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(Theorethische) Fragen zur 20 Minuten Regel und wie man sie ausnutzen könnte

Hallo,

Ich habe hier 2 Fragen zur 20 Minuten Regel. Ich fahre fast wöchentlich im Fernverkehr und bin daher dieser Regel schon ziemlich vertraut.
Ich möchte hier wissen in wie fern man die 20 Minuten Regel theorethisch zu seinem Vorteil auslegen könnte - oder besser gesagt: Was einen daran hindern würde, die Regel auszunutzen.

1. Angenommen ich habe ein Ticket gebucht von A nach C, wobei A ein kleiner Bahnhof ist wo nur Nahverkehr fährt und B ein grosser Bahnhof ist von dem Fernverkehr nach C fährt.

Angenommen, die auf dem Ticket aufgedruckten Züge sind:
S-Bahn von A (10:00) nach B (an. 10:30)
IC von B (10:55) nach C

Die S-Bahn fährt alle 20 Minuten. Bin ich jetzt verpflichtet, die nächste SBahn zu nehmen (an. in B um 10:50) und es dann am Bahnhof B noch in den 5 Minuten zu versuchen zu dem gebuchten IC zug zu rennen (quasi: "Die Zugbindung entfällt genau dann, wenn es unter realistischen umständen nicht mehr schaffbar ist, den Zug mit Zugbindung zu bekommen") und falls ja, wie ist dann "schaffbar" definiert?

Oder könnte ich dann entspannt die nächste S-Bahn nehmen, und im Bahnhof B den ICE nach C um 11:15 nehmen der dann trotzdem über ne stunde früher da ist (= das wäre natürlich ein vorteil für mich, weil der ICE wäre ja auch teurer gewesen.)

Was wäre in diesem Fall, wenn sagen wir der IC von B nach C 5 minuten Verspätung hat und dann schon mit einem "schnellen gehen" zu erreichen wäre? gibt es hier irgendeine grenze, oder gilt tatsächlich einfach "Wenn ein auf der Fahrkarte gedruckter zug ausfällt, dann darf man egal unter welchen Umständen sämtliche Züge benutzen"


2. Und das hier klingt jetzt irgendwie fies, und ich habe ja nicht vor das zu machen und ich nehme mal an dass es auch nicht so oft vorkommt. Aber angenommen ich will von A nach B fahren. Um 12 Uhr fährt ein IC (Flexpreis 30€) sowie ein ICE (Flexpreis 50€) ab, wobei der ICE natürlich deutlich schneller am Ziel ist.

Was (ausser schlechtes Gewissen) würde mich daran hindern, wenn ich um 11 Uhr mein Ticket buchen möchte, und bereits in der App steht dass der IC viel Verspätung hat die er auch nicht wieder einholen kann, ein Ticket für den IC buche für 30€ und dann um 12 Uhr in den ICE steige?

Nach der Logik könnte man ja schauen ob irgend ein Zug in dieser Richtung zu spät kommt, diesen buchen, und dann den schnellsten und teuersten Zug nehmen.

Dass das nicht so funktionieren sollte ist mir bewusst - aber was für eine Regelung gibt es um dies zu verhindern?


Vielen Dank für Antworten!

johanneskarst
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Tino Groß
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Hallo johanneskarst,

eigentlich beantworte ich solche Fragen die zur Aushebelung der Fahrgastrechte führen grundsätzlich nicht. Da aber in Ihrem Fall ein kleiner Denkfehler vorkommt nehme ich mir gerne die Zeit und beantworte diese. Zur Frage 2 hat sich NRW ja schon geäußert. Denn da sind die Fahrgastrechte eindeutig. Sofern dem Fahrgast in einer der elektronischen Auskunftssysteme eine Verspätung angekündigt wurde (und dies geschieht exakt im Augenblick des Fahrscheinkaufs) kann er sich nicht mehr auf die Fahrgastrechte bzw. die Kulanz (20-Min-Regel) berufen.

Zu 1) sei nur so viel zu sagen. Sie können selbstverständlich jede S-Bahn nutzen wie Sie möchten jedoch ist die Mindestumsteigezeit einzuhalten. Und die legen Sie nicht als Fahrgast fest sondern das Unternehmen im Fahrplan. Nehmen wir an die MüZ betragt am Bahnhof X 6 min. und Sie kommen mit einer S-Bahn an die 5 min. später abfährt erlischt die 20-Min.-Regel denn es ist kein planmäßiger Anschluss und Sie können sich nicht auf die kurze Umsteigezeit berufen. Daher ist die Verbindung die als letztes vor dem Anschlusszug ausgegeben wird ausschlaggebend für die "Fahrgastrecht". Also einfach buchen und dann später fahren und "jetzt hab ich aber den Zug verpasst" sagen gilt nicht. Hier sollten Sie ihre "Taktik" doch noch mal überdenken.

Gruß, Tino!

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Zu 2)
Vielleicht könnten Sie sich das Ticket aber am Automaten kaufen? Da ich so gut wie nie Automaten-Tickets kaufe, weiß ich nicht, ob da Verspätungen auch zeitnah eingepflegt werden, erscheint mir aber gerade eher unwahrscheinlich.
Und es kann Sie ja niemand zwingen, sich vor dem Kauf der Fahrkarte über evtl. Verspätungen zu informieren...

johanneskarst
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Hallo Tino,

Danke für die Antwort. Allerdings ging es in 1) um den Fall, dass die gebuchte S-Bahn wegen Technischer Störung ausgefallen ist.

Anderes beispiel:

Gebucht ist IC von A nach B, und dann ein weiterer IC von B nach C.
Wenn der erste IC jetzt ausfällt, darf ich einen ICE von A nach B nehmen, der 1 Stunde früher da ist.
Muss ich im Bahnhof B jetzt auf den gebuchten Zug C warten; oder kann ich da auch gleich schon einen früheren Zug nehmen weil den ICE den ich von A nach B nehmen durfte früher angekommen ist und von B nach C auch ein ICE fährt?

Und dann kann man das dementsprechend auch auf den Nahverkehr übertragen?

Tino Groß
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Es geht hier nicht um den Zwang sich zu informieren. Die Fahrgastrechte erlöschen wenn dem Fahrgast Über eine Plattform eine Verspätung angezeigt wird und er somit darüber informiert wurde. Beim fahrplanbasierten Fahrkartenkauf am Automaten wird einem diese Information stets angezeigt da es auch das ReisendenInformationsSystem zugreift. Der Fahrgast wird also aktiv ohne sein Zutun über die Verspätung informiert.

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@Tino Gross
Wieder was dazu gelernt. Allerdings wundert es mich, dass es dann nicht möglich ist, am Automaten ein Ticket für einen Zug zu kaufen, dessen planmäßige Abfahrtzeit bereits überschritten ist, der aber z.B. 15 Minuten Verspätung hat.

Tino Groß
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doch das geht ja. Sonst wäre es ja ein Widerspruch wenn ich einen Zug inkl. Verspätung anzeige ihn dann aber für den Kauf sperre. Sofern der Zug noch nicht abgefahren ist und das Zeitfenster (5 min. vor Abfahrt erlischt der Anspruch auf den Kauf einer Fahrkarte) nicht unterschritten wird ist der Kauf einer Fahrkarte noch möglich trotz Verspätung. Ich weiß dass es dazu viele Ungereimtheiten gibt wieso und weshalb es manchmal nicht möglich ist. Aber schon öfters Fahrgästen am Automaten geholfen und Verbindungen inkl. Preis (natürlich nur noch Flexpreis) angezeigt bekommen obwohl fahrplanmäßige Abfahrtzeit schon in der Vergangenheit lag und der Zug aufgrund einer Verspätung aber noch nicht abgefahren war.

„Allerdings ging es in 1) um den Fall, dass die gebuchte S-Bahn wegen Technischer Störung ausgefallen ist.“
--> Danke für die Ergänzung, denn vorher war unklar, was gemeint ist.

„Gebucht ist IC von A nach B … Wenn der erste IC jetzt ausfällt, darf ich einen ICE von A nach B nehmen, der 1 Stunde früher da ist. … Muss ich im Bahnhof B jetzt auf den gebuchten Zug C warten …?“
--> Wenn die Zugbindung aufgehoben ist (hier aufgrund des Ausfalls), gilt das immer für die gesamte Verbindung, also auch für alle nachfolgenden Fernverkehrszüge.

„Und dann kann man das dementsprechend auch auf den Nahverkehr übertragen?“
--> Das ist eine gute Frage, die hin und wieder, aber selten, schon gestellt wurde. Ich erinnere mich an einen Fall, wo es um eine Fahrplanänderung ging, aber die Antwort sollte auf diesen Fall übertragbar sein. Von der Moderation wurde erläutert bzw. bestätigt, dass man für den „NV“-Abschnitt nur allgemein an Nahverkehrszüge gebunden ist, nicht jedoch an einen bestimmten Zug. Somit sei die Zugbindung nicht aufgehoben, falls man mit einer späteren NV-Verbindung den gebundenen Fernzug noch erreichen kann.

Was heißt „noch erreichen kann“? Dafür müsste die Reiseauskunft konsultiert werden, die die „offiziell möglichen“ Verbindungen ausgibt unter Berücksichtigung der Mindestumsteigezeit (Standard wohl immer noch 5 Minuten für die meisten Bahnhöfe, ggf. +/- 2 Minuten, für einzelne Anschlüsse kann es abweichend geregelt sein).

Wenn im besagten Beispiel der 5-Minuten-Übergang kein offizieller Anschluss ist, kann meines Erachtens nicht verlangt werden, das dennoch zu versuchen (Motto: der IC könnte ja Verspätung haben). Ein anderer Standpunkt könnte aber sein, man müsse auch die tatsächlichen aktuellen Fahrzeiten des Anschluss-ICs berücksichtigen, insbesondere weil diese neuerdings in der Auskunft für „aktuelle Alternativen“ verwendet werden. In der Praxis ist wiederum niemand verpflichtet, unterwegs mit dem Internet verbunden zu sein, und andere Auskunftsmöglichkeiten sind oft sehr begrenzt vorhanden...