Frage beantwortet

Fahrgastrechte bei früherem Ersatzzug

Wenn mein Zug mit Zugbindung ausfällt oder mehr als 20-Minuten Verspätung am Zielbahnhof zu erwarten ist, kann ich einen FRÜHEREN vergleichbaren Zug nehmen.

Nun die Frage:
Wenn ich einen 2 Stunden früheren Zug genommen habe, aber aufgrund dessen Verspätung ebenfalls nicht zwei Stunden früher sondern zur geplanten Ankunftszeit am Zielbahnhof angekommen bin, kann ich dann Fahrgastrechte geltend machen und einen Teil des Ticketpreises erstattet bekommen?

catfisherbob
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Es mag durchaus sein, dass es Erstattungen gibt, die einem gar nicht zustehen. Die Mitarbeiter im Fahrgastrechte-Center sind schließlich auch nur Menschen (machen Fehler, drücken mal ein Auge zu, usw).

Nach den Regeln gibt es aber nur Entschädigung, wenn man mind. 60 min später als gebucht am Ziel ankommt. Es zählt also die Ankunft am Ziel die auf dem Ticket angegeben ist, nicht die planmäßige Ankunft des alternativen Zuges mit dem man letztendlich gefahren ist.

  • Wenn die Zugbindung entfällt und man fährt früher und kommt daher mit weniger als 60 min Verspätung bzgl der ursprünglich gebuchten Ankunftszeit an, steht einem keine Entschädigung zu.
  • Plant man einen längeren Aufenthalt (z.B. 2h) irgendwo auf der Reiseroute, weil man dort einen Termin hat, und durch Verspätungen verkürzt sich dieser Aufenthalt auf z.B. 30min, dann stehen einem auch keine Entschädigungen zu, denn man bekommt ja noch den Anschluss, auch wenn der Termin nicht wahrgenommen werden konnte, weil der erste Zug 90min Verspätung hatte. Die Tatsache, dass man ja aus einem Grund den langen Zwischenhalt eingefügt hat, zählt leider nicht. Es zählt einzig die gebuchte Ankunft am Ziel der Reise.
  • entfällt die Zugbindung und man fährt nicht mit einer der nächsten Verbindungen, sondern erst deutlich später, hat man auch keinen Anspruch auf Entschädigung. Man darf eine Entschädigung also auch nicht künstlich provozieren, indem man einfach so lange wartet, bis man 60min später als gebucht ankommen würde.
  • man muss aber keine Züge wechseln, um Verspätungen ab 60min (und damit Entschädigungen) zu vermeiden. D.h. wenn man in einem Zug sitzt, der schon soviel Verspätung eingefahren hat, dass man sicher 60min später am Ziel ankommen würde, und im nächsten größeren Bahnhof würde man einen Zug bekommen (z.b. einen schnellen Sprinter), der einen dann doch noch rechtzeitig bzw. mit weniger Verspätung ans Ziel bringt, muss man nicht umsteigen und bekommt dennoch die Entschädigung. Dürfen tut man das aber (schon ab einer erwarteten Verspätung von 20min).

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Braunschweiger
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Ja, wird ganz normal erstattet. Die Fahrkarte wird dann wie ein Flexpreis behandelt, da kommt es bei einer Verspätung ja auch nur darauf an, wann der genutzte Zug eigentlich hätte ankommen sollen.

@Braunschweiger: Selbst schon erlebt? Mir ist kein Fall bekannt, wo das so gehandhabt wurde.

Auch wenn es eigentlich wohl so richtig wäre, drückt sich das Fahrgastrechtecenter um diese Erstattung und geht von der ursprünglichen gebuchten Ankunftszeit aus. Fährt man früher, hat man Pech gehabt, außer man kommt tatsächlich 1 Stunde nach seiner ursprünglichen Ankunftszeit an.

Drehen wir den Spieß mal um. Man fährt 1 Stunde später als geplant. Sollte der Zug pünktlich sein, bekommt der Kunde aber trotzdem die Erstattung, weil die Verspätung 1 Stunde später vom gebuchten Ticket war. Wenn es so wäre, wie Braunschweiger schildert, würde man dann ja für den späteren Zug auch keine Entschädigung fordern dürfen, weil wenn es wie ein Flexpreis gehandhabt wird, wäre der Zug ja pünktlich.
Da wäre das Geschrei groß, wenn das so gemacht würde.

Braunschweiger
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1979 / 2000
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Ja, selber so erlebt. ICE Ruhrgebiet --> Hannover --> stündlicher Anschlusszug nach [kleines Dorf].

Gebuchter Sparpreis-ICE fällt aus, anderen Zug genommen, wegen Verspätung in Hannover einen Takt später am eigentlichen Ziel. Gab ohne Probleme 25% Erstattung.

Wenn man 1 Stunde später als geplant fährt kommt es auf den Grund an.
a) Ich wollte um 14.xx fahren, der Zug fiel aus und ich habe auf den nächsten Zug gewartet --> Erstattung.
b) Ich wusste das lange vorher, habe mch als Alternative für den Zug um 15.xx entschieden und der war pünktlich --> keine Erstattung. Wäre bei einer gewählten Verbindung um 18.xx oder 12.xx ja genauso.

Und bei Fall a) gebe ich ein Formular ab, bei b) mache ich das nicht - muss aber jeder selber wissen.

Hallo catfisherbob,

die Erstattung im Rahmen Ihrer Fahrgastrechte gilt bei verspäteter Ankunft am Zielbahnhof von mindestens 60 Minuten. Entscheiden Sie sich für eine frühere Alternative, wurde bereits aus Kulanz gewährt, dass Sie diese frühere Verbindung nutzen können. Sollten Sie dagegen planmäßig oder unterhalb der 60 Minuten Verspätung am Zielbahnhof angekommen sein, gibt es keine anteilige Entschädigung. /ka

Braunschweiger
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Braunschweiger

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1979 / 2000
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@/ka: Das ist keine Kulanz, das ist ganz einfach ein Fahrgastrecht, dass sich aus der EU-Verordnung ergibt.
Und die Frage war ja: Was passiert, wenn die gewählte Ersatzverbindung mit mehr als 60 Minuten Verspätung am Zielbahnhof ankommt (bezogen auf die gewählte Ersatzverbindung)? Dann gelten widerum die ganz normalen Fahrgastrechte aus der Verordnung, und die besagen bei Verspätung von 60 Minuten 25% Entschädigung.

Mit der Definition von "Kulanz" bin ich gestern auch zwei Mal kulant gegenüber der DB gewesen: Ich habe die Fahrkarte schon vor Fahrtantritt bezahlt, obwohl ich ja auch auf den Schaffner hätte warten können.

Elementarteilchen
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Es mag durchaus sein, dass es Erstattungen gibt, die einem gar nicht zustehen. Die Mitarbeiter im Fahrgastrechte-Center sind schließlich auch nur Menschen (machen Fehler, drücken mal ein Auge zu, usw).

Nach den Regeln gibt es aber nur Entschädigung, wenn man mind. 60 min später als gebucht am Ziel ankommt. Es zählt also die Ankunft am Ziel die auf dem Ticket angegeben ist, nicht die planmäßige Ankunft des alternativen Zuges mit dem man letztendlich gefahren ist.

  • Wenn die Zugbindung entfällt und man fährt früher und kommt daher mit weniger als 60 min Verspätung bzgl der ursprünglich gebuchten Ankunftszeit an, steht einem keine Entschädigung zu.
  • Plant man einen längeren Aufenthalt (z.B. 2h) irgendwo auf der Reiseroute, weil man dort einen Termin hat, und durch Verspätungen verkürzt sich dieser Aufenthalt auf z.B. 30min, dann stehen einem auch keine Entschädigungen zu, denn man bekommt ja noch den Anschluss, auch wenn der Termin nicht wahrgenommen werden konnte, weil der erste Zug 90min Verspätung hatte. Die Tatsache, dass man ja aus einem Grund den langen Zwischenhalt eingefügt hat, zählt leider nicht. Es zählt einzig die gebuchte Ankunft am Ziel der Reise.
  • entfällt die Zugbindung und man fährt nicht mit einer der nächsten Verbindungen, sondern erst deutlich später, hat man auch keinen Anspruch auf Entschädigung. Man darf eine Entschädigung also auch nicht künstlich provozieren, indem man einfach so lange wartet, bis man 60min später als gebucht ankommen würde.
  • man muss aber keine Züge wechseln, um Verspätungen ab 60min (und damit Entschädigungen) zu vermeiden. D.h. wenn man in einem Zug sitzt, der schon soviel Verspätung eingefahren hat, dass man sicher 60min später am Ziel ankommen würde, und im nächsten größeren Bahnhof würde man einen Zug bekommen (z.b. einen schnellen Sprinter), der einen dann doch noch rechtzeitig bzw. mit weniger Verspätung ans Ziel bringt, muss man nicht umsteigen und bekommt dennoch die Entschädigung. Dürfen tut man das aber (schon ab einer erwarteten Verspätung von 20min).

zeka
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"Nach den Regeln gibt es aber nur Entschädigung, wenn man mind. 60 min später als gebucht am Ziel ankommt. Es zählt also die Ankunft am Ziel die auf dem Ticket angegeben ist, nicht die planmäßige Ankunft des alternativen Zuges mit dem man letztendlich gefahren ist."

Wie verhält es sich denn dann beim Flexpreisticket mit der Entschädigung?

https://www.bahn.de/p/view/angebot/flexpreis.shtml
"Muss ich mich an den Tag und die Uhrzeit halten, die auf dem Ticket stehen?
Nein. Sie können innerhalb des Geltungszeitraums auch zu anderen Uhrzeiten und mit anderen Zügen reisen als ursprünglich gebucht, solange die Strecke gleich bleibt (mehr zum Geltungszeitraum lesen Sie im nächsten Abschnitt)."

Fiktives Beispiel: Auf dem Ticket steht Abfahrt um 16:00 - Ankunft 20:00, ich nehme aber den Zug um 10:00 mit Ankunft um 14:00 und der hat 80 Minuten Verspätung. Geh ich dann leer aus, weil "gebucht" bzw. "auf dem Ticket angegeben" ist ja Ankunft um 20:00 und "die planmäßige Ankunft des alternativen Zuges mit dem man letztendlich gefahren ist" zähle dann ja nicht?

zeka
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zeka

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@DB/ch: Asche auf mein Haupt...

Trotzdem kann ich die Antwort von Elementarteilchen nicht nachvollziehen. In den Aussagen zu den Fahrgastrechten, die ich auf Bahn.de gefunden habe, steht nur
"Ab 60 Minuten Verspätung an Ihrem Zielbahnhof erhalten Sie eine Entschädigung von 25 Prozent des gezahlten Fahrpreises für die einfache Fahrt"
Da steht nicht "wenn man mind. 60 min später als gebucht am Ziel ankommt."

Thema wurde auch hier schon behandelt: https://community.bahn.de/questions/1788937-erhalte-rucke...
"Bei einem Flexpreis wäre es klar, dass er eine Entschädigung bekommt. Aber bei einem Sparpreis nicht. Da zählt das was auf dem Ticket steht."

Wo kann man die "ungleiche" Auslegung/die Unterschiede der Fahrgastrechte für Flex- und SuperSparpeis nachlesen?

In der EU-Richtlinie http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:...
steht

"Artikel 17 Fahrpreisentschädigung
(1) Ohne das Recht auf Beförderung zu verlieren, kann ein Fahrgast bei Verspätungen vom Eisenbahnunternehmen eine Fahrpreisentschädigung verlangen, wenn er zwischen dem auf der Fahrkarte angegebenen Abfahrts- und Zielort eine Verspätung erleidet, für die keine Fahrpreiserstattung nach Artikel 16 erfolgt ist. Die Mindestentschädigung bei Verspätungen beträgt
a) 25 % des Preises der Fahrkarte bei einer Verspätung von 60 bis 119 Minuten;
b) 50 % des Preises der Fahrkarte ab einer Verspätung von 120 Minuten.

(4) Der Fahrgast hat keinen Anspruch auf Entschädigung, wenn er bereits vor dem Kauf der Fahrkarte über eine Verspätung informiert wurde oder wenn bei seiner Ankunft am Zielort eine Verspätung aufgrund der Fortsetzung der Reise mit einem anderen Verkehrsdienst oder mit geänderter Streckenführung weniger als 60 Minuten beträgt."

(Artikel 16 Erstattung oder Weiterreise mit geänderter Streckenführung
Muss vernünftigerweise davon ausgegangen werden, dass bei Ankunft am Zielort gemäß Beförderungsvertrag die Verspätung mehr als 60 Minuten betragen wird, so hat der Fahrgast unverzüglich die Wahl zwischen
a) der Erstattung des vollen Fahrpreises unter den Bedingungen, zu denen er entrichtet wurde, für den Teil oder die Teile der Fahrt, die nicht durchgeführt wurden, und für den Teil oder die Teile, die bereits durchgeführt wurden, wenn die Fahrt nach den ursprünglichen Reiseplänen des Fahrgasts sinnlos geworden ist, gegebenenfalls zusammen mit einer Rückfahrt zum ersten Ausgangspunkt bei nächster Gelegenheit.)

In §17 (1) steht ganz klar "wenn er zwischen dem auf der Fahrkarte angegebenen Abfahrts- und Zielort eine Verspätung erleidet". Da steht Ort und nix von gebuchten Uhrzeiten.
Und in (4) steht frei formuliert: bei Fortsetzung der Reise mit anderem Zug/anderer Strecke (=Aufhebung Zugbindung) keine Entschädigung bei weniger als 60 Minuten. Ergo bei > 60/120 Minuten gibt es eine Fahrpreisentschädigung...

Und in Bezug auf Bahnfroschs Antwort: dann spielt es auch keine Rolle bei der Entschädigung, ob ich eine frühere oder spätere Verbindung als die auf meinem Ticket nehme (analog Flexticket). Weil warum sollte ein Fahrgast "bestraft" werden, wenn er einen zeitigeren Zug nimmt und ein anderer, der später fährt, würde im Fall des Falles von den Fahrgastrechten profitieren?!

Also nochmal die Frage: Wo kann man die unterschiedlichen Fahrgastrechte in Abhängigkeit der gewählten Ticketart nachlesen?

zeka
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@DB: Da ich demnächst auch von Fahrplanänderung und damit einhergehend aufgehobener Zugbindung betroffen bin, bitte ich um eine eindeutige Antwort:

Wenn ich einen früheren Zug nutze, dieser verspätet sich, kommt aber immer noch vor der ursprünglich gebuchten und jetzt nicht mehr bestehenden Verbindung an (so wie sie auf meinem Ticket steht): besteht ein Anspruch auf Fahrpreisentschädigung ja oder nein?

Hallo zeka, ich zitiere einmal eine bestätigte Antwort zu dieser Frage: „Die Aufhebung der Zugbindung ist bereits ein Fahrgastrecht, eine Erstattung würden Sie nur noch erhalten wenn der Zug den Sie tatsächlich benutzen mindestens 60 Minuten später am Zielbahnhof ankommt.“ /ch

zeka
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Danke, Christian! Diesen Beitrag habe ich in der Suche nicht gefunden. (Bzw. habe ich nicht jeweils alle 50 Seiten bis zum Ende durchgeklickt. Vielleicht war er da irgendwo versteckt...)

Braunschweiger
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Dann sollte auch noch die beste Antwort ausgetauscht oder angepasst werden. Der zweite Absatz ist nach dieser Aussage falsch formuliert - für die Beurteilung der Verspätung zählt eben doch die planmäßige Ankunftszeit des alternativen Zuges (bzw. der alternativen Verbindung) mit dem man letztendlich gefahren ist.