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Reise am Folgetag bei Aufhebung Zugbindung wegen Verspätung?

Ich habe ein Bahnticket (SuperSparPreis) für die Strecke von Venlo (Niederlande) nach Berlin gebucht (ICE). Aufgrund einer Bombenentschärfung kam es zu einer erheblichen Verspätung, so dass ich den „letzten“ ICE von Düsseldorf Hbf nach Berlin Hbf um 19:52 Uhr verpasst habe. Im Düsseldorfer Reisezentrum habe ich die Auskunft erhalten, dass ich den ICE um 23:41 Uhr zu nehmen habe, der erst um 5:36 Uhr in Berlin ankommt. Es sei ausgeschlossen, die Zugbindung insofern aufzuheben, dass ich einen ICE am Folgetag nehmen kann, weil ja noch ein ICE am selben Tag fahre. Wenn man die Community liest, mag das formal richtig zu sein, kann doch aber unter Aspekten der Kundenfreundlichkeit nicht gewollt sein. Ist die erhaltene Aussage zutreffend? Kann ich von der Reise noch zurücktreten, wenn ich diese in Düsseldorf abbreche, um auf eigene Kosten ein neues Ticket am Folgetag zu buchen.

Axel123ABC123
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kabo
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"Kann ich von der Reise noch zurücktreten, wenn ich diese in Düsseldorf abbreche, um auf eigene Kosten ein neues Ticket am Folgetag zu buchen."
-> Ja
Da Sie den Abschnitt Venlo-Düsseldorf schon gefahren sind, würde bei einem Abbruch aber nur der Anteil Düsseldorf-Berlin erstattet. (Es besteht sogar ein Anspruch auf kostenlose Rückbeförderung zum Startort, wenn Sie die Reise gar nicht mehr fortsetzen wollen. Wenn Sie wieder zum Startort zurückfahren, hätten Sie sogar einen Anspruch auf volle Erstattung des Tickets, auch für den Abschnitt bis Düsseldorf. Den sind Sie zwar gefahren, durch die Rückbeförderung ist er aber wertlos geworden, weshalb das Ticket komplett erstattet würde.)
Dafür gibt es auf dem Fahrgastrechteformular auch eine Ankreuzmöglichkeit.

@franke22
Die EU-Fahrgastrechte-VO spricht davon, dass eine Übernachtung auf Bahnkosten anzubieten ist, wenn sie "notwendig" ist. In der Rechtswelt ist der Begriff "notwendig" sehr eng gefasst - Bequemlichkeitsanspekte spielen da keine Rolle. Wenn also noch ein Nacht-ICE fährt, der den Reisenden an sein Ziel bringt, dann ist eine Hotelübernachtung nicht "notwendig". Klare Tendenz: Kein Anspruch auf Hotelübernachtung auf Bahnkosten.

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franke22
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Meiner Meinung nach ist die Nutzung des Nacht-ICE ein Fall von "Fortsetzung der Reise am selben Tag nicht zumutbar". Somit stünde Ihnen eine Übernachtung in Düsseldorf zu.

kabo
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"Kann ich von der Reise noch zurücktreten, wenn ich diese in Düsseldorf abbreche, um auf eigene Kosten ein neues Ticket am Folgetag zu buchen."
-> Ja
Da Sie den Abschnitt Venlo-Düsseldorf schon gefahren sind, würde bei einem Abbruch aber nur der Anteil Düsseldorf-Berlin erstattet. (Es besteht sogar ein Anspruch auf kostenlose Rückbeförderung zum Startort, wenn Sie die Reise gar nicht mehr fortsetzen wollen. Wenn Sie wieder zum Startort zurückfahren, hätten Sie sogar einen Anspruch auf volle Erstattung des Tickets, auch für den Abschnitt bis Düsseldorf. Den sind Sie zwar gefahren, durch die Rückbeförderung ist er aber wertlos geworden, weshalb das Ticket komplett erstattet würde.)
Dafür gibt es auf dem Fahrgastrechteformular auch eine Ankreuzmöglichkeit.

@franke22
Die EU-Fahrgastrechte-VO spricht davon, dass eine Übernachtung auf Bahnkosten anzubieten ist, wenn sie "notwendig" ist. In der Rechtswelt ist der Begriff "notwendig" sehr eng gefasst - Bequemlichkeitsanspekte spielen da keine Rolle. Wenn also noch ein Nacht-ICE fährt, der den Reisenden an sein Ziel bringt, dann ist eine Hotelübernachtung nicht "notwendig". Klare Tendenz: Kein Anspruch auf Hotelübernachtung auf Bahnkosten.

Neptun
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Durch das Verpassen des Anschlusses ist die Zugbindung bereits aufgehoben. Mindestens im Rahmen der Gültigkeitsdauer der Fahrkarte, die bei einem Sparpreis Europa (ab Venlo/NL) 4 Tage beträgt, muss dann die Weiterreise möglich sein. Somit ist es nicht nötig, eine neue, wahrscheinlich teurere Fahrkarte zu kaufen.
Bezüglich der Übernachtung schließe ich mich der Meinung von franke22 an. Ggf. sollte selbst gebucht und eine Erstattung eingefordert werden.

Axel123ABC123
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Vielen herzlichen Dank für diese tollen Rückmeldungen.
@ Neptun: Ich meine, dass die Gültigkeitsdauer vom Supersparpreis stark eingeschränkt ist. Wenn man beispielsweise ein Flexpreis gebucht hat, stimme ich voll zu, dass man ab Beginn des vorgesehenden Reisetages die Reise flexibel innerhalb der nächsten 4 Tage fortsetzen kann. Beim Supersparpreis gilt dies meines Erachtens nicht, so dass die Zugbindung wohl nur für den Tag der gebuchten Reisetag aufgehoben ist.
Als Kunde könnte man daher zur Stornierung und Neubuchung gezwungen sein (Kostennachteil, insbesondere wenn man keine Bahncard 50 hat).

Axel123ABC123
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Axel123ABC123

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Status Update:
Am nächsten Morgen hat man im Reisezentrum die Zugbindung für den folgenden Tag des Reisebeginns aufgehoben. Ich bin aber immer noch nicht sicher, ob das formal richtig ist, so dass man sich sicher auf ein entsprechendes Vorgehen verlassen kann.

@kabo: Noch ein Gedankengang, weil ich nach dem Sturmtief am Sonntag bereits das zweite Mal die Erfahrung innerhalb der letzten Tage gemacht habe. Aufgrund der Bombenentschärfung hätte keine Möglichkeit der Rückbeförderung bestanden, weil der Nahverkehr innerhalb der Gegend für den Rest des Tages eingestellt worden war. Hätte ich also die Reise abgebrochen, hätte ich ein Taxi nehmen müssen. Ich meine aber, dass die Bahn die Taxirechnungen deckelt, so dass faktisch einen Eigenanteil zu tragen ist.

Noch eine Erfahrung zu Hotelübernachtungen. Die Bahn ist bei solchen Ermessensentscheidungen sehr streng. Auch unter Einbindung des SÖP, die einem vollständig zustimmen, ist nicht gesagt, dass auch die DB Schlichtungsstelle die selbe Auffassung vertritt. Als Kunde muss man im Zweifel die denkbar wildeste Reise-Möglichkeit wahrnehmen.

Neptun
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"Beim Supersparpreis gilt dies meines Erachtens nicht, so dass die Zugbindung wohl nur für den Tag der gebuchten Reisetag aufgehoben ist."
--> Ich wüsste nicht, woraus sich das abzuleiten wäre.

Zu Übernachtungen im Rahmen der Fahrgastrechte (wenn ich kurz zitieren darf):
National: "9.1.6 Der Beförderer bietet dem Reisenden die kostenlose Unterbringung in einem Hotel oder einer anderweitigen Unterkunft an, sofern dies praktisch durchführbar ist, wenn er (i) wegen eines Zugausfalls oder einer Verspätung die Fahrt nicht am selben Tag fortsetzen kann oder wenn (ii) für ihn unter den gegebenen Umständen eine Fortsetzung am selben Tag nicht zumutbar ist." Weitere Einschränkungen finde ich nicht.
International:
EU-Verordnung auf https://eur-lex.europa.eu/legal-content/de/TXT/?uri=CELEX...
Artikel 18: "... in Fällen, in denen ein Aufenthalt von einer oder mehreren Nächten notwendig wird ..."
Artikel 32: "Der Beförderer haftet dem Reisenden für den Schaden, der dadurch entsteht, dass die Reise wegen Ausfall, Verspätung oder Versäumnis des Anschlusses nicht am selben Tag fortgesetzt werden kann oder dass unter den gegebenen Umständen eine Fortsetzung am selben Tag nicht zumutbar ist. ... Der Beförderer ist von dieser Haftung befreit, wenn der Ausfall, die Verspätung oder das Anschlussversäumnis auf eine der folgenden Ursachen zurückzuführen ist: a) außerhalb des Eisenbahnbetriebes liegende Umstände ..."
Das scheint alles in den Internationalen Beförderungsbedingungen der DB in ähnlicher Form umgesetzt zu sein, für "höhere Gewalt" möchte die DB also nicht haften.

Bleibt die Frage, was "notwendig" ist. Meistens wird man die Nacht auch überleben, wenn man sie am Bahnhof oder in dessen Umgebung (ohne Bett) verbringt und erst mit dem nächsten Zug um 5 Uhr morgens weiterfährt...