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Frage beantwortet

Erstattung von Taxikosten bei Ankunft nachts mit über 5 h Verspätung?

Ich bin am 6.8. mit über 5 Stunden Verspätung nachts gegen 3.20 h von einer Reise zurückgekehrt.. Die Erstattung der Taxikosten für den Weg nach Hause vom Bahnhof aus wurde mit der Begründung abgelehnt, dass ich den Zielbahnhof ja erreicht hätte. Das mag zwar stimmen, allerdings macht es mit Blick auf die Verfügbarkeit von öffentlichen Verkehrsmitteln einen feinen Unterschied, ob ich um 22 h ankomme oder nachts um 3 h. Daher meine ich, dass in solch einem Fall Taxikosten zu erstatten sind.

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"Daher meine ich, dass in solch einem Fall Taxikosten zu erstatten sind."
-> Die EU-Fahrgastrechteverordnung meint das aber nicht.

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"Daher meine ich, dass in solch einem Fall Taxikosten zu erstatten sind."
--->Sind sie leider nicht. Der Beförderungsvertrag mit der DB endet am Zielbahnhof. Alles andere hinaus wird nicht erstattet. Ob sie dann nicht nach Hause kommen, zu spät zur Arbeit oder den Flieger verpassen, spielt keine Rolle.
So sind leider (aus Kundensicht) die EU-Fahrgastrechte-Regeln.

Sie hätten allerdings unterwegs die Reise abbrechen können und auf Kosten der DB sich ein Hotel nehmen können, weil die Ankunft nach 0 Uhr war und eine Ankunft um 3:20 Uhr (also 5 Stunden später) nicht mehr zumutbar war und dann am nächsten Tag zu ihrem Zielort weiter fahren können. Das funktioniert aber nur, wenn die Verspätung nicht in dem Zug war, in dem sie als letztes sitzen, sondern nur bei einem Anschlussverlust vorher und die Verspätung absehbar wäre.

kabo
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"Daher meine ich, dass in solch einem Fall Taxikosten zu erstatten sind."
-> Die EU-Fahrgastrechteverordnung meint das aber nicht.

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Ganz so einfach ist es nicht. Durch die Schlechtleistung der Bahn sind mir Aufwendungen entstanden, die ich nicht gehabt hätte, wenn die Bahn vertragsgemäße geleistet hätte. Nennt sich Schadensersatz.
Ein Hotel hätte ich mir nehmen können, aber nicht müssen. Abgesehen davon, dass das deutlich teurer gekommen wäre, wäre der Schaden dann noch höher, weil ich am nächsten Termine versäumt hätte....

"Ganz so einfach ist es nicht. Durch die Schlechtleistung der Bahn sind mir Aufwendungen entstanden, die ich nicht gehabt hätte, wenn die Bahn vertragsgemäße geleistet hätte. Nennt sich Schadensersatz. "
--->Genau diese Aufwendungen schließt die EU-Fahrgastrechteverordnung exemplarisch aus. Wenn sie es aber besser wissen, was fragen sie dann hier? Verklagen sie die Bahn auf Schadensersatz...Viel Spaß!

Leo
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Das illustriert mal wieder anschaulich das Problem von Leuten, die nicht zu Fuß vom Ziel-Bahnhof zum wirklichen Ziel laufen können:

1. Wenn es Probleme mit dem Zubringer-(z.B.)-Bus gibt und sie dadurch ihren gebuchten Zug verpassen, müssen sie sich ein neues Flexpreis-Ticket kaufen, der für die meisten astronomisch teuer ist.

2. Wenn es Probleme mit der Zugfahrt gibt und sie dadurch zwar noch den Ziel-Bahnhof erreichen, aber der Abbringer-(z.B.)-Bus zum eigentlichen Ziel nicht mehr fährt, können sie froh sein spätabends in der Pampa überhaupt noch ein Taxi zu bekommen und bleiben hinterher auf den Kosten sitzen.

Man faselt zwar gern von Reisekette und will in Städten auch mit daran verdienen (Call-a-Bike, Flinkster, diverse Shuttle-Services) – aber wer auf dem Land wohnt wird mangels entsprechender Fahrgastrechte und evtl. darüber hinaus gehender Kulanz im Regen stehen gelassen.

Was lernt der Kunde auf dem Land daraus? Lieber mit dem Auto fahren! Diese Message an den frustrierten Kunden ist jetzt aber gar nicht grün...

Und auch für Stadtbewohner ist immer größerer Ärger durch immer öfter erforderliche gestückelte Beförderungsverträge vorprogrammiert...

"Und auch für Stadtbewohner ist immer größerer Ärger durch immer öfter erforderliche gestückelte Beförderungsverträge vorprogrammiert."

Zb beim City Ticket, man hat zwar An und Anfahrt auf einem Ticket, die Fahrgastrechte gelten dafür aber nicht.

Ich sag es mal etwas plump, aber dass die Fahrgastrechte so sind wie sie jetzt sind ist auch die Schuld eines jeden Wählers. Wer hat die denn gewählt, die jetzt dort in Straßburg sitzen und solche Gesetze machen, bzw. bessere Konditionen verhindern? Oder auch National. Wer verhindert denn solche "ganze Landes-Tickets bzw. Karten", wie sie z.b. in Holland gibt? ;-)

Leo
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„Ich sag es mal etwas plump, aber dass die Fahrgastrechte so sind wie sie jetzt sind ist auch die Schuld eines jeden Wählers. Wer hat die denn gewählt, die jetzt dort in Straßburg sitzen und solche Gesetze machen, bzw. bessere Konditionen verhindern?“

Und ich sag jetzt mal ganz plump:

Die Fahrgastrechte sind das absolute Minimum, wer will kann ja aus Kulanz spendabler sein, wie z.B. die SNCF oder viele andere Bahnen. Oder in solchen Ausnahmefällen dann freiwillig die Taxikosten übernehmen.

Gegenfrage zum Wählen: Ich will:

1. Eine Ortsumgehung, um die Hauptstraße zu entlasten, in deren Nähe ich wohne.

2. Sinnvolle Autobahn-Lückenschlüsse, um unnütze Umwege und daraus resultierende zusätzliche Luftverschmutzung und CO2-Ausstoß zu vermeiden (für Leute, die z.B. mit Zelt oder Wohnwagen aus dem Urlaub kommen, und denen der Verweis auf eine günstigere Alternative mit der Bahn gar nichts bringt.)

3. FLÄCHENDECKENDEN guten und auch für Spontanfahrer zu zweit günstigen öffentlichen Fern- und Nahverkehr (wenn ich nur schnell, bequem und günstig von A nach B will).

4. Fahrgastrechte für die gesamte Reisekette und auch für Sonderangebote – nach dem Motto: Wer bei der Beförderung Mist baut, soll wenigstens den Kunden so gut weiterhelfen wie möglich!

Wen soll ich denn nun das nächste Mal wählen? Auch in Abhängigkeit von anderen Aspekten wie Steuern usw. ? Irgendeine Idee?

Nein, ich möchte auch nicht resignierend in die Schweiz auswandern; in dieser echten Demokratie könnte ich nämlich auch zu Sachthemen meine Meinung zu Gehör bringen – und nicht nur einer Partei für die nächsten 4 oder 5 Jahre einen Persilschein ausstellen.

„Wer verhindert denn solche "ganze Landes-Tickets bzw. Karten", wie sie z.b. in Holland gibt? ;-)“

Der in Deutschland noch schlimmer als in der Schweiz ausgeprägte Kantönligeist:

https://de.wikipedia.org/wiki/Kant%C3%B6nligeist

Aber wo (mangels einflußreicher Autoindustrie wie in Deutschland oder Frankreich?) ein Wille ist, ist auch ein Weg:

https://de.wikipedia.org/wiki/Direkter_Verkehr_Schweiz

Aber ganz so gut finde ich das Beispiel Holland nicht, wegen der Preise:

OV Vrij : pro Monat 405€
Intercity direct Altijd Toeslagvrij: pro Monat 61€
Macht insgesamt pro Jahr: 12*(405€+61€)=5592€

Für den ausgedehnten Urlaub hört sich Altijd vrij flex erst mal gut an, aber dann fehlt da so etwas wie OV vrij flex:

https://community.ns.nl/ns-flex-60/ns-flex-altijd-vrij-ov...

Zum Vergleich GA Schweiz, inklusive vielen Schiffen und einigen Bergbahnen: 3850CHF (2880CHF für Senioren)

Das gibt es auch in kleinerem Maßstab als Monats-GA oder Monatskarte zum Halbtax, aber das Halbtax muss man ein ganzes Jahr kaufen.

Mir würden ja schon günstige kleinräumigere Verhältnisse wie in Tirol reichen: Da kostet die Jahreskarte mit allen Bussen und Zügen, auch IC und Railjet: 500€ (255€ für Senioren)

Aber leider wohne ich Bayern, wo ja bekanntlich die gleichnamigen Motorenwerke ihre Heimat haben...

Man sollte aber bedenken, dass hier die die Fahrgastrechteverordnung (die der letzte Müll ist) zwar keinen Anspruch begründet, aber für die Bahn gilt immer noch das deutschen BGB!

Hier kann man sehr wohl zum Ergebnis kommen, dass ein Anspruch auf Schadensersatz nach allgemeinen Zivilrecht besteht, nur weil es die Fahrgastrechteverordnung nicht hergibt wird automatisch deutsches geltendes Recht außer Kraft gesetzt.

Problem dabei ist aber eben das der Anspruch viel schwieriger durch zu setzen ist, weil es eben keinen halbautomatischen Anspruch gibt.

kabo
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Brotlose Kunst. Schadensersatz nach BGB setzt ein Verschulden voraus. Sie müssten also die genaue Verspätungsursache selbst herausfinden und den Beweis vorlegen, dass die DB die Ursache selbst geschaffen hat. Da es ungefähr so wahrscheinlich ist, wie ein 6er im Lotto, dass Sie den Beweis bringen können, braucht man realistisch keinen Gedanken darauf zu verschwenden.

CatrinSt
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Vielen Dank für die bisherigen Meinungen. Ein paar Gedanken noch dazu:
Warum ich mir erlaube zu fragen, wenn ich meine es zu wissen? Vielleicht weil ich einfach an einer Diskussion interessiert war...
Mit welcher Borniertheit hier behauptet wird, dass alles, was nicht in der Verordnung steht, auch nicht ersatzfähig sein kann, verwundert schon ( dass die DB das so sehen mag, hingegen nicht...).
Wie schon richtig festgestellt wurde, normiert die Verordnung einen europaweit geltenden Mindeststandard. Weitergehende Ansprüche nach dem Landesrecht sind gerade nicht ausgeschlossen, kann man sogar so in der Verordnung nachlesen (einfach im Original lesen).
Lesetipp zum Thema Verschulden und Beweislast: § 280 Abs. 1 BGB (Stichwort Beweislastumkehr).
Misslich ist das alles natürlich trotzdem, denn die wenigsten Verbraucher machen sich die Mühe, wegen Kleinstbeträgen den Rechtsweg zu beschreiten, viele schrecken ja schon vor dem kundenfreundlich ausgestalteten Erstattungsformular zurück.
Und nein lieber Bahnfrosch, Spaß am Klagen haben die wenigsten, auch nicht die, dies es können. Aber wenn man als immer noch relativ treuer Bahnkunde wiederholt für das Missmanagement dieses Unternehmens zur Kasse gebeten wird, könnte man Lust bekommen, mal eine Entscheidung herbeizuführen...

kabo
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Zum einen: Die DB geht an einigen Stellen deutlich über die Mindeststandards der EU-Fahrgastrechteverordnung hinaus, nämlich bei der Weiterbeförderung mit anderen (auch höherwertigen) Zügen und bei der Erstattung von Taxikosten bei Ausfall / Verpassen des letzten Zuges.

Zum anderen: Es ist keine Borniertheit, sondern langjährige Erfahrung, dass an den Stellen, wo die Fahrgastrechte eine eindeutige Regelung vorsehen, die DB keine Kulanz walten lässt, um keine Präzedenzfälle zu schaffen ("Sie haben bei Kunden X die Taxikosten erstattet, obwohl kein Anspruch bestand. Jetzt müssen Sie mir auch die Taxikosten erstatten, obwohl ich keinen Anspruch habe.")

Diese Diskussion Ist zwar schon 14 Tage alt aber...

Das alles ist bereits geregelt, nicht nur in der Fahrgastrechteverordnung sondern auch in deutschen Gesetzen und Gerichtsurteilen.

„Man sollte aber bedenken, ...für die Bahn gilt immer noch das deutschen BGB!“
-> Soweit richtig, aber...

„Hier kann man sehr wohl zum Ergebnis kommen, dass ein Anspruch auf Schadensersatz nach allgemeinen Zivilrecht besteht,“
-> Zu diesem Schluss kommst Du vielleicht, aber er ist falsch.

„nur weil es die Fahrgastrechteverordnung nicht hergibt wird automatisch deutsches geltendes Recht außer Kraft gesetzt.“
-> Sehr richtig. Das deutsche Recht besteht aber nicht nur aus dem BGB.

Was ist passiert? Hat die Deutsche Bahn bei Dir einen unmittelbaren Schaden verursacht? Nein!
Ist infolge einer Bahnfahrt bei Dir ein Schaden eingetreten? Ja!

Da deutsches Recht nicht außer Kraft gesetzt wird, gilt es also. Vor über 70 Jahren wurde in Deutschland eine entsprechende gesetzliche Regelung geschaffen, die besagt dass ein Eisenbahnverkehrsunternehmen nicht für Folgeschäden aufkommen muß (Haftungsausschluss der Bahn aufgrund § 17 Eisenbahn-Verkehrsordnung).

„Lesetipp zum Thema Verschulden und Beweislast: § 280 Abs. 1 BGB (Stichwort Beweislastumkehr).“
-> Lesetipp für Dich:
Urteil des Amtsgerichts Frankfurt am Main vom 14.3.2003 (Az.: 32 C 3037/02-18)
Tenor: „Die Bahn haftet nicht für Verspätungen und Zugausfälle.“

„Spaß am Klagen haben die wenigsten, auch nicht die, dies es können. Aber wenn man als immer noch relativ treuer Bahnkunde wiederholt für das Missmanagement dieses Unternehmens zur Kasse gebeten wird, könnte man Lust bekommen, mal eine Entscheidung herbeizuführen...“
-> Entschieden wurde doch schon. Siehe z.B. das Urteil vom 14.03.2003. Der Kläger hat dagegen noch Berufung eingelegt. Darüber wurde am Landgericht Frankfurt endgültig entschieden. Die Bahn bekam wiederum Recht. Urteil der 1. Zivilkammer des Landgerichts Frankfurt am Main vom 15.10.2003 (Aktenzeichen 2/1 S 131/03). Nachzulesen hier: http://web.archive.org/web/20040822011749/http://www.land...

Der komplette Haftungsausschluss wurde inzwischen durch die Standards der Verordnung (EG) Nr. 1371/2007 ersetzt. In einigen Punkten geht es auch über diese Standards hinaus. Darüberhinausgehende Anspüche gibt es nicht.

Blütenduft
Blütenduft

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Hallo, was ist mit dem Passus aus den Fahrgastrechten dann gemeint: „Bei einer zu erwartenden Verspätung am Zielort von mindestens 60 Minuten und einer planmäßigen Ankunftszeit zwischen 0 und 5 Uhr hat der Fahrgast das Recht, ein anderes Verkehrsmittel zu nutzen (z.B. Bus oder Taxi). Die Kosten hierfür werden bis maximal 80 EUR erstattet.“ „Stehen in den vorgenannten Fällen für die Weiterfahrt des Reisenden vom Zielbahnhof bis zu seinem tatsächlichen Ziel keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr zur Verfügung, kann der Reisende stattdessen das andere Verkehrsmittel unter Beachtung des Höchstbetrages von 80 Euro auch bis zu seinem tatsächlichen Ziel nutzen.“

"„Stehen in den vorgenannten Fällen für die Weiterfahrt des Reisenden vom Zielbahnhof bis zu seinem tatsächlichen Ziel keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr zur Verfügung, kann der Reisende stattdessen das andere Verkehrsmittel unter Beachtung des Höchstbetrages von 80 Euro auch bis zu seinem tatsächlichen Ziel nutzen.“"
--->Dieser Passus gilt nur, wenn sie schon in einem Taxi aus einem Fahrgastrechtefall zum Zielbahnhof sitzen, dann dürfen sie sich zum tatsächlichen Ziel fahren lassen, wenn die 80 Euro-Grenze eingehalten wird. Wenn sie aber noch mit einem anderen Verkehrsmittel an ihren Zielbahnhof kommen, wird vom Zielbahnhof nach Hause kein Taxi erstattet.