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Diese Frage wartet auf Beantwortung

Semesterticket, Verspätung, Produktübergang lösen

Sehr geehrte Damen und Herren,

aufgrund einer 45-minütigen Verspätung des Regionalverkehrs von Kiel nach Hamburg am 7.1.2020 saß ich mit meinem SH-Landesweites-Semester-Ticket im ICE von Kiel nach Hamburg.

Nach längerer ungelöster Diskussion, ob ich nun nur den Produktübergang, den BC25-Preis von 20.55€ oder den Vollpreis 27.40€ oder den Bordzuschlag von 19€ mehr zahlen muss, habe ich einige Fragen:


(1) Muss ich Bargeld und/oder eine gültige Kreditkarte, die im Zug auch noch akzeptiert wird, dabei haben, um meine Rechte nach EVO §8 (1) wahrzunehmen?


(2) Welche Ansagen an Bahnhöfen bedeuten, dass EVU laut EVO §8 Absatz (3) Satz [2], Halbsatz {5} einen Grund nach Absatz (1) Nr. 1 oder Nr. 3 angegeben haben?


Zu dem Abschnitt „Weiterfahrt mit einem anderen Zug“ der Bedingungen des Semestertickets auf der nah.sh-Webseite (in Kopie siehe unten)


(3) Bedeutet darin Satz (4), dass ich (a) den Produktübergang oder den Vollpreis (b) unter/ohne Anrechnung von Bahncards/Ermäßigungen (c) mit/ohne Bordzuschlag im EC/IC/ICE/SyltShuttlePlus bezahlen muss?


(4) Darf ich mir im IC/EC/ICE selbst per DB-App nach Fahrtantritt eine Fahrkarte zum Flexpreis für genau diesen Tag und diese Strecke kaufen oder muss ich diese zwingend (zum womöglich höheren Preis laut voriger Frage (3)) vom Personal des Zuges erwerben?


(5) Bedeutet darin Satz (5), dass alle beteiligten EVU auf Ihre Rechte nach EVO §8 (3) verzichten?


Quellen dazu


Auf der Webseite

https://www.nah.sh/de/fahrkarten/landesweites-semestertic...

heißt es im Abschnitt:

Weiterfahrt mit einem anderen Zug

(1) Bei einer zu erwartenden Verspätung von mindestens 20 Minuten am Zielbahnhof können andere Züge als Ausweichverbindungen genutzt werden. (2) Dies können auch Fernverkehrszüge sein (ICE, IC, EC, Sylt Shuttle Plus), sofern diese nicht reservierungspflichtig sind.

(3) Wenn die Ausweichzüge nicht durch Ansagen oder Anzeigen für Fahrkarten des Nahverkehrs freigegeben sind, ist für deren Nutzung zunächst die erforderliche Fahrkarte zu erwerben. (4) Die Kosten hierfür können im Anschluss beim Servicecenter Fahrgastrechte geltend gemacht werden. (5) Sie werden dann in voller Höhe erstattet.


Semesterticket Schleswig-Holstein im Schleswig-Holstein-Tarif
Tarifbestimmungen und Beförderungsbedingungen
Gültig ab 01.09.2019
Auszug aus den
Tarifbestimmungen und Beförderungsbedingungen Schleswig-Holstein-Tarif

Für Entschädigungsansprüche nach Artikel 17 der Verordnung (EG) 1371/2007 gelten die Regelungen der gesetzlichen Fahrgastrechte nach Teil III, Anlage 5, Nr. 5.1 der Tarifbestimmungen SH-Tarif; das Semesterticket Schleswig-Holstein gilt als Zeitkarte gemäß Nr. 5.1.6.

5.1 Haftung für Ausfall, Verspätung und Anschlussversäumnis
5.1.1 Ansprüche aus § 8 der Eisenbahnver- kehrsordnung (EVO) und der Verordnung (EG) Nr. 1371/2007 Kapitel IV. sind direkt bei dem Eisenbahnverkehrsunternehmen geltend zu machen, bei dem der Ausfall, die Verspätung oder der Grund für das Anschlussversäumnis stattgefunden hat. Dazu ist eine Kopie der Fahrkarte zusammen mit Angaben zur ge- planten und zur tatsächlich genutzten Ver- bindung beim Servicecenter Fahrgastrechte, 60647 Frankfurt am Main oder beim Eisen- bahnverkehrsunternehmen einzureichen. Kontakt:
− DB Regio AG, Regio Schleswig-Holstein, Alte Lübecker Chaussee 15, 24114 Kiel;
− neg Niebüll GmbH, Bahnhofstr. 6, 25899 Niebüll;
− AKN Eisenbahn GmbH, Rudolf-Diesel-Str. 2, 24568 Kaltenkirchen;
− NBE nordbahn Eisenbahngesellschaft mbH & Co. KG, Rudolf-Diesel-Str. 2, 24568 Kaltenkirchen.



Eisenbahn-Verkehrsordnung (EVO)
§ 8 Verspätung im Schienenpersonennahverkehr

(1) Besitzt der Reisende einen Fahrausweis, der ausschließlich für den öffentlichen Personennahverkehr gilt, so hat er, sofern vernünftigerweise davon ausgegangen werden muss, dass er wegen eines Ausfalls oder einer Unpünktlichkeit des von ihm gemäß dem Beförderungsvertrag gewählten Zuges eines Eisenbahnverkehrsunternehmens verspätet am Zielort ankommen wird, neben den in der Verordnung (EG) Nr. 1371/2007 genannten Rechten und Ansprüchen die folgenden Rechte:
1.
Der Reisende kann die Fahrt zum vertragsgemäßen Zielort mit einem anderen Zug durchführen, sofern vernünftigerweise davon ausgegangen werden muss, dass der Reisende mindestens 20 Minuten verspätet am Zielort ankommen wird. Der Reisende kann die Benutzung des anderen Zuges jedoch nicht verlangen, wenn für diesen eine Reservierungspflicht besteht oder der Zug eine Sonderfahrt durchführt.

(2) Macht der Reisende von seinem Recht nach Absatz 1 Gebrauch, so kann er von demjenigen, mit dem er den Beförderungsvertrag geschlossen hat, Ersatz der erforderlichen Aufwendungen verlangen,

(3) [1] Dem Reisenden steht der Anspruch nach Absatz 2 nicht zu, wenn der Ausfall oder die Unpünktlichkeit des Zuges auf eine der folgenden Ursachen zurückzuführen ist:
1.
betriebsfremde Umstände, die das Eisenbahnverkehrsunternehmen, das den Zug betreibt, trotz Anwendung der nach Lage des Falles gebotenen Sorgfalt nicht vermeiden und deren Folgen es nicht abwenden konnte;
...
3.
Verhalten eines Dritten, das das Eisenbahnverkehrsunternehmen, das den Zug betreibt, trotz Anwendung der nach Lage des Falles gebotenen Sorgfalt nicht vermeiden und dessen Folgen es nicht abwenden konnte.

[2] {1} Liegt eine der in Satz 1 Nr. 1 oder Nr. 3 genannten Ursachen vor, {2} so kann sich derjenige, {3} mit dem der Reisende den Beförderungsvertrag geschlossen hat, {4} hierauf nur berufen, {5} wenn der Reisende über die Ursache rechtzeitig unterrichtet wurde oder wenn die Ursache offensichtlich war. Der Betreiber der Eisenbahninfrastruktur, auf der die Beförderung erfolgt, ist im Verhältnis zum Eisenbahnverkehrsunternehmen nicht als Dritter anzusehen.

Antworten

Guten Abend LudwigBackhausen,

da jetzt die eine Antwort zur Frage immer eine andere Frage/Antwort beinhalten kann, müssen wir teilweise ein bißchen springen. Hoffe es wird nicht allzu undeutlich und ich kann alle Fragen weitestgehende beantworten.

1) sofern man bei einer Verspätung mit einem Nahverkehrsfahrschein einen Fernverkehrszug benutzt und den Produktübergang (sofern gemäß Tarif möglich) oder ein neues Ticket zum Bordpreis erwirbt, benötigt man selbstverständlich ein gültiges Zahlungsmitttel. In den Zügen der DB Fernverkehr AG werden ausschließlich Kreditkarten (keine Debitkarten) und Bargeld angenommen. Ebenfalls werden keine GiroKarten (ehemals EC-Karten) akzeptiert. Können Sie im Zug keinen Produktübergang oder neuen Fahrschein erwerben erhalten SIe eine elektronische Fahrpreisnacherhebung.

2) Entweder wird durch die Station und Service AG über eine entsprechende Ansage auf die aufpreisfreie Fahrt mit einem Fernverkehrszug hingewiesen oder dies geschieht in der sogenannten "Laufzeile" der Fahrgastinformationsanlage. Dort erscheint dann z. Bsp. der Text "aufpreisfrei für Nahverkehrs- oder Verbundfahrscheine".

3) Hierbei kommt es auf den Fahrschein an. Bei Fahrscheinen zum DB-Tarif für die Produktklasse C (Nahverkehr) zahlt man lediglich die Differenz zur Produktklasse B (IC/EC) oder Produktklasse A (ICE). Eine BahnCard wird nur anerkannt wenn diese im Grundfahrschein enthalten ist. Handelt es sich um einen Verbundfahrschein (Länder-Ticket, etc.) zahlt man einen komplett neuen Fahrschein für die entsprechende Produktklasse zzgl. dem Bordpreis in Höhe von 17,00 €.

4) im Zug dürfen Sie keine Fahrkarte mit dem DB Navigator buchen. Gemäß Beförderungsbedingungen ist die Fahrkarte immer vor Fahrtantritt zu buchen.

5) Ihr Forderung stellen Sie grundsätzlich an das Servicecenter Fahrgastrechte sofern das Eisenbahnverkehrsunternehmen dieser Stelle beigetreten ist. Andernfalls stellen Sie ihre Forderung direkt an das Verkehrsunternehmen die für den Schaden zuständig ist.

Gruß, Tino!

Hallo Ludwig,

bevor Du so einen Riesentext mit Zitaten und Verweisen postest, solltest Du daran denken dass die Antwortenden in dieser Community Bahnkunden (wie Du und ich) sind. Wer hier antwortet macht es freiwillig, kostenlos und in seiner Freizeit. Hast Du mal darüber nachgedacht, das die Lust sich durch so ein langes Pamphlet durchzuarbeiten geringer ist, als wenn einfach das Problem übersichtlich beschrieben wird.? Du möchtest doch eine Antwort haben, dann solltest Du Deine Frage so formulieren, dass den meisten nicht gleich die Lust vergeht darauf zu antworten.

Nur folgendes: Dein Semesterticket ist ein Ticket nach dem SH-Tarif. Im ICE gilt aber DB-Tarif. Ein Ticket nach SH-Tarif ist im ICE nicht gültig. Deshalb geht es auch nicht ohne weiteres mit einem Produktübergang. Deshalb heißt es auch, das Inhaber eines Nahverkehrsticket „ zunächst die erforderliche Fahrkarte zu erwerben„ haben. Es muß also eine ICE-Fahrkarte gekauft werden, bevor in den ICE gestiegen wird.

Im Zug selbst bist Du sonst ohne gültige Fahrkarte und mußte den Flexpreis plus Bordzuschlag zahlen.

„ Muss ich Bargeld und/oder eine gültige Kreditkarte, die im Zug auch noch akzeptiert wird, dabei haben, um meine Rechte nach EVO §8 (1) wahrzunehmen?“
-> Die Rechte nach §8 sehen nicht vor, das im Zug nachgelöst wird. Die Fahrkarte ist „zuvor“ zu erwerben und wird dann erstattet. Zuvor heißt im Reisezentrum oder am Automaten. Dort wird auch eine EC Karte akzeptiert. Im Zug benötigst Du tatsächlich Bargeld oder eine gültige (echte) Kreditkarte. Ansonsten bleibt noch die Fahrpreisnacherhebung.

„Darf ich mir im IC/EC/ICE selbst per DB-App nach Fahrtantritt eine Fahrkarte zum Flexpreis für genau diesen Tag und diese Strecke kaufen oder muss ich diese zwingend (zum womöglich höheren Preis laut voriger Frage (3)) vom Personal des Zuges erwerben?“
-> Nach Fahrtantritt kannst Du für den Zug mit dem Du fährst keine Fahrkarte mehr über die App erwerben. Der Anspruch auf Ausstellung einer Fahrkarte endet 5 Minuten vor der planmäßigen Abfahrtzeit des Zuges. (Tatsächlich ist bei der App ein Kauf bis 3 Minuten vor Abfahrt möglich.) Danach kann ein Ticket nur zum Bordpreises beim Personal erworben werden.

Hallo LudwigBackhausen,

dieses Forum dient dem Austausch bei auftretenden Fragen rund um die Reise mit der Bahn. Die Beantwortung erfolgt durch die Mitglieder der Community. Diese sind, wie Sie selbst, Privatpersonen. Bitte beachten Sie bei Ihrer Fragestellung, dass für alle Lesenden ein Mehrwert entsteht und eine Fragestellung nachvollzogen werden kann.

Wie ich sehe, haben Sie von der Community bereits sehr ausführliche Antworten auf Ihre gestellten Fragen erhalten. Diesen richtigen Antwoten kann ich mich nur anschließen. /ka

Allen vielen Dank für Ihre Antworten. Dem befördernden Verkehrsverbund habe ich die obige Nachricht auch geschrieben. Deren Antwort lautet(e):

vielen Dank für Ihre Nachricht an NAH.SH.

Die NAH.SH GmbH organisiert den Nahverkehr im Auftrag des Landes. Der Vertrieb obliegt den Verkehrsunternehmen.

Grundsätzlich gelten für Fahrausweise des Schienenpersonenfernverkehrs die Beförderungsbedingungen des jeweiligen Fernverkehrsunternehmens, in diesem Fall der Deutschen Bahn. Bei Verspätungen und Zugausfällen gelten die Fahrgastrechte für Beförderungsleistungen, deren Betrieb nach EVO (Eisenbahn-Verkehrsordnung) und AEG (Allgemeines Eisenbahngesetz) erfolgt. Ein Anspruch auf Beförderung besteht nur nach Abschluss eines Beförderungsvertrages. Zum Beweis dessen dient die Vorlage einer gültigen Fahrkarte. Basis einer Inanspruchnahme der Fahrgastrechte ist der Beförderungsvertrag

Hinsichtlich des Übergangs in Züge des Fernverkehrs bei Verspätungsfällen gelten ebenfalls die gesetzlichen Fahrgastrechte.

Besitzt der Fahrgast eine Fahrkarte, die ausschließlich im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) gilt - wie das landesweite Semesterticket Schleswig-Holstein - und muss vernünftigerweise davon ausgegangen werden, dass der Fahrgast aufgrund der Verspätung des von ihm gemäß beförderungsvertrag gewählten Zuges mindestens 20 Minuten verspätet am Zielort seines Beförderungsvertrages ankommen wird, kann er die Fahrt mit einem anderen Zug, auch mit einem Fernverkehrszug, fortsetzen.

Ist der Fernverkehrszug nicht durch Ansagen am Bahnsteig für Fahrkarten des Nahverkehrs, wie das Semesterticket Schleswig-Holstein, freigegeben und erfolgt auch bei Rücksprache mit dem Zugpersonal des Fernverkehrszug keine unentgeltliche Mitnahme, ist für die Fahrt mit dem Fernverkehrszug vor Fahrtantritt, d.h. vor Abfahrt der gewählten Ersatzverbindung, eine Fahrkarte zum regulären Tarif zu erwerben, nicht nur der Produktübergang. Dabei können ggf. vorhandene Rabattkarten wie die BahnCard genutzt werden.

Hierfür stehen alle Vertriebswege offen (Verkaufsstelle, Fahrkartenautomat, DB Navigator). Für den Erwerb sind die Zahlungsmittel möglich, die in dem jeweiligen Vertriebskanal akzeptiert werden. Auch der Erwerb der Fahrkarte im Zug ist zum Bordpreis möglich. Grundsätzlich ist stets Bargeld bereitzuhalten, sofern angeboten, können aber auch Zahlungsmittel wie Giro- oder Kreditkarte genutzt werden. In den Fernverkehrszügen der Deutschen Bahn können Sie entweder bar oder per Kreditkarte bezahlen. Sofern Sie mit diesen Beförderungsbedingungen nicht einverstanden sind, so wenden Sie sich bitte direkt an die Deutsche Bahn.

Die Fahrkarte kann im Anschluss beim Servicecenter Fahrgastrechte zur Entschädigung eingereicht werden, entweder mit dem Fahrgastrechte Formular oder durch einen formlosen Brief, der alle notwendigen Angaben enthält. Die erworbene Fahrkarte ist einzureichen. Das Servicecenter Fahrgastrechte wird den gezahlten Fahrpreis, ggf. inkl. Bordzuschlag, dann erstatten.

Wir hoffen, dass wir Ihnen mit diesen Auskünften die Sachlage etwas erläutern konnten. Bei weiteren Fragen können Sie uns selbstverständlich unter einer der unten angegebenen Kontaktmöglichkeiten erreichen.

Mit freundlichen Grüßen

i. A. N.S.L. (gekürzt)

NAH.SH-Kundendialog

Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein GmbH

Raiffeisenstraße 1

24103 Kiel

Tel: 0431 - 660 19 449 (Montag bis Samstag 8:00 - 18:00 Uhr)

kundendialog@nah.sh

OK. Im Prinzip schreiben die auch:

• Produktübergang geht nicht, es muß eine komplette Fahrkarte gekauft werden.
• Fahrkarte muß vor der Fahrt gekauft werden
• Im Zug geht es nur zum Bordpreis. Und nur bar oder mit Kreditkarte.
• Das zusätzliche Ticket wird anschließend vom Servicecenter Fahrgastrechte erstattet.

Klare Sache, sind sich alle einig.