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Warum wird die direkte Verbindung Mannheim-Stuttgart mit RE gestrichen?

Durch die Umstellung auf die privaten Anbieter im Regionalverkehr Baden-Württemberg entfällt der direkte Regionalzug von Mannheim nach Stuttgart um 5.50 Uhr ab Mannheim. Diesen habe ich sehr gerne für meine wöchentlichen Fahrten zur Arbeit in Stuttgart-Feuerbach zwischen Mannheim und Ludwigsburg genutzt. Der ICE ist hier zwar schneller, aber kostet mehr als das doppelte wie das BW-Ticket. Außerdem ist dann der lange Fußweg vom Zug zur S- oder Stadtbahn notwendig. Nun gibt es in gleicher Zeitlage nur noch eine Verbindung mit Umsteigen in Edingen/Neckarhausen, Heidelberg und Bietigheim-Bissingen. Die direkte S-Bahn von Mannheim ist genau eine Minute früher in Heidelberg als der Zug nach Stuttgart abfährt. Der Zug hält dann auch nicht mehr in Ludwigsburg, so dass man bereits in Bietigheim-Bissingen in die S-Bahn steigen muss.
Hier gibt es Verbesserungspotential: Zum einen den Zug von Heidelberg nach Stuttgart von Mannheim verlängern (oder den Übergang von der S-Bahn in Heidelberg). Zum anderen den Zug wie vorher in Ludwigsburg halten lassen. Sehr sinnvoll wäre außerdem ein Halt in Stuttgart-Feuerbach. Bereits jetzt steigen etwa die Hälfte der Fahrgäste aus dem noch vorhandenen Zug in Ludwigsburg aus. Die meisten davon steigen in die S-Bahn um und in Feuerbach wieder aus, um dort mit kurzem Weg die Stadtbahn zu erreichen oder weil dort ihr Arbeitsplatz ist. Hier wären zu den Hauptverkehrszeiten generell Halte von Regionalzügen sinnvoll. Die stark ausgelastete S-Bahn wäre dadurch etwas entlastet und auch für Reisende von weiter als Bietigheim-Bissingen wären Direktverbindungen nach Feuerbach möglich, was die Attraktivität, Bahn zu fahren steigern würde.
Wie steht es außerdem mit den Fahrzeugen? Bislang wurden auf der Strecke Heidelberg-Stuttgart und auch auf besagtem Regionalzug Mannheim-Stuttgart die schönen Doppelstockwagen mit viel Platz eingesetzt. Wird das bleiben oder kommen da die neuen Fahrzeuge mit weniger Platz zum Einsatz?

Floppi
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zeka
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In dieser Community antworten Bahnkunden auf die Fragen anderer Bahnkunden.

"Hier gibt es Verbesserungspotential:"
Dafür wenden Sie sich am besten an die Deutsche Bahn:

"Für Lob, Anregungen und Kritik rund um den Nahverkehr schreiben Sie uns eine Mail (http://www.bahn.de/kontakt) oder rufen Sie zum Ortstarif unter 0711/20-92-7087 beim Kundendialog der DB Regio Baden-Württemberg an."
https://www.bahn.de/regional/view/regionen/bawue/info/ran...

"Wird das bleiben oder kommen da die neuen Fahrzeuge mit weniger Platz zum Einsatz?"
Auch das wird man Ihnen eher unter o.g. Kontakt sagen können.

kabo
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"Hier wären zu den Hauptverkehrszeiten generell Halte von Regionalzügen sinnvoll. Die stark ausgelastete S-Bahn wäre dadurch etwas entlastet und auch für Reisende von weiter als Bietigheim-Bissingen wären Direktverbindungen nach Feuerbach möglich, was die Attraktivität, Bahn zu fahren steigern würde."
-> Zur Zeit haben in Feuerbach nur die S-Bahn-Gleise einen Bahnsteig. So weit ich informiert bin, werden auch nach Fertigstellung von Stuttgart 21 nur die S-Bahn-Gleise einen Bahnsteig haben. Die Ferngleise liegen schon zu tief, weil sie (wenn Stuttgart 21 fertig ist) in Feuerbach die S-Bahn unterqueren werden.

"Wie steht es außerdem mit den Fahrzeugen? Bislang wurden auf der Strecke Heidelberg-Stuttgart und auch auf besagtem Regionalzug Mannheim-Stuttgart die schönen Doppelstockwagen mit viel Platz eingesetzt. Wird das bleiben oder kommen da die neuen Fahrzeuge mit weniger Platz zum Einsatz?"
-> Es kommen neue Züge. Buschtrommeln vermelden aber, dass die neuen Züge nicht rechtzeitig geliefert werden und der neue Betreiber zusammen mit dem Land hektisch nach Notlösungen sucht. Der Landesverkehrsminister (dem ja nachgesagt wird, dass er den Betreiberwechsel unbedingt wollte), fürchtet wohl den Zorn der Wähler ...

Floppi
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@kabo: Die Bahn hat ja in Feuerbach die Bahnsteige rückgebaut, statt sie als zusätzliche Bahnsteige für den Bedarfsfall zur Verfügung zu haben. Dafür fehlt mir jegliches Verständnis. Gerade hier wäre das sehr sinnvoll gewesen.

kabo
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Man hat sie deshalb zurückgebaut weil der Platz für die Stuttgart-21-Baustelle gebraucht wird.

Es wird dann so aussehen:
Die S-Bahn-Gleise und die S-Bahn-Bahnsteige bleiben etwa unverändert.
Da wo die Fern-Bahnsteige waren, kommen die neuen Gleise zum alten Kopfbahnhof hin.
Da wo jetzt noch die Ferngleise sind, wird einige Meter tiefer gegegraben und da kommen dann die tiefgelegten Gleise zum neuen Tiefbahnhof hin.
Wenn alles fertig ist und der alte Kopfbahnhof geschlossen ist, könnte man die Gleise zum alten Kopfbahnhof zwar abbauen und hätte theoretisch wieder Platz für neue Bahnsteige - aber die neuen Gleise zum neuen Tiefbahnhof werden in Feuerbach schon in Tieflage sein. Und ein Bahnsteig sollte ja schon auf gleicher Höhe sein, wie die Züge ...

Praktisch wäre dann eher an einen Regionalzughalt in Zuffenhausen zu denken.

Sempliceme
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@zeka: leider ist die Bahn hier ja nicht der Ansprechpartner, sondern der Nahverkehrsträger, bzw. der Landesverkehrsminister, der mit sehr viel ideologischem Eifer, sehr viel Dilettantismus und recht wenig Kompetenz und Erfolg gerade das Kunststück fertig bringt, den baden-württembergischen Nahverkehr mit viel Energie umzukrempeln, ohne dabei Verbesserungen zu erreichen. Die Takte werden jedenfalls ja durch sein neues Konzept vorgegeben.
Auch bei den Fahrzeugen wird es eher weniger als mehr Platz geben. Der Minister lässt ja für viel Geld das Land Bahnen ankaufen, die er dann wieder an so genannte private Betreiber vermietet, damit der Steuerzahler ins Risiko geht und Anbieter wie Go Ahead oder Abellio die Gewinne einstreichen dürfen. Die Dostos sind dabei nicht mehr im Rennen, stattdessen entschied man sich für Fahrzeuge von Bombardier, die deutlich weniger Platzkomfort bieten. Vor allem aber werden die nicht rechtzeitig geliefert, das melden nicht Buschtrommeln sondern der Hersteller. So gibt es dann langfristig schlechtere Züge, kurzfristig vor allem aber zu wenige.

zeka
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@Sempliceme: Da es in dem Beitrag von Floppi um den Regionalverkehr in BaWü geht, hab ich erstmal allgemein an DB Regio BaWü verwiesen, weil in meinen Augen die Community der letzt-richtigen Platz ist, wo Verbesserungspotential am Regionalverkehr (sinnvoll) angebracht ist. Ob DB Regio der ultimativ erste und beste Ansprechpartner ist, sei dahingestellt. Daher danke für die Korrektur, Ergänzungen und Hintergrundinfos!

DB
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Team

Wie hier schon richtig angemerkt wurde, helfen hier hauptsächlich Kunden anderen Kunden. Meine Kollegen von DB Regio Baden-Württemberg können hier sicher mehr Auskunft geben.

Richtig ist jedoch auch, dass die Züge im Regionalverkehr nur in dem Umfang verkehren, wie es vom Aufgabenträger bestellt wird. /di

kabo
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@DB /di

Ein Teil der Misere beruht ja darauf, dass DB-Regio eben nicht mehr zuständig ist, sondern die betroffenen Verbindungen im Juni von DB Regio an Abellio oder Go Ahead abgegeben werden müssen.

Und da gibt es kurzfristig das Problem, dass nicht alle Züge der neuen Betreiber rechtzeitig geliefert werden können, so dass Engpässe absehbar sind.

Dazu kommt, dass die Verkehrsverträge mit den neuen Betreibern (zumindest auf einigen Linien) einerseits zwar häufigere Zugverbindungen als bisher, andererseits aber auch kürzere Züge als bisher vorsehen. Ob sich das dann so gut ausgleicht, wie sich das der Aufgabenträger vorstellt, bleibt abzuwarten.

Aber das braucht nicht die Sorge der DB zu sein, denn das sind die Probleme der neuen Betreiber und des Aufgabenträgers.

@zeka

Das ist die Stelle, wo sich der Kreis zwischen der Ausgangsfrage hier, meinen Anmerkungen zu den Stuttgart21-Baustellen und der von Sempliceme erwähnten politischen Ideologie schließt:
Nahverkehr in Baden-Württemberg ist eine hochpolitische Angelegenheit, wie man es sich als nicht-Baden-Württemberger gar nicht vorstellen kann.
Begonnen hat es damit, dass kurz nach der Jahrtausendwende die damalige "schwarze" Landesregierung zu überhöhten Preisen und ohne Ausschreibung Aufträge an DB Regio vergeben haben soll, um damit Stuttgart21 querzusubventionieren.
Mit dem Regierungswechsel in BaWü wurde das Verkehrsministerium plötzlich "grün" und der neue Minister war erklärter Stuttgart21-Gegner, was natürlich ein schwieriges Verhältnis zwischen dem Verkehrsministerium und der DB impliziert. Zumindest die ersten Jahre seiner Amtszeit hat der Verkehrsminister gefühlt seine gesamte Energie auf den (bekanntlich erfolglosen) Kampf gegen Stuttgart21 konzentriert, was "grüne" Stammwähler zwar beglückt, den durchschnittlichen Fahrgast aber enttäuscht hat - denn der hätte sich gewünscht, dass sich das Verkehrsministerium mehr um praktische Fahrgastinteressen als um grüne Ideologie kümmert.
Bei der der großen Neuausschreibung der Nahverkehrsaufträge im Raum Stuttgart unter "grüner" Regierungsverantwortung, wurde die Ausschreibung so gestaltet, dass DB-Regio selbst unter günstigsten Bedingungen nicht alle bisherigen Linien hätte behalten können, sondern mindestens ein Teilnetz an einen neuen Betreiber abgegeben werden musste. Das war politisch gewollt, womit man wieder beim schwierigen Verhältnis zwischen dem "grünen" Verkehrsminister und der DB angekommen ist.
Aus bis heute nicht ganz klaren Gründen hat DB-Regio deutlich mehr Linien eingebüßt als erwartet - und nun steht nach und nach der Betreiberwechsel an. Wenn es da zu Problemen kommt, fällt das natürlich auch auf das "grüne" Verkehrsministerium zurück - zumal schon die Einführung des Landestarifs Baden-Württemberg ("bwegt") recht holperig verlief.
(In der Sache ist der neue Landestarif aus Fahrgastsicht allerdings sehr gut gelungen - um Längen besser als der NRW-Tarif, der Niedersachsentarif oder der SH-Tarif.)