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ICE 696 am 26.7.2020 - Fortsetzung der Fahrt "zumutbar"?

Liebe Bahn-Community, ich war, wie viele Reisende auch, in den Sommerferien von einem Zugausfall betroffen.
Nun kennen wir ja die üblichen Fahrgastrechte-Regelungen: Wenn am selben Tag noch weitere Züge fahren, gilt die Fortsetzung der Fahrt als möglich und "zumutbar".
So zumindest auf dem Papier.

Nun befand ich mich aber in folgender Situation:
1. Ich reiste mit einem autistischen Kind und Begleitperson.
2. Der Folgezug war bereits ebenfalls verspätet und die Dauer der Verspätung nahm zu.
3. Im Folgezug konnte das Servicecenter keine Sitzplätze mehr für uns buchen, da alle bereits reserviert waren.
4. Alle anderen Reisenden, die mit dem ausgefallenen Zug fahren wollten, mussten auch in den Folgezug. Es war also zu erwarten, dass dieser mehr als brechend voll werden würde.
5. Wir hatten VIEL Gepäck.
6. Wir haben eine Pandemie; die Menschen sollen allzu große Personenansammlungen und Gedränge meiden.

Kann man unter diesen Umständen nicht davon ausgehen, dass es eine absolut schwachsinnige Idee ist, die Fahrt mit dem Zug fortsetzen zu wollen/müssen?

Ich kann weder meine Koffer am Bahnhof stehen lassen, noch kann mein Sohn sich mal eben so fröhlich von fremden Menschen einquetschen lassen, ohne dass es Geschrei gibt (worüber sich sicherlich alle Mitreisenden ganz doll freuen).

Wir sind an dem Tag zurück nach Hause gefahren und ins Auto gestiegen, weil wir uns beim besten Willen nicht vorstellen konnten, wie wir diese Zugfahrt unter realen Bedingungen durchführen sollten und uns auch die Frage stellen mussten, ob wir in den Folgezug überhaupt noch reingekommen wären. Auch mit Blick auf die anderen Reisenden und die stark erhöhte Ansteckungsgefahr in einem überfüllten Zug war das sicherlich eine gute Idee.

Erstattet bekommen habe ich gemäß der üblichen Richtlinien den Fahrpreis der Karten und meine BahnBonus-Punkte.
Die in diesem Zusammenhang auftretenden Nebenkosten (umsonst das Taxi zum/vom Bahnhof genutzt; Stornokosten für ein Mietauto, das nun nicht mehr benötigt wurde; erhöhte Kosten für den Autozug, weil die Sparpreise schon weg waren) blieben unberücksichtigt.
Gemäß der Richtlinien mag das ja korrekt sein, aber in Anbetracht der Umstände vor Ort sowie der momentanen Pandemielage finde ich es doch arg unverantwortlich, hier die Weiterfahrt als "zumutbar" zu bezeichnen.

DieFischerin
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zeka
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Was wollen Sie jetzt von uns hören? Dass die Fahrt nicht zumutbar war? Und dann?

Am besten an den Kundendialog der Bahn wenden: kundendialog@bahn.de
Dort werden "Lob, Kritik und Anmerkungen" entgegengenommen und vielleicht bekommen Sie aus Kulanz eine kleine Entschädigung.

kabo
kabo

kabo

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Ich sehe den Zusammenhang mit der Zumutbarkeit nicht.
Das Servicecenter hat doch anerkannt, dass die Fahrt mit dem nächsten Zug unzumutbar war. Deshalb haben Sie ja eine 100%-Erstattung des Tickets erhalten.
Wäre die Fahrt mit dem nächsten Zug zumutbar gewesen, hätten Sie nichts bekommen, bzw. nur die Verspätungsentschädigung (25% bzw. 50%, je nach Verspätung des nächsten Zuges).

DieFischerin
DieFischerin

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Im Idealfall freue ich mich über eine Rückmeldung von der DB selbst (kommt hier ja öfter mal vor).
Aber die Idee mit der Kundendialogadresse ist auch nicht schlecht, kannte ich noch nicht.

Was ich im Übrigen schon mal nicht hören will, ist dieser Tonfall "Wozu schreibstn das hier, hier kann dir eh keiner helfen!"
Es mag hier vielleicht den einen oder anderen geben, der in einem ähnlichen Fall andere Erfahrungen als ich gemacht hat und deshalb passende Ansprechpartner nennen kann.

DieFischerin
DieFischerin

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@kabo
Ganz so einfach ist es nicht.
Ich habe ab einer gewissen Verspätung zwar den Anspruch, von der Bahnreise zurückzutreten. Dann bekommt man den Ticketpreis.
Wir haben aber außerdem die Reise mit einem alternativen Verkehrsmittel fortgesetzt. Das wiederum und alles, was indirekt damit zusammenhängt, wird in den üblichen Konditionen hier nicht anerkannt, da die Weiterfahrt am selben Tag noch möglich war - zumindest theoretisch.
Dass es praktisch für uns nicht durchführbar erschien, ist in den Bedingungen der Bahn nicht erfasst. Da braucht man dann noch etwas Menschenverstand...

betasaur
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Die Bahn kommt nur für die Kosten auf, die sie gemäß Fahrgastrechten übernehmen muss. In Ihrem Fall ist das die Rückerstattung aufgrund des Rücktritts von der Fahrt. Kosten für ein alternatives Verkehrsmittel können Sie allein deshalb schon nicht geltend machen, weil Sie sich das Ticket haben erstatten lassen und damit den Beförderungsvertrag aufgelöst haben.

Durch Verspätung entstehende Folgekosten übernimmt die Bahn grundsätzlich nicht. Würde sie das in Einzelfällen tun, würde das direkt ein hohes finanzielles Risiko mit sich bringen, weil auch andere Fahrgäste Kosten erstattet haben wöllten.
Hier in der Community tauchen immer mal wieder Fragen zu dem Thema auf, weil Fahrgäste durch Verspätung ein Konzert, einen Flug, ... verpasst haben und die Kosten erstattet haben möchten. Die Antwort ist auch von Seiten der Bahn stets ein "nein, wird nicht übernommen". (Gern mal die Suche hierfür nutzen.)

Ihre einzige Möglichkeit ist die Sachlage dem Kundendialog zu schildern. Stellen Sie sich aber darauf ein, dass Sie auf diesem Weg keine Kosten erstattet bekommen werden. Bestenfalls wird man Ihnen dort einen Gutschein zur Wiedergutmachung ausstellen.

kabo
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"Ich habe ab einer gewissen Verspätung zwar den Anspruch, von der Bahnreise zurückzutreten. Dann bekommt man den Ticketpreis."
-> Richtig.
Eben weil es unzumutbar ist, die Fahrt anzutreten, wenn eine Verspätung von 60min oder mehr am Ziel zu erwarten ist.
Ist die Verspätung am Zielort voraussichtlich unter 60min ist es zumutbar, die Fahrt anzutreten.

"Wir haben aber außerdem die Reise mit einem alternativen Verkehrsmittel fortgesetzt."
-> Nein. Nach Ihrer Schilderung haben Sie die Fahrt mit der Bahn gar nicht erst angetreten. Ein Fahrt die man gar nicht angetreten hat, kann man auch nicht fortsetzten.

Man muss sich im Verspätungsfall entscheiden:
(a) Man tritt die Fahrt gar nicht erst an, verzichtet damit auf die Beförderungspflicht der Bahn und bekommt 100% des Ticketpreises zurück.
(b) Man tritt die Fahrt trotz der Verspätung an und besteht damit darauf, befördert zu werden. Je nach Verspätung bekommt man die Verspätungsentschädigung. Wenn man nach Antritt der Fahrt von der Bahn nicht mehr weiter befördert werden kann (weil kein Zug mehr am gleichen Tag fährt), dann kommt eine Erstattung einer Alternativbeförderung für die Reststrecke in Betracht.

Aber beides zusammen (Rücktritt plus Erstattung einer Alternativbeförderung) sind nicht vorgesehen, auch in der EU-Richtlinie nicht.

Hallo, die Community hat Ihnen hier ja schon viele richtige Antworten und Hinweise gegeben (vielen Dank dafür!). Gerne können Sie sich wie vorgeschlagen an den Kundendialog wenden. /fa