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letzter Zug fährt plötzlich eine Stunde früher - was tun?

Ich will nachher aus dem Raum Magdeburg nach Düsseldorf zum Fußballspiel Fortuna Düsseldorf - Eintracht Frankfurt fahren. Fahrkarte mit Zugbindung und Eintrittskarte habe ich.

Das Problem: Die Rückfahrt mit dem ICE 949 war für 23.41 Uhr ab Düsseldorf vorgesehen. Steht so auch in meinem Ticket. Nun soll der ICE 949 heute Abend bereits um 22.48 Uhr ab Düsseldorf fahren. Das Spiel ist erst kurz vor halb elf zu Ende; in dem Chaos danach braucht man mit ÖPNV aus der Arena zum Hbf eine knappe Stunde. Den kriege ich also nicht. Der nächste ICE fährt 4.51 Uhr.

Wie ist die Rechtslage in diesem Fall? (Wenigstens habe ich heute und morgen frei!)

nachtmatthes
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kabo
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a) Sie können kostenlos stornieren (nur am Schalter oder über das Servicecenter Fahrgastrechte - keinesfalls selbst online stornieren, das kostet Geld)
b) Sie fahren mit dem späteren Zug, sind dadurch natürlich mehr als 120min später zu Hause und bekommen deshalb 50% des Ticketpreises zurück (über das Servicecenter Fahrgastrechte).

Braunschweiger
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Und am Hbf am Infoschalter maelden. Der ist 24 h geöffnet und kann Hotelgutscheine für die Übernachtung ausgeben. Wenn Sie morgen eh frei haben, dann wird das die beste Variante sein. Der entsprechende Auszug aus den Fahrgastrechten:

"Ist wegen eines Zugausfalls oder einer -verspätung eine Fortsetzung der Fahrt am selben Tag nicht möglich oder
ist die Fortsetzung der Fahrt am selben Tag nicht zumutbar,

werden dem Kunden angemessene Übernachtungskosten ersetzt,
wenn das Eisenbahnunternehmen keine Übernachtungsmöglichkeit zur Verfügung stellt und
der Kunde mit dem Eisenbahnunternehmen - aus von diesem zu vertretenden Gründen - nicht in Kontakt treten kann (Kontaktaufnahme vor Ort mit der Fahrkartenverkaufs- oder Informationsstelle des Eisenbahnunternehmens oder Personal des genutzten Zuges)."

Quelle: https://www.bahn.de/p/view/service/auskunft/fahrgastrecht...

nachtmatthes
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Hallo kabo und Braunschweiger,

danke für die Antworten. Dazu in Kürze:

Fahrkarte stornieren ist natürlich eine Option. Dann kann ich die knapp 50 Euro für die Eintrittskarte in den Wind schreiben.

50% Erstattung bedeuten in meinem Falle € 22,40. Dafür kriege ich nicht mal die Jugendherberge in Düsseldorf. Fünf Stunden auf einer Bank auf dem Bahnsteig übernachten finde ich nicht so prickelnd. Außerdem werde ich dann vermutlich von irgendwelchen security Leuten weggeschickt.

Fahrgastrechte: Der Text bezieht sich auf Verspätung oder Ausfall. In meinem Fall fährt der Zug 53 Minuten früher. Der Fahrplan wurde irgendwann zwischen der Buchung meines Tickets (2. Feb.) und heute geändert.

Ich habe das übrigens nur durch Zufall bemerkt, über den Verspätungsalarm gab es keine Information. Was sogar logisch ist, schließlich handelt es sich um keine Verspätung. (Vielleicht sollte die DB zusätzlich einen Fahrplanänderungsalarm anbieten).

Der Verspätungsalarm meldet sich dann, wenn es eine Planänderung gibt. Das ist sozusagen ein Planänderungsalarm.

„Fahrgastrechte: Der Text bezieht sich auf Verspätung oder Ausfall. In meinem Fall fährt der Zug 53 Minuten früher.“
-> In Ihrem Fall bezieht sich die Verspätung auf die bei der Buchung geplante Fahrzeit. Wenn Sie pünktlich vor der geplanten Abfahrtszeit 23:41 am Bahnsteig sind, wird es Ihnen nicht gelingen mit weniger als 60 Minuten Verspätung am Ziel anzukommen. Genau so wäre es Ihnen ergangen, wenn Sie nicht mitbekommen hätten, das der Zug schon früher fährt.

Elementarteilchen
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@nachtmatthes
Wie Braunschweiger schon geschrieben hat, dürfte die Bahn Ihnen in diesem Fall wohl einen Hotelgutschein übergeben, so dass Sie nicht in einer Jugendherberge übernachten müssen. D.h. Sie bekommen die 50% Entschädigung plus eine Übernachtung im Hotel von der Bahn, sollte die sich nicht in der Lage sehen, sie noch in der Nacht ans Ziel zu bringen (das sehen die Fahrgastrechte so vor). Daher bitte unbedingt am Info-Point im Bahnhof vorstellig werden und die Situation schildern.

zeka
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@ nachtmatthes: "50% Erstattung bedeuten in meinem Falle € 22,40. Dafür kriege ich nicht mal die Jugendherberge in Düsseldorf. "

Brauchen Sie ja auch nicht. Entweder die Bahn stellt Ihnen eine Übernachtungsmöglichkeit oder erstattet zusammen mit dem Fahrgastrechte-Formular die Übernachtungskosten "in angemessener Höhe" (wie Braunschweiger die Fahrgastrechte zitiert hat). Zugbindung ist dann auch aufgefhoben, wie hier nachzulesen ist:

https://community.bahn.de/questions/1906348-abfahrtzeit-d...
https://community.bahn.de/questions/1495047-aufhebung-zug...
https://community.bahn.de/questions/1606964-zugbindung-au...

kabo
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Mit dem Hotelgutschein ist es so eine Sache. Denn nach dem Wortlaut der Regelung (auch in der Eu-Verordung) ist der Übernachtungsanspruch für Reisende gedacht, die eine bereits begonnene(!) Fahrt wegen Verspätung /Ausfall nicht fortsetzen können und deshalb die Fahrt bis zum nächsten Morgen unterbrechen müssen.
Einen Anspruch auf ein Hotel, wenn die Bahnfahrt am StartBahnhof noch gar nicht begonnen wurde, lässt sich daraus nicht unbedingt herleiten.
Ich würde deshalb nicht damit rechnen, einen Hotelgutschein zu erhalten.

tbsn
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Meiner Ansicht nach gilt eine Fahrt dann als angetreten, wenn man am Startbahnhof erscheint.

Braunschweiger
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@kabo:
Vor der Hinfahrt ist das natürlich ein Problem. Immerhin hat man da ja die Möglichkeit, zu Hause zu übernachten (von der Anreise zum Bahnhof mal abgesehen - wenn da kein Bus mehr aufs Land fährt wird auch diese Frage "spannend").
Bei Hin- und Rückfahrt sollte klar sein, dass eine private Übernachtungsmöglichkeit nicht zwingend gegeben ist - und auf solche Fälle bezieht sich die EU-Richtlinie, die ja Grundlage der Fahrgastrechte ist.
Was die Bahn dann meint, daraus machen zu können tirfft die Richtlinie in manchen Fällen nicht zu 100% (z.B. Verpflegung, wenn der Zug stundenlang an einem Hbf steht wo ohne Probleme Essen und Trinken zur Verfügung gestellt werden könnte), wird dann vor der Schlichtungsstelle aber regelmäßig "aus Kulanz und ohne Anerkennung einer Rechtspflicht" erfüllt.

Davon abgesehen, dass ich noch nie von ein Fall gehört habe, dass dem Kunden sowas verwehrt wurde, kann er die Reise doch schon angetreten haben, z.b. im Rahmen der tariflichen Gleichstellung. Sei es auch nur eine S-Bahn Station. Wer soll ihm gegenteiliges nachweisen?

kabo
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Doch, so Fälle, wo Unterstützungsleistungen verweigert wurden, weil die Fahrt noch gar nicht begonnen war, hatten wir hier schon in der Community.
Man kann das ganze natürlich "absichern", indem der Fragesteller von Düsseldorf erstmal nach Dortmund fährt (geht auch sehr spät noch) und sich erst in Dortmund an den Servicepoint wendet. Dann ist die Fahrt auf jeden Fall begonnen. Das

nachtmatthes
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Liebe Alle,

besten Dank für die vielen Antworten und Anregungen.

Ich habe meine Reise nicht storniert, sondern sitze im - pünktlichen - ICE 640 nach Düsseldorf.

Eben habe ich die "Frankfurter Allgemeine" von heute gelesen, da gibt es ein Interview mit Bahnchef Richard Lutz. Er sagt zur Pünktlichkeit im Fernverkehr: "Wir haben uns aus guten Gründen 76,5 % für das Gesamtjahr vorgenommen. Wenn wir das schaffen, bin ich schon zufrieden."

Ich habe meine Situation ja oben beschrieben. Nach einiger Beschäftigung mit dem DB-Navigator fällt mir folgendes auf: Der ICE 949 (Verbindung Köln - Berlin über Nacht) fährt nur heute und morgen an Bahnhöfen zwischen Köln und Hamm eine knappe Stunde früher los, hält NICHT - wie sonst - in Gütersloh und Bielefeld, und ist - wie an allen anderen Tagen auch - um 1:50 Uhr in Minden. Also wird der ICE wohl über Osnabrück umgeleitet. Der Fahrplan ab Minden ist an allen Tagen gleich.

Das ist natürlich auch eine Möglichkeit, die Verspätungsquote bei Bauarbeiten gering zu halten: man fährt einfach früher los! Dass dabei der eine oder andere Fahrgast im Wortsinn auf der Strecke bleibt, ist ja kein Problem, denn die Rechtslage - so verstehe ich jedenfalls die Antworten hier - ist durchaus nicht eindeutig. Der Kunde verbringt also u.U. die Nacht auf der Bank am Bahnsteig, aber die Bahn ist pünktlich. Prima.

Jetzt - wieder ohne Zorn - noch folgende praktische Frage: Wenn ich früh buche, derzeit bis zu sechs Monaten vor der Fahrt, profitiere ich meistens von recht günstigen Preisen. Muss ich dafür hinnehmen, dass Fahrpläne bis zum Reisetermin nach Belieben geändert werden können? Klar sind die Bauarbeiten an den Strecken dringend notwendig, aber die Züge zur Verbesserung der Verspätungsstatistik einfach früher fahren zu lassen, finde ich auch nicht kundenfreundlich!

Ich werde jedenfalls hier berichten, wo ich die Nacht verbringe!

Nochmals Danke und Grüße an Alle, nachtmatthes

Braunschweiger
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Das frühe Buchen bringt trotzdem noch Vorteile. Zum einen natürlich der Preis - das haben Sie ja schon beschrieben.

Falls die Bahn die Verbindung dann so ändert, dass die gebuchten Züge nicht mehr fahren oder Anschlüsse nicht mehr funktionieren - ab zum Reisezentrum und per Stempel die Zugbindung aufheben lassen. Sie haben für den Tag dann eine Flexpreis-Karte zum Sparpreis-Tarif - herzlichen Glückwunsch.

Und bevor die community hier einschreitet: Ja, der Stempel ist nicht nötig wann man sicher im Zug argumentieren kann - bei Seltenfahrern macht der Stempel die Reise deutlich entspannter.

kabo
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Aber grundsätzlich war es keine Gute Idee die Vorbuchungsfrist einerseits von 3 auf 6 Monate zu erhöhen, wenn man auf der anderen Seite Bauarbeiten nur 3 Monate im voraus plant. Der Fall, dass sich der Fahrplan zwischen Buchung und Fahrt ändert, ist früher (als die Vorbuchungsfrist noch 3 Monate war) sehr viel seltener eingetreten - mit wesentlich weniger Frust bei Kunden.

Leo
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Ich sehe es auch so:

"Sie haben für den Tag dann eine Flexpreis-Karte zum Sparpreis-Tarif - herzlichen Glückwunsch."

Über normal teurerer Schnellstrecke waren wir letztes Mal eine Stunde früher daheim. Unser Frust hielt sich daher in Grenzen.

nachtmatthes
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Wen es noch interessiert:

Am Nachmittag erhielt ich am Info-Point Düsseldorf Hbf. noch keinen Hotelgutschein. Es könne ja auch sein, dass der ICE 949 Verspätung habe. Nachvollziehbares Argument finde ich, und ich habe - mal wieder - auf Verspätung gehofft.

Hatte er aber nicht, und so stand ich abends halb zwölf wieder am Info-Point. Viele verärgerte - teils aggressive - Fahrgäste dort, und bemühtes, aber überfordertes Personal. "Ja, Sie kriegen eine Hotelübernachtung, ich organisiere Ihnen was. Setzen Sie sich solange dort hin." Die üblichen Hotels waren offensichtlich alle voll belegt, und so konnte ich den armen Mann beobachten, wie er abwechselnd Hotels abtelefonierte und dann wieder aufgebrachte Fahrgäste beruhigen musste. Scheiss-Job, aber er hat sich wirklich bemüht.

Nach einer Stunde war er immer noch nicht wesentlich weiter; ich habe ihn dann gebeten, mir irgendeine Bestätigung zu geben, dass Übernachtung erforderlich sei. Damit habe ich mir auf eigene Faust was gesucht - war wirklich nicht einfach in Düsseldorf! - und schließlich um halb zwei in der Nacht in Mülheim (!) eingecheckt.

Ich hoffe, dass mir der Fahrgastservice jetzt wirklich die Hotelkosten (69.- Euro) erstattet.

Mein völlig subjektives Fazit:

Jede frühzeitige Ticketbuchung kann von unkalkulierbaren Fahrplanänderungen betroffen sein, die eine Planung eigener Termine - und sei es "nur" ein Fußballspiel - ziemlich erschweren.

Daher sollte es wenigstens keine kurzfristigen baustellenbedingten Fahrplanänderungen mit früherer Abfahrt mehr geben, nur um - mutmaßlich - Verspätungsstatistiken besser aussehen zu lassen!

Das Personal bei der DB beneide ich nicht. Das sind teils wirklich arme Schweine, die den Kopf für Probleme im System hinhalten müssen, für die sie nichts können.

Und danke an die beiden Herren, die gestern Abend gegen Mitternacht am Info-Point Düsseldorf Hbf. Dienst hatten. Die haben eine ordentliche Prämie und einen Orden verdient.

Schließlich Dank an die vielen Tippgeber in der community hier.

nachtmatthes