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Warum gibt es bei der Deutschen Bahn so viele unterschiedliche Triebwagen-Fahrzeuge im Personenverkehr?

Mit einer geringeren Anzahl von verschiedenen Triebfahrzeugen (Thema Standardisierung) liesen sich Kosten sowohl bei Bestellung als auch Instandhaltung zu sparen. Im weiteren würde man auch nur gebrauchstaugliche Fahrzeuge für den Personenverkehr bestellt und validieren.

sbbre460
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tikitari
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Hallo,
Es kann sein, dass durch Kapazitätsprobleme ältere Züge eingesetzt werden, wenn die neueren Triebwagen zum Beispiel alle in Gebrauch sind, oder die Fahrzeuge defekt sind.

Beispiel an der RB61 in Südhessen:
Hier gibt es neuere Triebwagen, die hauptsächlich eingesetzt werden. Jedoch werden aus Kapazitätsgründen morgens die älteren Triebwagen eingesetzt. Zum Fahrplanwechsel 2016 sollen aber neuere Züge kommen und die alten Züge mit der Zeit ersetzen.

GUM
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Der Triebwagen-Bestand der Deutschen Bahn hat sich historisch entwickelt und ist auch den jeweils bei der Bestellung der Fahrzeuge geltenden Trends und Zwängen unterworfen.

Während beispielsweise der ICE 1 den breitesten möglichen Innenraum aufweist und deshalb vor dem Redesign fast schon sesselartige Sitzgelegenheiten anbot, stand bei den neuesten Fahrzeuggenerationen in der Tat das Motiv der Einsparung im Vordergrund. Deshalb finden sich in einem 2. Klasse Fahrzeug der neuesten Generation des Velaro 72 Sitze, während es beim ICE 1 ursprünglich wesentlich weniger gewesen sind.

Bei vielen neuen Fahrzeugen steht die Kosteneinsparung und die Senkung der Kosten pro Personenkilometer absolut im Vordergrund.

Darüber hinaus gibt es auch unterschiedliche Streckenverläufe und -profile, die zu unterschiedlichen Fahrzeugtypen geführt haben: Die Neubaustrecke Frankfurt->Köln ist für Geschwindigkeiten von mehr als 300 Stundenkilometern zugelassen, weshalb ein neuer Zug - der ICE 3 - erforderlich wurde.

In ähnlicher Art und Weise lassen sich die unterschiedlichen Baureihen des ICE erklären, wobei aufgrund einer Änderung der Strategie des Bahn-Vorstandes (Priorität der Kostensenkung) das Komfortniveau des ICE nie mehr erreicht worden ist.

Die Deutsche Bahn besitzt historisch gesehen einen breit aufgestellten Fuhrpark. Diesen benötigen wir, um die Strecken im Nahverkehr und Fernverkehr im In- und Ausland abzudecken. Hinzu kommen die verschiedenen Anforderungen der Bundesländer sowie der anderen Auftraggeber. Im Fernverkehr unterhalten wir streckenbedingt verschiedene Flotten, um auf die unterschiedlichen Bedürfnisse im Schienennetz einzugehen. Abhängig hiervon ist die Verbindung zu Destinationen ins Ausland auf Hochgeschwindigkeitsstrecken oder der allgemeinen Beschaffenheit einer Strecke. Gleichzeitig müssen wir auf unsere Kunden reagieren, welche bestimmte Strecke bevorzugt nutzen. Das Thema ist sehr vielfältig. Ständige Änderungen im Markt erfordern unterschiedliche Ausrichtungen der Fahrzeuge. /ci

Zumindest im Fernverkehr wird es in absehbarer Zeit einen Standardzug geben, den ICx, der sowohl die 40 Jahre alten Intercity-Wagengarnituren als auch die 25 Jahre alten ICE1 und auch die 20 Jahre alten ICE2 ablösen wird.

Damit bleiben als Sondergattungen nur noch die Neigetechnik-ICE und die ICE3. Die Neige-ICE sollen ja langfristig auch abgelöst werden, zumal sie wohl in Zukunft leider nicht mehr bogenschnell fahren dürfen. Damit ist ihr Mehrwert gegenüber einem ICx sehr gering.

Im Fernverkehr wird es nach 2030 wohl so aussehen, dass 75% der schnellen Fernverkehrsleistungen mit ICx und 25% mit ICE3 bestritten werden. Dazu noch die Dosto-Intercity für die Fläche und einige ausländische Züge wie den railjet, IC4 oder TGV für grenzüberschreitenden Verkehr. Damit dürfte dem Thema "Standardisierung" wohl genüge getan sein. ;)