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Wieso bietet die NS die kostenlose Umbuchung bei Sparpreisen Europa nach Deutschland, die DB aber nicht?

Gestern erreichte mich eine interessante Mail von NS Internationaal mit Link auf die aktuellen Corona-Regeln: „Wir raten zum Kauf von Mid-Flex oder Full-Flex-Tarifen, die Sie kostenlos umbuchen Können.“ Neugierig klickte ich den Link (unten die englische Version):

„Flexible booking of traintickets

In these uncertain times, we think it is important that you can book your train journey with peace of mind, even further into the future. Therefore, together with our partners, we have temporarily relaxed the conditions for changes for many fares. This allows you to determine shortly before your travel date whether you still feel comfortable with the trip or whether you prefer to postpone it free of charge.

Temporary conditions

Together with our partners, we have temporarily relaxed the conditions for changes for many rates. Please pay close attention to the booking dates in the table below.

ICE International/ Intercity Berlin mid-flex (Sparpreis Europa) 30-6-2020 – 30-04-2021
Rebooking tickets is free for the mid-flex fare (Sparpreis Europa) up to 1 day before departure
...
We recommend that you book at least tickets with a mid-flex fare. Especially for this uncertain period we have adjusted the conditions of the mid-flex fare so that a ticket can be changed to another travel date at no cost. Normally there are extra costs involved. If your new ticket is more expensive, the additional cost of this ticket is for your own account.“

Beispiel (Venlo)-Düsseldorf(=D)-München-Holzkirchen im durchgehenden ICE Düsseldorf-München am 16.12., Ankunft 16:54h, bis auf die paar km von Venlo bis Venlo(Gr) komplett innerhalb Deutschlands:

1. D → Holzkirchen: Sparpreis 36,90€: NICHT umbuchbar (nur im Rahmen von Erstattung und Neubuchung), Bis 1 Tag vorher: Erstattung kostet 10€, Rest nur als Gutschein

2. Venlo → D → Holzkirchen: Midflex / Sparpreis Europa 41,90€: Bis 1 Tag vorher: ggf. gegen Aufzahlung auf aktuellen Tarif gebührenfrei umbuchbar; Erstattung kostet 19€

Fazit:

1. Die DB stellt der NS die Sparpreise zur Verfügung und ermöglicht dort die Umbuchung, was sie selbst nicht kann und/oder will. Diese ist dort z.Z. sogar kostenlos!

2. Die Erstattung kostet bei der DB zwar nur 10€, aber den Rest gibt es nur als Gutschein. Bei der NS zahlt man (wie früher bei der DB) zwar 19€, aber dafür gibt es das Geld zurück.

Frage: Wieso bietet die DB z.B. via NS in diesen unsicheren Corona-Zeiten kundenfreundliche Features wie die kostenlose Umbuchung, den eigen Kunden aber nicht?

Leo
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kabo
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In Deutschland ist die "Geiz ist Geil"-Mentalität halt deutlich stärker ausgeprägt als in NL.
D.h. die DB kann es noch weniger als die NS leisten, die Kunden aus dem unteren Preissegment für den Geiz noch zu belohnen, indem man günstigere Stornokonditionen nachträglich gewährt. Das ist langfristig ein Schuss ins eigene Knie. Das setzt eine Abwärtsspirale in Gang, weil Kunden dann noch mehr Billigtickets kaufen, verbunden mit der Erwartungshaltung, dass im Fall der Fälle die DB sowieso kulant sein wird.

Und die Neiddebatte ist in Deutschland stärker als in NL. Nachträgliche "Goodies" für Kunden aus dem unteren Preissegment verprellen Kunden, die teure Tickets kaufen. Das kann man sich nicht leisten.

Die DB muss angesichts der Vielzahl der Supersparpreiskunden gesamtwirtschaftliche und strategische Ziele im Blick behalten.

Bei der NS wird die Anzahl der Kunden, die ein Ticket nach Deutschland kaufen (gemessen an der Zahl der NS-Kunden insgesamt) klein sein. Da tut ein bisschen Kulanz nicht weh.

Könnte auch daran liegen das man in den Niederlande das ganze Sparpreissystem mit Zugbindung nicht so kennt und den Leuten dadurch etwas entgegenkommen möchte. Wer in den Niederlanden mit dem Zug fährt kauft gar kein Ticket sondern steigt einfach in den nächsten Zug , das man wie in D schon Monate vorher Tickets für einen Zug bucht ist da ja vollkommen unbekannt.

Leo
Leo

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Hier wurden leider noch nicht alle Aspekte angesprochen:

1. Wer bestimmt die Preise? (Bei Fahrten weiter als Köln offenbar die DB!)

Bei Buchungen von den Niederlanden im ICE nach Oberhausen, Duisburg oder Düsseldorf bekommt man auf der NS-Buchungsseite sofort für den gesamten Monat den jeweils billigsten Preis des Tages angezeigt. Anscheinend hat hier die NS ein eigenständiges Kontigent, dass sie auch selbständig vergeben kann. Wenn sie hier offenbar eigenwirtschaftlich Fahrkarten verkauft, kann sie natürlich auch nachvollziehbar eigene Umbuchungs- und Stornierungs-Konditionen anbieten. Genau wie bei der SNCF verwundert diese Bestpreis-Anzeige oder die Umbuchungs-Möglichkeit dann auch nicht.

Bei Buchungen von den Niederlanden im ICE zu anderen Zielen in Deutschland, auch schon nach dem von Amsterdam direkt im durchgehenden ICE angefahrenen Frankfurt, gibt es dagegen keine sofortige Preisanzeige mehr; man muss stattdessen zuerst einen Reisetag auswählen. Daraufhin dauert es manchmal längere Zeit, bis die offenbar erst vom DB-Server beschafften Preise angezeigt werden. Genau so geht es bei Fahrt von Venlo in Richtung Deutschland, wobei ohnehin nur deutsche Beförderer benutzt werden: Abellio innerhalb des VRR von Venlo nach Düsseldorf und dann weiter mit der DB Fernverkehr. Wenn die DB die Preise vorgibt, dann doch wohl auch die Konditionen. Erstaunlicherweise stimmen sie aber mit den von der NS verkauften Karten bis maximal Köln überein; außerdem ist auch hier eine Umbuchung möglich.

2. Wieso kann man bei der NS überhaupt prinzipiell umbuchen, bei der DB direkt aber nicht?
Bei Fahrten im ICE weiter als Köln kann man als Endkunde bei der NS prinzipiell umbuchen, obwohl es hier über den DB-Server laufen muss. Auch die DB-Hotline kann (und will wenigstens bei Fehlern direkt nach der Buchung) bei der DB gebuchte Online-Tickets umbuchen. Wieso bietet die die Preise diktierende DB das dem Endkunden online bei Buchung über die NS an, nicht aber bei Buchung direkt bei ihr selbst? Will sie nur einfach nicht?

3. Wieso räumt die DB bei Buchung über die NS kundenfreundlichere Konditionen ein?

Es ging mir hier um die unterschiedlichen Konditionen nur der Sparpreise, Supersparpreise Europa sind auch der NS bei nicht umbuchbar oder erstattbar.

„In Deutschland ist die "Geiz ist Geil"-Mentalität halt deutlich stärker ausgeprägt als in NL.“

Das stimmt.

„Bei der NS wird die Anzahl der Kunden, die ein Ticket nach Deutschland kaufen (gemessen an der Zahl der NS-Kunden insgesamt) klein sein. Da tut ein bisschen Kulanz nicht weh.“

Aber die Preise bei Fahrt weiter als Köln bestimmt doch die DB! Oder will sie sich nicht blamieren?

Umbuchbarkeit: Die ist bei Buchung direkt bei der DB komplett unmöglich, aber z.Z. bei Buchung bei der NS umsonst. Sie hilft vielen Kunden, die eine Reise nur verschieben, aber nicht komplett stornieren wollen. Wenn ich noch wie vor zig Jahren öfters von/nach Düsseldorf fahren würde, dann z.Z. stets mit „NS“-Fahrkarten ab Venlo, um mir den Zirkus mit den Gutscheinen zu ersparen.

„Und die Neiddebatte ist in Deutschland stärker als in NL. Nachträgliche "Goodies" für Kunden aus dem unteren Preissegment verprellen Kunden, die teure Tickets kaufen. Das kann man sich nicht leisten.“

Das ist ein gutes Argument und erklärt das Gegenbeispiel SNCF: Marseille-Paris morgen, So: Tarif „Umbuchung unterliegt Bedingungen“ (z.Z. kostenlos umbuchbar bis 1:30h vor Abfahrt) zu 79€ gegenüber „Umbuchung ohne Gebühr“ (kostenlos umbuchbar bis 0:30h nach Abfahrt) zu 119€. Andererseits ist im TGV ohnehin jede Fahrkarte zuggebunden, so dass die allerwenigsten im „flexiblen“ Tarif fahren, der im Ernstfall auch nicht nützt, wenn alle Züge eines Tags ausgebucht sind.

„Könnte auch daran liegen das man in den Niederlande das ganze Sparpreissystem mit Zugbindung nicht so kennt und den Leuten dadurch etwas entgegenkommen möchte.“

Bei internationalen Reisen ab den Niederlanden ist man praktisch immer variablen Preisen mit Zugbindung ausgesetzt; wer einmal bei NS International eine Fahrkarte gekauft hat, bekommt auch Jahre später noch Reklame-Mails mit den aktuellen Sonderangeboten – und die aktuelle Warnung, mindestens Mid-Flex zu buchen.

„Daraufhin dauert es manchmal längere Zeit, bis die offenbar erst vom DB-Server beschafften Preise angezeigt werden. … Wenn die DB die Preise vorgibt, dann doch wohl auch die Konditionen.“
Das muss keinesfalls so sein. Die NS verkaufen schließlich die deutschen Sparpreise nicht als Agentur, sondern die beschriebenen Angebote werden von ihnen selbst herausgegeben. Natürlich bedarf es bei internationalen Tickets immer einer gegenseitigen Vereinbarung. Diese könnte aber auch so aussehen, dass die NS für die Berechnung des Preises auf dem deutschen Streckenanteil online auf bei der DB abzurufende Preise/Kontingente zugreifen. Das schließt doch keinesfalls aus, dass ansonsten eigene Konditionen festgelegt werden.

„Wieso kann man bei der NS überhaupt prinzipiell umbuchen, bei der DB direkt aber nicht?“
Oder noch allgemeiner gefragt: Warum ist im Ausland nicht alles so wie bei uns daheim?

„Wieso bietet die die Preise diktierende DB das dem Endkunden online bei Buchung über die NS an, nicht aber bei Buchung direkt bei ihr selbst?“
Vielleicht liegen dir ja interne Informationen vor. Ich wäre aber vorsichtig mit dem Begriff „diktieren“. Vielleicht ist eine aktuelle Online-Abfrage für die NS nur viel einfacher zu handhaben als die Verwaltung von umfangreichen Kontingenten und Sonderberechnungen bei Nahverkehrsanteilen. Vielleicht soll auch vermieden werden, dass eine allzu große Preisdifferenz zwischen den Angeboten beider Bahnen entstehen kann.

„Will sie nur einfach nicht?“
Ich würde mir auch wünschen, dass die DB in der aktuellen Lage ihre Konditionen flexibler gestaltet. Es ist aber auch nachvollziehbar, dass die DB-Konditionen für alle Auslandsfahrten (relativ) einheitlich sein sollen.