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Frage beantwortet

Wie „Weiterreise mit geänderter Streckenführung“ nach Verspätung auslegen? Rund-, Kreuz- und Querfahrten erlaubt?

Hallo zusammen,

letztens auf einer Fahrt habe ich mich gefragt gefragt, wie genau die Fahrgastrechte auszulegen sind. Daher bitte ich hier mal um eine Erklärung am folgendes Beispiel:

Ich sitze mit einer gültigen Super Sparpreis Fahrkarte im ICE der Zuglinie 20 (Chur - Kassel - Hamburg) auf dem Weg nach Kassel-Wilhelmshöhe. Vor dem Bahnhof Frankfurt(Main) Hbf wird per Lautsprecherdurchsage im Zug darauf hingewiesen, dass voraussichtlich eine Verspätung von 30 Minuten aufgebaut wird, da der Zug nicht über Fulda fährt, sondern über Gießen umgeleitet wird. Der genannte ICE kommt mit 50 Minuten Verspätung in Kassel-Wilhelmshöhe an.
Abschnitt 9.1.1 der Beförderungsbedingungen ist ja somit erfüllt (siehe auch 9.1.4). Nun habe ich gemäß 9.1.1 das Recht zu wählen „zwischen (i) der Fortsetzung der Fahrt oder der Weiterreise mit geänderter Streckenführung bis zum Zielbahnhof bei nächster Gelegenheit oder (ii) der Fortsetzung der Fahrt oder der Weiterreise mit geänderter Streckenführung bis zum Zielbahnhof zu einem späteren Zeitpunkt“.
Wenn ich mich für die Fortsetzung der Fahrt entscheide ist ja klar, wie das zu deuten ist. Was für Möglichkeiten habe ich jedoch, wenn ich mich für die „Weiterreise mit geänderter Streckenführung bei nächster Gelegenheit“ entscheide?:
1. Darf ich in Frankfurt aus dem ICE aussteigen um mit dem nächsten nicht-umgeleiteten Zug nach Fulda zu fahren, um dort mit einem anderen ICE der Zuglinie 25 (München - Würzburg - Fulda - Hamburg) über die Schnellfahrstrecke zu fahren, oder ist die Formulierung anders auszulegen?
2. Sollte ich mit der Fahrt über Fulda später als der ursprünglich gebuchte ICE (welcher ja 50 Minuten Verspätung hat) am Ziel (Kassel) ankommen (bspw. mit 65 Minuten Verspätung gemäß Reiseplan): Habe ich in diesem Fall einen Anspruch auf Entschädigung in Höhe von 25 % des Fahrpreises gemäß 9.2.1 der Beförderungsbedingungen?
3. Wo liegt die Grenze für eine „Weiterreise mit geänderter Streckenführung“? Durch 9.1.1 ist mir ja prinzipiell auch keine Strecke vorgegeben, mit der ich ans Ziel fahren muss, oder übersehe ich da was? Ist es relevant, ob meine Wahlstrecke im Falle einer Verspätung gemäß 9.1.1 eine Rund-, Kreuz- und Querfahrt (2.1.2) ist? Falls dies relevant ist, muss ich (wie ich aus einem anderen Beitrag entnommen habe) mich an die Verbindungen des DB Navigators (ohne Zwischenhalt-Angaben) halten, richtig?
4. Ich gehe davon aus, dass ich keinen Anspruch auf Entschädigung der Verspätung (gemäß 9.2.1) habe, wenn ich mich für die Unterbrechung der Reise (9.1.1 Nr. 2) entscheide. Liege ich damit richtig?

Vielen Dank für eure Antworten!

Grüße
Mikrischu

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„1. Darf ich in Frankfurt aus dem ICE aussteigen um mit dem nächsten nicht-umgeleiteten Zug nach Fulda zu fahren, um dort mit einem anderen ICE der Zuglinie 25 (München - Würzburg - Fulda - Hamburg) über die Schnellfahrstrecke zu fahren...“
-> Das darfst Du.

„2. Sollte ich mit der Fahrt über Fulda später als der ursprünglich gebuchte ICE (welcher ja 50 Minuten Verspätung hat) am Ziel (Kassel) ankommen (bspw. mit 65 Minuten Verspätung gemäß Reiseplan): Habe ich in diesem Fall einen Anspruch auf Entschädigung in Höhe von 25 % des Fahrpreises gemäß 9.2.1 der Beförderungsbedingungen?“
-> Nein. Entschädigung setzt eine Schuld voraus. Die 50 Min. Verspätung sind Bahnverschulden. Wenn Du umsteigst und deswegen mehr als 60 Minuten später ankommst, ist es Deine Schuld, nicht die der Bahn. Kein Bahnverschulden - keine Entschädigung.

„3. Wo liegt die Grenze für eine „Weiterreise mit geänderter Streckenführung“? Durch 9.1.1 ist mir ja prinzipiell auch keine Strecke vorgegeben, mit der ich ans Ziel fahren muss, oder übersehe ich da was? Ist es relevant, ob meine Wahlstrecke im Falle einer Verspätung gemäß 9.1.1 eine Rund-, Kreuz- und Querfahrt (2.1.2) ist?“
-> Ja das ist relevant. Rund-, Kreuz- und Querfahrten sind generell nicht erlaubt.

„Falls dies relevant ist, muss ich (wie ich aus einem anderen Beitrag entnommen habe) mich an die Verbindungen des DB Navigators (ohne Zwischenhalt-Angaben) halten, richtig?“
-> Nein nicht ganz richtig. Hier taucht öfter mal die Formulierung „ohne Zwischenhalt-Angaben“ auf. Das ist aber leider in den meisten Fällen nicht ganz korrekt. Richtig ist, dass Du immer in Richtung Ziel fahren musst. Ohne Eingabe eines Zwischenhalts sind das immer verkehrsübliche Wege. Du kannst aber auch Verbindungen nutzen die nur mit Eingabe eines Zwischenhalts gefunden werden, solange Du Dich trotzdem in Richtung auf das Ziel zu bewegst. Offensichtliche Umwege darfst Du aber nicht fahren.

„4. Ich gehe davon aus, dass ich keinen Anspruch auf Entschädigung der Verspätung (gemäß 9.2.1) habe, wenn ich mich für die Unterbrechung der Reise (9.1.1 Nr. 2) entscheide. Liege ich damit richtig?“
-> Richtig. Wie bei Punkt 2. liegt hier auch kein Bahnverschulden vor, wenn Du die Fahrt unterbrichst. Auch hier Kein Bahnverschulden - keine Entschädigung.

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"4. Ich gehe davon aus, dass ich keinen Anspruch auf Entschädigung der Verspätung (gemäß 9.2.1) habe, wenn ich mich für die Unterbrechung der Reise (9.1.1 Nr. 2) entscheide. Liege ich damit richtig?"
=> Selbstverständlich nicht!!!
Warum solte die Bahn Sie dafür auch noch entschädigen, dass Sie freiwillig irgendwo Pause machen???

„1. Darf ich in Frankfurt aus dem ICE aussteigen um mit dem nächsten nicht-umgeleiteten Zug nach Fulda zu fahren, um dort mit einem anderen ICE der Zuglinie 25 (München - Würzburg - Fulda - Hamburg) über die Schnellfahrstrecke zu fahren...“
-> Das darfst Du.

„2. Sollte ich mit der Fahrt über Fulda später als der ursprünglich gebuchte ICE (welcher ja 50 Minuten Verspätung hat) am Ziel (Kassel) ankommen (bspw. mit 65 Minuten Verspätung gemäß Reiseplan): Habe ich in diesem Fall einen Anspruch auf Entschädigung in Höhe von 25 % des Fahrpreises gemäß 9.2.1 der Beförderungsbedingungen?“
-> Nein. Entschädigung setzt eine Schuld voraus. Die 50 Min. Verspätung sind Bahnverschulden. Wenn Du umsteigst und deswegen mehr als 60 Minuten später ankommst, ist es Deine Schuld, nicht die der Bahn. Kein Bahnverschulden - keine Entschädigung.

„3. Wo liegt die Grenze für eine „Weiterreise mit geänderter Streckenführung“? Durch 9.1.1 ist mir ja prinzipiell auch keine Strecke vorgegeben, mit der ich ans Ziel fahren muss, oder übersehe ich da was? Ist es relevant, ob meine Wahlstrecke im Falle einer Verspätung gemäß 9.1.1 eine Rund-, Kreuz- und Querfahrt (2.1.2) ist?“
-> Ja das ist relevant. Rund-, Kreuz- und Querfahrten sind generell nicht erlaubt.

„Falls dies relevant ist, muss ich (wie ich aus einem anderen Beitrag entnommen habe) mich an die Verbindungen des DB Navigators (ohne Zwischenhalt-Angaben) halten, richtig?“
-> Nein nicht ganz richtig. Hier taucht öfter mal die Formulierung „ohne Zwischenhalt-Angaben“ auf. Das ist aber leider in den meisten Fällen nicht ganz korrekt. Richtig ist, dass Du immer in Richtung Ziel fahren musst. Ohne Eingabe eines Zwischenhalts sind das immer verkehrsübliche Wege. Du kannst aber auch Verbindungen nutzen die nur mit Eingabe eines Zwischenhalts gefunden werden, solange Du Dich trotzdem in Richtung auf das Ziel zu bewegst. Offensichtliche Umwege darfst Du aber nicht fahren.

„4. Ich gehe davon aus, dass ich keinen Anspruch auf Entschädigung der Verspätung (gemäß 9.2.1) habe, wenn ich mich für die Unterbrechung der Reise (9.1.1 Nr. 2) entscheide. Liege ich damit richtig?“
-> Richtig. Wie bei Punkt 2. liegt hier auch kein Bahnverschulden vor, wenn Du die Fahrt unterbrichst. Auch hier Kein Bahnverschulden - keine Entschädigung.