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Diese Frage wartet auf Beantwortung

Darf man in Züge einsteigen, die nur zum Aussteigen halten?

Das Thema geistert seit vielen Jahren umher, jedoch habe ich noch keine Antwort der Bahn dazu gefunden und hoffe nun an dieser Stelle mal eine belegte Aussage zu bekommen.

Wir kennen alle die Stecken, auf denen viele ICEs/ICs halten und auf den Anzeigetafeln „Bitte nicht einsteigen“ bzw. „Zug hält nur zum Aussteigen“ zu lesen ist (Stichwort: Hamburg-Dammtor, Berlin-Südkreuz, München-Pasing, …).

Die Frage ist letztlich, ob man trotzdem einsteigen darf (oder aussteigen, wenn ein Zug eigentlich nur zum Einsteigen hält, also in die andere Richtung fährt). Vorausgesetzt natürlich, man kann einen gültigen Fahrschein für diesen Streckenabschnitt vorweisen. Was allerdings kein Problem ist:
a) BahnCard100, offensichtlich gültig.
b) Auch ein Flexpreisticket reicht. Hat man den ICE bis Hamburg-Altona gebucht, darf man beim Flexpreisticket an einem beliebigen Halt aussteigen (→ Hamburg-Dammtor) und die Fahrt später an gleicher Stelle wieder fortsetzen.

Somit bleiben drei Fragen:
1) Ist „Bitte nicht einsteigen“ nur eine Bitte oder ist es tatsächlich verboten, in diese Züge einzusteigen, um bis zur Endstation zu fahren?
2) Darf man an Haltestellen aussteigen, an denen der Zug nur zum Einsteigen hält?
3) Falls es tatsächlich untersagt wäre: Mit welchen Konsequenzen müsste man rechnen?

Danke!

CFP
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Antworten

Hallo CFP,

grundsätzlich möchte ich erstmal klären wieso diese Verfahrensweise angewandt wird. An den Endbahnhöfen möchte man die Verweildauer der Züge auf ein Minimum reduzieren. Würde man diese Züge nunmehr in die Fahrplanauskunft aufnehmen, käme es zu Verzögerung die die großen Knoten (ich nehme nur mal Hamburg-Dammtor mit seinem einzelnen Richtungsgleis) "verstopfen" würde. An nahezu jedem dieser genannten Bahnhöfe gibt es einen Parallelverkehr mit S-Bahn oder RE/RB die kein Fahrzeitverlängherung bedeuten. Um die Knoten wie gesagt nicht zu überlasten halten die Züge nur zum Ausstieg und dürfen daher von Fahrgästen nicht zur Fahrt nach dem jeweiligen Endbahnhof genutzt werden. Aus diesem Grund kam man für diese Züge explizit keine Fahrschein erwerben.

Die Regelung trifft ein entsptrechendes Gesetz. Darin heißt es u.a. das als besetzt geltende Fahrzeuge nicht betreten werden dürfen.

Gruß, Tino!

Grundsätzlich entscheidet die Bahn und nicht ein Reisender über die von Ihr angebotenen Verbindungen und damit auch über die Einstiegs- und Ausstiegsbahnhöfe.

„Mit welchen Konsequenzen müsste man rechnen?“
-> Die Bahn übt in ihren Zügen das Hausrecht aus. Ein unerlaubtes Betreten eines Zuges kann im günstigsten Fall folgenlos bleiben. Im ungünstigsten Fall kann das ganze mit einem Strafverfahren enden. (§ 62 EBO, § 123 StGB u.v.m.)

Ein Strafverfahren wird es wahrscheinlich nur geben, wenn der Betriebsablauf erheblich gestört wurde oder eine Behinderung von Reisenden/Bahnmitarbeitern erfolgte. Wahrscheinlich wird es als Ordnungswidrigkeit nach § 64b EBO geahndet. Danach handelt ordnungswidrig wer: „ an einer nicht dazu bestimmten Seite eines Fahrzeugs oder an einer nicht dazu bestimmten Stelle einsteigt oder aussteigt,“. Bei einem Halt nur zum Aussteigen ist die Stelle eben nicht zum Einsteigen bestimmt. Ebenfalls handelt ordnungswidrig wer: „ohne amtliche Befugnis eine Bahnanlage oder ein Fahrzeug insoweit betritt oder benutzt, als sie nicht dem allgemeinen Verkehrsgebrauch dient oder als kein besonderes Nutzungsverhältnis dazu berechtigt,“.

„ Die Zuständigkeit für die Verfolgung und Ahndung von Ordnungswidrigkeiten nach den Absätzen 1 und 2 wird im Bereich der Eisenbahnen des Bundes auf die in der Rechtsverordnung nach § 58 Abs. 1 des Bundespolizeigesetzes bestimmte Bundespolizeibehörde übertragen.“

Die wahrscheinliche Konsequenz falls jemand daran Anstoß nimmt, dürfte eine Geldstrafe wegen einer Ordnungswidrigkeit sein.

Die Wahrscheinlichkeit ungestraft davonzukommen mag recht hoch sein, trotzdem sollte sollte man das nicht tun. Den Bahnbetrieb stört man damit einfach.

kirroyal
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Ich sehe es ehrlich gesagt etwas anders, aber mal der Reihe nach.

Ausstieg, obwohl Halt nur zum Einsteigen: Niemand kann einem verbieten, an einem planmäßigen Verkehrshalt aus einem Zug auszusteigen. Ich habe oft genug Fahrgäste erlebt, die in Altona oder Dammtor in den falschen Zug gestiegen und entsprechend in Hamburg Hbf wieder ausgestiegen sind. Wenn ich mich nicht völlig täusche, wird nach der Abfahrt in Altona auch immer durchgesagt "Nächster Halt Hamburg Dammtor, Ausstieg in Fahrtrichtung links". Bräuchte man ja nicht, wenn man dort nicht aussteigen darf.

Einstieg, obwohl Halt nur zum Aussteigen: Die Nicht-Veröffentlichung der Abfahrtszeit dient der Beschleunigung des Betriebsablaufes, denn dadurch muss der Zug nicht unnötig seine Haltezeit abstehen, sondern darf (um mal beim Beispiel Hamburg zu bleiben) vorplan ab Hamburg Hbf Richtung Altona abfahren. Ich sehe keinen Grund, warum man nicht in diese Züge einsteigen darf, vorausgesetzt man hat einen gültigen Fahrschein und behindert nicht den Betriebsablauf (was nicht der Fall ist, wenn der Zug mit geöffneten Türen im Hbf steht und auf Ausfahrt wartet). Wenn einen das Zugpersonal natürlich davon abhält, dann hat man dem auch Folge zu leisten.

Zum Gesetzestext: Die EBO regelt betriebliche und/oder sicherheitsrelevante Dinge. Somit bezieht sich die Passage "[...] an einer nicht dazu bestimmten Stelle einsteigt oder aussteigt" auf Fälle, in denen z.B. bei einem Betriebshalt oder sogar auf freier Strecke versucht wird, ein- oder auszusteigen. Der jeweilige Zug dient auch "dem allgemeinen Verkehrsgebrauch", denn er ist auf dem Abschnitt zur Beförderung von Personen freigegeben. Gemeint ist hier, dass man z.B. nicht versucht, in einen Leerzug einzusteigen.

Wenn, dann müsste hierzu etwas in der EVO geregelt sein, was aber nicht der Fall ist.

CFP
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Aus diesem Grund kam man für diese Züge explizit keine Fahrschein erwerben.

Um diesen Punkt vielleicht kurz noch zu präzisieren, weil das einigen evtl. nicht so bewusst ist: Für die absolute Mehrheit dieser Züge kann man keinen Fahrschein erwerben. Es gibt jedoch Fernverkehrszüge (IC/ICE), für die man genau auf dieser kurzen Strecke tatsächlich einen Fahrschein kaufen kann (z. B. ICE 1094 vom HH-Hbf nach HH-Dammtor, IC 1299 von M-Pasing nach M-Hbf). Diese halten dann natürlich auch explizit zum Ein- bzw. Ausstieg.

Was hat das jetzt mit dem Thema zu tun?

a) halten diese beiden besagten Züge nicht nur zum Ausstieg und
b) enden diese beiden Züge nicht sondern fahren weiter nach Kiel bzw. Salzburg.

Demnach ist es klar dass es für diese Züge auch Fahrkarten geben muss. Es ging um Züge die in München Hbf bzw. Hamburg-Altona enden.

Neptun
Neptun

Neptun

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Dass man für Züge keinen Fahrschein erwerben kann ab einem Bahnhof, wo der Zug nur zum Ausstieg hält, ist eigentlich logisch. Die spannende Frage ist doch aber, was für eine Fahrkarte als gültig angesehen wird, wenn jemand an einem solchen Halt trotzdem einsteigt. Zum Beispiel in Hamburg-Dammtor Richtung Altona in den ICE 72 aus Chur, der nach Hannover noch an drei Hamburger Bahnhöfen hält, jeweils nur zum Ausstieg.
A) Der Fahrgast möchte beim Zugpersonal eine Fahrkarte erwerben. Womöglich kann ein Zugbegleiter nur eine Fahrkarte ab Hannover ausstellen?
B) Es liegt ein Flexticket o.ä. vor, wobei die Fahrt bis Dammtor durchgeführt wurde, oder ein Flexticket Dammtor - Altona (ggf. darüber hinaus). Wäre dies gültig oder müsste man ein (noch nicht verwendetes) Ticket ab Hannover vorweisen können?
C) Bahncard 100, Prämien-Tageskarten u.ä. dürften ausreichend sein.

Eine Verwarnung, ob mit oder ohne "Bußgeld", wegen des unerlaubten Einsteigens sollte ganz separat davon zu betrachten sein. (Müsste man tatsächlich eine Fahrkarte ab Hannover zahlen, wäre dies im Endeffekt Strafe genug.)

Ein Zugbegleiter kann auch von Ostkreuz nach Warschauer Straße in Berlin eine ICE Fahrschein verkaufen. Darum geht es doch auch gar nicht. Diese Züge halten wie gesagt nur zum Ausstieg und ein Einstieg ist untersagt egal ob der Fahrgast einen Flexpreis, eine Freifahrt oder eine BahnCard 100 hat. Der Aufforderung des Personals ist hier Folge zu leisten.

Ich frage mich die ganze Zeit was diese Diskussion hier eigentlich soll? Man ist keine Sekunde zeitiger am Ziel. Ich habe eher das Gefühl es gibt mal wieder den ein oder anderen der es gezielt auf Stress abgesehen hat. Fahrt doch einfach mit parallel verlaufenden Zügen des Regionalverkehrs und gut ist.

Neptun
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Tino, danke für die Infos.

"Ich frage mich die ganze Zeit was diese Diskussion hier eigentlich soll?"
Die Intention von CFP ist mir auch nicht klar. Allerdings können ja Dinge passieren wie ein versehentlicher Ausstieg in Dammtor, wenn man eigentlich nach Altona will. Falls sich kurz darauf ein weiterer ICE ankündigt, ist es das einfachste, mit diesem weiterzufahren.

"Man ist keine Sekunde zeitiger am Ziel."
Kommt drauf an. Wenn du morgen abend um 18:45 von Berlin-Spandau zum Hbf oder Südkreuz willst, ist eine Fahrt mit dem IC 2071 höchstwahrscheinlich (Voraussetzung: Zug ist pünktlich und du wirst reingelassen) schneller als RE/RB/S-Bahn, U-Bahn oder Taxi.

CFP
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Ich habe eher das Gefühl es gibt mal wieder den ein oder anderen der es gezielt auf Stress abgesehen hat.

Das mit Sicherheit nicht. Danke dir, Tino, dass du so ausführlich antwortest.

Was du beschreibst, ist in der Theorie aus Bahn-Sicht richtig, die Praxis sieht aber ein bisschen anders aus.

Die S-Bahn kann man in der Betrachtung quasi ganz „vergessen“: Sie nimmt uU nicht dieselbe Route wie die anderen Züge bzw. hat extrem viele Zwischenhalte (etwa in München), faktisch brauchst du wahrscheinlich doppelt so lange wie mit Regional-/Fernverkehrszügen. Zudem halten diese Züge teilweise in anderen Geschossen bzw. Bahnhofsabteilen, so dass du ggf. noch einen langen Fußmarsch vor dir hast. In den Stoßzeiten sind die S-Bahnen – nun ja, sagen wir es freundlich – „sehr stark ausgelastet“.

Bezüglich des Regionalverkehrs (RE/RB) hast du Recht, zeitlich (und auch von der Auslastung her) ist es meist vergleichbar mit den Fernverkehrszügen. Jedoch würden die Fernverkehrszüge natürlich die Taktung erhöhen. Du kommst an den Bahnsteig und müsstest 10 Minuten auf den nächsten Zug warten – aber neben dir fährt gerade ein ICE/IC ein, der dich schnell(er) und komfortabel an dein Ziel bringt … Ich meine, wir sind doch alle Menschen ;-)

In der Praxis gibt das wohl eher selten Probleme, vermute ich mal? Aber mit Kollegen und anderen Fahrgästen spricht man doch öfters mal über dieses Thema der Züge, die nicht zur Abfahrt in der Verbindungssuche angezeigt werden, und eben, ob das nun eigentlich gestattet wäre und zu dem Thema gibt es viel Halbwissen, aber eben nichts „schriftliches“. Und das ist keine Wortklauberei, sondern wir sind alle der deutschen Sprache mächtig: Da steht „Bitte nicht einsteigen“. Und nicht „Zustieg verboten“ oder dergleichen.

Wenn ein Zugbegleiter jetzt z. B. sagt, „hallo, Sie dürfen hier nicht zusteigen, wir halten nur für den Aussieg“ hielte ich es für absolut selbstverständlich, dem Folge zu leisten und das zu respektieren. Wenn man sich mit dem Zugpersonal ganz normal unterhält, kommt aber meist eine Reaktion á la „Ach, das ist doch egal, solange Sie einen Fahrschein haben und den Betrieb nicht aufhalten.“ oder „Das steht doch nur da, dass wir im Zweifel fahren können, sobald wird los dürfen und nicht erst genau auf die angekündigte Abfahrtszeit warten müssen.“

Aber natürlich stellen sich Fahrgäste mal die Frage, was denn jetzt passieren würde, wenn die Türen geschlossen sind, der Zug fährt und jetzt der Schaffner kommt: „Sie waren doch vorher nicht im Zug?“ – „Korrekt, ich bin zugestiegen, hier ist mein Fahrausweis.“ – „Aber Sie hätten nicht zusteigen …“ dürfen? können? sollen? Daher die Frage nach den Konsequenzen – ob es denn überhaupt welche geben könnte (falls überhaupt verboten) oder es eben einfach nur die Bitte ist, damit nicht zusätzlicher Zustrom auf diesen Strecken für die Züge ist.