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Frage beantwortet

Nur teilweise Aufhebung der Zugbindung

Nur teilweise Aufhebung der Zugbindung

-- NB: Es gibt schon viele Fragen zur Zugbindung im Forum, zu dieser Konstellation habe ich aber noch keine Antwort gefunden. Falls ich was übersehen haben solle: sorry für ein Doppelposting --

Ich habe folgenden Fall:
Ich hatte einen Sparpreis Europa 1. Klasse mit Zugbindung:

  • ICE 201 von Mannheim nach Basel SBB
  • Danach ICE 79 von Basel SBB nach Zürich
  • Danach noch eine S-Bahn zum Zielort (NV, also ohne Zugbindung)

Der ICE 79 war schon mehrere Stunden vor Fahrtbeginn ca. 80 Minuten verspätet. Der erste Zug, ICE 201, war pünktlich, ich hätte aber ab Basel statt ICE 79 dann mit einer ungünstigeren Verbindung fahren müssen und wäre mindestens 30 Minuten später am Zielort angekommen. Daher wollte ich die Verbindung eine Stunde früher nehmen, mit der ich mit dem gleichen Zeitaufwand wie ursprünglich geplant, jedoch einfach eine Stunde früher, angekommen wäre (die frühere Verbindung konnte ich natürlich nur deswegen nehmen, weil ich im Büro die Zugverspätungssituation via bahn.de verfolgt und gemerkt hatte, dass die ursprünglich geplante Verbindung nicht funktionieren wird und dann früher als geplant zum Bahnhof gefahren bin).

Deswegen habe ich im Reisezentrum Mannheim gebeten, mir die Aufhebung der Zugbindung per Stempel zu bestätigen. Die Dame am Schalter war jedoch der Ansicht, dass der erste ICE 201 ja pünktlich wäre, und daher die Zugbindung erst ab Basel SBB aufgehoben werden könne. Dies hat sie auch so auf dem Ticket vermerkt ("Ab Basel SBB ICE 79 Zugbindung aufgehoben"), ich wäre dann auf jeden Fall 30 Minuten verspätet angekommen, die dazugehörige Verbindung mit der 30 Minuten späteren Ankunft hatte sie mir gleich mit ausgedruckt. Meine Aussage, dass die gesamte Zugbindung aufgehoben wäre und ich daher eine beliebige zulässige Verbindung nehmen könne, hat sie vehement verneint. Sie hatte mich verwarnt, solle ich doch einen anderen Zug als den ursprünglichen ICE 201 ab Mannheim nehmen, würde ich dann mit ungültigem Ticket fahren.

Immerhin konnte ich danach mit dem Chef des Reisezentrums sprechen, der mir dann doch das Ticket -- angeblich aus Kulanz -- vollständig "freigeschaltet" hat.

Da ich genau diese Verbindung regelmässig nutze, und üblicherweise der erste ICE mehr oder wenig pünktlich ist, und der zweite ICE im Anschluss sehr oft massiv verspätet ist, würde ich hier gerne diese Thematik mit der Community erläutern.

Daher die Frage an die Community: Was gilt nun? Gibt es tatsächlich eine nur teilweise Aufhebung der Zugbindung, muss ich also erst mit den pünktlichen Zügen quasi in die Verspätung hinein fahren (Vorteil für mich wäre: ich habe ggfs. noch Anspruch auf Fahrpreiserstattung aufgrund der Fahrgastrechte, wenn es dann mehr als 60 Minuten Verspätung werden)? Oder kann ich, wenn die Zugverspätung am Zielort voraussichtlich mehr als 20 Minuten beträgt, jede beliebige Verbindung, also auch eine frühere, wählen (das war bis gestern mein Verständnis davon)(dann würde sich die Bahn auch die Fahrpreiserstattung sparen)?

emu901
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Die Antwort wurde von DB Bahn bestätigt
Woodstock
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Eine teilweise Aufhebung der Zugbindung gibt es nicht. Allerdings wird im internationalen Verkehr die Zugbindung erst bei einer zu erwartenden Verspätung am Zielbahnhof von mindestens 60 Minuten aufgehoben.

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Nebenthema:

"Da ich genau diese Verbindung regelmässig nutze, und üblicherweise der erste ICE mehr oder wenig pünktlich ist, und der zweite ICE im Anschluss sehr oft massiv verspätet ist,"

Warum buchen Sie denn dann nicht gleich die frühere Verbindung?

Woodstock
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Eine teilweise Aufhebung der Zugbindung gibt es nicht. Allerdings wird im internationalen Verkehr die Zugbindung erst bei einer zu erwartenden Verspätung am Zielbahnhof von mindestens 60 Minuten aufgehoben.

emu901
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Zum Nebenthema: "Warum buche ich nicht die frühere Verbindung" -- ganz einfach: weil die für mich eigentlich zu früh ist. Ich buche die Verbindungen so, dass es zu meinem Arbeitsalltag passt; leider muss ich dann in der Praxis meinen Arbeitsalltag an die Verspätungssituation der Bahn anpassen. Im Übrigen ist die Verbindung eine Stunde früher auch sehr oft verspätet. Welche Züge konkret an welchen Tagen wie verspätet sind lässt sich leider nicht Wochen im Voraus vorhersagen, selbst wenn es gewisse Erfahrungswerte gibt.

emu901
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Zur Antwort "20 Minuten-Regel gilt nur in Deutschland":
Dazu gab es schon andere Postings, die auch von der DB bestätigt wurden, z. B. https://community.bahn.de/questions/2175932-sparpreis-int.... Dort war nie die Rede davon, dass die Regel auf Deutschland beschränkt wäre. Wie gesagt, meine Frage war konkret, ob es eine "nur teilweise Aufhebung der Zugbindung" wie vom Reisezentrum Mannheim behauptet gibt.

Klar kann es die geben. Sie sitzen in einem pünktlichen Zug und ihr Anschluss ist verspätet. Also wird die Fahrkarte für die Anschlussverbindung teilweise aufgehoben.

Und die 20 min Regel ist eine alleinige Sache der DB.

kabo
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"Zur Antwort "20 Minuten-Regel gilt nur in Deutschland":
Dazu gab es schon andere Postings, die auch von der DB bestätigt wurden"
-> In dem Posting wurde aber nicht bestätigt, dass die 20min-Regel auch in der Schweiz gilt. In dem Posting war von einem Komplettausfall die Rede.

Fakt ist, dass die 20min-Regelung nur im rein innerdeutschen Verkehr gilt, sonst sind es 60min.

Wenn(!) ein Anspruch auf Aufhebung des Zugbindung bestanden hätte, dann wäre die Zugbindung komplett aufgehoben - eine teilweise Aufhebung ist in den Fahrgastrechten nicht vorgesehen.

Tatsache ist auch, dass Zugbegleiter in der Schweiz häufig weniger großzügig sind, als Zugbegleiter in Deutschland. Und: Schweizer Zugbegleiter wissen, dass 60min die entscheidende Grenze sind.

emu901
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Ich bin nun verwirrt. Eine 60-Minuten-Regel kenne ich nur aus dem Zusammenhang mit den Fahrgastrechten, dort wird das Thema Zugbindung aber nicht erläutert. Wenn man nun die Information der Bahn zu den Fahrgastrechten anschaut (https://www.bahn.de/p/view/mdb/bahnintern/agb/befoerderun...) wird die 20-Minuten-Regel bei Verspätung bedingungslos beschrieben, also insbesondere nicht nur auf den innerdeutschen Verkehr eingeschränkt. Auch sonst habe ich nirgends finden können, dass im internationalen Verkehr andere Zeitgrenzen für die Zugbindung gelten.
Wo steht denn konkret die Information, dass die 20-Minuten-Regel im internationalen Verkehr nicht anzuwenden wäre?
Ich muss dazu sagen, ich kaufe die Tickets immer bei der Deutschen Bahn (das hatte ich im Post leider vergessen zu erwähnen), habe also mit der DB einen Beförderungsvertrag und damit gelten die Regeln, welche die DB aufgestellt hat. Mit den SBB-Zugbegleitern hatte ich diesbezüglich auch noch nie eine Diskussion (denen ist nur wichtig, dass sie meine BahnCard und meine ID sehen...).

kabo
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"Wo steht denn konkret die Information, dass die 20-Minuten-Regel im internationalen Verkehr nicht anzuwenden wäre? "
-> Konkret: Nirgendwo.
Denn in der europaweit verbindlichen EU-Fahrgastrechteverordnung gibt es diese 20-min-Regel gar nicht. Da steht nur drin, dass bei einer zu erwartenden Verspätung vom mehr(!) als 60 min (= streng genommen also mindestens 61 min) der Kunde die Reise "bei nächster Gelegeheit fortsetzen" oder "zu einem späteren Zeitpunkt nach Wahl des Kunden fortsetzen" darf. Von "früher als gebucht" steht da übrigens auch nichts.

In den innerdeutschen Beförderungsbedingungen, die für innerdeutsche Fahrten gelten, ist zugunsten des Kunden eine großzügigere Regelung eingeführt worden. Dazu gehört auch die 20-min-Regelung. (Falls also jemand behauptet, die DB bietet nur das vorgeschriebene Mindestmaß an Fahrgastrechten, dann ist das für innerdeutsche Fahrten falsch.)

In den internationalen Beförderungsbedingungen ist das nicht der Fall. Bei internationalen Tickets bietet die DB "nur" die Fahrgastrechte, wie Sie in der EU-Verordnung vorgesehen sind. Nicht weniger, aber auch nicht mehr - also auch keine 20-min-Regelung.

steht auf Sparpreis Online-Tickets ins Ausland auch dieser Hinweis mit der 20 Minuten Grenze?

Bei einer zu erwartenden Verspätung ab 20 Minuten am Zielbahnhof Ihrer Fahrkarte ist die Zugbindung Ihrer Fahrt ohne besondere
Bescheinigung aufgehoben.

Braunschweiger
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Zumindest bei internationalen Flexpreis-Fahrkarten steht nichts von der 20-Minuten-Regel oder der 60-Minuten-Regel. Allerdings ist ein anderer, spannender Satz enthalten:

  • Es gelten die nationalen und internationalen Beförderungsbedingungen der DB AG. Innerhalb von
  • Verkehrsverbünden und Tarifgemeinschaften gelten deren Bedingungen. Alle Bedingungen finden Sie
    unter: http://www.bahn.de/agb und http://www.diebefoerderer.de.

    Jetzt mal wieder die spannende Frage: Wenn die DB so schwammig formuliert, dann gehen Unklarheiten ja zu Lasten des AGB-Ausstellers. Von da her kann durchaus so argumentiert werden, dass die 20-Minuten-Regel aus den nationalen Beförderungsbedingugen angewendet werden kann --> Die Aufhebung der Zugbindung gilt dann auch für den ersten ICE.

Leo
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„In den innerdeutschen Beförderungsbedingungen, die für innerdeutsche Fahrten gelten, ist zugunsten des Kunden eine großzügigere Regelung eingeführt worden. Dazu gehört auch die 20-min-Regelung. (Falls also jemand behauptet, die DB bietet nur das vorgeschriebene Mindestmaß an Fahrgastrechten, dann ist das für innerdeutsche Fahrten falsch.)“

Da fühle ich mich jetzt angesprochen:

1. Die 20 Minuten statt (ab oder gar über) 60 Minuten ist auf dem Papier in der Tat eine leichte Verbesserung gegenüber den Europäischen Vorgaben. Ich habe davon allerdings erst ein Mal profitiert; normalerweise ging es immer um Anschlussverlust oder nicht, und dann ist man eh meist automatisch bei 60 Minuten. Gibt es denn sonst noch eine bei der DB kundenfreundlichere Regelung im Vergleich zur EU-Vorgabe und/oder anderen Bahnen?

2. Die EU sieht vor, dass man eigentlich grundsätzlich mit der nächsten schnellen Verbindung weiterfahren kann – lässt aber leider einige Schlupflöcher, die die DB voll ausnutzt: Inhabern von angeblich erheblich ermäßigten Fahrkarten (auch wenn sie ohne Berücksichtigung einiger Straßenbahnfahrten am Startort sogar teurer sind als ein Flexpreis!) verwehrt sie die Weiterfahrt im IC oder ICE – solange die Kunden nicht mit vollem Risiko dermaßen spät fahren, dass die DB ihnen sonst ein Taxi oder Hotel spendieren müßte. Inhaber von Nahverkehrs-Flexpreisen können auch nicht so einfach andere Züge nehmen; Sie müssen erst umständlich eine Produktübergangs- und/oder Umwegkarte kaufen. Diese bekommen sie zwar erstattet, verpassen aber evtl. die nächste Fahrmöglichkeit und sind so noch später am Ziel.

3. Die EU sieht auch vor, dass der Kunde ab 60 Minuten zu erwartender Verspätung am Ziel entweder sofort oder zu einem beliebigen späteren Zeitpunkt nach seiner Wahl weiterreisen kann – leider ohne Vorgabe innerhalb welcher Frist genau. Die pingelige DB beharrt stur auf der normalen Geltungsdauer der Fahrkarte. Sparpreiskunden haben somit nicht die Wahl, bei immer größer werdendem Chaos einfach einen Tag später zu fahren, sondern werden gezwungen evtl. sogar vorprogrammiert irgendwo zu stranden. Erst wenn das bei Stürmen vielen schon regelmäßig widerfahren ist, kommt die dann die sturmübliche Kulanzankündigung und Verlängerung der Geltungsdauer auf dann immerhin eine ganze Woche. Bei der sonst bzgl. Geltungsdauer pingeligen SNCF (max 24h nach Entwertung) hat der Kunde dagegen im Störungs-Normalfall 48h Zeit, die Weiterfahrt anzutreten.

Aber was sollen wir uns noch über die bald überholten Fahrgastrechte aufregen, bald gibt es ja neue. Und die gelten im Fall höhere Gewalt dann ohnehin nicht.

Da erinnere ich mich noch an einen Fall vor vielen Jahren, als noch Verspätungsgutscheine im ICE (München-Frankfurt-Rheinland) verteilt wurden (und man im häufigsten Fall des Anschlussverlusts bei unter 30 Minuten Verspätung des ICE leer ausging):

1. Sperrung wegen Personenunfalls
2. Stau auf der Umleitung
3. Verzögerung wegen Signalstörung
4. Mit über einer Stunde Verspätung fuhren wir in Würzburg los – und standen dann kurz darauf lange im Tunnel der Neubaustrecke Würzburg – Fulda/Frankfurt.
Der (damals noch) ZF weigerte sich mit dem Verweis auf höhere Gewalt, einen Verspätungsgutschein auszugeben. Ich rechnete ihm vor, dass bis dahin mindestens 45 Minuten Verspätung nicht durch die Umleitung entstanden seien. Wir standen immer noch im Tunnel kurz hinter Würzburg; er weigerte sich standhaft und ging. Wir standen immer noch längere Zeit auf dem rechten Gleis, und wurden schließlich auf dem linken Gleis vom ICE nach Hamburg überholt – obwohl wir ein paar Kilometer weiter ohnehin in Richtung Frankfurt abgebogen wären! Verägert stürmte ich ins Dienstabteil und fragte den ZF, ob er die Überholung gesehen hätte. Da bekam ich endlich den Verspätungsgutschein.

Ich freue mich schon auf entsprechende schriftliche Diskussionen mit dem Servicecenter Fahrgastrechte.

kabo
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"steht auf Sparpreis Online-Tickets ins Ausland auch dieser Hinweis mit der 20 Minuten Grenze?"
-> Nein, der Hinweis steht da nicht - habe ich gerade kontrolliert.