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Kann ich bei Verspätung eines ICE trotz Lidl Ticket mit dem Nahverkehr reisen?

Ich habe ein Lidl Ticket ohne Nahverkehrszuschlag erworben, da ich normalerweise rein mit ICEs reisen kann.

Was aber passiert, wenn einer dieser ICEs stark verspätet ist oder gar ausfällt? Kann ich dann mit dem nächsten Zug reisen, auch wenn dies ein Nahverkehrszug ist? Oder muss ich auf die nächste ICE Verbindung warten?

Wochenendpendler
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Elementarteilchen
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Die Fahrgastrechte gelten auch für Lidl-Tickets. Insofern dürfte man bei erwarteten Verspätungen am Ziel von mind. 20 min oder Ausfall eines Zuges auch auf andere Verbindungen ausweichen.

Aber es gibt eine Besonderheit bei Tickets, die ausschließlich für bestimmte Zuggattungen gültig sind (also ausschließlich für Fernverkehr, oder ausschließlich für Nahverkehr), wenn man dann mit der anderen Zuggattung weiterfahren will oder muss: man muss hier zunächst ein Ticket für die jeweils andere Zuggattung kaufen (oder upgraden, falls möglich), und bekommt das Geld dann nachher über die Fahrgastrechte wieder zurück (das alte und neue Tickets sind dazu mit den Fahrgastrechte-Formular einzureichen). Die genauen Konditionen des Lidl-Tickets kenne ich zwar nicht, ich vermute aber, dass diese Regel hier aber ebenfalls gilt. Andere mir bekannte Aktionen mit reinen Fernverkehrsverbindungen hatten jedenfalls diese Regel.

Wenn möglich sollte man in dem Fall auch einfach mal am Schalter/info-Point in Bahnhof nachfragen, evtl. kann das Ticket auch einfach so für die Alternative Verbindung gültig geschrieben werden.

Hallo Wochenendpendler, wie es schon Elementarteilchen sagte, müssen Sie dann erst einmal in Vorkasse treten und reichen die Fahrkarte dann zur Prüfung auf Erstattung beim Servicecenter Fahrgastrechte ein. /no

Neptun
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Grundsätzlich gibt es die Regel, dass man ein neues Ticket kaufen und sich erstatten lassen muss, nur, wenn die ursprüngliche Fahrkarte eine für ausschließlich Nahverkehr war.
Ansonsten müsste so eine Regel explizit in den Bedingungen für das jeweilige Angebot stehen. Beim aktuellen Lidl-Ticket steht solches weder in den FAQ noch in den nationalen Beförderungbedingungen:
https://www.bahn.de/p/view/mdb/bahnintern/angebotsberatun...
https://www.bahn.de/p/view/home/agb/agb.shtml
@ DB /no: Habe ich etwas übersehen?

Wochenendpendler
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Wow, vielen Dank für die Antworten! Bin gespannt, was dabei heraus kommt.

Am Bahnhof hatte ich in so einem Fall bereits mal nachgefragt und um Aufhebung der Zugbindung gebeten. Die Antwort war dann, das die Zugbegleiter heutzutage auf ihren Handys die Verspätungen prüfen können und deshalb eine solche Aufhebung nicht mehr nötig sei (stimmt meines Wissens nach) und das es bei Lidl Tickets eh keine Zugbindunge gäbe (stimmte in früheren Jahren, ist aber dieses Mal anders).

Erst mal eine Nahverkehrskarte kaufen zu müssen und diese dann erstattet zu bekommen ist nicht nur recht aufwändig, sondern oft auch unpraktikabel, weil einfach die Zeit dazu fehlt wenn man weitere Verzögerungen vermeiden will.

Neptun
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@ Elementarteilchen:
Ein Angebot mit "nur Fernverkehr" war, abgesehen von ganz kurzfristigen Angeboten, bis Juli 2018 insbesondere der "Sparpreis Aktion". Bis zuletzt gab es wohl keine eindeutige Regelung oder Auslegung zu der diskutierten Fragestellung, siehe z.B.:
http://www.ice-treff.de/index.php?mode=thread&id=4510...
https://community.bahn.de/questions/1632237-nutzung-sparp...

Mir scheint, es wurde – wie auch jetzt von DB /no – einfach eine Analogie zu 9.1.2 der Beförderungsbedingungen hergestellt, was meines Erachtens aber nicht zulässig ist.

Hallo zusammen.

Die Antwort von /no ist korrekt und ich erläutere auch kurz den Hintergrund, da sich hier noch offene Fragen gestellt haben: Mit einem „Lidl DB-Ticket mit reinem Fernverkehr“ besteht ein Beförderungsvertrag mit der DB Fernverkehr AG und mit keinem anderen Eisenbahnverkehrsunternehmen, welches mit der DB Fernverkehr kooperiert bzw. Fernverkehrsleistungen anbietet. Der/Die Kunde/Kundin entscheidet sich bewusst für den Beförderungsvertrag mit der DB Fernverkehr.

Nach Art. 16 Fahrgastrechte-Verordnung kann die Fortsetzung der Reise unter vergleichbaren Beförderungsbedingungen erfolgen. Das ist in erster Linie der Beförderer selbst, also die DB Fernverkehr AG. Die DB Regio AG ist ein anderer Beförderer und am „Lidl DB-Ticket mit reinem Fernverkehr“ unbeteiligt.

Wir lassen die Weiterreise auch mit dem Nahverkehr zu, wenn der Fahrgast in Vorleistung tritt. Nach Abschluss der Reise kann der Preis für das nachgelöste Ticket über das Servicecenter Fahrgastrechte entschädigt werden, was wir nach zitierter Verordnung nicht müssten.

Wir ziehen dafür die Fahrgastrechte-Verordnung (VO (EU) 1371/2007) direkt heran. Seit einigen Jahren gilt der Grundsatz, dass nichts in den Beförderungsbedingungen wiederholt wird, was schon woanders als direkte/s Recht/Pflicht geregelt ist. /ch

Neptun
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Hallo DB,
vielen Dank für die ausführliche juristische Analyse, die ich später noch einmal in Ruhe nachlesen muss.

Anschlussfrage: Bei einem „(Super) Sparpreis mit reinem Fernverkehr“ gilt das Gesagte dann wohl genauso?

Signal
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Nein, das gilt da nicht (im Gegensatz zum ehemaligen Sparpreis-Aktion).

Wochenendpendler
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Vielen Dank für die zahlreichen Antworten!

Bei Verspätung eines ICE erst mal in die Bahnhofhalle zurück zu hechten um sich dort ein Nahverkehrsticket zu besorgen halte ich für wenig praktikabel - zumindest in meinem Fall ist dann auch der nächste Nahverkehrszug weg und die Verspätung wird noch ärger als sie eh schon ist.

Die Aussage "Der/Die Kunde/Kundin entscheidet sich bewusst für den Beförderungsvertrag mit der DB Fernverkehr." halte ich übrigens für falsch. Bei studierten Juristen und entsprechend geschulten Bahnmitarbeitern mag dies der Fall sein. Ich bin jedoch überzeugt, dass die große Mehrheit der Lidl Ticket Käufer sich der internen Konzernstruktur der Bahn nicht bewusst ist und diesen Fallstrick nicht erkennt.

Hallo Wochenendpendler, DB Regio ist hier wie ein anderes Eisenbahnverkehrsunternehmen zu behandeln, welches Nahverkehrsleistungen im Auftrag des jeweiligen Landes übernommen hat. In einigen Regionen sind die Züge von DB Regio mittlerweile in den jeweiligen Farben des Aufgabenträgers/Landes unterwegs. Sie müssten sich doch eingestehen, dass alle Nahverkehrszüge in Deutschland nicht mehr in Verkehrsrot – respektive von DB Regio – unterwegs sind. So dürfte „die große Mehrheit“ sich eher die Frage stellen, ob der gewünschte Zug ein Zug der DB ist. Das ist mancherorts auf Anhieb nur noch mit einem kleinen Logo vom Beförderer am Zug feststellbar.

In diesem Fall erfolgt die Entscheidung bewusst, wenn bei der Buchung auf die Nahverkehrsnutzung verzichtet wird. Der Werbetext heißt sehr konkret: „2 Fahrten deutschlandweit in den Fernverkehrszügen der Deutschen Bahn (ICE, IC/EC)“.

Fahrten mit Nutzung des Nahverkehrs können Sie im Buchungsprozess zum Aufpreis von 6,90 Euro pro Fahrt optional hinzubuchen. /ch

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Viele sagen immer noch "Das ist doch eh alles die Bundesbahn."...

Wochenendpendler
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Huch, irgendwie habe habe ich die letzten Antworten verpasst.

Den Kommentar der DB finde ich recht akademisch. Und wenn jemand Suggestivaussagen a la "Sie müssten sich doch eingestehen, dass ..." auffährt, befürchte ich, dass der sachliche Teil der Diskussion vorbei ist und es nur noch darum geht, Recht zu behalten. Schade ...

Das jemand im Gewirre einer Supermarktkasse oder unter Stress, weil mal wieder ein ICE 30 Minute zu spät kommt (Oder doch 45 Minuten später? Oder vielleicht auch gar nicht?) die feinen juristischen Unterschiede des Kleingedruckten nicht spontan richtig interpretiert kann ich mir ausgesprochen gut vorstellen.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Mir geht es nicht um das Buchen des Tickets oder die Fahrt ohne große Verspätung. Da sollte jedem klar sein, dass er ein Fernverkehrsticket hat, welches für 6,90 € um Fahrten im Nahverkehr ergänzt werden kann.

Mir geht es einzig um den Umgang mit Verspätungen. Und da finde ich die hier vorgestellte Lösung der DB alles andere als kundenfreundlich. Und damit meine die "Die Bahn", Fernverkehr hin oder Nahverkehr her.

Neptun
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Hallo Wochenendpendler,
deiner Antwort kann ich nur zustimmen, und möchte nur zum "Kleingedruckten" ergänzen, dass es sogar noch schlimmer ist:
Denn wie ich schon ausgeführt habe, reichen die von der Bahn direkt zur Verfügung gestellten Dokumente nicht wirklich dafür aus, um zu dem von der Moderation behaupteten Ergebnis zu gelangen. Es soll vielmehr noch eine EU-Verordnung herangezogen, selbstständig der Vertragspartner eruiert und daraus die richtige Schlussfolgerung gezogen werden. Und das ganze spontan durch den Fahrgast bei einem ungeplanten Anschlussverlust, nicht etwa bei einer Entscheidung über eine nachträgliche Erstattung.

Immerhin dürfte der Transport bis ans Endziel bei der Eisenbahn in Deutschland grundsätzlich gesichert sein im Gegensatz zur privatwirtschaftlich organisierten Luftfahrt. Soeben hat die Fluglinie Germania ihren Betrieb eingestellt: https://forum.airliners.de/topic/42615-aktuelles-zu-germa...

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@Wochenendpendler
Die Unterscheidung Nahverkehr - Fernverkehr ist allerdings durchaus gravierend. Da gibt es unterschiedliche Zuständigkeiten (das ist wohl gesetzlich geregelt), was auch auf die Tarife Auswirkungen hat. So gibt es diverse Verkehrsverbünde für den Nahverkehr, die in ihrem Gebiet für die Tarife zuständig sind, und das heißt auch: selbst wenn man dort ausschließlich mit der DB fährt, gilt nicht der DB-Tarif. Das Nahverkehrsticket für die jeweilige Strecke erkennen alle Verkehrsverbünde auf dieser Strecke an, was für das Fernverkehrsticket nicht unbedingt gilt.

Beispiel: wenn man von Frankfurt nach Fulda fährt, kann man mit dem ICE mit einem Fernverkehrsticket der DB fahren, oder aber mit dem Nahverkehr mit einem Ticket des RMV. Die DB kann/darf auf der Strecke gar kein Nahverkehrsticket zum DB-Tarif anbieten, da im Nahverkehr hier der RMV zuständig ist. Jetzt ist das Lidl-Ticket aber ein reines DB-Angebot, mit dem der RMV nichts zu tun hat und daher auch nichts daran verdient. Daher erkennt der das Ticket nicht an. Will man dennoch den Nahverkehr nutzen (wegen Zugausfall oder Verspätung), will der RMV aber als zuständige Instanz ein Entgelt, daher braucht man ein neues Ticket. Da die DB aber Schuld am Zugausfall bzw. der Verspätung hatte erstattet diese dann auch die Kosten des neuen Tickets. Wenn alles in einer Hand wäre, wäre das viel einfacher, aber das ist es nicht.

Neptun
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Beispiel für 20.3.19:
Offenburg - Fulda (19.30 - 22.10) mit ICE 272. Nehmen wir an, dieser fällt aus.
Bei einem (Super)Sparpreis darf ich einfach in den nächsten Zug einsteigen und ab Ffm den RE nutzen. Dies, obwohl ausschließlich ICE gebucht und somit nur DB Fernverkehr das Geld bekommt (Achern - Fulda, ab 19.16, in KA Umstieg auf ICE 272, ist 10 € teurer, obwohl kürzer).
Bei einem Lidl-Ticket mit gleichem Zug soll das nicht möglich sein. Das ist für den Fahrgast absolut unlogisch.
Ich nehme an, die Verbünde bzw. anderen Regionalanbieter erhalten von Flextickets statistisch ermittelte Anteile an den Fahrkarten. Ebenso einen Anteil von SSP-Tickets mit NV und minimale Anteile von FV-Tickets ohne NV zur Abdeckung von Fahrgastrechtsfällen. Eine Berücksichtigung entsprechender Lidl-Tickets ist dann vermutlich nur eine Frage des Wollens.
Wenn der Start abweichend Lahr(Schwarzw) um 19.07 Uhr ist, also Lidl + NV für 6,90 für Lahr - OG, womit der RMV auch nicht beteiligt ist, wäre aber bei Anschlussverlust/Ausfall die Weiterfahrt ab Ffm ohne Zuzahlung möglich?

Elementarteilchen
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@Neptun
Das SSP-Ticket an sich erlaubt aber prinzipiell einen Nahverkehrsanteil. Bei dem früheren Sparpreis-Aktion-Ticket gab es z.B. generell keinen Nahverkehrsanteil, und dort gab es die selbe Regel, dass man beim Ausweichen auf Nahverkehr wegen Verspätung/Anschlussverlust erst mal ein neues Ticket kaufen musste und dieses dann später ersetzt wurde. D.h. diese Regel ist nicht neu und gilt wohl in allen derartigen Konstellationen.

Klar wäre es für den Kunden einfacher, wenn er sich einfach in den nächsten Zug setzen kann. Aber leider haben sich die ganzen beteiligten Verkehrsbetriebe und Zugbetreiber noch nicht soweit geeignet, dass das derzeit möglich ist.