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Warum IC-Verbindung Stuttgart-Karlsruhe nicht mit BAWÜ Ticket nutzbar?

Hallo,

aus gegebenen Anlass würde mich mal interessieren warum man mit einem BAWÜ-Ticket folgende Verbindung nicht nutzen kann:

IC 2162
Stuttgart ab 9:59
Karlsruhe Hbf an 10:53

diese Verbindung dauert genauso lange wie folgende quasi identische Verbindung (gut hier kommt noch ein Halt in Karlsruhe-Durlach hinzu, der aber zeitlich nicht ins Gewicht fällt):

IRE19032
Stuttgart Hbf ab 10:59
Karlsruhe Hbf an: 11:53

Auf Nachfrage im DB-Reisezentrum und an der DB-Information hieß es, dieser Zug sei mit Bawü-Ticket nicht nutzbar, weil es ein Fernzug ist. Wie kann dieses Argument greifen wo es meines Wissens durchaus möglich ist, mit BAWü-Ticket per Fernzug zu reisen (z.B. Singen-Konstanz)?

Ich würde diese Einschränkung ja verstehen, wenn mir als Kunde durch diese Verbindung ein Vorteil entstünde, den ich nicht bezahlt habe. Einen solchen kann ich hier nicht erkennen, da Fahrzeit und Route identisch sind. Auch bietet der eingesetzte IC2 gegenüber einem regulären Doppelstock IRE keinen Komfortvorteil (ganz abgesehen davon dass die Bezeichnung IC für diesen leicht aufgehübschten Regionalzug ein Scherz ist).

Was genau rechtfertigt also den Ausschluss dieser Verbindung vom Bawü-Ticket?

Darauf hätte ich gerne mal eine ausführlichere Antwort als "Es ist ein Fernzug".

Danke und viele Grüße

Bahn1
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Bahn1
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Danke, das mag durchaus sein. Nur erklärt das noch immer nicht so wirklich, warum auf anderen Strecken eine Lösung für dieses Problem gefunden werden konnte, aber offenbar hier nicht.

kabo
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Für die Strecke Stuttgart-Singen-Konstanz bekommt DB Fernverkehr Ausgleichszahlungen vom Land Baden-Württemberg (= Steuergeld), dafür dass Kunden auch mit Nahverkehtstickets im IC mitfahren dürfen.
Das Land Baden-Württemberg spart dadurch nämlich Nahverkehrszüge ein, die fahren müssten, wenn Nahverkehrskunden nicht vom IC mitgenommen würden.

Das ganze ist juristisch und politisch durchaus umstritten (einseitige Subvention von DB Fernverkehr aus Steuermitteln, die für Nahverkehr vorgesehen sind).

Bahn1
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Danke, das ist doch mal eine Antwort, mit der sich mehr anfangen lässt.

Dennoch stellt sich mir weiterhin die Frage, wie es sein kann, dass die Deutsche Bahn eine Leistung auf IRE-Niveau als IC verkaufen darf. Das ist schon sehr merkwürdige Geschäftspraxis.

kabo
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Ich glaube, die DB hat gar nicht den Anspruch, dass ein IC unbedingt besser sein muss als ein Regionalzug. Der IC ist das qualitativ niedrigere Angebot von DB Fernverkehr (in Abgrenzung zum ICE).

Die Erwartungshaltung der Kunden, dass ein IC ein erhöhtes Maß an Komfort bietet, basiert noch auf der alten Zeit, wo der IC das "Premiumprodukt" der Bahn war. Der IC ist aber kein Premiumprodukt mehr und soll auch kein Premiumprodukt mehr sein - denn das ist der ICE.

Signal
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Na ja. Es gab ja sogar Ausschreibungen zur Anerkennung von Nahverkehrsfahrkarten in Fernzüge. Theoretisch hätte sich also auch ein anderes Unternehmen (z.B. Flixmobility) darauf bewerben können. In der Praxis hat aber natürlich nur DB Fernverkehr mitgeboten. "Zufällig" waren die ausgeschriebenen Strecken ja identisch mit geplanten/bestehenden IC-Verbindungen von DB Fernverkehr.

kabo
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.. Weswegen eine geplante ähnliche Lösung in NRW gerichtlich verhindert wurde.

"Theoretisch hätte sich also auch ein anderes Unternehmen (z.B. Flixmobility) darauf bewerben können. In der Praxis hat aber natürlich nur DB Fernverkehr mitgeboten. "Zufällig" waren die ausgeschriebenen Strecken ja identisch mit geplanten/bestehenden IC-Verbindungen von DB Fernverkehr."
-> Das ist halt etwas viel Zufall. Und rein zufällig ist es auch noch so, dass auf allen Strecken, auf denen es eine Nutzungsmöglichkeit von IC mit Nahverkehrstickets gibt, vorher von DB-Regio bedient wurden. D.h. die Einnahmen bleiben im DB-Konzern, wenn ein subventionierter Fernzug (von DB Fernverkehr) einen Nahverkehszug (von DB-Regio) ersetzt. In NRW hätte der DB-Fernzug aber einen Zug eines privaten Nahverkehrsbetreibers verdrängt, der das natürlich nicht so gut fand.
Und da in BaWü jetzt auch private Nahvekehrsbetreiber an den Start gehen (Abellio und GoAhead) ist eine Ausweitung der Nutzbarkeit von IC mit Nahverkehrstickets in BaWü nicht mehr zu erwarten. Die privaten Nahverkehrsbetreiber werden es sich (anders als DB-Regio) nicht bieten lassen, wenn Steuergeld für Nahverkehr an DB-Fernverkehr wandert.

Sempliceme
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Naja, das ganze zeigt sehr schön den Unsinn einer politisch erzwungenen Zweiklassigkeit des Bahnverkehrs in Deutschland, um einen so genannten Wettbewerb, der auch oft so recht keiner ist, im Regionalverkehr einführen zu können.

Derzeit ist das nicht möglich, da noch die alten Verkehrs- und Übergangsverträge mit DB Regio gelten.

Es wird zumindest auf der Strecke zwischen Karlsruhe und Stuttgart im Rahmen des neuen Nahverkehrskonzeptes aber mittelfristig eine Freigabe für IC-Züge geben, ähnlich den hier bereits genannten Beispielen.

Unter https://www.bwegt.de/ihr-nahverkehr/tickets-und-tarife/ic... werden dann entsprechend Infos dazu folgen.