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Schwerbehindert, Rollator und Imobilitätsservice?

Guten Tag.

Ich buche mehrfach im Jahr für ein älteres anerkannt schwerbehindertes Familienmitglied Reisen mit der DB. Wir nutzen dabei den Gepäckservice zum Transport der Koffer zum Reiseziel. Immer wieder kommt es bei der Buchung zu Diskussionen um den Transport eines Rollators. Ein Rollstuhl scheint unkompliziert als Hilfsmittel eines Schwerbehinderten möglich zu sein, der Rollator soll jedoch kostenpflichtig sein.

Beim letzten Buchungsvorgang wurde ich nach mehrfachen Telefonaten darauf hingewiesen, dass das Procedere zu vereinfachen wäre, wenn die betroffene Person im vorab als schwerbehindert bei bahn.de registriert wäre. Ich finde jedoch keine entsprechende Möglichkeit auf der Homepage.

Ich bitte also um Hilfestellung bei folgenden Fragen:

1. Wie kann ein Kunde/eine Kundin im vorab als schwerbehindert bei bahn.de registriert werden, um bei einer Reisebuchung die Hilfestellung bei der Reise, also den Immobilitätsservice und insbesondere den Gepäck- und Hilfsmitteltansport einfacher zubuchen zu können?

2. Wie kann vereinfacht ein Rollator einer gehbehinderten Schwerbehinderten kostenfrei - so wie ein Rollstuhl - beim Gepäckservice zum Transport zum Ziel in Auftrag gegeben werden, gegebenenfalls nach o.g. Registrierung?

Jowein
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kabo
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"1. Wie kann ein Kunde/eine Kundin im vorab als schwerbehindert bei bahn.de registriert werden, um bei einer Reisebuchung die Hilfestellung bei der Reise, also den Immobilitätsservice und insbesondere den Gepäck- und Hilfsmitteltansport einfacher zubuchen zu können?"
-> Online gar nicht.
Das läuft alles telefonisch über die Mobilitäts-Hotline. https://www.bahn.de/p/view/service/barrierefrei/barrieref...

Zu 2: Ist das Merkzeichen "G" vorhanden?

Jowein
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@kabo
Danke für die Antwort. Wie ich bereits schrieb habe ich innerhalb der letzten drei Jahre oft - sehr oft! - mit dem Mobilitätsservice telefoniert, mit dem genannten wechselnden Ergebnis. Mal ging es, mal nicht. Von einer Mitarbeiterin eben dieses Services bekam ich den Hinweis auf die Vorab-Registrierung als schwerbehinderte Person, die sie aber nicht selbst vornehmen konnte. Und ja, das Kennzeichen "G" ist vorhanden.

DB
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Hallo,

ich kann mich hier kabo in Punkt 1 nur anschließen. Bei der telefonischen Buchung ist es möglich, ein Kundenprofil anzulegen.

Da tarifliche Besonderheiten bei der Buchung für mobilitätseingeschränkte Reisenden zu beachten sind, wird dies online nicht angeboten. /di

kabo
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Ob ein Rollator statt eines Rollstuhls kostenfrei befördert wird, scheint in der Tat fraglich zu sein.

Auf https://www.bahn.de/p/view/service/barrierefrei/barrieref... weden explizit nur Rollstühle genannt:
"Für schwerbehinderte Menschen im Besitz eines entsprechenden Ausweises mit Merkzeichen "G" wird ein Krankenfahrstuhl/Rollstuhl mit einem Gewicht bis zu 100 kg kostenlos transportiert."

Auf https://www.bahn.de/p/view/service/gepaeck/kuriergepaeck_... wird "kostenlos" auch nur in Zusammenhang mit Rollstühlen verwendet.
"Wenn Sie ihr Hilfsmittel nicht bei der Zugfahrt mitnehmen können oder wollen, haben Sie die Möglichkeit, es mit dem Gepäckservice befördern zu lassen (nur innerhalb Deutschlands). Dabei werden Rollstühle (Krankenfahrstühle) unentgeltlich befördert, wenn das Merkzeichen "G" im Schwerbehindertenausweis der Reisenden eingetragen ist. Dies betrifft ein Hilfsmittel pro Fahrt."

In den Beförderungsbedingungen für Reisegepäck https://www.bahn.de/p/view/mdb/bahnintern/agb/gesamt_2019... (Seite 108) steht:
"Schwerbehinderte Menschen können nach Maßgabe von § 228 Sozialgesetzbuch – Neuntes Buch – (SGB IX) die dort bezeichneten Gegenstände kostenfrei zur Beförderung aufgeben. Für schwerbehinderte Menschen im Besitz eines entsprechenden Ausweises mit Merkzeichen "G" wird ein Krankenfahrstuhl (ohne Hilfsmotor) mit einem Gewicht bis zu 100 kg kostenfrei befördert. "
Jetzt ist natürlich die spannende Frage was mit den "in §228 SGB IX bezeichneten Gegenständen" gemeint ist. In Absatz 6 Nr. 2 werden zumindest außer Krankenfahrstühlen auch "sonstige orthopädische Hilfsmittel" genannt. Und ein Rollator kann ein orthopädisches Hilfsmittel sein.

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Hallo zusammen. Kann Jowein ein Foto vom Rollator irgendwo öffentlich hochladen und hier im Beitrag verlinken? Ich werde mich dann zur noch offenen Fragen einmal informieren. /ch

kabo
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@DB
Die kostenlose Beförderung von Hilfsmitteln im Rahmen von §228 SGB IX bezieht sich erstmal nur auf die Mitnahme in Zügen. DB ist gesetzlich verpflichtet, Rollstühle und andere Hilfsmittel (wozu Rollatoren gehören) kostenlos im Zug (!) mitzunehmen.
Leider gibt es ja immer noch Züge, bei denen Rollstühle nicht mitgenommen werden können - entweder weil der Zug zu eng ist oder der Höhenunterschied zwischen Zug und Bahnsteig zu groß ist und keine Einstiegshilfe bereitsteht.
Es sieht so aus, als ob die kostenlose Beförderung von Rollstühlen im Gepäckservice (Hermes) darauf basiert, dass die DB ihrer Beförderungspflicht in Zügen nicht immer nachkommen kann.
Das würde im Umkehrschluss bedeuten, dass eine kostenlose Beförderung von Rollatoren im Gepäckservice (Hermes) nur dann beansprucht werden kann, wenn der Rollator (aus von der Bahn zu vertretenden Gründen) nicht im Zug mitgenommen werden kann.

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Da bin ich wieder und es geht wohl um die noch offene Frage der Ablehnung beim DB Gepäckservice:

Ein Rollator ist leider eine Gehhilfe und kein Krankenfahrstuhl (Definition gemäß DIN EN ISO 9999:2016). Nur muskelkraftbetriebene Krankenfahrstühle werden gemäß unserer Beförderungsbedingungen bei Vorlage des Ausweises mit Merkzeichen „G“ kostenfrei als Gepäck über den DB Gepäckservice versandt. Ein Rollator zählt zu den „Sonstigen orthopädischen Hilfsmitteln“ und ist kostenpflichtiges Sondergepäck.

In unseren Beförderungsbedingungen wird das ab Seite 106 (Beförderungsbedingungen für Reisegepäck) behandelt.

2.3 Sondergepäck Zur Beförderung als Sondergepäck sind ferner zugelassen:
(i) Krankenfahrstühle bis zu einem Höchstgewicht von 100 kg,
(ii) sonstige orthopädische Hilfsmittel,
(ii) verpackte Sportgeräte mit einer Länge von max. 2,50 m und einem Gewicht von max. 31,5 kg,
(iv) verpackte Fahrräder. Fahrräder werden nur ohne Fahrradzubehör wie Fahrradkörbe oder –taschen, E-Bikes darüber hinaus nur ohne Akku befördert. Weiterhin werden keine Tandems, Dreiräder, Liegefahrräder, Fahrradrollstühle, Hand-Bikes, Fahrräder mit Verbrennungsmotor oder Segways als Reisegepäck befördert.“

„Sonstige orthopädische Hilfsmittel“ werden leider nicht kostenfrei befördert und sind als Sondergepäck daher kostenpflichtig (Punkt 4.2).

Ich hoffe, dass ich hier aufklären konnte. /ch

Jowein
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Vielen Dank für die Antworten.
Also hat der DB Gepäckservice wohl eher einen Fehler gemacht, als er mir bei vier Anfragen zweimal den Rollator kostenfrei transportierte. Logisch ist es nicht, einen wesentlich größeren schwereren Rollstuhl kostenfrei zu befördern, einen kleineren zusammengeklappten Rollator jedoch nicht. Vor allem, da eine entsprechend hilfsbedürftige Person sowohl mit dem einen wie dem anderen Hilfsmittel eigenständig mobil sein kann. Ob das noch Überreste der Bestimmungen aus der Zeit als Staatsunternehmen mit Beamten an Stelle von Angestellten sind?