Strecke von weniger als 60 km Länge.

Gäbe es eine Zwangsreservierung beim Fahrkartenkauf, könnten viele Leute lange Strecken wie Hamburg-München oder Berlin-Köln gar nicht fahren, da die Sitzplatzkontingente durch die vielen Kurzstreckenmitfahrer blockiert werden. Jede Reservierung Wolfsburg-Hannover oder Bielefeld-Dortmund bedeutet einen Sitzplatz weniger für Berlin-Köln.

In Frankreich bei den TGV ist das etwas anders. Diese Züge halten viel seltener an Zwischenstationen und bieten viel weniger Umsteigeverbindungen, da sie mit dem restlichen Verkehr weniger verflechtet sind. Die TGV sind eher wie Flugzeuge auf der Schiene mit schnellen Punkt-zu-Punkt-Verbindungen.

In Deutschland ist der ICE ein Teil einer größeren Reisekette, was zu asymmetrischen Auslastungen auf Teilstrecken führt. Aber ohne die vielen Reisenden der Zwischenhalte wäre ein ICE in Deutschland wenig rentabel, da die Bevölkerung sehr viel homogener in der Fläche verteilt ist als in Frankreich oder Spanien.

DB
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Team

Vielen Dank für die zahlreichen Antworten, denen ich nicht mehr wirklich viel hinzufügen kann. Ob nun offenes oder geschlossenes System wird es für jedes immer Befürworter oder Gegner geben.

In einem geschlossenen System haben Sie zwar immer einen Sitzplatz, aber dafür reisen Sie nicht unbedingt mit Ihrer Wunschverbindung, da diese schon ausgebucht ist. Zudem sind Angebote wie der Normalpreis oder eine BahnCard 100 wie sie die Bahn anbietet in einem geschlossenen System auch nicht möglich. Einfach einen Zug später nehmen funktioniert da nicht. /ti

Leo
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Warum nicht wie in Japan – guter Kompromiss zwischen DB/SNCF:
1. Züge fahren pünktlich
2. Es gibt NIE umgekehrte Wagenreihung (oft erst 1 min vor Einfahrt angekündigt)
3. Es gibt nie Bahnsteigänderungen
4. Züge halten auf 10 cm genau (im Gegensatz zu z.B. Köln Hbf mit vom Wagenstandsanzeiger abweichender Stellung der Sektor-Signale)
5. 70% der Wagen nur mit Reservierung nutzbar, 30% auch ohne (oft Stehplätze)
6. Warteschlangen in einer Reihe vor der Einstiegstüre statt Drängen in den Zug
7. KEIN Gegenverkehr mi Koffern im Zug, da exakt ein Einstieg pro Wagen
8. Aussteigen, Einsteigen und pünktliche Abfahrt innerhalb 2 Minuten! (Damit das klappt, werden Reisende ohne Reservierung allerdings gnadenlos aus den reservierungspflichtigen Wagen verwiesen)
Wer reserviert, dem ist in Japan wie in Frankreich ein Sitzplatz sicher, aber auch ohne Reservierung kommt man mit. Ohne Reservierung hilft in Japan kein gutes Augemaß zum rechtzeitigen Erkennen der Anhalteposition (bis auf 10cm vorgegeben!) und schnelles Drängeln – sondern rechtzeitiges Anstellen und gesittetes aber zügiges Einsteigen der Reihe nach.
Übrigens: Im Gegensatz zur Bahncard50 erhält man in Frankreich mit Rabattkarten wie Senior+ in der normalen Periode oft auch relativ kurzfristig attraktive Rabatte.
Auch bei Buchung bei der DB sind Unterbrechungen in Frankreich NICHT erlaubt was das DB-System nicht meldet, sondern trotz ewiger Sucherei nichts findet….