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Anschlussticket zu Zielverkehrsverbund erst im Zug per Handy kaufen?

Hallo!

Folgender Sachverhalt: Ich bin Student in Thüringen und wollte mit dem Zug nach Chemnitz (Sachsen) fahren. In ganz Thürigen fahre ich per Thoska (Studentenausweis) kostenlos. Der letzte Halt des Zuges in Thüringen ist Gößnitz und der erste in Sachsen Meerane. Nun brauche ich ja ab dem letzten Halt in dem Geltungsbereich meiner Thoska ein Ticket, damit ich quasi auch berechtigt bin, die Ländergrenze zu überfahren.
Nun ist es so, dass mich ein Ticket von Gößnitz bis Chemnitz bei der Deutschen Bahn mindestens 12 € kostet. Wenn ich allerdings ein Ticket von Gößnitz nach Meerane kaufe, kostet dies 2,70€ und ab Meerane kann ich mit einem VMS-Ticket für 5,30€ weiterfahren -> 4€ gespart.
Jetzt zu meinem eigentlichen Problem: Ich kann in Thüringen natürlich keine VMS-Tickets erwerben und in Meerane aus dem Zug steigen und ein Ticket kaufen ist nicht möglich. Mein Plan war also, in Meerane oder kurz davor ein Ticket mit der HandyticketDeutschland-App über mein Handy direkt vom Zug aus zu lösen. Der Zugbegleiter meinte aber zu mir, dass ich vor Fahrtantritt für die gesamte Strecke, die ich mit diesem Zug fahren möchte gültige Tickets bräuchte, sprich, dass ich das so nicht machen darf/theoretisch in Meerane aussteigen, Ticket kaufen und den nächsten Zug nehmen müsste.
Ich habe in den Beförderungsbedingungen der Bahn dazu leider nix gefunden. Aber warum soll das verboten sein? Ich habe doch jederzeit ein gültiges Ticket in der Hand, für den Streckenabschnitt, den ich gerade befahre.

VG Noah

pacific99
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tbsn
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Sofern das jeweils benötigte Ticket vor Abfahrt des Zuges an der jeweiligen Station gekauft und geladen wurde, spricht rechtlich nichts dagegen.

kabo
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Theoretisch hat der Zugbegleiter schon recht. Denn Nr. 3 der VMS-Beförderungsbedingungen lautet "Für Fahrten von und zu Zielen, die außerhalb des Verbundraumes liegen, gilt der Tarif des jeweiligen Verkehrsunternehmens für die gesamte Strecke". D.h. es ist nicht erlaubt, bei einer durchgehenden Fahrt ein DB-Ticket und ein VMS-Tickets zu kombinieren. Bei einer durchgehenden Fahrt müssten Sie ein durchgehendes Ticket zum DB-Tarif kaufen, was für Sie teurer ist.
Wenn Sie den VMS-Tarif nutzen wollen, müssten Sie also tatsächlich in Meerane aussteigen. Allerdings steht nirgendwo, dass Sie erst mit dem nächsten Zug weiter fahren dürfen. Und es steht auch nirgendwo, dass man das VMS-Ticket erst kaufen darf, nachdem man in Meerane ausgestiegen ist.
Also: Wenn Sie vor Meerane kontrolliert werden, zeigen Sie das Ticket Gößnitz-Meerane. Unterwegs kaufen Sie das VMS-Handyticket. Dann steigen Sie in Meerane aus und sofort wieder in den gleichen Zug ein. Hinter Meerane zeigen Sie das VMS-Ticket, das Sie ganz legal nutzen dürfen, weil Sie ja erst in Meerane eingestiegen sind.
Die Aneinanderreihung von verschiedenen Tickets ist so lange kein Problem, wie der Zug am "Grenzbahnhof" auch hält.

Änlicher Fall übrigens hier:
https://community.bahn.de/questions/1891094-db-ticket-ver...

Ich möchte hier auch noch einmal auf die Beförderungsbedingungen VMS-TARIF, TEIL A (6) hinweisen.

"Der Fahrgast hat seinen Fahrausweis für die gesamte Beförderungsstrecke grundsätzlich vor Fahrtantritt zu erwerben. Dies gilt insbesondere auch für den Erwerb von Anschlussfahrausweisen gemäß Tarifbestimmungen des jeweiligen Verbundes. Ist der Fahrgast beim Betreten des Fahrzeuges nicht mit einem für diese Fahrt gültigen Fahrausweis versehen, hat er unverzüglich und unaufgefordert den erforderlichen Fahrausweis zu lösen." /ka

kabo
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Die VMS-Bedingungen entfalten doch erst Wirksamkeit, wenn der Reisende entweder zum VMS-Tarif fährt oder zumindest das VMS-Gebiet erreicht.

Aber egal: Wie man es dreht und wendet - wenn man den VMS-Tarif ganz korrekt nutzen will, muss man die Fahrt in Meerane unterbrechen und darf nicht durchgehend fahren. Aber eine Unterbrechung ist halt schnell erledigt. Man muss ja nicht bis zum nächsten Zug warten.

Leo
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Der MVV ist der Meinung, man darf nicht mit demselben Zug weiterfahren und schert sich nicht um Gerichtsurteile, die sogar die Forderung des Aussteigens für unzulässig erklärt haben:

http://www.myway.de/e.lauterbach/mvv-tip/mvv-urt.html

(In erregter Diskussion vor Jahren auf dem Street-Life-Festival beharrte man darauf, auch ein schnelles Verlassen der S-Bahn sei nicht ausreichend, auch ein schnelles Verlassen des Bahnsteigs angeblich nicht. Ich habe es nicht ausgetestet und fahre jetzt eben mit der Karte der Nachbarn oder dem Auto oder gleich woanders hin.)

pacific99
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Alles klar, vielen Dank für die Antworten. Am besten ich fahre nicht mehr mit der Bahn, solange die ihre Preispolitik nicht in den Griff bekommen. Zum Glück gibt es Alternativen. Falls ich die Strecke mal wieder per Zug zurücklegen muss, werde ich es mit der sehr kurzen Fahrtunterbrechung versuchen. Theoretisch ist das ja rechtens, weil beim VMS und der DB nirgendwo steht, wie lange eine Fahrtunterbrechung sein muss und dass man nicht mit dem selben Fahrzeug weiterfahren darf. Zumindest hab ich das nirgendwo gefunden.

Leo
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Beim MVV habe ich das auch nirgendwo gefunden. Trotzdem verlief die Diskussion so:

Wenn ich kurz aussteige, abstempele und wieder einsteige hat ja juristisch eine neue Fahrt begonnen.
Die alte Fahrt ist erst beendet, wenn das abgegrenzte Stationsgebiet verlassen wurde.
In Sauerlach gibt es ja keine Sperren.
Trotzdem muss das Bahnhofsgebiet verlassen werden.
und wenn ich auf den Parkplatz spurte, der nicht mehr zum Bahnhof zählt.
Egal, wer mit der selben S-Bahn weiterfährt, fährt schwarz!

Bei soviel Gutsherrenart - trotz des oben verlinkten Urteils - boykottiere ich den MVV weitgehend, wenn ich nicht umsonst mit der Fahrkarte der Nachbarn fahren kann.

https://community.bahn.de/questions/1846955-anschluss-bay...

Auch das Stückel-Verbot bei der DB ist laut des Urteils genauso wenig zulässig, trotzdem wird weiter nach Gutsherrenart agiert.

Ich würde mich in dem Fall mal beim VMS beschweren, vielleicht hat der sich ja von den Bahn-gesellschaften über den Tisch ziehen lassen, die natürlich lieber eigene Fahrkarten verkaufen und das Geld nicht in den Verbund-Topf fließen lassen wollen.

"Am besten ich fahre nicht mehr mit der Bahn, solange die ihre Preispolitik nicht in den Griff bekommen. Zum Glück gibt es Alternativen."

Das ist der Weg des geringsten Widerstandes, den ich im Fall MVV auch praktziere.

" werde ich es mit der sehr kurzen Fahrtunterbrechung versuchen. Theoretisch ist das ja rechtens, weil beim VMS und der DB nirgendwo steht, wie lange eine Fahrtunterbrechung sein muss und dass man nicht mit dem selben Fahrzeug weiterfahren darf. Zumindest hab ich das nirgendwo gefunden."

Das steht beim MVV auch nirgendwo geschrieben - trotzdem erklärt der MVV nach Gutsherrenart diese Vorgehen als Schwarzfahren.

Frage an die DB:

1. Wie pingelig wird das in DB-Zügen gehandhabt?
2. Wieso hält sich die DB nicht an das Urteil, das das Stückelungs-Verbot für nichtig erklärte?

Leo, ich bitte Sie höflichst ein letztes Mal, dass Sie meinen Hinweis zur Kenntnis nehmen. Es werden hier keine Mitarbeiterkonditionen behandelt. Daher hilft es nicht, wenn Sie völlig Tickets mit unterschiedlichen Konditionen miteinander vergleichen.


Nun zum eigentlichen Sachverhalt des/der Themenstarter*in: Es geht hierbei um die Ausgangssituation, dass drei voneinander getrennte Beförderungsverträge (einen per Semesterticket für das Bundesland Thüringen, einen nach DB-Tarif zur Fahrt nach Meerane und einen für das VMS-Verbundgebiet zur Fahrt nach Chemnitz) genutzt werden wollen. Dabei ist zu prüfen, ob diese Beförderungsverträge miteinander verbunden werden können und im Einklang untereinander akzeptiert werden.

Der VMS-Tarif regelt in seinen Tarifbedingungen bezüglich Fahrten über die Verbundgrenze, z. B. nach Thüringen hinaus, dass dort der Tarif des jeweiligen Verkehrsunternehmens gilt. Dies ist auch korrekt, da bei in den Verbund ein-/ausbrechenden Verkehren der DB-Tarif zur Anwendung kommt.

Die Gesetzesgrundlage bezieht sich auf § 9 (1) EVO. Es muss also zumindest theoretisch möglich sein, bei einer Strecke von A nach C über B zuerst von A nach B und danach von B nach C zu fahren. Im konkreten Fall wird der 1. Vertrag bei der Fahrt in Thüringen, sagen wir von Erfurt nach Gößnitz erfüllt. Der 2./3. Vertrag soll dann von Gößnitz nach Chemnitz oder Meerane erfüllt werden. Die 1. Fahrt wird also in Gößnitz beendet. Die 2. Fahrt wird in Gößnitz angetreten und in Meerane beendet, die 3. Fahrt in Meerane angetreten und in Chemnitz beendet.

Das zitierte „MVV-Urteil“ legt nahe, dass diese Fahrt auch in einem durchfahrenden Zug stattfinden kann, der aber an den Stationen auch anhalten muss (sonst ist die oben genannte Bedingung nicht erfüllt), ein tatsächliches Aussteigen an diesen Orten (in Gößnitz und Meerane) jedoch nicht erforderlich ist, solange die Beförderungsbedingungen eingehalten werden. DB-Tarif und VMS-Tarif (und die Rechtsnorm gemäß EVO) sehen den Fahrkartenerwerb vor Fahrtantritt vor.

Wenn also jeweils vor Antritt der Fahrt von Gößnitz nach Meerane (gemäß DB-Tarif) und von Meerane nach Chemnitz (gemäß VMS-Tarif) ein gültiges Ticket erworben wurde, ist dieses Vorgehen nicht zu beanstanden. Die Einhaltung der Beförderungsbedingungen und das Vorliegen einer gültigen Fahrkarte wird von unseren Zugpersonalen kontrolliert.

Ich hoffe, dass diese Konstellation vollständig aufgeschlüsselt ist. Viele Grüße und gute Fahrt. /ch