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Erstattung bei Verspätung der Fähre?

Wir haben eine Fahrt incl. Fähre von Mainz nach Baltrum gebucht. Die Fähre hatte 1h Verspätung, so dass wir über 60min verspätet in Mainz eintrafen. Haben wir Anrecht auf eine Teil-Kostenerstattung, auch wenn die Verspätung bei der Fährgesellschaft lag?

Antworten

kabo
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Offiziell: Nein
Denn bei Tickets des Nordseeinselverkehrs hat man nur Anspruch auf Verspätungsentschädigung, wenn die Verspätung von einem Zug verursacht wurde. Die Fahrgastrechte bei Verspätung der Fähre umfassen lediglich die Weiterbeförderung mit dem nächstmöglichen Zug ohne Zusatzkosten.
Aber ob das das Servicecenter Fahrgastrechte weiß?

Braunschweiger
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Die Fährgesellschaft auf Baltrum stellt durchaus die normalen 25% des Fahrpreises in Aussicht. Den vollen Text gibt es hier:
https://www.baltrum-linie.de/fahrgastrechte/

die passende Textstelle ist diese:

Fahrgäste haben bei einer verspäteten Ankunft zusätzlich zur Beförderung Anspruch auf Entschädigung. Die Entschädigung beträgt mindestens 25 % des Fahrpreises bei einer Verspätung von mindestens:

• einer Stunde bei einer planmäßigen Fahrtdauer von bis zu vier Stunden;

kabo
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25% des Fahrpreises für die Fähre nach den Fahrgastrechten für Personenschiffahrt - OK.

Stellt sich aber das Problem, dass der Fahrpreis der Fähre auf dem durchgehenden Bahnticket nicht separat ausgewiesen ist. (Auch dem Tfv 688 lässt sich der Anteil der Fähre am Gesamtfahrpreis nicht entlocken. Denn es ist ja noch eine Busfahrt zum Fähranleger enthalten - und im Tfv 688 steht nur ein Gesamtpreis für Bus+Fähre).

Aber ein durchaus interessanter Fall. Fahrgastrechte in der Personenschiffahrt hatten wir hier noch nicht so oft, sondern eher den umgekehrten Fall (Zug verspätet, deshalb das pünktliche Schiff verpasst).

Hallo. Sollte das Schiff im Nordseeinselverkehr im Vorlauf ausfallen/verspätet am Hafenbahnhof ankommen, wird für den weiteren Verlauf die Zugbindung aufgehoben, wenn der geplante Zug nach Mainz verpasst wird. Sollte es ab dem Hafenbahnhof keine Weiterfahrt mit der Bahn geben, werden Hotelkosten zur bekannten Maximalhöhe erstattet und es kann am Folgetag die eigentliche Bahnfahrt fortgesetzt werden. Entschädigungen von 25 oder 50 Prozent des Fahrkartenwertes gibt es in beiden Fällen nicht, sollte das Schiff im Nordseeinselverkehr der Auslöser für das Nichterreichen des Zuges gewesen sein. Viele Grüße /ch

Braunschweiger
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Da die Fähre ja durchaus 25% ihres Preises erstattet: Wie berechnet sich denn der Anteil der Fähre bei einer durchgehenden Fahrkarte?
Fahrkartenpreis - Einfache Fahrt im Bus - Einfache Fahrt Fähre = Anteil Bahn?

Es wird hier gar nichts erstattet, da es sich um eine Eisenbahnfahrkarte mit Anerkennung der Verkehrsunternehmen SEE des Nordseeinseltarifs (Mainz – Borkum – Mainz) handelt. Da keine gesonderte Fahrkarte für die Fähre vorliegt, kommen die Fahrgastrechte im Bereich der Personenschifffahrt auch nicht zur Anwendung, die Sie zitieren. Ein möglicher Anteil DB/SEE lässt sich ebenso nicht aus der DB-Fahrkarte herausrechnen. Ich bitte Sie eindringlich, dass Sie hier nicht die unterschiedlichen Fahrgastrechte miteinander vermischen und zur Verunsicherung beitragen. /ch

Braunschweiger
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Wenn Sie es sagen, dann soll es von mir aus so sein.

Eine Verständnisfrage habe ich aber noch: Den Ausschluss von Fahrgastrechten und Entschädigungen gibt es doch unabhängig vom Verkehrsmittel bisher nur bei zwei getrennten Fahrkarten für eine Strecke. Die bekannten Beispiele: Bus/Straßenbahn zum Bahnhof verspätet angekommen - Risiko des Kunden. Zug zu spät am Bahnhof - letzter Bus zum Heimatdorf weg - Risiko des Kunden. Auch: Zug zu spät am Umsteigebahnhof - Anschlusszug weg gehört in diese Kategorie.

Sind die Fahrkarten mit der Kombination DB / SEE also zwei Beförderungsverträge auf einer Fahrkarte? Oder aus welcher anderen Konstellation leitet sich die Sicht der DB ab? Denn eine Verspätung bei der Fähre ist ja in jedem Fall entstanden.

kabo
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Dass die DB gar nichts erstattet ist doch unstreitig, weil die Bahn-Fahrgastrechte nicht anwendbar sind.

Aber ich hoffe, dass die DB nicht ernsthaft in Abrede stellt, dass der Kunde ein Anspruch direkt gegen die Fährgesellschaft hat, und zwar nach den Schiffahrts-Fahrgastrechten.

Der Kunde kann diesen Anspruch gegen die Fährgesellschaft aber nicht nutzen, weil die DB den Anteil der Schiffsfahrt auf dem durchgehenden Ticket nicht separat ausweist.

@DB/Ch
Wo wurden bislang unterschiedliche Fahrgastrechte vermischt? Woher nehmen Sie die Sicherheit, dass der Kunde keine Ansprüche gegen die Fährgesellschaft nach den Schiffahrts-Fahrgastrechten hat? Und: Warum weist die DB den Anteil der Schiffahrt nicht separat aus? (In den Fällen, wo der Übergang direkt von der Bahn auf das Schiff erfolgt, kann man den Anteil der Schiffahrt ja in der Tfv 688 nachlesen. Nur wenn zwischen Bahn und Schiff noch ein Bustransfer erfolgt, klappt das nicht, weil für Bustransfer und Schiff nur ein gemeinsamer Betrag genannt wird.)

Ich finde das einen sehr interessanten Fall, der sicher von allgemeinem Interesse ist. Denn intermodalen Reisen (mehrere unterschiedliche Verkehrsträger auf einem Ticket) gehört ja die Zukunft.

Trotzdem wird das dem Fragesteller nichts nutzen. Denn 25% vom Schiffsanteil der Fahrt dürfte ja eher ein symbolischer Betrag sein, wo man sich fragen muss, ob sich der Aufwand der Geltdendmachung überhaupt lohnt.

Bei einer durchgängig ausgestellten Fahrkarte mit Schiffsanteil ist es ein Beförderungsvertrag für die Verbindung von Borkum (SEE) nach Mainz (DB). Es liegen hier keine zwei getrennten Fahrkarten vor. Wir gewähren schon eine Kulanz (Aufhebung der Zugbindung), wenn das Schiff eine Verspätung/Ausfall verursacht hat, da außerhalb der Haftung gemäß Fahrgastrechte für den Eisenbahnverkehr. Es kann die nächste Zugverbindung in Richtung des eingetragenen Zielbahnhofs genutzt werden.
Ob die Fährgesellschaft im Rahmen ihrer gültigen Fahrgastrechte eine Entschädigung auszahlt, liegt nicht in unserer Hand und entscheiden wir auch nicht. Da kann sich der/die Themenstarter*in selbstverständlich mit dem betreffenden Fährunternehmen in Verbindung setzen und nachfragen. /ch

cschmahl
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Danke für die rege Diskussion meiner Frage! Ich habe also verstanden, dass ich bei der DB keine Teil-Kostenerstattung geltend machen kann. Auf die erwähnte Kulanz der DB bin ich gestoßen, da mir eine Reise mit dem ICE ohne Aufpreis als nächstes Verkehrsmittel gestattet wurde. Einen Antrag bei der Fährgesellschaft kann ich mir auch sparen, denn die haben sich abgesichert: Wenn die "Verspätung durch Wetterbedingungen, die den sicheren Betrieb des Schiffs beeinträchtigen, oder durch außergewöhnliche trotz aller zumutbarer Maßnahmen nicht zu verhindernde Umstände, die die Erbringung des Personenverkehrs-dienstes behindern, verursacht wurde", haftet die Reederei nicht. Da die Verspätung durch wetterbedingtes extremes Niedrigwasser verursacht wurde, wird man sich auf diesen Passus berufen. Schade! Naja, für die 80 Minuten Verspätung kamen wir zumindest in den Genuss der Fahrt mit dem ICE. Wenn man bedenkt, dass es in der 1. Klasse des IC noch Seife gibt, die man mit einer Drehvorrichtung abreibt, dann ist der ICE schon ein echtes Upgrade ;-)

FrauKolumbus
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FrauKolumbus

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Moin zusammen!

kabo schrieb:
"Ich finde das einen sehr interessanten Fall, der sicher von allgemeinem Interesse ist."

Dem kann ich nur zustimmen. Auch für mich ist der geschilderte Fall von großem Interesse, erging es mir doch neulich ähnlich wie dem Themeneröffner hier.

Rückfahrt von Hallig Hooge nach Karlsruhe, durchgehende Fahrkarte (Fähre, Bus vom Fährhafen zum Bahnhof Bredstedt, RE Bredstedt - Hamburg Altona, ICE Hamburg Altona - Karlsruhe Hbf). Wegen extremen Niedrigwassers verspätete sich die Fahrankunft, der RE in Bredstedt fuhr mir daher quasi vor der Nase weg. Ich musste den nächsten RE eine Stunde später nehmen, in Folge dann ab Altona einen anderen als den gebuchten ICE mit einem weiteren Umstieg, kam ca. 115 Minuten später als geplant in Karlsruhe an.
Auch ich stelle mir die Frage, ob ich aufgrund der mehr als 60minütigen Verspätung am Zielort einen Anspruch auf Teil-Kostenerstattung habe.

Entgegen dem eingangs geschilderten Fall hätte ich den im Reiseplan ursprünglich vorgesehenen RE in Bredstedt trotz verspäteter Ankunft der Fähre noch erwischt, wenn die DB die zum Zeitpunkt der Buchung vorgesehene Abfahrtszeit des RE nicht baustellenbedingt auf ca. eine Viertel Stunde früher verlegt hätte. Die frühere Abfahrtszeit wurde mir per Verspätungsalarm mitgeteilt.
An der verspäteten Ankunft in Karlsruhe war also nicht die verspätete Ankunft der Fähre, sondern die verfrühte Abfahrt des RE in Bredstedt schuld. Ich gehe also davon aus, dass ich einen Anspruch auf 25% Erstattung des Gesamt-Ticket-Preises habe und diesen über das Servicecenter Fahrgastrechte geltend machen kann. Richtig?

Gruß

Frau Kolumbus

Hallo Frau Kolumbus,

„An der verspäteten Ankunft in Karlsruhe war also nicht die verspätete Ankunft der Fähre, sondern die verfrühte Abfahrt des RE in Bredstedt schuld.“

Diese Aussage ist natürlich vollkommen haltlos. Die Abfahrtzeit wurde von der Bahn zwar geändert, aber trotzdem hätte der Zug mit der Fähre erreicht werden können. Das der Anschluss nicht geschafft wurde, lag letztendlich an der Verspäteten Ankunft der Fähre.

Wenn die verspätete Fährankunft durch extremes Niedrigwasser verursacht wurde, hat weder die Bahn noch die Fährgesellschaft schuld. Um das zu verstehen, sollte ein wenig gesunder Menschenverstand ausreichen.

Entschädigungen müssten beim Verursacher des Niedrigwassers geltend gemacht werden. Aus naheliegender Gründen könnte das schwierig werden.

Hier hat man bei den beteiligten Beförderern bestenfalls Anspruch auf Hilfeleistung. Diese wurde erbracht, indem die Beförderung mit späteren Zügen ermöglicht wurde.

Die Chancen hier weitere Entschädigungen zu bekommen sehe ich nicht. Versuchen kann man es, wenn man unbedingt möchte.

kabo
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Leicht off-topic:
Die legendäre Seifenreibe, die es früher in jedem Zug gab und eigentlich "Trockenseifenspender" heißt (für jüngere Leser: eine fest installierte Vorrichtung, die ähnlich einer Pfeffermühle kleine Krümel von einem länglichen, runden Seifenstück abgeschabt hat, welche dann in die Hand des Nutzers rieselten), feiert glücklicherweise eine Wiederauferstehung.
Feste Seife ist nämlich umweltfreundlicher als Flüssigseife und muss deutlich seltener nachgefüllt werden. Außerdem sind Trockenseifenspender widerstandsfähiger gegen Vandalismus und verursachen weniger Reinigungsaufwand.
Ich würde mir wünschen, die DB führt die auch wieder ein.

Bild: https://www.google.com/url?sa=i&rct=j&q=&esrc...