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Kann man nicht elektronische Absperrungen an den Bahnsteigen setzen?

Um solche Vorfälle wie derzeit aktuell zu vermeiden und niemand mehr auf die Gleise gestoßen werden kann, sollten vor den Bahngleisen ein Geländer mit Elektronischen Toren angebracht werden, die sich erst öffnen wenn der Zug eingefahren ist und steht. Das Ausland hat Teilweise diese Vorrichtungen schon. Sollte vielleicht auch hier einmal drüber Nachgedacht werden! Sowas darf nicht wieder passieren das Menschen auf die Bahngleise gestoßen werden.
MfG gallaxy0

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Einfach mal zu Ende denken!
Es gab Zeiten, in denen wir Bahnsteigsperren hatten und man für den Zugang zum Bahnsteig entweder eine Fahrkarte oder eine Bahnsteigkarte brauchte. Die wurden (im Westen, Osten ist mir nicht bekannt) Anfang der 1970er abgeschafft, u.a. weil sie den Reisendenstrom störten. Davon abgesehen schützt so etwas auch nicht davor, dass sich ein potenzieller Täter eine Fahr- oder Bahnsteigkarte kauft.
Einen Schritt weiter: Wir verschließen also die Zugänge zu den Bahnsteigen mit Toren, die sich erst öffnen, wenn der Zug steht. Abgesehen davon, dass hier eine Menge Platz benötigt wird und das gar nicht an jedem Bahnhof möglich sein wird, entstehen gleich eine ganze Reihe anderer Probleme. Ganz zwangsläufig werden alle, die auf den Zug warten, vor dem Tor stehen, es braucht also noch eine Lösung, die aussteigenden Fahrgäste andernorts abzuleiten, sonst ist der Engpass bereits absehbar; über die Probleme bei einem Feuer oder einem terroristischen Anschlag (Menschenansammlungen sind immer kritisch) will ich gar nicht nachdenken. Gerade bei Menschenansammlungen besteht zudem die Gefahr von Drängeleien, die regelmäßig zu Lasten der Schwächeren gehen - oder wir brauchen nicht nur Tore, sondern auch kontrollierte Warteschlangen, die wiederum noch mehr Platz brauchen und auch überwacht werden müssen, denn durch ellenlange Absperrbänder zu gehen, an denen niemand (mehr) wartet ist auch nicht prickelnd. Noch gar nicht betrachtet habe ich dabei das Problem spontaner Gleisänderungen, bei denen die Massen vor dem falschen Tor/in der falschen Warteschlange stehen.
Nicht zu vergessen:
Ein solches Modell wird viel Zeit kosten, der Aufenthalt von 3 Minuten, wie er an vielen Durchgangsbahnhöfen üblich ist, wird bei weitem nicht mehr reichen; schwer abzuschätzen, wie lange ein Aufenthalt dann wirklich sein muss (und das hängt ja auch sehr stark von den Fahrgastzahlen ab, die eben an einem frühen Dienstagmorgen ganz anders sind als an einem Freitagnachmittag vor Weihnachten).
Natürlich, man kann viel tun, aber weder gibt es hundertprozentige Sicherheit noch die ideale Lösung. Besser wäre es zweifelsfrei, die "Randstreifen", hinter denen auf die Einfahrt eines Zuges gewartet werden soll, zu verbreitern, aber wer volle Bahnsteige wie etwa in Hamburg oder Frankfurt kennt, weiß, dass selbst eine solche Maßnahme kaum realisierbar ist.
Zum Abschluss:
Wenn jemand so etwas tun will, wird er eine Möglichkeit finden - unbefriedigend, aber leider nicht zu ändern. Das gilt übrigens nicht nur für die Nutzung der Bahn, auch im Straßenverkehr und im Flugzeug gibt es immer Möglichkeiten (ich will das bewusst nicht weiter ausführen) ...

gallaxy0
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Ich meinte ja nicht den ganzen Bahnsteig sperren sondern nur ein Sicherungsgeländer zu den Gleisen mit elektronischen Öffnungen im Bereich der Türen des Zuges wenn er steht. Natürlich gibt es keine 100% Sicherheit aber es gebe den Fahrgästen schon ein Stück mehr Sicherheit .

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Das klappt aber nicht, weil ja jeder Zug-Typ andere Türabstände hat. Und die Sicherheit erhöht das kein Stück, denn der Angreifer hat ja noch unendlich viele andere Möglichkeiten. Das gäbe nur eine Illusion oder Gefühl von Sicherheit, die aber nicht real ist.

Leo
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„Einfach mal zu Ende denken!“

Ich bitte doch darum – und vor allem: Bitte über den eigenen Tellerrand hinaus schauen!

„Es gab Zeiten, in denen wir Bahnsteigsperren hatten und man für den Zugang zum Bahnsteig entweder eine Fahrkarte oder eine Bahnsteigkarte brauchte. Die wurden ... abgeschafft, u.a. weil sie den Reisendenstrom störten.“

In Japan gibt es die immer noch - wie auch neuerdings in den Niederlanden, und sie stören den Reisendenstrom keineswegs, denn sie sind ähnlich wie in Japan positioniert und nicht so unglücklich wie die Sperren früher in Deutschland:

https://www.jreast.co.jp/e/stations/e1039.html

Es gibt in JEDEM (nicht allzu winzigen) japanischen Bahnhof ein relativ großen Gebiet (hell-rosa auf dem Plan) das nicht nur den Tunnel und die Gleise umfasst, sondern Warteräume, Toiletten, Geschäfte. In diesen großen Bereich kommt man nur mit Fahrkarte, und zwar sobald man den Bahnhof betritt und nicht erst ein paar Minuten vor der Abfahrt. Und bevor man ihn verlässt, kauft man evtl. noch eine Zeitung oder etwas zu trinken. Man kann als ehrlicher Kunde also gar nicht schwarzfahren, sondern kann problemlos nachlösen („Fare Adjustment“ im Plan: Automaten und Schalter) – übrigens ohne Zuschlag. Außerdem gibt es magnetische Einzelkarten und (ähnlich wie in den Niederlanden) Chipkarten, mit denen man entweder auf Saldo des vorher eingezahlten Guthabens reisen kann, oder mit Zeitkarten. Mit etwas Übung und Koordination von Beinen und Hand mit der Chipkarte kann man fast normal weitergehen (ich musste mangels Übung aber etwas langsamer werden)..

https://en.wikipedia.org/wiki/Suica

Von diesem großen Bahnhofsbereich sind alle Züge außer Shinkansen zu erreichen. Bei mehren Bahngesellschaften gibt es Transfer-Sperren „Transfer Gates“, bei denen man in einem Rutsch bei der einen Bahngesellschaft auscheckt und bei der nächsten eincheckt. (Für Rail-Pass-Inhaber sind die passenderweise oft mit einer Ausgangs-Sperre kombiniert: Statt geradeaus durch die Transfer-Sperre verläßt man das JR-Gebiet unter Vorzeigen des Railpasses nach rechts in das öffentliche Bahnhofsgebiet, macht eine 180-Gard Kehre und checkt daneben bei der Sperre der anderen Gesellschaft wieder ein.)

Der Shinkansen-Bereich (im Bahnhof Tokyo 2 separate, einer für JR-Central Richtung Südwesten und einer für JR-East Richtung Nordosten) ist separat vom übrigen abgesperrten Bereich. Es gibt Umsteige-Sperren zu den klassischen JR-Strecken und Sperren direkt zum öffentlichen Bereich.

Eine Shinkansen-Sperre ist hier unter „Ticket Gate“ beschrieben:

https://www.seat61.com/Japan.htm

Wie man sieht, steht sie normalerweise immer offen. Wenn man aber einfach weitergeht, oder eine falsche Fahrkarte hat, schließt sie am anderen Ende. (Dann geht man zurück zum Nachzahl-Automat oder -Schalter). Wer dann einfach über die Klappe hinten springt oder klettert, wird von einer ganzen Armada von Kameras aufgenommen und bekommt wohl Ärger, aber im Gegensatz zu Paris habe ich das in Japan niemals beoabachtet.

„Einen Schritt weiter: Wir verschließen also die Zugänge zu den Bahnsteigen mit Toren, die sich erst öffnen, wenn der Zug steht. Abgesehen davon, dass hier eine Menge Platz benötigt wird und das gar nicht an jedem Bahnhof möglich sein wird, entstehen gleich eine ganze Reihe anderer Probleme. Ganz zwangsläufig werden alle, die auf den Zug warten, vor dem Tor stehen, es braucht also noch eine Lösung, die aussteigenden Fahrgäste andernorts abzuleiten, sonst ist der Engpass bereits absehbar;“

Die Lösung habe ich ja oben wohl hinlänglich beschrieben; immer noch Ungläubigen empfehle ich die Bahnhof Shinjuku und die dortigen geordneten Massen – wenn auch für Ortsfremde die Orientierung nicht ganz einfach ist („Horror-Bahnhof“ laut meiner Freundin):

https://www.shinjukustation.com/shinjuku-station-map-find...

Die Sperren waren da das allerkleinste Problem… (aber auch am Bahnhof Tokyo gibt es etliche Gleisnummern mehrmals, sogar innerhalb von JR. Immer erst der LINIE nach...)

„über die Probleme bei einem Feuer oder einem terroristischen Anschlag (Menschenansammlungen sind immer kritisch) will ich gar nicht nachdenken.“

Ich hatte in Japan nur den harmloseren Fall massiver Verspätung erlebt: Der 2015 noch in Shin-Aomori endende Nordost-Shinkansen hatte Verspätung. Es gab Durchsagen schnell durchzugehen, ohne wie üblich die Shinkansen-Karte bei Verlassen des Shinkansen-Gebiets an der Sperre zu lesen; hierzu war die Sperre deaktiviert und blieb ständig in der Grundstellung offen an beiden Enden. So rauschten wir einfach durch und bekamen alle unseren Anschluss.

„Gerade bei Menschenansammlungen besteht zudem die Gefahr von Drängeleien, die regelmäßig zu Lasten der Schwächeren gehen - oder wir brauchen nicht nur Tore, sondern auch kontrollierte Warteschlangen, die wiederum noch mehr Platz brauchen und auch überwacht werden müssen, denn durch ellenlange Absperrbänder zu gehen, an denen niemand (mehr) wartet ist auch nicht prickelnd. Noch gar nicht betrachtet habe ich dabei das Problem spontaner Gleisänderungen, bei denen die Massen vor dem falschen Tor/in der falschen Warteschlange stehen.“

Die Lösung steht auch schon oben: Nicht separate Warteschlangen, sondern EIN einziges GROSSES abgesperrtes Gebiet für (fast) ALLE Gleise, das beim Umsteigen nicht verlassen wird. (In Japan gibt es aufgrund der unterschiedlichen Spurweite eine räumliche Trennung zwischen normalen Zügen und Shinkansen und eine separaten abgesperrten Bereich; in Deutschland sollte man so etwas eher nicht machen.) NEIN: Es gibt praktisch KEINE Warteschlangen, aber viele verschiedene Eingänge und viele Tore parallel mit schneller, SICHERER Kontrolle der Tickets (ich denke da an e-Tickets im VRR oder RMV als Gegenbeispiel).

„Noch gar nicht betrachtet habe ich dabei das Problem spontaner Gleisänderungen, bei denen die Massen vor dem falschen Tor/in der falschen Warteschlange stehen.“

Wie gesagt: EIN einziger abgesperrter Bereich – und in Japan übrigens so gut wie keine Gleisänderungen.

„Ein solches Modell wird viel Zeit kosten, der Aufenthalt von 3 Minuten, wie er an vielen Durchgangsbahnhöfen üblich ist, wird bei weitem nicht mehr reichen;“

Dank der Größe des abgesperrten Bereichs tritt keinerlei Verzögerung auf. In Japan geht das Ein- und Aussteigen viel zügiger:

1. Man wartet auf dem Bahnsteig genau an der Halteposition der Tür zu dem Wagen, in dem man reserviert hat oder ohne Reservierung zu einem Wagen ohne Reservierung. (Obwohl einige Mini-Shinkansen durchaus auch auf normalen Gleisen Fahren, sind verkürzte Züge oder umgekehrte Wagenreihungen vollkmmen unbekannt.)

2. Der Zug fährt ein, braucht zum Schluss relativ lang zum Anhalten, steht dafür aber bis auf 10cm genau.

3. Die Türen des Zuges und die Türen am Bahnsteig (s.u.) öffnen sich

4. Die Aussteigenden steigen in Rekordgeschwindigkeit aus (großes Gepäck ist verpönt!). An Endstationen steht der Putztrupp mit Müllsäcken an der Tür.

5. AN Endstationen: Der Putztrupp reinigt in Rekordzeit von ca. 5 Minuten den Zug. Je nach Modell drehen sich die Sitze alle automatisch in Fahrtrichtung oder werden vom Putztrupp manuell umngedreht, alles in den 5 Minuten!

6. Die Aussteigenden steigen in Rekordgeschwindigkeit ein.

7. Die beim präzisen Einfahren verlorene Zeit wird durch starke Beschleunigung beim Anfahren im Vergleich zum ICE-Losschleichen mehr als ausgeglichen.

„Ich meinte ja nicht den ganzen Bahnsteig sperren sondern nur ein Sicherungsgeländer zu den Gleisen mit elektronischen Öffnungen im Bereich der Türen des Zuges wenn er steht.“

Das gibt es mittlerweile in vielen U-Bahnen – und in Japan sogar im Hochgeschwindigkeitsverkehr:

https://www.google.com/search?hs=nwV&sa=X&channel... Bilder anklicken

Es gibt da die klassische Variante

https://www.japantimes.co.jp/news/2012/01/17/reference/pl...

aber auch vertikale Varianten für Züge mit sehr vielen Türen:

http://annx.asianews.network/content/platform-barriers-sp...

Natürlich muss man zielgenau bremsen, was beim Shinkansen bis zum Stillstand deutlich länger dauert, als beim ICE. Es ist daher erstaunlich, wie solche Tore sogar in U- und S-Bahnen mit schnellem Anhalten funktionieren. Hier ist es ganz unten für die wichtige S-bahn-Ringlinie in Tokyo beschrieben:

https://www.jreast.co.jp/e/press/20080601/

In Japan ist man für das Thema sensibilisiert und rüstet auf breiter Front nach:

https://mainichi.jp/english/articles/20170127/p2a/00m/0na...

„Das klappt aber nicht, weil ja jeder Zug-Typ andere Türabstände hat.“

Dieses Problem ist auch auf manchen japanischen Strecken nicht unbekannt; aber bei gutem Willen gibt es auch dafür eine Lösung:

http://www.asahi.com/ajw/articles/AJ201812170044.html

Auch in Korea scheint es so etwas zu geben und es wird jetzt auch in Barcelona implementiert:

http://www.asahi.com/ajw/articles/AJ201812170044.html

Hier wird allerdings auch von Problemen berichtet:

https://mainichi.jp/english/articles/20170109/p2a/00m/0na...

Insbesondere würde der Aufenthalt 10 Sekunden länger dauern. Das mag für Japan stimmen, wo jeder diszipliniert an der Halteposition ansteht. Aber schon für die Engländer gilt das nicht mehr:

https://www.researchgate.net/publication/300058835_The_im...

„it can be confidently concluded that when PEDs are present they do not have a negative effect on the BAT. In fact they may have a positive impact due to the reorganisation of the platform flows, given that when PEDs significantly reduced the BAT this was associated to people queuing and clustering beside the doors more than in front of them.“

Kurz: Es geht sogar schneller, weil sich die Leute koordinierter verhalten. Und bei den chaotischen Deutschen würde es dann bestimmt noch viel mehr bringen…

Fazit: Wie wäre es denn zumindest langfristig mit einer Investition in die Sicherheit anstelle eines neuen Fass-ohne-Boden-41-Projekts nach Stuttgart21 und München31/Zweite-Stammstrecke?

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@Leo
Mit dieser Japan-Lösung ist doch das Problem nicht gelöst. Denn wenn ein Täter ein Ticket hat, kommt der ja immer noch in den Bereich, wo die Leute sind und dieser kann dann weiterhin viel Unheil anrichten.
Man darf sich ja nicht einbilden, dass ein Täter wenn er nicht schubsen kann, nichts anderes böses tut.

D.h. auch wenn man noch so viel Geld in eine Schein-Sicherheit investiert, wird es in der Realität leider dennoch nicht sicherer.

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Die Diskussion entgleitet, sicherlich kann man kriminelles Potential nicht berechnen, es können Flugzeuge auf den Bahnhof stürzen oder Bomben gezündet werden oder von Schusswaffen gebrauch gemacht werden, Frage war doch Sicherheitsgeländer vor dem Gleisbett um unbeabsichtigte oder vorsätzliche Stürze vor dem Zug eventuell zu verhindern. Wer so denkt wie in der Diskussion denkt wie ein Krimineller mit Gewaltpotenzial.
Ich klinke mich hiermit aus und hoffe für die Teilnehmer das Ihnen so etwas nie geschehen möge.

Leo
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„@Leo
Mit dieser Japan-Lösung ist doch das Problem nicht gelöst.“

ES geht hier um ZWEI vollkommen verschiedene Maßnahmen:

1. Maßnahme: Die in der ersten Antwort total verrissenen Sperren, „Ticket Gates“ in Japan, „poortjes“ in den Niederlanden:

https://de.wikipedia.org/wiki/Bahnsteigsperre

Die angeblichen Nachteile und Unmöglichkeiten konnte ich nach meinen positiven Erfahrungen in Japan nicht so einfach unwiderlegt stehen lassen.

„Denn wenn ein Täter ein Ticket hat, kommt der ja immer noch in den Bereich, wo die Leute sind und dieser kann dann weiterhin viel Unheil anrichten.“
Stimmt! Aber diese sperren waren ja gar nicht gemeint, wie in der 2. Antwort explizit widersprochen!

Insofern ging unsere Diskussion der nicht gemeinten Sperren eigentlich am Thema vorbei. (Ausnahme: Die durchklingende chinesische Lösung wie sonst bei Flugzeugen üblich: Der Zug kommt an, die aussteigende Meute stürmt durch die Unterführung in Richtung Ausgang. Erst wenn alle den Zug verlassen haben und die letzten schon an der Treppe zur Unterführung sind, wird der Zugang vom Gate, einem durch Gitter abgetrennten Wartebereich für jeden Zug separat, zur Überführung und so auf den Bahnsteig geöffnet. Das könnte tatsächlich Unfälle oder Angriffe verhindern, aber bei dieser Variante wären, im Gegensatz zur japanischen ohne Nachteile, die ausführlich beschriebenen Nachteile tatsächlich zu befürchten.)

2. Maßnahme: Bahnsteig-Türen

„Ich meinte ja nicht den ganzen Bahnsteig sperren sondern nur ein Sicherungsgeländer zu den Gleisen mit elektronischen Öffnungen im Bereich der Türen des Zuges wenn er steht.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Bahnsteigt%C3%BCr

ausführlicher auf Englisch:

https://en.wikipedia.org/wiki/Platform_door

mehr Bilder aus Japan:

https://ja.wikipedia.org/wiki/%E3%83%9B%E3%83%BC%E3%83%A0...

Eigene kommentierte Bilder aus Japan findet man hier:

https://619735.forumromanum.com/member/forum/forum.php?q=...

„Man darf sich ja nicht einbilden, dass ein Täter wenn er nicht schubsen kann, nichts anderes böses tut.
D.h. auch wenn man noch so viel Geld in eine Schein-Sicherheit investiert, wird es in der Realität leider dennoch nicht sicherer.“

Da muss ich energisch widersprechen: Die Gefahr ist deutlich verringert, wenn ein unbewaffneter Täter Opfer nicht mehr vor den Zug (Ergebnis: tot) sondern nur zu Boden oder vor die bei Einfahrt noch geschlossene Tür stoßen kann (Ergebnis: blaue Flecken oder evtl. Knochenbrüche, aber wohl nur in seltensten Ausnahmefällen des Genicks – Fazit: verletzt, aber nicht tot). So kann m n alle Unfälle und bewussen Schubsereien vermeiden! Wenn man die Sicherheit nochmals erhöhen will, braucht man wohl Kontrollen wie auf Flughäfen – oder auch z.B. beim Eurostar oder im Fernverkehr wie in Spanien (am Zugang zum AVE-Bahnsteig) oder China (am Bahnhofs-Eingang).

Die japanische Regierung und die Bahngesellschaften sind jedenfalls seit Jahren von der Wirksamkeit überzeugt:

https://en.wikipedia.org/wiki/Platform_door#Japan

„In August 2012, the Japanese government announced plans to install barriers at stations used by 100,000 or more people per day, and the Ministry of Land, Infrastructure, Transport and Tourism allotted 36 million yen ($470,800) for research and development of the system the 2011-2012 fiscal year.“

Daher, wie gesagt:

Fazit: Wie wäre es denn zumindest langfristig mit einer Investition in die Sicherheit anstelle eines neuen Fass-ohne-Boden-41-Projekts nach Stuttgart21 und München31/Zweite-Stammstrecke?

Leo
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Sehr interessanter Artikel in der FAS (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung) von heute, :

https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/sicherheit-an-...

Zitat:

„Er werde über „technische Verbesserungen zur Sicherheit an den Bahnsteigen“ nachdenken, sagte Horst Seehofer bei einer Pressekonferenz am Dienstag. Das hatte die Bahn allerdings schon für Unfug erklärt: ein Ding der Unmöglichkeit, würde Millionen kosten.
Es ist die übliche Art der Bahn, auf Unfälle zu reagieren. Als ein vierzehn Jahre alter Junge im bayerischen Schrobenhausen auf einem Bahnübergang ums Leben kam, sagte eine Bahnsprecherin: „Ein Zaun, der mitunter gefordert wird, müsste bei der Länge des Schienennetzes zweimal um den Äquator reichen.“ Als wäre es lächerlich, nach Sicherheit auch nur zu fragen.

Viele Bahnhöfe in Asien sehen aus wie die Zukunft. In Peking, Schanghai, Hongkong, Tokio, Seoul, Bangkok, Taipeh, Singapur und auch in kleineren Städten gibt es Türen zwischen Zug und Bahnsteig. Erst wenn ein Zug eingefahren ist, öffnen sie sich. Das können Glaswände bis zur Decke sein oder halbhohe Tore. Auf die Schienen zu fallen ist hier unmöglich.

Die Bahn sagt, das sei nicht auf das deutsche Schienennetz übertragbar. Unsere Bahnhöfe sind schließlich alt und eng, viele davon sind Sackbahnhöfe.

Aber in China und Japan etwa wurden auch sämtliche alten Stationen umgebaut.“

Und zur Unmöglichkeit wegen unterschiedlicher Türpositionen – wie auch in Japan beim Nordost-Shinkansen beobachtet:

„Dass sich Glastüren auf den Millimeter genau vor den Zugtüren öffnen, geht laut Deutscher Bahn nur bei fahrerlosen automatisieren Bahnen. Bei uns, wo jeder Regionalzug und jeder ICE die Türen an einer anderen Stelle hat, könne man das vergessen
.…
Und obwohl chinesische und japanische Schnellzüge ebenso unterschiedlich sind wie bei uns, gibt es dort auch an einigen Fernbahnhöfen Barrieren auf dem Bahnsteig. In der chinesischen Futian-Station beispielsweise sind die Glastüren so gebaut, dass dahinter noch genug Platz ist, um auch zur schräg gegenüberliegenden Zugtür zu gelangen.

Es gibt also viele Möglichkeiten.

Unsere Bahnhöfe sind schließlich alt und eng, viele davon sind Sackbahnhöfe. Warum aber auch bei völlig neuen Bahnhöfen wie dem Berliner Hauptbahnhof nicht neu gedacht wurde, beantwortet die Deutsche Bahn nicht. ... Auch konkrete Fragen, die eigentlich leicht zu beantworten sein müssten, lässt sie offen.“

Natürlich kostet Sicherheit Geld! Mittlerweile ist die Zeit gekommen, statt mit faulen Ausreden abzuwehren, konstruktive Lösungen für Deutschland zu erarbeiten. Aber natürlich muss die deutsche Regierung dann auch zusätzliches Geld für die Sicherheit bereitstellen – so wie die japanische schon im August 2012 (aber auch in Japan mussten dafür erst Menschen sterben).

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@Leo
Was bedeutet denn "Mittlerweile ist die Zeit gekommen, statt mit faulen Ausreden …“ genau?

Wann ist denn Zeit zu handeln? Nur zur Erinnerung, wenn man sich ins Auto setzt, ist man sehr viel gefährdeter (3200 Tote und ca 400000 Verletze pro Jahr im Strassenverkehr). An Haushaltsunfällen sterben pro Jahr fast 10000 Menschen. Niemand scheint hier aber eine Notwendigkeit zu sehen, einzuschreiten.

Anschläge aller Art sind leider nur schwer verhinderbar, und auch wenn man in diesem speziellen Fall den Sturz auf die Gleise verhindern hätte können, wenn es eine Absperrung gegeben hätte, hätte der Täter vermutlich sich was anderes einfallen lassen und eine Absperrung hätte gar nichts genutzt. Denn anscheinend wollte der Täter hier ja einfach irgend jemanden verletzen.

Eine Absperrung wäre aber generell durchaus sinnvoll um Unfälle zu vermeiden (Leute rennen weil sie zu spät sind, stolpern oder rutschen aus, stehen zu dicht am Bahnsteigrand und werden von durchfahrenden Zügen erfasst. usw).
Wer ernsthaft darüber nachdenkt, wird darauf kommen, das solche Absperrungen an kleinen Bahnhöfen möglicherweise dann auch viel wichtiger sind, als an großen, da es an den kleinen Bahnhöfen tatsächlich laufend schnell durchfahrende Züge gibt, wo schon der Fahrtwind zur Gefahr werden kann. An großen Bahnhöfen ist das eher kein Problem, da dort ja i.d.R. alle Zuge halten und somit recht langsam sind.

Aber dass selbst Absperrungen und Zäune nicht helfen, beweist ja gerade der zitierte Fall aus Schrobenhausen, wo der Junge ja explizit die Bahnschranke (also eine Absperrung) umgangen hatte, weil er glaubte, er wäre schneller als der Zug. Und viele der Unfälle sind ja genau solche leichtsinnigen Aktionen, wo die Opfer trotzt besseren Wissens Schranken/Zäune umgehen, oder über die Gleise laufen, weil sie zu faul sind, die nächstenBrücke/Unterführung oder Übergang zu nehmen.

Insofern hat die Bahn vermutlich schon recht, dass ein Zaun der auch derartigen mutwilligen Leichtsinn verhindern soll, zwei mal um den Globus reichen würde.

Nur zur Klarstellung, ich habe nichts gegen Sicherheit. Absperrungen sind gegen Unfälle sicherlich hilfreich. Aber wenn Geld nicht unendlich zur Verfügung steht, sollte man aber besser mal dort anfangen, wo man tatsächlich noch was bewirken kann, dort wo viel größere Gefahren bestehen. Und Anschläge als Anlass zu nehmen ist wenig zielführend, da diese sich ja sowieso nicht laufend exakt so wiederholen.
Es ist mir natürlich klar, dass das menschliche Gehirn nicht immer mit Sinn und Verstand reagiert (die Evolution läuft leider deutlich langsamer als der technische Fortschritt, was zu Zeiten als der Mensch noch primitiver Jäger und Sammler war als „Bauchgefühl“ goldrichtig war, ist es heute leider nicht mehr unbedingt). Ein Anschlag verunsichert und ängstigt viel mehr, da er (zum Glück) selten und damit sehr viel Aufmerksamkeit erregt. An echte Gefahren (Verkehr, Haushalt) die zig-tausend mal häufiger auftreten, hat man sich „gewöhnt“ und verdrängt sie, nimmt sie kaum noch wahr. Damit ist dann leider der Blick darauf verzerrt, wo man sinnvollerweise zusätzliche Sicherheit dringend benötigt (und wo man sinnvollerweise viel Geld ausgeben sollte), und wo eher weniger. Statt echter Sicherheit wird leider eher auf „gefühlte“ Sicherheit gesetzt.

Leo
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„An Haushaltsunfällen sterben pro Jahr fast 10000 Menschen. Niemand scheint hier aber eine Notwendigkeit zu sehen, einzuschreiten.“

Die Unfallmuster sind in Haushalt und Betrieben ähnlich. In Betrieben gibt es umfangreiche Untersuchungen zu Unfallmustern, die dann in Unfallverhütungsvorschriften münden. Die gleichen Maßnahmen werden dann von diversen Versicherungen oder Ratgebern auch dem Privatmann empfohlen.

„An echte Gefahren (Verkehr, Haushalt) die zig-tausend mal häufiger auftreten, hat man sich „gewöhnt“ und verdrängt sie, nimmt sie kaum noch wahr.“

Da kann ich nur die sehr interessante Ausstellung zum Thema empfehlen, in der Themen aus Arbeitswelt und Haushalt angesprochen werden:

https://de.wikipedia.org/wiki/DASA_%E2%80%93_Arbeitswelt_...

Die vielen dort präsentierten unauffälligen Sachen (z.B. wie trage ich möglichst rückenschonend einen Sandsack/Bierkasten) sind schon interessant, aber nicht sehr spektakulär, im Gegensatz zu:

https://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fbrand_von_Herborn

Als Konsequenz daraus gibt es mittlerweile etliche zusätzliche Sicherheitseinrichtngen:

Bei der DB muss es leider meist erst kräftig scheppern, bevor man teure Verbesserungen der Sicherheit in Angriff nimmt. Offiziell war natürlich immer der Tf als Bauernopfer schuld, Bahnmanager wurden nie verurteilt...

u.a. Unfall von Rüsselheim => Weiterentwicklung der Indusi von 1934 zur PZB90:

https://de.wikipedia.org/wiki/Eisenbahnunfall_von_R%C3%BC...

Nebnbemerkung: Wozu eigentlich überhaupt so was wie Sifa, Indusi und jerzt noch PZB, im Haushalt verunglücken ja schlie0ßlich wesentlich mehr?

Unfall von Hordorf => endlich flächendeckende PZB ab 2015, bis dahin gab es oft nicht mal die original Indusi von 1934, war eben keine zwingende Votschrift:

https://de.wikipedia.org/wiki/Eisenbahnunfall_von_Hordorf...

Unfall von Eschede => Keine Radreifen im ICE / gründlichere Wartung:

https://de.wikipedia.org/wiki/ICE-Unfall_von_Eschede#Ursa...

Die Rückkehr vom innovativen Achsen-Stahl beim ICE3 zum bewährten vollzog sich glücklicherweise nicht bei knapp 300km/h, sondern bei langsamer Fahrt weniger spektakulär als die Rückkehr vom Radreifen zum IC-Vollrad anläßlich Eschede:

http://www.bahn-fuer-alle.de/pages/hintergrund/ice-proble...

Damit die Öffentlichkeit Kenntnis von einem Problem nimmt, müssen entweder sehr viele Leute betroffen sein, oder das Ereignis muss sehr spektakulär sein:

Autounfall, 1 stirbt => kurze Notiz im Lokalteil vor Ort
Busunfall, zig Leute sterben => zieht schon weitere Kreise

Flugzeug-Absturz mit Hunderten Toten => weltweit wird berichtet

Daher ist Fliegen scheinbar gefährlich, obwohl es auch bei der Statistik auf die Details ankommt:

https://www.focus.de/wissen/technik/erfindungen/aeronauti...

„@Leo
Was bedeutet denn "Mittlerweile ist die Zeit gekommen, statt mit faulen Ausreden …“ genau?“

Ich hoffe, dass die öffentliche Resonanz anläßlich des Mordes jetzt dermaßen groß ist, dass DB und Politik (mit Subventionen und/oder Vorschriften) nach japanischem Vorbild endlich bereit sind, die Sicherheit durch Bahnsteigtüren zu verbessern.

„Aber dass selbst Absperrungen und Zäune nicht helfen, beweist ja gerade der zitierte Fall aus Schrobenhausen, wo der Junge ja explizit die Bahnschranke (also eine Absperrung) umgangen hatte, weil er glaubte, er wäre schneller als der Zug."

Ach ja, dann können wir uns die teuren Schranken ja einfach sparen, bringen ja sowieso nichts, oder? Keine Störungen mehr und noch viel Geld gespart, das man anderswo sinnvoller verbuddeln könnte – im Großraum Stuttgart zum Beispiel... Statt unnützer und teurer Schranken sollten die Züge dann lieber möglichst schnell über den ungeschützten Bahnübergang rauschen: Bei doppelter Geschwindigkeit belegt der Zug den Bahnübergang schließlich nur noch die halbe Zeit und halbiert damit die Zeit, in der überhaupt ein Unfall passieren kann...

„Damit ist dann leider der Blick darauf verzerrt, wo man sinnvollerweise zusätzliche Sicherheit dringend benötigt.“

Zur Entzerrung empfehle ich dringend eine Reise nach Japan, da kann man auch außer Bahnsteigtüren noch so einiges Positive beobachten (bei Schranken gibt es da z.B. meist 3 Lichtschranken und einen Halteknopf zur zusätzlichen Sicherheit).