Diese Frage wartet auf Beantwortung

Mit 15 min Verspätung noch pünktlich?

Hallo, guten Tag.

Der 'Focus' schreibt heute, daß die Bahn künftig bis 15 min verspätete Fernzüge als pünktlich erfassen will. Bisher waren es 6 min.

https://www.focus.de/reisen/bahn/bei-deutscher-bahn-neues...

Können Sie bestätigen, ob diese Meldung der Tatsache entspricht? Und soll sich die Messung der Reiseketten wirklich nur auf ICE/IC beschränken oder werden verpasste RE/RB doch mit berücksichtigt? Ich ahne nichts Gutes und ich bekomme Kopfschmerzen, aber ich möchte doch vorher bei der Bahn nachfragen.

Danke!

Orly
Orly

Orly

Ebene
0
28 / 100
Punkte

Antworten

„ich möchte doch vorher bei der Bahn nachfragen.“
-> Dann fragen Sie doch die Bahn. An dieser Stelle fragen Sie Bahnkunden. Diese Service-Community ist eine moderierte Plattform, auf der User Fragen rund um den Personenverkehr der Deutschen Bahn stellen, Antworten geben und finden können. „Meine Frage - Deine Antwort“ steht für Kunden helfen Kunden.

Als Bahnkunde wünsche ich mir natürlich, dass die Züge möglichst pünktlich fahren. Die Statistik ist dabei für mich zweitrangig, in erster Linie möchte ich pünktlich ankommen.

„Der 'Focus' schreibt heute, daß die Bahn künftig bis 15 min verspätete Fernzüge als pünktlich erfassen will. Bisher waren es 6 min.“
-> Das ist so nicht richtig und das schreibt auch der Focus nicht so. Ein Zug zählt nach wie vor als verspätet wenn er 6 oder mehr Minuten nach der fahrplanmäßigen Ankunftszeit sein Ziel erreicht.

Zusätzlich zu der Pünklichkeit der Züge wird nun für jeden Reisenden erfasst, mit welcher Verspätung er tatsächlich sein Reiseziel erreicht. Das man nun nicht nur die Züge sondern auch die Auswirkungen von Verspätungen auf mich als Reisenden erfasst, finde ich gut. Was nützt es mir, wenn ich bei 4 Minuten Umsteigezeit meinen Anschlusszug verpasse, weil mein Zug 5 Minuten später ankommt und ich die nächste Verbindung eine Stunde später nehmen muss. Nach der Pünktlichkeitsstatistik für Züge waren beide Züge pünktlich. Trotzdem bin ich erst eine Stunde später am Ziel angekommen. Mit der zusätzlichen Statistik wird das nun auch erfasst, denn ich bin mehr als 15 Minuten später am Ziel eingetroffen.

Ich zitiere aus dem von Ihnen verlinkten Artikel:
„Bislang misst die Bahn nur, ob die einzelnen Züge mit maximal 5:59 Minuten Verspätung an den Bahnsteigen ankommen. Dann gelten sie als pünktlich, alles darüber als Verspätung. Diese Statistik will die Bahn zusätzlich weiter führen.“

„Für jeden einzelnen der täglich 400.000 Reisenden im ICE oder IC/EC wird dann gemessen, ob die Ankunft am Endbahnhof mehr oder weniger als eine Viertelstunde verspätet ist“
-> Hier handelt es sich wie gesagt um eine zusätzliche Statistik, die sich an den Reisenden orientiert.

Da diese Statistik für den Fernverkehr geführt wird, werden offenbar nur Fernverkehrszüge berücksichtigt. Falls tatsächlich keine Regionalzüge betrachtet werden, bleiben da sicher einige Verspätungen unentdeckt. Das ist Schade. DB-Fernverkehr und DB-Regio sind ja inzwischen (leider) unterschiedliche Betriebe.

„Ich ahne nichts Gutes und ich bekomme Kopfschmerzen“
-> Ist eine zusätzlich eingeführte Statistik es wirklich wert, Kopfschmerzen zu bekommen? Mir nicht. Aber ich sehe diese zusätzlich eingeführte Statistik eher positiv. Wie ich schon schrieb, ist die Statistik für mich zweitrangig. Wichtiger ist das die Züge möglichst pünktlich fahren.

Elementarteilchen
Elementarteilchen

Elementarteilchen

Ebene
4
5000 / 5000
Punkte

Warum sich darüber aufregen? Schon mit den 6 min macht sich die Bahn lächerlich, oder damit, das komplett ausgefallene Züge gar nicht in die Unpünktlichkeitsstatistik einfließen.

Für uns Reisende hat das Schönrechnen der Statistik eh keinerlei Auswirkungen. Es spielt eben keine Rolle, ob ich wegen 1 min Verspätung, 6 min Verspätung oder 15 min einen Anschluss verpasse, und am Ende dann 1 h oder mehr verspätet am Ziel ankomme. Es ändert sich nichts daran, dass die Bahn immer mehr Entschädigungen bzgl. Fahrgastrechte zahlen muss, da nutzt auch eine geschönte Statistik nichts.

Wobei, wenn ich den Artikel richtig verstehe (leider ist der Artikel nicht ausreichend konkret oder genau), soll diese 15 min Regel nun auch ausgefallene Züge und die komplette Reisekette umfassen. In dem Fall wäre das ja sogar eine Verbesserung der Statistik, da ein Ausfall bzw. Anschlussverlust oft ja gleich mit mehr als 1h Verspätung am Ziel durchschlägt, was bisher in der Statistik kaum berücksichtigt wurde.

Orly
Orly

Orly

Ebene
0
28 / 100
Punkte

@ Joeopitz

"Dann fragen Sie doch bei der Bahn."

Ich denke ich bin hier mit meiner Frage genau richtig. Zum einen, weil hier Leute schreiben/moderieren, die gewisse interne Kontakte haben, zum anderen weil ich keine Lust habe auf ein automatisch generiertes F5-Antwortschreiben "Ja, wir wollen besser werden...". Habe ich alles schon gehabt. Blubb.

Mich interessiert einfach mal was da an Strategiegedanken hinter der neuen 15-Minuten-Pünktlichkeit steckt, die wahrscheinlich in einem halben Jahr als Erfolg gefeiert werden wird "Wir sind besser geworden". WENN an dieser Medienmeldung wirklich was dran sein sollte! Daß 'neu-pünktliche' ICE mit +15 Regionalanschlüsse noch schlechter erreichen als 'alt-pünktliche' ICE mit +6, das ist allen klar. Nur was will man das Volk eigentlich damit glauben lassen, wo viele bisher schon Schwierigkeiten hatten die offizielle Lesart mit dem persönlich Erlebten in Einklang zu bringen.

@ maverick4711
„So kann man das Ziel der Pünktlichkeitsquote auch erreichen. Wenn das nicht klappt, dann wird die Zeit auf 30 min erhöht.“
-> Es ist doch nicht so, das ein Zug nun erst mit 15 Minuten als verspätet gezählt wird. Ein Zug ist nach wie vor Verspätet, wenn er 6 Minuten oder mehr nach der fahrplanmäßigen Zeit ankommt. Zusätzlich wird aber nun auch betrachtet, wie pünktlich schafft es die Bahn einen Reisenden an sein Ziel zu bringen. Siehe mein schon angeführtes Beispiel.

@ Elementarteilchen
„Wobei, wenn ich den Artikel richtig verstehe (...), soll diese 15 min Regel nun auch ausgefallene Züge und die komplette Reisekette umfassen.“
Richtig, es ist eine zusätzliche Statistik, die nicht beschreibt wie pünktlich war der Zug (dafür gibt es nach wie vor die Statistik mit der 6 Minutengrenze) sonder wie pünktlich hat der Fahrgast sein Ziel erreicht.

Fall A: 20 Minuten Umsteigezeit, der erste Zug kommt mit 7 Minuten Verspätung an, der zweite fährt mit 6 Minuten. Dann zählen beide Züge nach wie vor als verspätet. Der Reisende erreicht sein Ziel nicht später als 15 Minuten nach Plan und zählt als pünktlich.

Fall B: 4 Minuten Umsteigezeit, der erste Zug kommt mit 5 Minuten Verspätung an, der zweite Zug fährt pünktlich. Die Züge gelten als pünktlich, aber in der zusätzlichen Statistik hat der Reisende nun sein Ziel verspätet erreicht, weil er den Anschluss verpasst hat.

"Richtig, es ist eine zusätzliche Statistik, die nicht beschreibt wie pünktlich war der Zug (dafür gibt es nach wie vor die Statistik mit der 6 Minutengrenze) sonder wie pünktlich hat der Fahrgast sein Ziel erreicht."

--->Nur wie erfährt die Bahn von den realen Ankunftswerten? O.K. Bei gebuchten Sparpreistickets mit Zugbindung ist es schon noch möglich, die realen Werte rauszufinden, aber wie soll das bei Flexpreiskunden und BC100-Kunden gehen? Das würde dann nur funktionieren über die abgegebenen FGR-Formulare. Aber wieviel % geben dieses ab? Wenn die Verspätung unter 60 Minuten ist macht es auch keinen Sinn.
Oder soll JEDER möglicher Anschluss gemessen werden, egal ob sinnvoll oder nicht? Welcher Anschluss ist noch sinnvoll? Nur der nächste Zug, oder auch der übernächste, weil ich einen Zwischenhalt von 30 Minuten plane um einen Kaffee zu trinken? Ob das die IT-Technik schafft wage ich zu bezweifeln.

„Nur wie erfährt die Bahn von den realen Ankunftswerten?“
Bei Flexpreistickets hat man auch Start und Zielort. Bei der Kontrolle (zumindest bei gescannten Tickets) weiß man vieviele Menschen ungefähr in welchem Zug waren. Mit mathematisch-statistischen Modellen kannst Du ausrechnen, wieviele Reisende welche Verbindungen genutzt haben.

Es ginge auch anonymisiert die beim scannen erfassten Ticketdaten auszuwerten. Dann kennt man welche Züge mit einem Ticket benutzt worden sind und kann für jedes Ticket Umstiege und Verspätungen erfassen. Solange die Daten anonymisiert ausgewertet werden und keine personengebunden Daten verwendet werden, dürfte es auch mit dem Datenschutz vereinbar sein.

@ Orly
„Mich interessiert einfach mal was da an Strategiegedanken hinter der neuen 15-Minuten-Pünktlichkeit steckt, die wahrscheinlich in einem halben Jahr als Erfolg gefeiert werden wird "Wir sind besser geworden". “
-> Wir sind besser geworden kann nicht rauskommen, weil wie ich nun schon schrieb (und es auch so in dem von Ihnen verlinkten Artikel steht) für die Pünktlich der Züge nach wie vor die 6 Minutengrenze gilt. Durch diese zusätzliche Statistik gibt es nicht mehr pünkliche Züge, es sei denn die Bahn ist tatsächlich pünktlicher geworden.

„Daß 'neu-pünktliche' ICE mit +15 Regionalanschlüsse noch schlechter erreichen als 'alt-pünktliche' ICE mit +6, das ist allen klar.“ Es scheint (nicht nur) Ihnen nicht klar zu sein, das auch in Zukunft ein ICE mit +6 als „verspätet“ gezählt wird. Da ändert sich überhaupt nichts. Der Eindruck der sowohl von einer großen Boulevardzeitung als auch von Verkehrspolitikern geweckt wurde, das nun Züge erst ab 15 Minuten als verspätet gelten ist schlichtweg falsch. Sie werden auch durch keine zusätzliche Statistik Anschlüsse verpassen oder erreichen.

Welche Strategie dahinter steckt ist ziemlich klar. Die Bahn will zeigen, dass trotz der Zugverspätungen ein großer Teil der Reisenden im Fehrverkehr mit weniger als 15 Minuten Verspätung eine Reise beendet.

zeka
zeka

zeka

Ebene
4
5000 / 5000
Punkte

@Bahnfrosch und Joeopitz und der Frage „Nur wie erfährt die Bahn von den realen Ankunftswerten?“ gibt die PM gestern Auskunft

https://www.deutschebahn.com/de/presse/pressestart_zentra...

"Für die Berechnung der Reisendenpünktlichkeit für die täglich rund 400.000 Fahrgäste werden die Daten im Gegen­satz zur betrieblichen Pünktlichkeit nicht nur gemessen, sondern auch simuliert und hochgerechnet. Dazu werden die täglichen Buchungs­daten von rund 270.000 Reisenden mit den Pünktlichkeits­daten der ca. 7.000 Fern­verkehrshalte verknüpft, ausfallende und Ersatzzüge berücksichtigt und für jeden nicht erreichten Anschluss konkrete Alternativ­verbindungen ermittelt und bewertet."