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Frage beantwortet

Kein Storno bei Supersparpreistickets

Ich habe ein Supersparpreisticket gekauft und versehentlich ein falsches Reisedatum angeklickt. Nun lese ich, dass diese Tickets generell nicht stornierbar sind. Zudem sind sie auf den Namen des Reisenden ausgestellt, so dass ich das Ticket auch nicht weiterverkaufen kann. So gesehen habe ich das Geld unwiderruflich verbrannt, immerhin rund 60 Euro. Ich frage mich, ob die Kombination eines personifizierten Tickets ohne Stornierungsmöglichkeit aus verbraucherrechtlicher Sicht überhaupt zulässig ist? Gibt es hier eine rechtliche Grundlage? Habe ich nicht eine Widerrufsfrist?

OliverD1974
OliverD1974

OliverD1974

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Die Antwort wurde von DB Bahn bestätigt

Hier geht's zwar primär um Konzerttickets, aber vielleicht fallen Bahntickets in eine ähnliche Kategorie:

"Neben der grundsätzlichen Widerrufsfrist von 14 Tagen gibt es eine Reihe von Geschäften, für die zum Schutz der Anbieter kein Widerrufsrecht besteht. Zu diesen gehört etwa der Kauf speziell auf Kundenwunsch angefertigter Waren. Ließen sich solche Käufe widerrufen, droht der Anbieter mangels anderweitiger Nachfrage auf der Ware sitzen zu bleiben. Kein Widerrufsrecht gibt es auch beim Kauf von Zeitungen, Zeitschriften und Illustrierten. Sie wären nach Widerruf veraltet und nicht mehr verkäuflich. Entsprechendes gilt für schnell verderbliche Ware wie frisches Obst und Gemüse.

Bei Tickets vom Termin abhängig

Kein Widerrufsrecht gibt es zudem nach § 312g Abs. 2 Nr. 9 BGB für Verträge im Zusammenhang mit Freizeitbetätigungen, wenn der Vertrag für die Erbringung einen spezifischen Termin oder Zeitraum vorsieht. Davon umfasst sind auch Tickets für Veranstaltungen wie Konzerte, Festivals oder Sportevents an einem festen Termin oder solche, die in einem genau angegebenen Zeitraum stattfinden sollen. Ob Bayreuther Festspiele oder Rock am Ring, bei derartigen Veranstaltungen hilft der Tipp mit dem „Online-Widerruf“ also nicht weiter."
https://www.anwalt.de/rechtstipps/kein-widerrufsrecht-fue...

Nachtrag:
Das hier ist noch besser/zutreffender: "Wenig bekannt ist, dass unter bestimmten Voraussetzungen der Käufer kein Widerrufsrecht hat. Eine entsprechende Regelung findet sich im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) unter § 312 b BGB. Es heißt in § 312 b Abs. 3 Nr. 6:

Die Vorschriften über Fernabsatzverträge finden keine Anwendung auf Verträge über die Erbringung von Dienstleistungen in den Bereichen Unterbringung, Beförderung, Lieferung von Speisen und Getränken sowie Freizeitgestaltung, wenn sich der Unternehmer bei Vertragsschluss verpflichtet, die Dienstleistung zu einem bestimmten Zeitpunkt oder innerhalb eines genau angegebenen Zeitraums zu erbringen."
https://www.internetrecht-rostock.de/widerruf-ticket.htm

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Hier geht's zwar primär um Konzerttickets, aber vielleicht fallen Bahntickets in eine ähnliche Kategorie:

"Neben der grundsätzlichen Widerrufsfrist von 14 Tagen gibt es eine Reihe von Geschäften, für die zum Schutz der Anbieter kein Widerrufsrecht besteht. Zu diesen gehört etwa der Kauf speziell auf Kundenwunsch angefertigter Waren. Ließen sich solche Käufe widerrufen, droht der Anbieter mangels anderweitiger Nachfrage auf der Ware sitzen zu bleiben. Kein Widerrufsrecht gibt es auch beim Kauf von Zeitungen, Zeitschriften und Illustrierten. Sie wären nach Widerruf veraltet und nicht mehr verkäuflich. Entsprechendes gilt für schnell verderbliche Ware wie frisches Obst und Gemüse.

Bei Tickets vom Termin abhängig

Kein Widerrufsrecht gibt es zudem nach § 312g Abs. 2 Nr. 9 BGB für Verträge im Zusammenhang mit Freizeitbetätigungen, wenn der Vertrag für die Erbringung einen spezifischen Termin oder Zeitraum vorsieht. Davon umfasst sind auch Tickets für Veranstaltungen wie Konzerte, Festivals oder Sportevents an einem festen Termin oder solche, die in einem genau angegebenen Zeitraum stattfinden sollen. Ob Bayreuther Festspiele oder Rock am Ring, bei derartigen Veranstaltungen hilft der Tipp mit dem „Online-Widerruf“ also nicht weiter."
https://www.anwalt.de/rechtstipps/kein-widerrufsrecht-fue...

Nachtrag:
Das hier ist noch besser/zutreffender: "Wenig bekannt ist, dass unter bestimmten Voraussetzungen der Käufer kein Widerrufsrecht hat. Eine entsprechende Regelung findet sich im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) unter § 312 b BGB. Es heißt in § 312 b Abs. 3 Nr. 6:

Die Vorschriften über Fernabsatzverträge finden keine Anwendung auf Verträge über die Erbringung von Dienstleistungen in den Bereichen Unterbringung, Beförderung, Lieferung von Speisen und Getränken sowie Freizeitgestaltung, wenn sich der Unternehmer bei Vertragsschluss verpflichtet, die Dienstleistung zu einem bestimmten Zeitpunkt oder innerhalb eines genau angegebenen Zeitraums zu erbringen."
https://www.internetrecht-rostock.de/widerruf-ticket.htm

Genau, Beförderungsverträge sind vom Widerrufsrecht ausgeschlossen.

Oft werden (Super) Sparpreise aber aus Kulanz (!) storniert, wenn man noch am selben Tag (!), wo man gebucht hat, bei der Hotline anruft und den Fehler schildert. Deshalb sollte man sein Ticket immer sofort kontrollieren, am besten natürlich, bevor die Buchung abgesendet wird.

„Habe ich nicht eine Widerrufsfrist?“
-> Nein. Bei Beförderungsvertägen gibt es das nicht. Zeka hat das schon begründet.

„ob die Kombination eines personifizierten Tickets ohne Stornierungsmöglichkeit aus verbraucherrechtlicher Sicht überhaupt zulässig ist?“
-> Es gibt nichts was dagegen spricht.
Für diese Kombination haben Sie sich doch entschieden. Die Bahn bietet Ihnen auch andere Möglichkeiten. Es gibt die personalisierten, nicht übertragbaren Onlinetickets und es gibt die übertragbaren Tickets ohne Namen auf Papier. Die kann man am Schalter, am Automaten, am Telefon und über bahn.de (Versand per Post) buchen.

Des weiteren haben Sie sich für das nicht stornierbare Supersparpreisticket entschieden. Sie hatten die Wahl. Sie hätten auch das nur wenig teuerere Sparpreisticket wählen können. Das beinhaltet auch eine Stornierungsmöglichkeit.

„Nun lese ich, dass diese Tickets generell nicht stornierbar sind.“
Ach nun lesen Sie das. Warum haben Sie sich das nicht vor der Buchung durchgelesen. Es wir Ihnen extra angezeigt. Sie müssen vor der Buchung extra auswählen zwischen
• Supersparpreis / nicht Stornierbar
• Sparpreis / stornierbar vor dem 1. Geltungstag (10 EUR Stornogebühr)
• Flexpreis/ stornierbar, vor dem ersten Geltungstag kostenlos, danach 19 EUR Stornogebühr

Die letzte Chance die Sie noch haben ist ein Anruf beim OnlineService. Wenn die Buchung gerade erst erfolgte kann man Glück haben und es findet sich eine Kulanzlösung. Einen Anspruch darauf haben Sie aber nicht.

kabo
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"Ich frage mich, ob die Kombination eines personifizierten Tickets ohne Stornierungsmöglichkeit aus verbraucherrechtlicher Sicht überhaupt zulässig ist?"
-> Ja, ist es. Es gibt Urteile aus der Luftfahrt-Branche, wo das Preissystem ähnlich ist.
Der springende Punkt ist, dass nicht-stornierbare Supersparpreistickets immer "nur" ein zusätzliches Angebot sind. Jede Fahrt kann auch als voll stornierbares Flexpreisticket gebucht werden. Niemand ist also gezwungen, ein nicht-stornierbares Tickets zu kaufen. Deshalb ist aus verbraucherrechtlicher Sicht alles im grünen Bereich. (https://www.handelsblatt.com/finanzen/steuern-recht/recht...)

Als Ergänzung zu meinem Punkt 2 noch:
§ 119 BGB / Anfechtbarkeit wegen Irrtums
Dazu "Anfechtung" in die Suchfunktion eingeben. man findet u.a.:
https://community.bahn.de/questions/1960319-erkennt-bahn-...
https://community.bahn.de/questions/1879512-stornierung-i...

Die gesetzlichen Regelungen zu Fernabsatzverträgen verbieten es übrigens nicht, kundenfreundliche Verfahrensweisen einzuführen, siehe z.B.: https://community.bahn.de/questions/1893236-bietet-db-onl...

kabo
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@Neptun

Der §119 BGB schützt nur vor Irrtum, aber nicht vor Nachlässigkeit.

Wenn man für ein falsches Datum bucht, dann mag die Eingabe des falschen Datums als Irrtum durchgehen. Aber vor der Buchung wird (entsprechend den gesetzlichen Vorschriften) die Buchung noch mal komplett angezeigt, bevor der finale Kauf ausgelöst wird. Wenn man sich das dann nicht anschaut, sondern nach dem Motto "wird schon stimmen" auf den Kaufbutton klickt, dann ist es an der Stelle kein Irrtum mehr, sondern Nachlässigkeit - und die ist vom §119 BGB nicht abgedeckt.