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Was sind Erfrischungen im angemessenen Verhältnis bzgl. Fahrgastrechten?

Gemäß EU Fahrgastrechte sollte gelten "Verspätungen und Zugausfälle

[...]

Bei einer Verspätung bei der Abfahrt oder der Ankunft haben die Fahrgäste Anspruch auf

[...]

Mahlzeiten und Erfrischungen in angemessenem Verhältnis zur Wartezeit;

[...]"

In den letzten Wochen hatte ich nun mehrere Fälle einer Verspätung von über 60 Minuten und dies wurde nicht erfüllt. Verstehe ich hier die Fahrgastrechte falsch?

Beispiel 1: Ich fahre von München in die Schweiz mit Umstieg in Karlsruhe, leider verpasse ich meinen knappen Anschluss (der leider auch nicht wartet). An der DB Info wird mir die Verspätung bestätigt (ich komme ca. 70 Minuten zu spät an), Verpflegungsgutscheine gibt es angeblich nicht mehr. Kaufe ich mir auf eigene Kosten etwas beim Fastfood Restaurant. Hier hätte es definitiv genügend Verpflegungsmöglichkeiten gegeben, die nett DB Info kann/will mir schlichtweg nichts geben.

Beispiel 2: Ich fahre von München Hbf nach Budapest (durchgehender railjet), Lok ist kaputt am Grenzbahnhof Hegyeshalom. Strom im Zug wird daher abgeschaltet, man kann nun im warmen Zug in der Mittagssonne warten oder aussteigen und in der Sonne auf dem Bahnsteig stehen (leider ohne Bahnsteigdach, es war wirklich heiß). Zug steht dort fast drei Stunden, gesamte Verspätung bei Ankunft mit Folgezug sind über 190 Minuten.

Im 2. Beispiel habe ich bei Zugbegleiter und Bordbistro (welches am Anfang noch offen hatte) nachgefragt bzgl. Verpflegung, beide verneinten dies bzw. Bordbistro ist wohl ein anderes Unternehmen. Da es wirklich heiß war kaufte ich selber vier Flaschen Mineralwasser auf eigene Kosten.

Bei diesem Beispiel habe ich einmal den Beleg aufgehoben und diesen zusammen ans SC FGR geschickt mit der Bitte um Begründung warum es keine Erfrischungen geben würde bzw. Bitte um Erstattung. Der Beleg wird aufgeführt und abgelehnt mit der Begründung "Gemäß Beförderungsbedingungen besteht im Rahmen der Fahrgastrechte kein Anspruch auf Erstattung Ihrer zusätzlichen Kosten ([...], Verpflegung, [...]).

Wie kann das sein, ich verstehe die obige FGR Regelung anders. Dort steht eigentlich das die Fahrgäste hier einen Anspruch hätten. Was kann ich tun wenn das Bahnunternehmen sich weigert meine Ansprüche zu erfüllen? Das SC FGR fühlt sich hier offenbar nicht zuständig. Vermutlich geht für wenige Euros auch niemand vor Gericht o.ä., d.h. die Bahn kann einfach immer diese Rechte verweigern?

Ist das ein Thema für den Kundendialog? Oder eine Schlichtungsstelle? Verstehe ich hier die FGR grundsätzlich falsch (wobei ich es jetzt auch schon x-fach gelesen habe)?

Matthias32
Matthias32

Matthias32

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Antworten

Der Anspruch der Fahrgäste ist ein eingeschränkter. Die Bahn muß „nach Möglichkeit“ Erfrischungen anbieten.

In der Regel führen Fernzüge eine Notwasserreserve mit. Das sind Tetrapacks mit lauwarmen stillen Wasser. Wenn nach 3 Stunden Verspätung dieses Wasser an die Fahrgäste verteilt wird, dann ist den FGR genüge getan. Geht es überhaupt nicht mehr weiter dann können auch ein paar Nüsse oder Schokoriegel als „Mahlzeit“ gereicht werden und alles ist OK.

Man sollte seine Erwartungen doch recht weit unten ansiedeln.

Ähnliche Fragen gab es schon hier.

https://community.bahn.de/questions/2047069-verpflegung-e...

https://community.bahn.de/questions/1933322-kostenlose-ve...

Matthias32
Matthias32

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Ich hatte ähnliche Fragen gefunden aber da waren grundsätzlich keine Erfrischungen vorhanden. In meinen Augen ist es etwas anderes wenn Erfrischungen vorhanden sind die aber in einem Bordbistro lieber verkauft werden oder am Bahnhof schlichtweg keine Prozess zu existieren scheint das Erfrischungen von umliegenden Läden geholt werden - das erscheint mir erst einmal frech bzw. ein Widerspruch ggü. den Fahrgastrechten. Aber vielleicht habe ich hier auch völlig falsche Ansprüche.

„Aber vielleicht habe ich hier auch völlig falsche Ansprüche.“
-> So ist es.

Wie schrieb ich doch... „Man sollte seine Erwartungen doch recht weit unten ansiedeln.“

Manchmal wird man durchaus positiv überrascht. Aber der Standard ist ein Pack lauwarmes Wasser.

Matthias32
Matthias32

Matthias32

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Ja, aber selbst der Standard wäre ja besser als gar nichts, damit wäre ich ja schon zufrieden.

Möglicherweise liegt es daran das ich einmal am Bahnhof (immerhin ein Bahnhof der Bahnhofskategorie 1) gefragt habe (Verspätung ist ja nur durch Anschlussverlust entstanden) oder der Standard sieht im railjet im Ausland (aber mit DB Fahrschein) anders aus (evtl. war er auch leer, hat mich nie erreicht, wurde nicht ausgepackt - weiß auch nicht). Ich habe momentan schlichtweg das Gefühl das es selbst diesen Standard nicht mehr zu geben scheint oder zur Ausnahme wird was mich etwas verwundert (vor einem Jahr gab es das schon noch mehrmals, in diesem Jahr habe ich den Standard bei diversen Verspätungen nie gesehen - wobei ich auch nicht weiß ob man den schon bei 60 Minuten wirklich braucht oder halt doch erst bei 190 Minuten).

Momentan habe ich das Gefühl das diese Rechte das Papier nicht wert sind auf dem sie geschrieben stehen, was mich ja überhaupt nur zu dieser doofen Frage hier verleitet.

EinVielfahrer
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Hallo,

man muss denke ich zwischen Beförderer und Ticketf´verkäufer unterscheiden.
In ihrem 2. Fall: Da ist die DB tatsächlich nur noch Ticketverkäufer und Sie müssten in den BB für den internationalen Verkehr nachlesen. Ich denke die ÖBB sollte hier ihr Ansprechpartner sein als Beförderer.
Ich kann aus eigner Erfahrung sagen, dass es innerhalb deutschlands im Fernverkehr bei größeren Verspätungen eigentlich immer das "lauwarme Tetrapackwasser" gibt. Und je nach Verfügbarkeit wird auch der 1.Klasse "Snack" im großen Stil verteilt. Damit ist zumindest mein Anspruch erfüllt.

Anders sieht die Lage in Ihrem 1. Fall aus. Vom Prinzip her müsste die Bahn sie meines Erachtens auch im Bahnhof rudimentär versorgen. Allerdings dürfte hier bei einer Ankunftsverspätung am Ziel von unrter 2 Stunden, bzw. einem Aufenthalt von einer Stunde aus meiner Sicht noch kein Anspruch ergeben. In diesem Fall sind durch die hohe Verfügbarkeit von Möglichkeiten am Bahnhof ausreichend Möglichkeiten geschaffen (z.B: ein Wasser im Drogeriemarkt für <1€) die es nicht erforderlich machen. (Im Flugverkehr gibt es ab 3h zusätzlichem Aufenthalt ein minimales Angebot)

Ich möchte Joeopitz gerne widersprechen. Die Fahrgastrechteverordnung ist eindeutig: "Bei einer Verspätung nach Absatz 1 von mehr als 60 Minu-
ten ist den Fahrgästen Folgendes kostenlos anzubieten: [...] Mahlzeiten und Erfrischungen in angemessenem Verhältnis zur Wartezeit, sofern sie im Zug oder im Bahnhof verfügbar oder vernünftigerweise lieferbar sind", heißt es dort. "ist anzubieten" ist dabei sicherlich als MUSS zu interpretieren. Ausnahmen bestehen nur dann, wenn eine Besorgung nicht möglich ist - etwa um Mitternacht auf einem Dorfbahnhof oder wenn der Zug auf freier Strecke blockiert ist. Bei einem bewirtschafteten Zug, der stundenlang in einem Bahnhof mit entsprechenden Läden hält, ist der Beförderer auf keinen Fall von seiner Pflicht zur Versorgung befreit. Also müsste er Ihnen etwas zu Essen und zu Trinken zur Verfügung stellen. Bei DB FV ist dies standardmäßig Rittersport-Schokolade und Wasser im Tetrapack, der Flixtrain wurde laut Medien auch schon von einem Pizzadienst beliefert. Kommt das Eisenbahnunternehmen seiner Pflicht allerdings nicht nach, sollte man wohl doch auch das Recht haben, sich selbst zu kümmern. Man kann sich im Nachhinein natürlich streiten, ob ein oder 10 Euro angemessen sind, aber einen gewissen Betrag sollte man doch erstatten.Ich empfehle, dass Sie sich an die Schlichtungsstelle oder das EBA wenden.

Braunschweiger
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Das habe ich über die Schlichtungsstelle gelöst, als ich mit Familie bei Schneefall 150 Minuten am Bahnsteig in Hamm stand. Edit: Im ICE, der wartete "nur" auf den anderen Zugteil und die Wupperstrecke war dicht.
16€ für fünf belegte Brötchen und Getränke ausgelegt, im Zug wurde nichts ausgegeben.
Servicecenter hat den Anspruch verneint, die Schlichtungsstelle hat ihn bejaht.
Habe mich dann mit der DB auf 25€ in Essensgutscheinen geeinigt, hätte aber auch das Geld bekommen können.