Nach oben

Frage beantwortet

Erstattung einer ICE-Fahrkarte ab 20 Minuten Verspätung im Nahverkehr, unter welchen Bedingungen?

Nachdem ein RE ausgefallen ist, den ich mit meinen Verbund-Zeitkarten für TGO und KVV nutzen wollte, bin ich mit S-Bahn und ICE weitergefahren.

Mit der nächsten Verbindung im Nahverkehr hätte ich das Ziel mit 35 Minuten Verspätung erreicht, mit dem ICE waren es nur 19 Minuten. Für den ICE habe ich eine Fahrkarte gelöst und zur Erstattung eingereicht.

Der KVV hat eine Erstattung abgelehnt, weil meine Fahrt außerhalb des Verbundgebiets begonnen hat (im Gebiet der TGO, wo meine andere Zeitkarte gilt).

Daraufhin habe ich beim DB Servicecenter Fahrgastrechte einen Antrag auf Erstattung gestellt, der ebenfalls abgelehnt wurde mit der Begründung, es handele sich um eine Verspätung von weniger als 60 Minuten.

Die Regelung in der Eisenbahn-Verkehrsordnung Art. 8 Absatz 1, daß man bei erwarteten 20 Minuten Verspätung am Zielbahnhof auf den Fernverkehr umsteigen darf, scheint beide Male keine Rolle zu spielen.

Vielleicht kennt sich jemand von der DB Community aus: Sind die Bedingungen für eine Erstattung tatsächlich nicht erfüllt?

Danke & Gruß
hajo



*****

Hier noch mehr Details, falls von Bedeutung:

Dieser Zug ist ausgefallen:
RE 4702 Achern 6:00 -> Karlsruhe 6:39

Stattdessen habe ich genutzt:
S7 Achern 6:17 -> Baden-Baden 6:36
ICE 604 Baden-Baden 6:40 -> Karlsruhe 6:58

Antwort des KVV:

Ihrem Antrag entnehmen wir, dass Sie von Achern nach Karlsruhe fahren wollten. Die Mobilitätsgarantie des KVV greift in diesem Fall leider nicht, da die Start- und Zielhaltestelle im Verbund liegen muss. Da Achern nicht im Verbund liegt, kann für diese Fahrt leider keine KVV-Mobilitätsgarantie geltend gemacht werden.

In diesem Zusammenhang möchten wir außerdem darauf hinweisen, dass im Rahmen der KVV Mobilitäts- und Pünktlichkeitsgarantie für Inhaber einer KVV Monats-, Halbjahres oder Jahreskarte bei Verspätungen und Fahrtausfällen die Möglichkeit besteht eine Fahrpreisentschädigung geltend zu machen oder die Fahrt mit einem alternativen Verkehrsmittel fortzusetzen. Die KVV Mobilitäts- und Pünktlichkeitsgarantie gilt im gesamten Verbundgebiet für alle Fahrten mit Regionalbahnen, S-Bahnen, Stadtbahnen, Straßenbahnen, Bussen und Anruflinientaxis, die mit einer der genannten Fahrkarten durchgeführt wurden. Eine anderweitige Ersatzleistung ist nicht vorgesehen. Demnach ist eine Kostenerstattung für ein ICE-Ticket leider nicht vorgesehen. Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass die Eisenbahn-Mobilitätsgarantie erst bei einer Verspätung von mindestens 60 Minuten greift.

Antwort der DB:

Die Prüfung Ihres Sachverhaltes hat folgendes ergeben:
19min Verspätung / unter 60min

Wir bitten Sie um Verständnis, dass in Ihrem Fall keine Entschädigung gezahlt werden kann. Gern erläutern wir Ihnen die Gründe für unsere Entscheidung:

Verspätung unter 60min: Ab einer Verspätung von 60 Minuten am Zielbahnhof besteht Anspruch auf eine Entschädigung. In Ihrem Fall lag die Verspätung am Zielbahnhof der Fahrkarte unter 60 Minuten.

Die Antwort wurde von DB Bahn bestätigt
Elementarteilchen
Elementarteilchen

Elementarteilchen

Ebene
4
5000 / 5000
Punkte

Fahrgastrechte gelten immer nur bzgl. des konkreten Beförderungsvertrags (einer Fahrkarte). Nutzt man für eine Reise mehrere Fahrkarten (für verschiedene Teilstrecken verschiedene Tickets), hat man daher ein Problem. Denn die Zuständigkeiten enden genau dort, wo auch der Vertrag (Fahrkarte) endet.
Man kann die Verspätung die in einem Vertrag aufgelaufen ist, nicht in einen anderen übertragen (dort ist ja ein anderer Verkehrsbetrieb zuständig der logischerweise nicht für den ersten haften will).

Auch wenn man sich theoretisch für einen verspäteten Nahverkehrszug mit Kauf eines IC/ICE-Tickets die Kosten nachträglich erstatten lassen kann (ausreichend große Verspätung vorausgesetzt), gilt das natürlich auch nur, wenn das neue Ticket nur maximal die Strecke des alten Tickets umfasst. Bei gestückelten Tickets wie hier darf man daher nicht die Gesamtstrecke mit dem neuen Ticket fahren, da zur Erstattung dann wieder unbeteiligte Verkehrsverbünde beteiligt wären, die mit dem ursprünglichen Ticket (dem die Ursache der Verspätung zuzuschreiben ist) gar nichts zu tun haben. Und der Verkehrsvertrieb der das ursprüngliche Ticket ausgestellt hat, wird auch kein Ticket ersetzten wollen, dass weiter läuft, als das ursprünglich von ihm ausgestellte Ticket.

Insofern ist hier wohl alles richtig gelaufen, wenn auch leider nicht gut für uns Kunden. Genau das ist leider das generelle Problem bei Reisen mit gestückelten Tickets. Hier sollte man sich daher im Klaren sein, dass man in Problem läuft, wenn es Verspätungen gibt.

Fanden Sie diese Antwort hilfreich?

Nein (2)

Ja (1)

33%

33% der Personen fanden diese Antwort hilfreich

Weitere Antworten

Elementarteilchen
Elementarteilchen

Elementarteilchen

Ebene
4
5000 / 5000
Punkte

Fahrgastrechte gelten immer nur bzgl. des konkreten Beförderungsvertrags (einer Fahrkarte). Nutzt man für eine Reise mehrere Fahrkarten (für verschiedene Teilstrecken verschiedene Tickets), hat man daher ein Problem. Denn die Zuständigkeiten enden genau dort, wo auch der Vertrag (Fahrkarte) endet.
Man kann die Verspätung die in einem Vertrag aufgelaufen ist, nicht in einen anderen übertragen (dort ist ja ein anderer Verkehrsbetrieb zuständig der logischerweise nicht für den ersten haften will).

Auch wenn man sich theoretisch für einen verspäteten Nahverkehrszug mit Kauf eines IC/ICE-Tickets die Kosten nachträglich erstatten lassen kann (ausreichend große Verspätung vorausgesetzt), gilt das natürlich auch nur, wenn das neue Ticket nur maximal die Strecke des alten Tickets umfasst. Bei gestückelten Tickets wie hier darf man daher nicht die Gesamtstrecke mit dem neuen Ticket fahren, da zur Erstattung dann wieder unbeteiligte Verkehrsverbünde beteiligt wären, die mit dem ursprünglichen Ticket (dem die Ursache der Verspätung zuzuschreiben ist) gar nichts zu tun haben. Und der Verkehrsvertrieb der das ursprüngliche Ticket ausgestellt hat, wird auch kein Ticket ersetzten wollen, dass weiter läuft, als das ursprünglich von ihm ausgestellte Ticket.

Insofern ist hier wohl alles richtig gelaufen, wenn auch leider nicht gut für uns Kunden. Genau das ist leider das generelle Problem bei Reisen mit gestückelten Tickets. Hier sollte man sich daher im Klaren sein, dass man in Problem läuft, wenn es Verspätungen gibt.

"Die Regelung in der Eisenbahn-Verkehrsordnung Art. 8 Absatz 1, daß man bei erwarteten 20 Minuten Verspätung am Zielbahnhof auf den Fernverkehr umsteigen darf, scheint beide Male keine Rolle zu spielen."
--->Das betrifft m.E. auch nur Streckentickets zum DB-Tarif und nicht für Verbund-Zeitkarten.

kirroyal
kirroyal

kirroyal

Ebene
4
5000 / 5000
Punkte

"Das betrifft m.E. auch nur Streckentickets zum DB-Tarif und nicht für Verbund-Zeitkarten."

-> Doch, die normalen Fahrgastrechte im Eisenbahnverkehr gelten auch für Verbundtickets. Es kann sein, dass der Verbund darüber hinaus eigene Regelungen hat, aber diese gelten nur optional.

Im Fall des Fragestellers sieht es so aus, als wenn das SC Fahrgastrechte den Antrag falsch bearbeitet bzw. verstanden hat. Offenbar wurde nicht auf Erstattung, sondern auf Entschädigung geprüft, und diese gibt es erst ab 60 Minuten Verspätung.

Allerdings ändert das wahrscheinlich nichts, denn wie schon Elementarteilchen schrieb, gelten die Fahrgastrechte immer nur pro Beförderungsvertrag. Wenn Sie also zwei Verbundtickets aneinanderstückeln und es entsteht eine Verspätung, können Sie sich als Ersatz kein durchgehendes ICE-Ticket erstatten lassen.

Die Fahrgastrechte kennen überhaupt keine 20 Minuten-Regelung. Die greifen erst ab einer Verspätung von 60 Minuten. Ab 60 Minuten Verspätung kann man von der Fahrt zurücktreten oder bekommt für die Verspätung eine Entschädigung.

Die 20 Minutenregel ist eine Kulanzlösung der DB. Ab einer Verspätung von 20 Minuten Verspätung ist man nicht mehr an die gebuchten Züge gebunden, sondern kann jede andere Verbindung nutzen.

Die daraus resultierenden Rechte gelten immer für den jeweiligen Beförderungsvertrag.

kirroyal
kirroyal

kirroyal

Ebene
4
5000 / 5000
Punkte

@Joeopitz:
"Die Fahrgastrechte kennen überhaupt keine 20 Minuten-Regelung."

Jein. Die grundlegende EG-Verordnung zu den Fahrgastrechten kennt tatsächlich keine 20-Minuten-Regel, wohl aber die nationale Umsetzung dieser Verordnung. Somit handelt es sich nicht (mehr) um ein freiwilliges Entgegenkommen.
https://www.fahrgastrechte.info/fileadmin/pdfs_bef/rechte...

Im gleichen Dokument steht auch, dass innerhalb von Verkehrsverbünden ggf. *weitere* Regelungen gelten können - die bestehenden Regelungen werden dadurch also nicht außer Kraft gesetzt.

Vielen Dank allen, die bisher geantwortet haben. So ganz weiß ich trotzdem noch nicht, woran ich bin.

Zur Antwort von Elementarteilchen, die von der DB bestätigt wurde, wollte ich etwas richtigstellen, was vielleicht von Bedeutung ist:

"Bei gestückelten Tickets wie hier darf man daher nicht die Gesamtstrecke mit dem neuen Ticket fahren, da zur Erstattung dann wieder unbeteiligte Verkehrsverbünde beteiligt wären, die mit dem ursprünglichen Ticket (dem die Ursache der Verspätung zuzuschreiben ist) gar nichts zu tun haben."

Mein Fall ist noch ein wenig "spezieller". Ich überquerte zwar eine Verbundgrenze, Start und Ziel der ICE-Fahrt lagen aber innerhalb des KVV. Von Achern bis Baden-Baden hatte ich eine S-Bahn genutzt, für die meine Verbund-Zeitkarten gelten. Der ICE von BAD nach KA ersetzte mir die Fahrt mit dem ausgefallenen RE und lag vollständig im Gebiet des KVV.

Erwähnen sollte ich auch noch, daß mir das gleiche schon einmal im August 2018 passiert ist. Damals hatte das DB Servicecenter die Erstattung zunächst abgelehnt, nach einem Telefongespräch aber doch erstattet. Entweder hat der Sachbearbeiter damals falsch oder zu meinen Gunsten kulant entschieden, oder die Bedingungen für eine Erstattung waren tatsächlich erfüllt. Damit ich beim nächsten Mal Bescheid weiß und mir den Antrag gleich sparen kann oder das "Zauberwort" kenne, um den Antrag zu begründen, habe ich hier so ausführlich nachgefragt. Bei nächster Gelegenheit versuche ich es nochmal mit einem Anruf. Wenn sich etwas Wissenswertes ergibt, kann ich es hier noch anfügen.

Zur Antwort von kirroyal:

Der KVV schreibt in seiner Information zur Mobilitäts- und Pünktlichkeitsgarantie nichts von der 20-Minuten-Regelung. Um die zu finden, muß man in das "Qualitätshandbuch" des KVV schauen, siehe hier: https://www.kvv.de/fileadmin/user_upload/kvv/Dateien/Unte..., Seite 20. Das ist für mich wenigstens ein Hinweis, daß die Regelung auch im KVV gilt.

So wie ich es anhand Ihrer Schilderungen verfolgt habe, wollten Sie für die eigentliche Fahrt einen durchgehenden Regional-Express nehmen. Dafür nutzen Sie zwei unterschiedliche Verbundtickets. Wie Elementarteilchen richtig geschrieben hat, kann nur jeder Beförderungsvertrag für sich unabhängig bewertet werden, wenn Sie verspätet am Zielbahnhof ankommen. Freilich kann die Haftung nur innerhalb des jeweiligen Geltungsbereich angewandt werden und nicht für Ziele darüber hinaus.

Die nachgelöste ICE-Fahrkarte wird nur entschädigt, sofern Sie mit diesem ICE mit mehr als 60 Minuten am eingetragenen Zielbahnhof angekommen sind. Der KVV wird demnach die Fahrt nicht entschädigen können, wenn die nachgelöste Fahrt für eine verbundüberschreitende Fahrt (ICE-Ticket) gültig ist. Viele Grüße /ch