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Vermisst: TWINDEXX-Triebzüge des Main-Neckar-Ried-Express verschwunden?

Auf meiner Pendlerstrecke werden Twindexx eingesetzt, die an der Seite deutlich die Aufschrift Main-Neckar-Ried-Express tragen. Seit Monaten sind die Züge zur Hauptverkehrsyeit zu kurz: es fährt nur ein 4teiliger, der anzuhängende 3teilige fehlt. (Manchmal war auch schon nur ein dreiteiliger im Einsatz.) Da frage ich mich, ob unsere Twindexx-Triebzüge anderswo eingesetzt werden? Wer einen Main-Neckar-Ried-Express abseits der 2 Strecken Frankfurt - Mannheim (über Darmstadt oder Groß-Gerau) im Einsatz sieht, wird freundlich gebeten, seine Beobachtung hier zu schildern.

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bhofen
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" Seit Monaten sind die Züge zur Hauptverkehrsyeit zu kurz"
-> Völlig falsch wahrgenommen. Nicht seit Monaten sondern seit dem Fahrplanwechsel Dezember 2017, in dem die Twixdexx eingeführt worden sind.

"es fährt nur ein 4teiliger, der anzuhängende 3teilige fehlt."
-> Seien Sie froh, wenn der Main-Neckar-Ried-Express überhaupt fährt. Das ist nämlich alles andere als selbstverständlich. Ich hatte schon Tage erlebt, da sind auf der Main-Neckar-Bahn drei der stündlich aufeinanderfolgenden Regionalbahnen ausgefallen. Das war allerdings im letzten Sommer.

"Da frage ich mich, ob unsere Twindexx-Triebzüge anderswo eingesetzt werden?"
-> Die Twindexx des Main-Neckar-Ried-Express sind vorgesehen für die Main-Neckar-Bahn (RB68/RE60 Frankfurt-Darmstadt-Weinheim-Heidelberg/Mannheim) und Riedbahn (RE70 Frankfurt-Biblis-Mannheim). Falls Sie meinen, dass diese Fahrzeuge bundesweit anders eingesetzt werden, das gewiss nicht.
Es fährt eigentlich alles, was verfügbar ist. Verfügbar sind offenbar aber grundsätzlich nie so viele Fahrzeuge, sodass alle Leistungen planmäßig mit der von den Aufgabenträgern bestellten Anzahl an Wagen unterwegs sein können.

Die Ursachen für die nach wie vor anhaltend katastrophale Situation auf dem Main-Neckar-Ried-Express wäre eigentlich viel interessanter.
Die Mindestfuhrparkreserven, die die Länder bei der Ausschreibung vorgegeben haben, sind sehr gering. -> Schuld: Aufgabenträger (RMV in Hessen, NVBW in Baden-Württemberg).
In der Anfangsphase im Jahr 2018 wurden noch Lieferengpässe als Begründung angegeben.
In dieser Zeit gab es teilweise Ersatzüge mit alten Doppelstockwagen. Irgendwann Mitte 2018 sollten angeblich alle Fahrzeuge geliefert worden sein. Dazu wurde in der örtlichen Presse immer wieder von fehlenden Ersatzteilen in den Werkstätten gesprochen, durch die die Fahrzeugverfügbarkeit beeinträchtigt wurde. -> Schuld: Zulieferer und Bombardier

Im Laufe des vergangenen Jahres ging es auch immer wieder um Schäden an der Strecke, die wohl auf die Twindexx zurückzuführen waren. In diesem Zeitraum sind dann auch die Ersatzzüge mit alten Doppelstockwägen wegen Schäden an den Rädern in großem Stil ausgefallen. Es gab immer wieder Phasen, in denen der Betrieb nahezu komplett zum erliegen kam.
Was ich allerdings nie sichten konnte: Ersatzfahrzeuge mit den alten Silberlingen (n-Wagen), die vor dem Main-Neckar-Ried-Express auf denselben Strecken zuverlässig ihre Runden gedreht hatten. Diese wurden zusammen mit den Loks nach dem Fahrplanwechsel sofort nach NRW überführt (Stillstandsmanagement).

Ich kann daher auch für DB Regio kein Mitleid empfinden. Die Aufgabenträger (RMV) hatten sich in den Presseerklärungen aus mir unerfindlichen Gründen immer hinter DB Regio gestellt.

Ich habe als Kunde dahingehend auch resigniert, denn außer Sonntagsreden und Beschönigungen des bis heute anhaltenden besonders miesen Ist-Zustandes mit an der Tagesordnung stehenden Ausfällen, Zugverspätungen und dauerhaft veringerten Kapazitäten kam eigentlich nichts.

Über die Ursachen berichtete vor allem die Frankfurter Rundschau u.a. hier:
https://www.fr.de/rhein-main/alte-doppelstoecker-verschwi...
https://www.fr.de/rhein-main/suedhessen-sti627429/bahn-ge...

Auf drehscheibe-online gab es auch etwas mehr Details zu hören.

Hier können Sie sich selbst ein Bild davon machen.

Anmerkung meinerseits:
Ausfälle, Verspätungen und Nicht-Beförderungen mangels Kapazitäten fallen unter die EU-Fahrgastrechte. Beim RMV gibt es zudem die "10min.-Regel". Dokumentieren Sie alle Vorkommnisse und reichen Sie sie gestaffelt beim Servicecenter Fahrgastrechte ein, dann erhalten Sie für jeden Fall die pauschalen Entschädigungsbeträge.

Hallo, bhofen,
danke für die umfangreiche Antwort. Ich habe über 20 Jahre Erfahrungen auf der Riedbahn (RE 70) gesammelt. Dass über so viele Wochen es nicht mal ausnahmsweise gelingt, zwei Triebzüge zu koppeln - und seien es 2 3-teilige oder, was zu lang für einige Bahnhöfe ist, 2 4-teilige - das ist das ungewöhnliche.
Seitdem Twindexx-Züge bei uns eingesetzt werden, habe ich folgende Probleme bemerkt:
Im Fall einer technischen Störung muss ggf. ein kompletter Triebzug in die Werkstatt. Beispiel Türen: 12 oder 16 Türen an einem 3- bzw. 4-teiligen Twindexx. Früher konnte man einen Waggon rausrangieren, solange nicht der Steuerwagen betroffen war.
Ruckeln beim Beschleunigen oder Verzögern, auch ohne problematisches Herbstlaub auf den Schienen, kenne ich auch. Da habe ich Schäden an den Rädern für möglich gehalten, aber dass die Twindexx die Schienen beschädigen ... das ist für mich ein neuer Aspekt.
Trennen und Koppeln ("Flügelzugkonzept"): Ich fahre meist im RE mit, der morgens um 6:39 Uhr in Mannheim startet und um 7:45 in Frankfurt Hbf ankommt. Damit dieser Zug komplett ist (4- plus 3-teiliger Twwindexx), muss meines Wissens in Mannheim entsprechend gekoppelt werden, im Zeitfenster 06:19 bis 06:39 Uhr. Hat das geklappt, wird nach der Ankunft in Frankfurt Hbf. gleich wieder abgekoppelt, so dass die nächste Fahrt (8:12 Uhr) planmäßig mit nur einem Triebzug erfolgt. - Wenn ich dann mit dem 17:12 Uhr ab Frankfurt Hauptbahnhof nach Hause fahre, dann ist der vorher um 16:45 Uhr ankommende Zug derselbe, der um 8:12 in Fankfurt rausfuhr. Für die vorgesehene Länge (4- plus 3-teilig) muss also wieder gekoppelt werden. Wenn die Züge kürzer als bestellt sind, kann ich mir als Grund auch vorstellen, dass das Personal fehlt, um den anderen Zug reinzufahren. - Sie haben vielleicht schon Erfahrungen gesammelt mit den Trennen / Koppeln in Edingen? https://www.lok-report.de/news/deutschland/aus-den-laende...
Pendler-Tagebuch: tatsächlich habe ich das bisher nicht gemacht. Von der 10-Minuten-Garantie des RMV habe ich schon Gebrauch gemacht.
RMV-App nutzen, um eine E-Mail mit Hinweis auf Schlecht-Leistung zu schicken: Ja, auch ich bekomme da nur hinhaltende Antworten. Wenn es mit den Triebzügen nun mal so ist wie oben beschrieben (ganzer Zug in die Werkstatt), dann kann es keine dauerhafte Besserung geben. Und das mit fast neuen Zügen ... wie soll das noch werden?

"Früher konnte man einen Waggon rausrangieren, solange nicht der Steuerwagen betroffen war": Das könnte man bei den Mittelwagen immer noch. Macht die DB aber normalerweise nicht. Und bei Ausfall eines Triebwagens könnte man diesen theoretisch auch durch eine Lok ersetzen und den anderen Triebwagen durch einen Steuerwagen. Die Twindexx-Mittelwagen sind abwärtskompatibel, könnten also auch mit älteren Loks und Steuerwagen fahren.

Ich hatte mich auch mal wieder an den RMV gewandt. Aus der Antwort vom 11.09.19:
"Wir haben Ihre Kritik an das zuständige Verkehrsunternehmen, die DB Regio AG Mitte Region Hessen, weitergeleitet, mit der Bitte um Stellungnahme. Das Unternehmen teilte uns mit, dass der Zug tatsächlich verkürzt fuhr. Grund dafür ist ein erhöhter Schadstand der Fahrzeuge. Insgesamt ist der Schadfahrzeugstand auf der Main-Neckar/Riedbahn jedoch erheblich gesunken. Einzelne technische Schwierigkeiten bedürfen einer längeren Fehlersuche und dann eine Erarbeitung von Lösungen, in Zusammenarbeit mit dem Fahrzeughersteller. Dies kann einige Zeit in Anspruch nehmen.
Die verfügbare Reserve reicht hier leider nicht aus, um alle fehlenden Fahrzeuge zu ersetzen.
Das Unternehmen arbeitet mit Hochdruck an der Fehlerbeseitigung und wird die betreffenden Fahrzeuge schnellstmöglich wieder zum Einsatz bringen."
Die sehr freundlichen Worte drumherum möchte ich lobend erwähnen.
Tatsächlich fuhren zuletzt wieder vollständige Züge.

bhofen
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Hallo Riedpendler,
"Grund dafür ist ein erhöhter Schadstand der Fahrzeuge. Insgesamt ist der Schadfahrzeugstand auf der Main-Neckar/Riedbahn jedoch erheblich gesunken. Einzelne technische Schwierigkeiten bedürfen einer längeren Fehlersuche und dann eine Erarbeitung von Lösungen, in Zusammenarbeit mit dem Fahrzeughersteller. Dies kann einige Zeit in Anspruch nehmen."
-> Das ist die Standard-Antwort, die man auf Beschwerden beim RMV erhält.

"Die sehr freundlichen Worte drumherum möchte ich lobend erwähnen."
-> Tut mir leid, aber ich kann nicht verstehen, was es hier zu loben gibt. Hier steht doch, dass der Schadbestand gesunken ist. Er war früher noch größer, trotzdem reicht der Bestand an verfügbaren Fahrzeugen nicht aus, um die erforderlichen Kapazitäten bereitzustellen. Die interessante Frage ist doch eher, warum der RMV die DB Regio nicht dazu auffordert, Ersatz bereitzustellen, wenn das jetzt schon seit Jahren, ja es sind bald Jahre, so geht, dass dauerhaft mit verringerten Kapazitäten gefahren wird.

Die BEG hat in Bayern z.B. Meridian/Transdev dazu aufgefordert, einen Ersatzpark bereitszustellen, der einmal morgens und einmal abends Triebwagenzüge ersetzt, sodass trotz der eingeschränkten Triebwagenverfügbarkeit alle Leistungen 1. mit den bestellten Kapazitäten verkehren können und 2. in Notfällen keine Züge ausfallen müssen.
Solange auf dem Main-Neckar-Ried-Express keine Ersatzzüge unterwegs sind (z.B. alte lokbespannte Doppelstock- oder n-Wagen, wie sie im Dezember 2017 ins Stillstandsmanagement gebracht worden sind), muss davon ausgegangen werden, dass der RMV wissentlich Kollateralschäden in Kauf nimmt.

Öffentlicher Verkehr ist kein Selbstzweck. Die Fahrgäste sind auf einen zuverlässigen Betrieb angewiesen und ich erlebe hier alles mögliche, nur nicht, dass hier irgendjemand spürbar für diese Fahrgäste Einsatz zeigt.