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Bahn + Rad = mismatch ohne Kulanz

In diesem Sommer hatten meine Frau und ich den Bodensee-Königssee-Radweg als Sommerurlaub auserkoren. Der Radurlaub war toll - die An- und Abreise mit der Bahn zu großen Teilen höchst unbefriedigend.
Bereits im Mai hatte ich Tickets und Radreservierung für den ersten Teil der Hinreise Ende Juli von Berlin nach Stuttgart (zu einer Familienfeier) gebucht. Auch für unsere (erwachsenen) Kinder buchte ich später Tickets für eine andere, da fahrradlose und damit schnellere Verbindung. Wir wollten 3 Tage später per Bahn weiter zum Startpunkt unserer Radtour reisen, während die Kinder mit separaten Tickets zurück nach Berlin fahren sollten.
Bis eine Woche vor Abfahrt deutete alles auf eine entspannte und ökologisch vorbildliche Reise hin. Dann erhielt ich für beide Verbindungen jeweils eine Mail der Bahn über Fahrplanänderungen bei der gebuchten Verbindung. Konkret hieß das, die Bahn hatte beide ICE aus dem Fahrplan gestrichen. Misslich aber lösbar für „normale“ Reisende allerdings eine Katastrophe für die Radmitnahme, denn damit war auch unsere Radreservierung futsch. Unter Hochdruck recherchierte ich Alternativen und versuchte mit den sehr bemühten Mitarbeitern in einem DB-Servicecenter eine Alternativverbindung zu finden. Eine Radreservierung für einen anderen ICE am Reisetag (oder einen Tag davor oder danach) war erwartungsgemäß nicht verfügbar. Einzige Möglichkeit wäre die Hinreise per Regionalzügen gewesen: 12stündiger Reisemarathon, 4maliges Umsteigen und kein Anspruch auf Radmitnahme inklusive. Dieses Risiko wollten wir nicht eingehen. Meine Recherche nach alternativen Möglichkeiten, mit Rädern aber ohne eigenes Auto nach Süddeutschland zu kommen, blieb ebenfalls erfolglos.
Uns blieb also keine Alternative, als mit dem eigenen Auto (und den Rädern) zu fahren, verbunden mit der Notwendigkeit, dass unsere Kinder es zurück nach Berlin chauffierten. Denn wir wollten ja zum Königsee radeln und hatten für die Rückreise von dort Tickets und Radreservierung längst gebucht.
Wobei auch die Rückreise nicht stressfrei verlief. Denn die Bahn hatte uns zwar eine Radmitnahme ab Berchtesgaden verkauft, allerdings ohne auf die von ihr zu diesem Zeitpunkt bereits angekündigten Bauarbeiten hinzuweisen. Und der alternative Schienenersatzverkehr per Bus war natürlich ohne Radmitnahmemöglichkeit …
Wir mussten am Rückreisetag also noch 40 km zum nächstgelegenen Bahnhof in Freilassing radeln und waren froh, dies frühzeitig selbst mitbekommen zu haben. Denn die Mail mit der Information der Bahn über diese „Fahrplanänderung“ erreichte mich eine Stunde vor Abfahrt der ursprünglichen Verbindung in Berchtesgaden. Mit dem Rad (und Gepäck) wäre der Anschlusszug in Freilassing zu diesem Zeitpunkt nicht mehr erreichbar gewesen. Eine reife Leistung der Bahn!
Unsere Tickest für die Hinfahrt ließen sich noch per „Rücktritt vom Vertrag“ kostenneutral zurückgeben. Die separat gebuchten Rückfahrtickets der Kinder allerdings nicht, denn für diese Verbindung gab es ja keine „Fahrplanänderung“. Eines der Tickets war immerhin kostenpflichtig stornierbar, das andere aber ein „Super-Sparpreis“.
Ich schrieb also am 23.7. eine Mail an den Kundendialog der Bahn, erläuterte das Dilemma und bat um eine kulante Lösung, die uns angesichts der nicht von uns zu vertretenden Änderungen unserer ursprünglichen Reiseplanung die Möglichkeit zum Rücktritt von der Rückreise einräumt.
Nach Eingangsbestätigung und Zwischeninformation einen Tag später, dass das „Anfragenvolumen über alle Servicekanäle“ derzeit außergewöhnlich hoch sei und sich „längere Bearbeitungszeiten“ leider nicht vermeiden ließen, erreicht mich am 29.7. eine Werbemail der DB, die in unserer Situation wie Hohn klang:

"Sehr geehrter Herr J...,

durch die Berge, entlang von Flüssen oder ans Meer - wir bringen Sie und Ihr Fahrrad zu Ihrem Ausflugsziel!
Urlaubsreise mal anders: Radreisen sind ideal, um die Umgebung kennenzulernen und versteckte Orte zu finden. Egal, ob rein in die Stadt, raus aufs Land - entdecken Sie mit der Deutschen Bahn und der Fahrradmitnahme die vielen Möglichkeiten.
Unser Tipp: Damit Ihre Tour von Anfang an ein Erfolg wird, informieren Sie sich am besten vorher über die Stoßzeiten und Möglichkeiten für die Fahrrad-Mitnahme.
Wir wünschen Ihnen eine schöne Reise!"

Am 9.8. teilte die DB per Mail mit, das meine Anfrage an den Online-Service weitergeleitet worden sei und man sich freue, dass mein „Anliegen bald geklärt werden kann!“.
In froher Erwartung dieser Klärung öffnete ich am 8.8. (also 27 Tage nach meiner Anfrage!) eine Mail des Fahrkartenservice und traute meinen Augen kaum. Lapidar teilte die Bahn mit: „Bei Ihrer Fahrkarte handelt es sich um einen Super Sparpreis. Dieses Ticket ist von Umtausch und Stornierung ausgeschlossen. Wir bitten um Ihr Verständnis.“

Nein, dafür habe ich kein Verständnis!!!

Weil die Bahn (aus welchen Gründen auch immer) Züge streicht, für die sie Tickets verkauft hat, bleiben mir auf der Haben-Seite:

  • ein Arbeitstag Aufwand für die Suche nach Alternativen und Kontakte zur DB
  • 104,80€ Kosten für das eine Rückfahrticket + die Stornierungsgebühr für das andere
  • Unverständnis über den lapidaren und nicht kulanten Umgang der Bahn mit dem von ihr verursachten Problem

Kantinentester
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Und jetzt? Welche Frage haben Sie jetzt an die anderen Bahnkunden hier im Forum?

„Wir haben mit „Meine Frage – Deine Antwort“ eine Service-Community geschaffen, um den Nutzern einen hilfreichen Austausch zu ermöglichen und Fragen rund um die Reise mit der Bahn zu stellen. Dabei steht die Idee „Kunden helfen Kunden“ im Vordergrund“

Ich finde in Ihrem gesamten Text keine Frage, die von anderen Bahnkunden beantwortet werden kann. Das ist aber der Sinn dieser Community. Hier ist nicht die Beschwerdestelle der Deutschen Bahn.

Ansprüche aufgrund von Fahrplanänderungen hat man immer nur für Tickets, die direkt von den Fahrplanänderungen betroffen sind. Wenn Sie nun wiederum Ihre Pläne ändern und mit dem Auto fahren, gelten für die anderen Tickets die tariflichen Stornierungsbedingungen.
Ungünstigerweise haben Sie sich für einen nicht stornierbaren Tarif entschieden. Hier wird dann auch nichts erstattet, das ist ärgerlich aber korrekt.

Ob die Bahn Ihnen aus Kulanz entgegenkommt oder nicht, das ist die Entscheidung der Bahn. Ihre Entscheidung war es hingegen bei der Buchung auf eine Stornierungsmöglichkeit zu verzichten. Für ein paar EUR mehr wäre auch die Buchung eines stornierbaren Sparpreises möglich gewesen.

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@Kantinentester
Auch, wenn Ihnen das bei der Lösung Ihres Problems nicht weiterhilft (was hier in dieser Community auch nicht möglich ist): Ihren Unmut kann ich sehr gut verstehen.
Und ich kann mich erinnern, dass ich bei Erhalt der von Ihnen erwähnten Werbe-Mail auch dachte: 'Naja, DB, bei der zum Teil unterirdischen Performance beim Rad-Transport - angefangen beim oftmals umständlichen Buchungsprozess - würde ich für diese 'Leistung' lieber keine Werbung machen...'.
Falls Sie ein weiteres Mal Zeit investieren können/wollen, würde ich es an Ihrer Stelle nochmal mit einer Mail beim Kundendialog probieren. Die Bearbeitung eines Anliegens dort ist sehr abhängig vom jeweiligen Mitarbeiter.