Frage beantwortet

Gilt die 20-Minuten Regel auch bereits beim Fahrtantritt

Gilt die 20-Minuten-Regel (siehe https://community.bahn.de/questions/1158423-hat-20-minute...) auch, wenn bereits vor Fahrtantritt klar ist, dass durch die Verspätung des ersten Zuges, der zweite Anschlusszug nicht erreicht werden kann (etwa weit in der Bahn-App der Anschluss bereits als "wird vorraussichtlich nicht erreicht" markiert ist?
Ich habe unterschiedliche Informationen von Bahnangestellten erhalten - darunter auch die unbefriedigende Aussage, ich müsste den ersten Zug nehmen und erst wenn dieser mit soviel Verspätung am Umsteigebahnhof ankommt, dass ich meinen Anschluss verpasst habe, würde bei der Weiterfahrt die Zugbindung aufgehoben. Dies würde ja bedeuten, dass ich wissentlich in eine Verspätungssituation geschickt werde!

steinhmor
steinhmor

steinhmor

Ebene
0
11 / 100
Punkte
Diese Antwort wurde als beste Antwort ausgewählt
kabo
kabo

kabo

Ebene
4
5000 / 5000
Punkte

Beförderungsbedingungen Nr. 9.1.1 (https://www.bahn.de/p/view/mdb/bahnintern/agb/gesamt_2019...)
"Muss vernünftigerweise davon ausgegangen werden, dass der Reisende mit einer
Fahrkarte der Produktklassen ICE, IC/EC oder mit einer zuggebundenen Fahrkarte am Zielbahnhof gemäß Beförderungsvertrag mindestens 20 Minuten verspätet ankommen wird, hat er UNVERZÜGLICH die Wahl ..."

Also gelten die Fahrgastrechte unverzüglich ab dem Moment, wo man vernünftigerweise davon ausgehen kann, dass man 20 min verspätet ankommen wird. Das kann auch schon direkt bei Reiseantritt sein.
Da steht nicht(!) unverzüglich ab dem Moment, wo man tatsächlich den Anschluss verpasst hat.

"Ich habe unterschiedliche Informationen von Bahnangestellten erhalten - darunter auch die unbefriedigende Aussage, ich müsste den ersten Zug nehmen und erst wenn dieser mit soviel Verspätung am Umsteigebahnhof ankommt, dass ich meinen Anschluss verpasst habe, würde bei der Weiterfahrt die Zugbindung aufgehoben."
-> Das kann ich mit eigentlich nicht vorstellen.
Richtig ist, dass die bloße Befürchtung eines Anschlussverlustes nicht ausreicht. Der Anschlussverlust muss schon halbwegs sicher sein, wofür die Anzeige "wird vorraussichtlich nicht erreicht" in der App aber ausdrücklich ausreicht (Nr. 9.1.4 der Beförderungsbedingungen).

Fanden Sie diese Antwort hilfreich?

Nein (2)

Ja (5)

71%

71% der Personen fanden diese Antwort hilfreich

Weitere Antworten

kabo
kabo

kabo

Ebene
4
5000 / 5000
Punkte

"Gilt die 20-Minuten-Regel auch, wenn bereits vor Fahrtantritt klar ist, dass durch die Verspätung des ersten Zuges, der zweite Anschlusszug nicht erreicht werden kann (etwa weit in der Bahn-App der Anschluss bereits als "wird vorraussichtlich nicht erreicht" markiert ist?"
-> Eindeutig Ja.
Das Problem betrifft eher die Praxis:
-- Wann ist wirklich klar, dass der zweite Anschlusszug nicht erreicht werden kann?
-- Wie weist man nach, dass der Anschlussverlust klar ist?
Wenn der Anschluss in der App als "wird vsl. nicht erreicht" angezeigt wird, ist man eigentlich auf der sicheren Seite. Profis machen dann noch einen Screenshot - für den Fall, dass die Anzeige in der App wieder auf "wird evtl. erreicht" zurückspringt.

steinhmor
steinhmor

steinhmor

Ebene
0
11 / 100
Punkte

@kabo: Wo kann ich dies nachlesen? Die Angaben die ich auf der Bahn-Webseite gefunden haben waren diesbezüglich nicht eindeutig und die Bahnangestellten haben mir heute zum Teil gesagt, die Regelung würde nicht ab Fahrtantritt gelten.

tbsn
tbsn

tbsn

Ebene
4
5000 / 5000
Punkte

https://www.bahn.de/p/view/service/auskunft/fahrgastrecht...

"Wenn es abzusehen ist, dass Sie mit mindestens 20 Minuten Verspätung an dem auf Ihrer Fahrkarte aufgedruckten Zielort ankommen.."

Sei Ihre Umsteigezeit nun zehn Minuten, die Mindestumsteigezeit am Umsteigebahnhof sieben Minuten und Ihr Zug vier Minuten verspätet, ohne Puffer auf dem Weg, wo der Algorithmus einen Verspätungsabbau ankündigt (es gibt Verbindungen, wo der Zug z.B. 10 Minuten am Bahnhof rumsteht). Dann ist abzusehen, dass Sie den Anschluss verpassen werden. Die erwartete Verspätung am Zielort ist also unendlich groß. Die Zugbindung ist aufgehoben.

kabo
kabo

kabo

Ebene
4
5000 / 5000
Punkte

Beförderungsbedingungen Nr. 9.1.1 (https://www.bahn.de/p/view/mdb/bahnintern/agb/gesamt_2019...)
"Muss vernünftigerweise davon ausgegangen werden, dass der Reisende mit einer
Fahrkarte der Produktklassen ICE, IC/EC oder mit einer zuggebundenen Fahrkarte am Zielbahnhof gemäß Beförderungsvertrag mindestens 20 Minuten verspätet ankommen wird, hat er UNVERZÜGLICH die Wahl ..."

Also gelten die Fahrgastrechte unverzüglich ab dem Moment, wo man vernünftigerweise davon ausgehen kann, dass man 20 min verspätet ankommen wird. Das kann auch schon direkt bei Reiseantritt sein.
Da steht nicht(!) unverzüglich ab dem Moment, wo man tatsächlich den Anschluss verpasst hat.

"Ich habe unterschiedliche Informationen von Bahnangestellten erhalten - darunter auch die unbefriedigende Aussage, ich müsste den ersten Zug nehmen und erst wenn dieser mit soviel Verspätung am Umsteigebahnhof ankommt, dass ich meinen Anschluss verpasst habe, würde bei der Weiterfahrt die Zugbindung aufgehoben."
-> Das kann ich mit eigentlich nicht vorstellen.
Richtig ist, dass die bloße Befürchtung eines Anschlussverlustes nicht ausreicht. Der Anschlussverlust muss schon halbwegs sicher sein, wofür die Anzeige "wird vorraussichtlich nicht erreicht" in der App aber ausdrücklich ausreicht (Nr. 9.1.4 der Beförderungsbedingungen).

Leo
Leo

Leo

Ebene
4
5000 / 5000
Punkte

Heute ist bei voraussichtlichem Nichterreichen die Zugbindung automatisch aufgehoben, und man braucht eigentlich keine Freigabe mehr. Trotzdem ist die Prognose manchmal etwas zu pessimistisch, so dass mit Diskussionen zu rechnen ist.

Ein sehr altes Beispiel, als man leider noch eine Bescheinigung brauchte:

Gebucht war: Berlin – Dresden - Bad Schandau – Nürnberg – München
(Sparpreis am Sonntag: Lieber spazieren fahren, um erst nach 19h in den sonst teureren ICE einzusteigen. Ankunft vor dem nächsten Arbeitstag dann eh schon sehr spät.)

Schon bei Abfahrt in Berlin war gemeldet, dass etliche Stunden später der Anschluss in Dresden voraussichtlich nicht erreicht wird, was sehr ungewöhnlich ist und nach Baustelle riecht. Ich bat in Dresden um Aufhebung der Zugbindung, die nicht gewährt wurde, der Zug aus Prag sei ja noch pünktlich. So fuhr ich dann wie gebucht nach Bad Schandau, wo ich baustellenbedingt schon verspätet ankam; der Zug aus Prag, für den ich Zugbindung hatte, war immer noch pünktlich, die Anschlussprognose unverändert - - . Mangels Bescheinigung ließ ich die S-Bahn fahren, mit der ich den Anschluss nach Nürnberg noch erreicht hätte. Es kam natürlich, wie zu befürchten: Wegen baustellenbedingter Eingleisigkeit fuhr mir Anschlusszug in Dresden vor der Nase weg, als ich schon die Treppe herunterstürmte.

Mein Ärger war hinterher natürlich dermaßen groß, dass mich die lächerlichen gut 5€ Erstattung auch nicht trösten konnten.

Aber die Argumente „nein, er könnte die Verspätung ja aufholen“ hört man aber immer noch, wenn man das Personal fragt… Oft wird auch erst recht kurzfristig entschieden, einen Anschlusszug doch noch warten zu lassen, was dann natürlich zu Diskussionen führt, wenn man in einem anderen Zug sitzt als gebucht.

Mit früher Losfahren wäre ich daher nach wie vor vorsichtig...