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Bayern-Ticket - Letzter Zug des Tages verpasst?

Hallo,

ich habe morgen vor mit dem Bayern-Ticket von Aschaffenburg nach Salzburg zu fahren und wieder zurück.
Wenn ich zurückfahre, habe ich vor mit dem Zug von Salzburg ab zu fahren, der um 18:15 Uhr abfährt, damit ich noch am selben Betriebstag mit dem letzten Zug um kurz vor 2 Uhr nachts in Aschaffenburg ankomme.
Die Umsteigezeiten sind bei dieser Verbindung jedoch sehr knapp bemessen.
Was mache ich, wenn ein Zug Verspätung hat und ich meinen Anschlusszug nicht erreiche und dann auf einmal irgendwo nachts in München, Treuchtlingen oder Würzburg nicht mehr weiterkomme?

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Ich betrachte mal die fast neuesten BB vom 1.8., die vom 5.8. habe ich noch nicht heruntergeladen:

„A.9 Fahrgastrechte
9.1
Weiterbeförderung/Fahrpreiserstattung
9.1.1
Muss vernünftigerweise davon ausgegangen werden, dass der Reisende mit einer
Fahrkarte der Produktklassen ICE, IC/EC oder mit einer zuggebundenen Fahrkarte am Ziel-
bahnhof gemäß Beförderungsvertrag mindestens 20 Minuten verspätet ankommen wird, hat er
unverzüglich die Wahl zwischen (i) der Fortsetzung der Fahrt oder der Weiterreise mit geänder-
ter Streckenführung bis zum Zielbahnhof bei nächster Gelegenheit oder (ii) der Fortsetzung der
Fahrt oder der Weiterreise mit geänderter Streckenführung bis zum Zielbahnhof zu einem spä-
teren Zeitpunkt. Er kann dabei auch den Zug einer höherwertigen Produktklasse benutzen. ..“

Das sind die normalen Fahrgastrechte, die die EU eigentlich GRUNDSÄTZLICH vorsieht: Man darf einfach ohne jeglichen Formalien möglichst schnell zu seinem Ziel weiterfahren, auch in einem höherwertigen Zug oder auf einem anderen Weg.

Diese Fahrgastrechte sollten eigentlich nach EU-Intention für alle Züge gelten! Daher ähneln die BB auch der EU-Verordnung:

https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=celex...

„Artikel 16
Erstattung oder Weiterreise mit geänderter Streckenführung
Muss vernünftigerweise davon ausgegangen werden, dass bei Ankunft am Zielort gemäß Beförderungsvertrag die Verspätung mehr als 60 Minuten betragen wird, so hat der Fahrgast unverzüglich die Wahl zwischen
a)
der Erstattung des vollen Fahrpreises ...;
b)
der Fortsetzung der Fahrt oder der Weiterreise mit geänderter Streckenführung unter vergleichbaren Beförderungsbedingungen bis zum Zielort bei nächster Gelegenheit; oder
c)
der Fortsetzung der Fahrt oder der Weiterreise mit geänderter Streckenführung unter vergleichbaren Beförderungsbedingungen bis zum Zielort zu einem späteren Zeitpunkt nach Wahl des Fahrgasts.“

Der wesentliche Unterschied: Die Weiterreise ohne Formalien wird zwar schon ab 20 Minuten statt 60 Minuten gewährt, ABER NUR FÜR INHABER VON FERNVERKEHRSFAHRKARTEN. Schon wer nach der EU-Verordnung googelt, wird eindringlich auf diesen möglichen Pferdefuß hingewiesen:

https://europa.eu/youreurope/citizens/travel/passenger-ri...

„Die EU-Vorschriften für Fahrgastrechte von Bahnreisenden gelten generell für sämtliche Zugreisen und Bahndienste innerhalb der EU.
Die EU-Länder können bestimmte Bahndienste davon ausnehmen, etwa Züge im Inland (innerstädtischer Schienenverkehr, Nahverkehr, Regional- und Fernzüge) und internationale Züge, die außerhalb der EU eingesetzt werden oder dort enden. Erkundigen Sie sich, bevor Sie Ihre Reise buchen.“

Die daraus resultierenden Mini-Fahrgastrechte für Reisende mit Nahverkehrsfahrkarten ZUM FLEXPREIS lesen sich in den DB-BB dann so:

„9.1.2
Für den Reisenden mit einer Fahrkarte für die Produktklasse C gilt Nr. 9.1.1 mit Aus-
nahme von Satz 2. Der Reisende hat stattdessen bei Weiterreise im Zug einer höherwertigen
Produktklasse zunächst den Fahrpreis für die benutzte Produktklasse zu zahlen.“

Mir unerklärlicher Zusatz-Bürokratismus: Man muss erst eine neue Fahrkarte kaufen und verpasst dadurch evtl. die nächste Möglichkeit zur Weiterfahrt – und bekommt dadurch aber mehr Erstattung. Eine typische Lose-Lose-Situation, deren Ausmaße für Kunden mit Sonderangeboten besonders spätabends noch dramatischer werden:

„Die dafür er-
forderlichen Aufwendungen werden nach Nr. 9.3. erstattet. Dies gilt nicht für Inhaber von Fahr-
karten zu einem erheblich ermäßigten Fahrpreis. Welche Fahrkarten das sind, ist in den Beför-
derungsbedingungenen der jeweiligen Angebote geregelt. …“

ALSO: SELBST GELÖSTE KARTEN WERDEN BEI SONDERANGEBOTEN NICHT ERSTATTET!

Das sind dann die Minimalst-Fahrgastrechte für z.B. das Bayernticket.

Spätabends wird es immerhin etwas kundenfreundlicher:

„9.1.5
Der Beförderer bietet dem Reisenden die Weiterbeförderung mit einem anderen Ver-
kehrsmittel zum vertragsgemäßen Zielort an, sofern dies praktisch durchführbar ist, wenn (i)
seine fahrplanmäßige Ankunftszeit in den Zeitraum zwischen 0.00 Uhr und 5.00 Uhr fällt und
vernünftigerweise davon ausgegangen werden muss, dass der Reisende wegen einer Zugver-
spätung oder eines Zugausfalls ohne Nutzung dieses Verkehrsmittels mindestens 60 Minuten
verspätet am Zielbahnhof ankommen wird, oder wenn (ii) ein Zug ausfällt, es sich bei dem vom
Reisenden gewählten Zug um die letzte fahrplanmäßige Verbindung des Tages handelt und der
Reisende wegen des Ausfalls dieses Zuges den vertragsgemäßen Zielbahnhof ohne Nutzung
des anderen Verkehrsmittels nicht mehr bis um 24.00 Uhr erreichen kann. Bietet der Beförderer
dem Reisenden nicht nach Satz 1 die Weiterbeförderung in einem anderen Verkehrsmittel an
und ist es dem Reisenden aus vom Beförderer zu vertretenden Gründen nicht möglich, mit dem
Beförderer in Kontakt zu treten (Kontaktaufnahme vor Ort mit DB-Verkaufsstelle bzw. DB-Infor-
mation oder Personal des genutzten Zuges)und nutzt der Reisende daraufhin selbständig ein
anderes Verkehrsmittel für die Weiterfahrt zum vertragsgemäßen Zielort, so hat er einen An-
spruch auf Ersatz der dafür erforderlichen Aufwendungen bis zu einem Höchstbetrag von 80 €...“

Also: Geld zurück für eigenmächtig gelöste Fahrkarten gibt es NICHT, wenn man keine Lust hatte, sich am Info-Point anzustellen!!! Fazit: Schadensminimierung wird bestraft.

Noch Mal:

„ist es dem Reisenden aus vom Beförderer zu vertretenden Gründen nicht möglich, mit dem
Beförderer in Kontakt zu treten (Kontaktaufnahme vor Ort mit DB-Verkaufsstelle bzw. DB-Infor-
mation oder Personal des genutzten Zuges)und nutzt der Reisende daraufhin selbständig ein
anderes Verkehrsmittel ...“ DANN UND NUR DANN „so hat er einen An-
spruch auf Ersatz der dafür erforderlichen Aufwendungen bis zu einem Höchstbetrag von 80 €...“

Das sind die Fahrgastrechte, die bzgl. Bus oder Taxi abends mit großer Hemmschwelle für alle gelten - bzgl. Weiterfahrt im IC/ICE auch für Kunden mit erheblich ermäßigten Fahrausweisen, für die die Erstattung selbstgekaufter Fahrkarten sonst ja explizit ausgeschlossen ist!

Daher mein dringender Rat, um nicht auf teuren Unkosten sitzen zu bleiben: Falls schon frühzeitig absehbar, unbedingt an der Information in München Schlange stehen, und wenn es wie üblich länger dauert und der letzte ICE schon weg ist, einen Hotelgutschein erhalten. (Ich hatte das Vergnügen erst ein Mal: Ich sprang als erster vorne aus dem Zug und rannte zum damaligen „Service-Point“, wo aber eine lange Schlange mit Reisenden aus anderen Zügen stand. Dank des Spurts hatte ich immerhin schon nach ca. 45 Minuten den Taxi-Gutschein.)

Kurzfassung:
1. Mit IC/ICE-Fahrkarte kann man ohne Formalien auf dem schnellsten Weg weiter fahren.
2. Mit Nahverkehrs-FLEX-Preisen muss man erst eine neue Fahrkarte kaufen, hat aber hinterher Anspruch auf Erstattung.
3. Mit Fahrkarten zu einem erheblichen ermäßigten Preis ist die Erstattung eigenmächtig gelöster Fahrkarten explizit ausgeschlossen.
4. Man hat nachts trotzdem Anspruch auf Weiter-Beförderung im ICE, muss aber dazu an der Information anstehen; wenn durch das Warten dort der letzte Zug verpasst wird, bekommt man einen Hotelgutschein, statt die Freigabe für den ICE. (Workaround: ICE-Zub vorher ansprechen, ob der zur Mitnahme ohne Freigabe bereit ist.)

Und nun ganz speziell:
Wenn der Anschluss in Treuchtlingen nicht klappt, am besten bis Nürnberg weiterfahren. Dort würde ich für einen Hotelgutschein dann zur DB-Information gehen. Theoretisch könnte man noch bis Würzburg weiterreisen und sich dann mitten in der Nacht ein Hotel suchen. Die DB-Information in Würzburg schließt um 24h; ein Taxi-Gutschein ist also nicht zu erwarten. Ein Taxi auf eigene Faust kostet mindestens 120€, so dass man als Einzelner auf 40€ sitzen bleibt, da maximal 80€ pro Person erstattet werden Zu zweit (60€ pro Person) wäre ein Taxi ab Würzburg aber eine praktikable Alternative.

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Hätte ich Bauchschmerzen mit den fünf Minuten in Treuchtlingen da Du da auch den Bahnsteig noch wechseln musst! Von den Fahrgastrechten kannst du nichts erwarten, da es sich um ein erheblich vergünstigstes Ticket handelt!

Leo
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Glückwunsch!

Wer dermaßen Vabanque spielt und es darauf ankommen läßt, wird belohnt:
Bevor die DB eine Übernachtung zahlt (diese Mini-Fahrgastrechte hat man noch), darf man meist doch mit dem IC oder ICE weiterfahren (diese Fahrgastrechte hat man bei Sonderangeboten nicht).

Wer dagegen umsichtig einen Zeitpuffer einbaut, muss dagegen ggf. mehrmals lange auf den nächsten Nahverkehrszug warten.

Aber Vorsicht vor komprimisslosen Paragrafenreitern, die bei eigenmächtigem Weiterfahren im ICE gleich Straftaten unterstellen:

https://community.bahn.de/questions/2051144-zugausfall-na...

Dann lieber so lange an der Information/Service-Point anstehen, bis der letzte ICE auch abgefahren ist, und einen Hotel-Gutschein erhalten.

Ich persönlich empfehle eher die unbürokratische Variante: Wenn unter Berücksichtigung der Warteschlange an der Information die Zeit bis zur Abfahrt des ICE knapp wird, den Zub VOR DEM EINSTEIGEN ansprechen, das Problem schildern und um unbürokratische Mitnahme bitten. Und wenn der doch nein sagt, dann brav anstellen und im Hotel übernachten.

Hallo,

sollten Sie nicht anders fahren können und tatsächlich Ihren Anschluss verpassen, dann können Sie im Rahmen der Fahrgastrechte auch auf andere Züge (Fernverkehr) ausweichen. Für den Fernverkehr benötigen Sie jedoch dann ein weiteres Ticket. Sie können sich dann im Anschluss an das Servicecenter Fahrgastrechte wenden. /di

Leo
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"dann können Sie im Rahmen der Fahrgastrechte auch auf andere Züge (Fernverkehr) ausweichen."

Das gilt doch nur bei REGULÄREN Nahverkehrskarten, nicht bei Sonderangeboten, Stichwort "erheblich ermäßigter Fahrausweis", oder?

Hallo Leo, deshalb die beiden letzten Sätze: "Für den Fernverkehr benötigen Sie jedoch dann ein weiteres Ticket. Sie können sich dann im Anschluss an das Servicecenter Fahrgastrechte wenden." /di

kabo
kabo

kabo

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Bei "erheblich ermäßigten" Tickets besteht aber kein Anspruch auf Erstattung der Fernverkehrsmehrkosten, auch nicht über das Servicecenter Fahrgastrechte.

Hallo kabo, danke für den Hinweis. Das ist natürlich richtig. Ich habe irgendwie gerade nur an Nahverkehr allgemein gedacht. Entschuldigung für die Irritationen. /di

Leo
Leo

Leo

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Ich betrachte mal die fast neuesten BB vom 1.8., die vom 5.8. habe ich noch nicht heruntergeladen:

„A.9 Fahrgastrechte
9.1
Weiterbeförderung/Fahrpreiserstattung
9.1.1
Muss vernünftigerweise davon ausgegangen werden, dass der Reisende mit einer
Fahrkarte der Produktklassen ICE, IC/EC oder mit einer zuggebundenen Fahrkarte am Ziel-
bahnhof gemäß Beförderungsvertrag mindestens 20 Minuten verspätet ankommen wird, hat er
unverzüglich die Wahl zwischen (i) der Fortsetzung der Fahrt oder der Weiterreise mit geänder-
ter Streckenführung bis zum Zielbahnhof bei nächster Gelegenheit oder (ii) der Fortsetzung der
Fahrt oder der Weiterreise mit geänderter Streckenführung bis zum Zielbahnhof zu einem spä-
teren Zeitpunkt. Er kann dabei auch den Zug einer höherwertigen Produktklasse benutzen. ..“

Das sind die normalen Fahrgastrechte, die die EU eigentlich GRUNDSÄTZLICH vorsieht: Man darf einfach ohne jeglichen Formalien möglichst schnell zu seinem Ziel weiterfahren, auch in einem höherwertigen Zug oder auf einem anderen Weg.

Diese Fahrgastrechte sollten eigentlich nach EU-Intention für alle Züge gelten! Daher ähneln die BB auch der EU-Verordnung:

https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=celex...

„Artikel 16
Erstattung oder Weiterreise mit geänderter Streckenführung
Muss vernünftigerweise davon ausgegangen werden, dass bei Ankunft am Zielort gemäß Beförderungsvertrag die Verspätung mehr als 60 Minuten betragen wird, so hat der Fahrgast unverzüglich die Wahl zwischen
a)
der Erstattung des vollen Fahrpreises ...;
b)
der Fortsetzung der Fahrt oder der Weiterreise mit geänderter Streckenführung unter vergleichbaren Beförderungsbedingungen bis zum Zielort bei nächster Gelegenheit; oder
c)
der Fortsetzung der Fahrt oder der Weiterreise mit geänderter Streckenführung unter vergleichbaren Beförderungsbedingungen bis zum Zielort zu einem späteren Zeitpunkt nach Wahl des Fahrgasts.“

Der wesentliche Unterschied: Die Weiterreise ohne Formalien wird zwar schon ab 20 Minuten statt 60 Minuten gewährt, ABER NUR FÜR INHABER VON FERNVERKEHRSFAHRKARTEN. Schon wer nach der EU-Verordnung googelt, wird eindringlich auf diesen möglichen Pferdefuß hingewiesen:

https://europa.eu/youreurope/citizens/travel/passenger-ri...

„Die EU-Vorschriften für Fahrgastrechte von Bahnreisenden gelten generell für sämtliche Zugreisen und Bahndienste innerhalb der EU.
Die EU-Länder können bestimmte Bahndienste davon ausnehmen, etwa Züge im Inland (innerstädtischer Schienenverkehr, Nahverkehr, Regional- und Fernzüge) und internationale Züge, die außerhalb der EU eingesetzt werden oder dort enden. Erkundigen Sie sich, bevor Sie Ihre Reise buchen.“

Die daraus resultierenden Mini-Fahrgastrechte für Reisende mit Nahverkehrsfahrkarten ZUM FLEXPREIS lesen sich in den DB-BB dann so:

„9.1.2
Für den Reisenden mit einer Fahrkarte für die Produktklasse C gilt Nr. 9.1.1 mit Aus-
nahme von Satz 2. Der Reisende hat stattdessen bei Weiterreise im Zug einer höherwertigen
Produktklasse zunächst den Fahrpreis für die benutzte Produktklasse zu zahlen.“

Mir unerklärlicher Zusatz-Bürokratismus: Man muss erst eine neue Fahrkarte kaufen und verpasst dadurch evtl. die nächste Möglichkeit zur Weiterfahrt – und bekommt dadurch aber mehr Erstattung. Eine typische Lose-Lose-Situation, deren Ausmaße für Kunden mit Sonderangeboten besonders spätabends noch dramatischer werden:

„Die dafür er-
forderlichen Aufwendungen werden nach Nr. 9.3. erstattet. Dies gilt nicht für Inhaber von Fahr-
karten zu einem erheblich ermäßigten Fahrpreis. Welche Fahrkarten das sind, ist in den Beför-
derungsbedingungenen der jeweiligen Angebote geregelt. …“

ALSO: SELBST GELÖSTE KARTEN WERDEN BEI SONDERANGEBOTEN NICHT ERSTATTET!

Das sind dann die Minimalst-Fahrgastrechte für z.B. das Bayernticket.

Spätabends wird es immerhin etwas kundenfreundlicher:

„9.1.5
Der Beförderer bietet dem Reisenden die Weiterbeförderung mit einem anderen Ver-
kehrsmittel zum vertragsgemäßen Zielort an, sofern dies praktisch durchführbar ist, wenn (i)
seine fahrplanmäßige Ankunftszeit in den Zeitraum zwischen 0.00 Uhr und 5.00 Uhr fällt und
vernünftigerweise davon ausgegangen werden muss, dass der Reisende wegen einer Zugver-
spätung oder eines Zugausfalls ohne Nutzung dieses Verkehrsmittels mindestens 60 Minuten
verspätet am Zielbahnhof ankommen wird, oder wenn (ii) ein Zug ausfällt, es sich bei dem vom
Reisenden gewählten Zug um die letzte fahrplanmäßige Verbindung des Tages handelt und der
Reisende wegen des Ausfalls dieses Zuges den vertragsgemäßen Zielbahnhof ohne Nutzung
des anderen Verkehrsmittels nicht mehr bis um 24.00 Uhr erreichen kann. Bietet der Beförderer
dem Reisenden nicht nach Satz 1 die Weiterbeförderung in einem anderen Verkehrsmittel an
und ist es dem Reisenden aus vom Beförderer zu vertretenden Gründen nicht möglich, mit dem
Beförderer in Kontakt zu treten (Kontaktaufnahme vor Ort mit DB-Verkaufsstelle bzw. DB-Infor-
mation oder Personal des genutzten Zuges)und nutzt der Reisende daraufhin selbständig ein
anderes Verkehrsmittel für die Weiterfahrt zum vertragsgemäßen Zielort, so hat er einen An-
spruch auf Ersatz der dafür erforderlichen Aufwendungen bis zu einem Höchstbetrag von 80 €...“

Also: Geld zurück für eigenmächtig gelöste Fahrkarten gibt es NICHT, wenn man keine Lust hatte, sich am Info-Point anzustellen!!! Fazit: Schadensminimierung wird bestraft.

Noch Mal:

„ist es dem Reisenden aus vom Beförderer zu vertretenden Gründen nicht möglich, mit dem
Beförderer in Kontakt zu treten (Kontaktaufnahme vor Ort mit DB-Verkaufsstelle bzw. DB-Infor-
mation oder Personal des genutzten Zuges)und nutzt der Reisende daraufhin selbständig ein
anderes Verkehrsmittel ...“ DANN UND NUR DANN „so hat er einen An-
spruch auf Ersatz der dafür erforderlichen Aufwendungen bis zu einem Höchstbetrag von 80 €...“

Das sind die Fahrgastrechte, die bzgl. Bus oder Taxi abends mit großer Hemmschwelle für alle gelten - bzgl. Weiterfahrt im IC/ICE auch für Kunden mit erheblich ermäßigten Fahrausweisen, für die die Erstattung selbstgekaufter Fahrkarten sonst ja explizit ausgeschlossen ist!

Daher mein dringender Rat, um nicht auf teuren Unkosten sitzen zu bleiben: Falls schon frühzeitig absehbar, unbedingt an der Information in München Schlange stehen, und wenn es wie üblich länger dauert und der letzte ICE schon weg ist, einen Hotelgutschein erhalten. (Ich hatte das Vergnügen erst ein Mal: Ich sprang als erster vorne aus dem Zug und rannte zum damaligen „Service-Point“, wo aber eine lange Schlange mit Reisenden aus anderen Zügen stand. Dank des Spurts hatte ich immerhin schon nach ca. 45 Minuten den Taxi-Gutschein.)

Kurzfassung:
1. Mit IC/ICE-Fahrkarte kann man ohne Formalien auf dem schnellsten Weg weiter fahren.
2. Mit Nahverkehrs-FLEX-Preisen muss man erst eine neue Fahrkarte kaufen, hat aber hinterher Anspruch auf Erstattung.
3. Mit Fahrkarten zu einem erheblichen ermäßigten Preis ist die Erstattung eigenmächtig gelöster Fahrkarten explizit ausgeschlossen.
4. Man hat nachts trotzdem Anspruch auf Weiter-Beförderung im ICE, muss aber dazu an der Information anstehen; wenn durch das Warten dort der letzte Zug verpasst wird, bekommt man einen Hotelgutschein, statt die Freigabe für den ICE. (Workaround: ICE-Zub vorher ansprechen, ob der zur Mitnahme ohne Freigabe bereit ist.)

Und nun ganz speziell:
Wenn der Anschluss in Treuchtlingen nicht klappt, am besten bis Nürnberg weiterfahren. Dort würde ich für einen Hotelgutschein dann zur DB-Information gehen. Theoretisch könnte man noch bis Würzburg weiterreisen und sich dann mitten in der Nacht ein Hotel suchen. Die DB-Information in Würzburg schließt um 24h; ein Taxi-Gutschein ist also nicht zu erwarten. Ein Taxi auf eigene Faust kostet mindestens 120€, so dass man als Einzelner auf 40€ sitzen bleibt, da maximal 80€ pro Person erstattet werden Zu zweit (60€ pro Person) wäre ein Taxi ab Würzburg aber eine praktikable Alternative.

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Das ist hier ja jetzt alles merkwürdig und kompliziert. Könnte sich mal wer von der Bahn abschließend äußern oder Leos Geschriebene bestätigen?

Guten Abend adnh001, die Zusammenfassung von Leo passt. Nur ein Punkt zur Ergänzung. Wenn man den letzten Zug des Tages verpasst, hat man ja die Möglichkeit, sich ein Hotel zu nehmen oder gegebenfalls die Taxikosten (bis 80 Euro pro Person) zu bekommen. Aber es ist dann auch möglich, einen Fernverkehrszug zu nehmen, sofern man so das Ziel noch erreichen könnte. Dies ist dann unter die Hilfeleistung geregelt und kann auch mit stark ermäßigten Tickets genutzt werden. Das Servicecenter Fahrgastrechte erklärte es so, dass sobald man theoretisch Anspruch auf ein Hotel hat, hat man auch die Möglichkeit, einen anderen höherwertigen Zug zu nehmen, unabhängig davon, ob man ein stark ermäßigtes Ticket hat. Man muss hier unterscheiden, ob es anhand der Fahrgastrechte genutzt wird oder aufgrund der Hilfeleistung, die einem immer zusteht.

Ich hoffe, die Info hilft Ihnen weiter. /no