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Frage beantwortet

Sinnlose 3 Minuten-Kaufsperre vor Abfahrt verhindert legales Fahren kurz vor Mitternacht

Ich fahre als Projektmanager der Karte von morgen sehr gerne und viel mit der Bahn durch ganz Deutschland, denn mit Bahn und Klapprad könnte man mindestens so flexibel sein, wie mit dem Auto und wäre besonders im Stadtverkehr und auf Langstrecken viel schneller. Konjunktiv - denn leider gibt es ein paar sinnlose Regeln bei der Bahn, die das verhindern.
So stand ich gestern Nacht nach einem Vortrag mit anschließendem Vernetzungsessen von Wissenschaftlern und Politikern in Basel und hatte es gerade so geschafft, mich von der netten Runde los zu reißen um 5 min. vor Abfahrt des Zuges am Bahnhof zu sein. Denn am nächsten Morgen muss ich um 6 Uhr aufstehen, mein Kind in den Kindergarten bringen und direkt ins Büro fahren.

Die Bahn hat sich nun aber etwas sehr kluges einfallen lassen, um Spontanfahrern das Leben schwer zu machen. Als ich mir ein Ticket kaufen will, und mich durch die unterschiedlichen Untermenüs des Buchungsvorgangs auf der App navigiere, sind nur noch 3 min. bis zur Abfahrt übrig und das Kaufen des Tickets über das Smartphone wird blockiert. Tolle Idee! Damit hält man bestimmt Schwarzfahrer ab. Normalerweise kann man jetzt entspannt in den Zug einsteigen und gemütlich im Zug die nächst spätere Verbindung als Flexpreis kaufen. (Mit BahnCard50 in der Regel nicht teurer als 5 min. vor Abfahrt des Zuges) Nicht jedoch wenn das die letzte Verbindung des Tages ist. Altmodische Fahrer mögen sich in den letzten drei Minuten nun am Fahrkartenautomaten ein Ticket ziehen, aber da ich sowas noch nie bedient habe und keinen auf dem Bahnsteig sah, war mir das Risiko etwas zu hoch, irgendwo in der Bahnhofshalle noch ein Tickte und den Zug zu erwischen.
Weil ich aber ungern schwarz fahre, habe ich einfach die nächstmögliche Verbindung um 5 Uhr morgens gekauft, also am nächsten Tag. Die einzige Alternative die ich konkret hatte, wäre ein Hotel in Basel zu suchen, was sich kaum einer leisten kann oder am Bahnsteig zu übernachten. Die Bahn denkt offentsichtlich, dass alle ihre Fahrgäste entweder superreich oder Penner sind. In beiden Fällen hätte ich es jedenfalls am nächsten morgen nicht rechtzeitig mit meinem Sohn in den Kindergarten bringen können und es nicht rechtzeigtig ins Büro geschafft. 23:23 bin ich dann also in den Zug gestiegen, der dann auch leicht verspätet abfuhr.

Um 23:55 kommt dann die Schaffnerin und ich zeige ihr mein Ticket und erkläre ihr die Situation. Wo andere Schaffner eher Verständnis zeigen, will sie mir ein ganz neues Ticket verkaufen, allerdings für 20 € Aufpreis wegen dem "Platzservice" (Als ob sie extra vorbeigekommen wäre, weil ich ein Ticket bräuchte). Ich beschwere mich über die 20 € Strafgebühr, die für ein Ticket im Wert von 14 € zwischen Basel und Freiburg absolut übertrieben sind und versuche ihr klar zu machen, doch einfach in ein paar Minuten nochmal zu kontrollieren. Aber die 40 Jährige stellt auf Stuhr und 23:58, also genau 2 Minuten bevor mein Ticket gültig wäre, stellt sie mir ein "Strafzettel" von 60€ aus und lässt mich von der Bundespolizei in Freiburg abholen.
Tja, so ein Quatsch. Eine herrliche Kundenfreundlichkeit, wegen 2 Minuten so ein Terz. Klar, genau genommen fahren ich schon 30 min. schwarz, denn ich bin ja etwa 23:30 verspätet los gefahren. Viele wüden sich nun ins Fäustchen lachen und sagen, "siehste, und deswegen fahre ich lieber mit meinem SUV überall hin". Andere schieben dass auf den Staatskonzern und wollen die Bahn an der Börse verhökern. Aber damit wird bekanntlich auch nichts günstiger. Ich könnte jetzt auch auf die 40-Jährige frustrierte Schaffnerin schimpfen, die einmal ihre Machtposition ausnutzen wollte, aber auch das ist menschlich und solche Seelen sind in so einem stupiden Job wie der Ticketkontrolle eigentlich super aufgehoben.

Aber ich denke die Bahn müsste für solche Fälle eine sinnvolle Regelung schaffen.
1. Sie sollten die super dämliche 3-min. Kaufsperre vor Zugabfahrt aufheben, denn wie oben beschrieben hindert sie sowieso niemanden außer kurz vor mitternacht daran, ein gültiges Ticket zu kaufen.
2. Sie sollte Tickets nicht nur bis um 3 Uhr des folgetages gelten lassen sondern auch schon ab 21 Uhr am Tag zuvor. Vielleicht reicht auch schon eine Gültigkeit ab 23 Uhr. Vielleicht braucht es auch eine Spezialregel, die sich keiner merken kann, sowas wie "Wenn es am Tag des Fahrtantritts in der App kein Ticket mehr zu kaufen gibt, kann das nächste Ticket gekauft werden, was für den Zug gültig wäre"

In jedem Fall kann es ja nicht sein, dass die Bahn ihre Fahrgäste vom 23:15 bis 5 Uhr morgens am Bahnhof frieren lassen will, nur weil es keine Tickets mehr für einen fast leeren Zug gibt. (Ok, für die Strafgebür von 20 € geht das im Fernverkehr zur Not, aber da ich vorher die S-Bahn aus Lörrach hatte, wäre das allein daher unmöglich.
Die Bahn hat mit Pünktlichkeit und Überlastung wirklich wichtigere Baustellen, also die sinnlosen Ticketregeln...

HelmutWo
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kabo
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leicht off-Topic:
Als ich den Satz "Mehr als Verständnis und Solidaritätsbekundungen bekommen Sie hier nicht." schrieb, wollte ich eigentlich ein "... und selbst das ist fraglich" anfügen.
Warum wusste ich, dass ein sinngemäßes "selbst schuld" noch kommen wird?

Fakt ist, dass die DB einerseits den Flexpreis als Universallösung anpreist, andererseits bei der Mitternachtsproblematik sich selbst in Knie schießt bzw. dem Kunden.

Ich sitze abends im Kino, der Film geht bis kurz vor Mitternacht. Ich weiß nicht, ob ich den letzten Zug vor Mitternacht noch bekommen werde oder erst den ersten nach Mitternacht. Flexpreisticket im voraus kaufen geht also nicht - ich weiß ja nicht für welchen Tag. Ich komme am Bahnhof an, es ist noch kurz vor Mitternacht, könnte den Zug vom alten Tag gerade noch bekommen, kann aber kein Ticket mehr kaufen. Dafür hat die DB wirklich keine Lösung - und das ist einfach traurig, weil es Kunden, die Bahn fahren wollen, davon abhält.

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kabo
kabo

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" Damit hält man bestimmt Schwarzfahrer ab. "
-> Ja. Dafür ist die Regel da.
Denn es gibt ja Leute, die sich erst nach einem Schaffner umsehen und nur dann ein Ticket kaufen, wenn ein Schaffner in der Nähe ist (und deshalb mit einer Fahrkartenkontrolle zu rechnen ist).

"Altmodische Fahrer mögen sich in den letzten drei Minuten nun am Fahrkartenautomaten ein Ticket ziehen, aber da ich sowas noch nie bedient habe "
-> Sie hätten die Erfahrung gemacht, dass die 3min-Regel auch am Automat gilt.

"Aber ich denke die Bahn müsste für solche Fälle eine sinnvolle Regelung schaffen."
-> Das denke ich auch.
Aber das hilft Ihnen nichts. Diese Community ist eine Plattform, wo Sie andere Kunden (meist Vielfahrer) erreichen und wo sich (weniger erfahrene) Kunden Rat und Infos von anderen Kunden (wie z.B. von mir) holen können. Entscheidungsträger der DB erreichen Sie hier nicht. Deshalb nutzt Ihre Beschwerde hier nichts. Mehr als Verständnis und Solidaritätsbekundungen bekommen Sie hier nicht.

Tino Groß
Tino Groß

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Wieso muss man seinen Beitrag mit allem möglichen ausschmücken was uns hier in der Community null Komma nichts interessiert?

Warum kann man sein Anliegen nicht kurz und schmerzlos vortragen? Ist das echt zu viel verlangt?

Und ich habe noch nie bemerkt dass man beim DB Navigator in diversen Untermenüs eine Fahrkarte buchen kann. Die Fahrkarte wird in einem Wisch bezahlt. Und als Vielfahrer mit einer BahnCard 50 sollten Sie doch wissen wie es geht. Also ich verstehen ihren Frust einfach gar nicht. Denn genauso gut hätten Sie ja das Ticket bereits am Stammtisch kaufen können und hätten somit keine Probleme gehabt. Aber wie das Leben mal so spielt.

Egal nicht aufregen, Tino!

kabo
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leicht off-Topic:
Als ich den Satz "Mehr als Verständnis und Solidaritätsbekundungen bekommen Sie hier nicht." schrieb, wollte ich eigentlich ein "... und selbst das ist fraglich" anfügen.
Warum wusste ich, dass ein sinngemäßes "selbst schuld" noch kommen wird?

Fakt ist, dass die DB einerseits den Flexpreis als Universallösung anpreist, andererseits bei der Mitternachtsproblematik sich selbst in Knie schießt bzw. dem Kunden.

Ich sitze abends im Kino, der Film geht bis kurz vor Mitternacht. Ich weiß nicht, ob ich den letzten Zug vor Mitternacht noch bekommen werde oder erst den ersten nach Mitternacht. Flexpreisticket im voraus kaufen geht also nicht - ich weiß ja nicht für welchen Tag. Ich komme am Bahnhof an, es ist noch kurz vor Mitternacht, könnte den Zug vom alten Tag gerade noch bekommen, kann aber kein Ticket mehr kaufen. Dafür hat die DB wirklich keine Lösung - und das ist einfach traurig, weil es Kunden, die Bahn fahren wollen, davon abhält.

HelmutWo
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Danke für die raschen Antworten!

Ich schreibe das hier, weil mich interessiert, ob es anderen Kunden ähnlich geht und wie wir uns dagegen wehren können. Wenn wir uns nicht als Vielfahrer*innen zusammen tun, wird die Bahn auch nichts ändern.

@Kabo: Mit der 3-Min. Regel hält man eben keine Schwarzfahrer ab, weil man jeder Zeit im Zug zum Flexpreis ein Ticket kaufen kann, das dann auch gültig ist. (hatte ich oben auch beschrieben) Hilft also nur gegen verpeilte, aber nicht gegen wirkliche Schwarzfahrer. Trifft also die falschen.
Gut, dass ich es gar nicht erst versucht habe, in der Bahnhofshalle einen Automaten zu finden, wenn dort auch die 3 Min. Regel gilt. Das ist ja wohl total bekloppt: Wie will jemand, der im Zug einen Schaffner entdeckt, am Automaten im Bahnhof ein Ticket ziehen???

@Tino, der neue direkt-Kauf per Wischen in der App funktioniert leider nicht mit dem Sammeln der BC-Punkte. Es sei denn Sie kennen Ihre Bahncard-Nummer auswendig und tippen sie jedes Mal händisch ein.
Ja, wäre mir am Stammtisch langweilig gewesen, hätte ich dort das Ticket kaufen könne, dann hätte ich aber auch einfach früher zum Bahnhof fahren können. Hätte ich es dann aber nicht rechzeitig zum Zug geschafft, hätte ich ein nutzloses 25€ Ticket für den Tag und kein Zug mehr bekommen.

Bis zu 15 min. nach Abfahrt des Zuges gilt die Platzreservierung. Warum kann man das nicht auch beim Fahrkartenkauf gelten lassen? Denn sobald ich mal im Zug bin ist alles entspannt und man weiß, dass man den Zug auch erwischt hat (was bei Bahn-Verspätungen auch nicht selbstverständlich ist). Die Schaffner können sich ja ggf. die ersten 15 min. im Klo verstecken, dann macht man es Mutwilligen Schwarzfahrern nicht gar zu leicht.

kabo
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"Hilft also nur gegen verpeilte, aber nicht gegen wirkliche Schwarzfahrer. Trifft also die falschen."
-> Ich weiß. Aber viele (potenzielle) Schwarzfahrer kennen den Trick mit dem "einfach Flexpreis für den nächsten Zug kaufen" nicht, oder schaffen es nicht, ihn schnell genug anzuwenden, wenn der Schaffner schon in Sichtweite ist.

"Wie will jemand, der im Zug einen Schaffner entdeckt, am Automaten im Bahnhof ein Ticket ziehen???"
-> Wo die Logik aufhört, fängt die Bahn an - das wissen Sie doch bestimmt.

"Ich schreibe das hier, weil mich interessiert, ob es anderen Kunden ähnlich geht "
-> Ja - ähnliche Fälle hatten wir schon mal, z.B. hier https://community.bahn.de/questions/2111504-ticketkauf-ve... und das war nicht der erste ...

"Wenn wir uns nicht als Vielfahrer*innen zusammen tun, wird die Bahn auch nichts ändern."
-> Stimmt. Aber wenn Sie sich hier in diesem Forum zusammen tun, wird das nichts nutzen. Ein umfallender Sack Reis in China hätte den gleichen Effekt.

Leo
Leo

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Nur als Beispiel einer sinnvollen Regelung mal die Schweizer Variante :

"Die Geltungsdauer beginnt um 0 Uhr und erlischt um 5 Uhr des folgenden Tages. Der Fahrausweis gilt bis zum letzten fahrplanmässigen Halt, der vor Ablauf der Gültigkeitsdauer erreicht werden kann. Bei einem Fahrausweis mit einer mehrtägigen Geltungsdauer erlischt die Gültigkeit um 5 Uhr des dem letzten G eltungstag folgenden Tag. 29 01.06.2019 T601"