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Gibt es eine grobe (offizielle) Vorrangregelung zu Zuggattungen,

z.B. bei Streckeneinschränkungen? Aus eigener Erfahrung ist mir bekannt, dass private Güterzüge wegen möglicher Pennale (Bußgeld) sogar ICE "stehenlassen" können. Einer Bekannten ist ähnliches auf der "Rheinschiene" passiert und es war die Frage, ob es sinnvoller gewesen wäre, anstatt auf Anschlusszug zu warten, S-Bahn oder Regionalexpress zur Überbrückung zu nehmen.

Vielen Dank schon mal und Grüße aus Dresden.

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Tino Groß
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Hallo RalfLippold,

grundsätzlich gilt die Regel dass jeder Zug eine Anrecht auf pünktliche Zugfahrt hat. Es gab früher mal die Regelung dass grundsätzlich ein ICE Vorrang vor allen anderen Zuggattungen hat. Bei der heutigen Aufteilung in die verschiedensten Unternehmensbereiche und der Liberalisierung im Nahverkehr kommen unzählige private Eisenbahnverkehrsunternehmen auf Deutschlands Schienen zum Einsatz. Hier zum Beispiel müssen die Aufgabenträger Strafen bei Verspätungen zahlen. Ebenso kosten verspätet zugestellte Güter empfindliche Ponäle. Hier müssen die Fahrdienstleiter von DB Netz sehr viele Faktoren berücksichtigen. Z. Bsp. gilt mittlerweile auch der Leitsatz "pünkltich vor verspätet". Man wird also nicht weitere pünktliche Züge 'verbiegen' um einen verspäteten noch durchzuwinken. Im Zweifel wird dieser an die Seite genommen und überholt. Man sieht die Mitarbeiter von DB Netz haben hier alle Hände voll zu tun und nicht immer kann jede Regel eingehalten werden. Daher kann auch keine Garantie dafür gegeben werden welche Zug jetzt vor einem anderen Vorrang hat. Zudem arbeiten auch hier nur Menschen so dass ein Mitarbeiter von heute anderes als jemand von morgen entscheidet. Manchmal hängen Entscheidungen auch nur von wenigen Sekunden ab. Und leider kann manchmal der Gast diese Entscheidung nicht vollstehen oder nachvollziehen. Zum Abschluss sei aber gesagt, dass jeder Mitarbeiter sein bestmöglichstes versucht und niemand mit Absicht entscheidet.

Gruß, Tino!

Hallo Tino,

herzlichen Dank für die schnelle Antwort (die ich auch schon weiterleiten konnte). Was früher "einfacher" war, die Vorrangregeln, erscheint heute aufgrund der Vielfalt und gesteigerten Komplexität (ICEs auf Güterzutrassen bzw. Mischverkehrstrassen) nicht mehr möglich.

Jedoch, was immer wieder fehlt (auch bei einer eigenen Erfahrung vor vier Jahren auf der Fahrt nach Italien passiert) ist, dass die Fahrgäste meist keinerlei Informationen erhalten, was nun passiert oder was der Grund der Störung sein könnte.

Ließe sich hier nicht mehr machen, oder liegt es teilweise an der schlechten Mobilfunkausleuchtung oder fehlenden Informationssystemen, die entsprechende Infos an die Teams der betroffenen Züge senden?

Gruß, Ralf

Leo
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„Ließe sich hier nicht mehr machen, oder liegt es teilweise an der schlechten Mobilfunkausleuchtung oder fehlenden Informationssystemen, die entsprechende Infos an die Teams der betroffenen Züge senden?“

Alle automatisch erhobenen Rohdaten stammen aus ORTSFESTEN Erfassungseinrichtungen.

Etliche Aspekte der bisweilen miserablen Verarbeitung dieser Rohdaten wurden hier erörtert (noch nicht abgefahrene Züge werden als pünktlich angezeigt statt mit der Mindestverspätung bei sofortiger Abfahrt, Verspätung des Gegenzuges, Staus und Wendezeiten werden nicht automatisch berücksichtigt, Vieles muss manuell eingepflegt werden, ...):

https://community.bahn.de/questions/1865160-db-navigator-...

„Letztendlich ist es auch der Grund, warum nicht automatisch schon früh genug angezeigt wird, ob der Zug Verspätung haben wird, wenn es nicht manuell eingepflegt wurde. Die Daten aus der Vorleistung werden nicht automatisch gezogen. Ob generell eine Verknüpfung im Hintergrund über die ganzen Vorleistungen gegeben werden kann, kann ich nicht sagen, so wie es Leo an sich als guten Vorschlag genannt hatte.
Solange es jedoch keine Lösung gibt, muss es vor dem Start manuell eingetragen werden, oder aber automatisch, wenn der Zug über den ersten Signalpunkt fährt. /no“

Aber vielleicht verbessert sich ja im Hintergrund schon etwas?

„Z. Bsp. gilt mittlerweile auch der Leitsatz "pünkltich vor verspätet". Man wird also nicht weitere pünktliche Züge 'verbiegen' um einen verspäteten noch durchzuwinken. Im Zweifel wird dieser an die Seite genommen und überholt.“

Der Ansatz erinnert mich stark an die Erlebnisse in Italien 1985 bei der damals noch sehr unzuverlässigen FS, heute Trenitalia: Wer ein Mal Verspätung hat, muss alle anderen vorbei lassen. Fazit: Aus 30 Minuten Verspätung wurden am Ende mehrmals 2 bis 3 Stunden (OK, auf der langen Strecke von Sizilien in den Norden).

Tino Groß
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Hallo Ralf,

ja die rechtzeitige Weitergabe von Informationen an die Gäste ist manchmal nicht ganz einfach. Ich möchte an dieser Stelle mal eine Erfahrung aus der täglichen Arbeit berichten um es vielleicht zu verstehen und etwas Verständnis aufzubringen.

Dazu muss ich sagen dass die Informationsweitergabe beim ICE 3 leichter ist aufgrund des mobilen Ansagesystems. Mit diesem kann ich derzeit auf dem Bahnsteig stehend Ansagen machen und Informationen weitergeben.

Bei allen anderen Baureihen muss man teils ins Dienstabteil gehen was wiederum die freie Sicht auf das entsprechende Signal verhindert was abermals die Weiterfahrt verhindert.

Nun steht man wie gesagt pünktlich zur Abfahrt am Bahnsteig und wartet auf die Fahrstellung und nichts passiert. Also wartet man erstmal geduldig bzw. überprüft die Betriebslage ob z. Bsp. kreuzende Züge eine Abfahrt verspäten lassen.

Gleichzeitig schickt man an die entsprechende Transport- oder Verkehrsleitung eine „Zug steht“ Meldung ab. Bei der TP/VL wandert dieser Zug jetzt automatisch nach oben und wird rot untermauert. Dieser Zug genießt jetzt höchstes Priorität. Die „Zug steht„ Meldung kann man noch verfeinern indem man „Warten auf Ausfahrt“ klickt. Nun fragt die TP/VL - sofern ihr der Grund auf dem Streckenspiegel nicht bereits vorliegt - bei DB Netz nach und wartet auf Antwort. Die Weitergabe an den Zugchef dauert abermals. Mitunter kommen hier gut und gerne 5 min. zusammen.

Als Zugchef warte ich auch erstmal ein paar Minuten ob die Ausfahrt nun auf Fahrt geht oder nicht. Man hat immer das Gefühl wenn man jetzt in den Zug geht um den Lokführer anzusprechen dass die Ausfahrt kommt. Also werden auch die anfänglichen Ansagen - auch wenn noch kein Grund vorliegt - in der Regel unterlassen weil auch hier der Gang zur Sprechstelle wertvolle Sekunden kosten würde. Es könnte ja wie gesagt recht schnell das Signal auf Fahrt gestellt werden.

Wenn man jetzt doch über den Lokführer oder die TP/VL eine Info bekommt und sich die Abfahrt weiter verzögert besteht erstmals wirklich die zeitliche Möglichkeit die Gäste umfassend zu informieren.

Ich hoffe ich konnte einen kleinen Einblick gewähren wieso es manchmal etwas länger dauern kann. ;-)