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Ist es erlaubt, wegen angeblichem ungültigen Ticket von der Weiterfahrt ausgeschlossen zu werden?

Im konkreten Fall war ich am zweiten Geltungstag nach 10 Uhr mit einem Sparpreisticket der DB in einem Zug der Firma ODEG von Berlin nach Wismar unterwegs. Obwohl nirgendwo auf dem Ticket drauf stand, dass es am 2. Geltungstag nur bis 10 Uhr gilt und ich auch auf ausdrücklicher Nachfrage bei dem Kontrollüersonal anschließend von Wismar nach Rostock die Antwort bekommen habe, dass Sparpreistickets nur mehr zwei ganze Tage gelten würden, ist es mir unerklärlich, dass das Ticket um 10 Uhr angelaufen sein soll.

Ich habe die Schaffnerin der ODEG freundlich gebeten, mir eine Rechnung bzw. ggf. sogar eine Zahlungsaufforderung über 60 Euro erhöhtes Beförderungsentgelt auszustellen, diese aber meinte, ich hätte die Wahl, ein Stadt-Land-Meer-Ticket zu kaufen oder am nächsten Bahnhof auszusteigen.

Meine Frage ist, ob bei Meinungsverschiedenheiten, ob ein Ticket gültig ist, ein solches Verhalten des Personals gerechtfertigt ist, oder hätte ich Anspruch darauf gehabt, auch mit dem angeblich ungültigen Ticket zum Zielbahnhof befördert zu werden?

Hinweis: Bei der Deutschen Bahn AG würde man in so einem Fall niemals des Zuges verwiesen, sondern solche Kapriolen passieren nur bei Privatmann wie z. B. bei der ODEG.

Ich habe dann an dem Tag aber soviel Stolz besessen, dass ich das Hausrecht der Schaffnerin respektiert habe und war dann freiwillig ausgestiegen, bevor sonst die Bundespolizei mich aus dem Zug geholt hätte.

Korrekt fand ich das aber nicht und bitte deshalb um Antworten.

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Joeopitz
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Auf dem Ticket steht:
"Gilt nur für eingetragene Züge/IC-Busse und Tage/Zeiten."

und in den Beförderungsbedingungen:
"Sie sind zur einfachen Fahrt bzw. zur Hinfahrt...an den Reisetagen, in den Zügen der Produktklasse ICE oder IC/EC (Zugbindung) und in der Wagenklasse gültig, die auf der Fahrkarte bezeichnet sind. Sie gelten in Zügen der Produktklasse C im Vor-und Nachlauf zu den in der Fahrkarte eingetragenen Zügen am jeweils eingetragenen Geltungstag sowie bis 10:00 Uhr des Folgetages."

Nach 10 Uhr ist das Ticket nicht mehr gültig.

Ein Anspruch auf Beförderung ohne gültigen Fahrschein besteht natürlich auch nicht. 60 EUR Fahrpreisnacherhebung wären völlig korrekt gewesen. Das Angebot ein günstigeres Ticket zu kaufen (oder natürlich auszusteigen, wenn man partout kein gültiges Ticket erwerben will) finde ich schon fair.

Warum allerdings nicht auf die 60 EUR eingegangen wurde, wo Du doch so gerne eine Fahrpreisnacherhebung haben wolltest, keine Ahnung.

Hallo Willy966,

ich kann mich hier den Antworten der Community nur anschließen. Die Tarifbedingungen des Sparpreises, welche Sie bei Abschluss der Buchung bestätigt haben, besagen eine Geltungsdauer bis 10 Uhr des Folgetages.

Sie besaßen bei Ihrer Fahrt nach 10 Uhr kein gültiges Ticket, sind also ohne Fahrkarte gereist. Wie Joeopitz schreibt, ist das Angebot des Verkaufs eines günstigen Tickets anstatt einer Fahrpreisnacherhebung zum höheren Preis ein nettes Verhalten der Zugbegleiterin. /ka 

Neptun
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Ich wollte schon antworten: "Die 10-Uhr-Grenze steht doch auf der Fahrkarte!"
Allerdings habe ich doch noch kurz in mein Online-Ticket-Archiv geschaut und festgestellt, dass Anfang 2018 noch aufgedruckt war: "NV = NAHVERKEHRSZÜGE VOR / NACH FERNVERKEHRSZÜGEN; GILT JE FAHRT MAX. 1 TAG BIS FOLGETAG 10 UHR."
Im Herbst 2018 steht dort stattdessen nur der von Joeopitz zitierte Hinweis.

Ich kannte es bisher so, dass sich aus der Fahrkarte die Geltungsdauer eindeutig entnehmen lässt. Das ist offensichtlich leider nicht mehr so!
Dass die Regelung in den Beförderungsbedingungen eindeutig drin steht und diesen beim Kauf zugestimmt wird, will ich nicht bestreiten. Es wäre auch bei einer Verbindungsauswahl, die über 10 Uhr an Tag 2 hinausgeht, keine Sparpreisbuchung (national) möglich.
Nun steht nicht umsonst im Gesetz, dass AGB keine überraschenden Klauseln enthalten dürfen. Im vorliegenden Fall hat der Kunde z.B. eine Fahrkarte mit aufgedruckten Verbindungen, die sich über zwei Kalendertage erstrecken, bei zugbindungsfreiem Nahverkehr am 2. Tag. Woher soll ein Gelegenheitsfahrer erahnen können, dass die Gültigkeit am 2. Tag bereits um 10 Uhr endet?

Hallo Neptun,

wie Sie schon bemerken, werden durch das Bestätigen der AGB's bei der Buchung die Geschäftsbedingungen anerkannt.
Ich gebe Ihren Hinweis an den Fachbereich weiter. /ka

kabo
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"Meine Frage ist, ob bei Meinungsverschiedenheiten, ob ein Ticket gültig ist, ein solches Verhalten des Personals gerechtfertigt ist, oder hätte ich Anspruch darauf gehabt, auch mit dem angeblich ungültigen Ticket zum Zielbahnhof befördert zu werden?"
-> Ganz eindeutig: Nein. (§19 EVO)

"Hinweis: Bei der Deutschen Bahn AG würde man in so einem Fall niemals des Zuges verwiesen, sondern solche Kapriolen passieren nur bei Privatmann wie z. B. bei der ODEG."
-> Mit dieser Einschätzung dürften Sie ziemlich alleine da stehen. Meine persönlichen Erlebnisse gehen zwar auch mehrheitlich auch in die Richtung, dass private Bahnbetreiber konsequenter handeln als die manchmal (zu?) großzügige DB. Aber die meisten DB-Schaffner hätten Sie hier auch nicht ohne Nachzahlung weiter fahren lassen, da bin ich mir sehr sicher.

Neptun
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@ Willy966
Falls es sich um einen Sparpreis Europa mit Start in Österreich gehandelt haben sollte, hätte übrigens das Personal im Zug Wismar - Rostock durchaus Recht gehabt.

@DB /ka
Es gibt in den BB auch Pflichten für den Aussteller der Fahrkarte:
"2.4.2 Die auf der Fahrkarte enthaltenen Angaben sind für die Beförderung maßgebend. … Die Fahrkarte enthält zudem die … Geltungsdauer. ...
2.5.1 Die Geltungsdauer einer Fahrkarte ergibt sich grundsätzlich aus dieser selbst."

Neptun
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Auf Folgendes möchte ich noch einmal zurückkommen: „Meine Frage ist, ob bei Meinungsverschiedenheiten, ob ein Ticket gültig ist, ein solches Verhalten des Personals gerechtfertigt ist, oder hätte ich Anspruch darauf gehabt, auch mit dem angeblich ungültigen Ticket zum Zielbahnhof befördert zu werden?
Hinweis: Bei der Deutschen Bahn AG würde man in so einem Fall niemals des Zuges verwiesen …“
Den Antworten wurde zugrundegelegt, dass die Fahrkarte eindeutig außerhalb der zeitlichen Gültigkeit genutzt wurde. Wie sieht es aus, wenn der Sachverhalt nicht so eindeutig ist (z.B. das weite Feld Fahrgastrechte) oder er sogar ganz eindeutig ist, der Zugbegleiter dies aber fehlerhaft bewertet (z.B. bei Sonderaktionen, etc.)?
Beispiel: Der vorliegende Fall hätte abgewandelt so begonnen: „Im konkreten Fall war ich am dritten Geltungstag zwischen 0 und 1 Uhr mit einem Sparpreisticket der DB in einer S-Bahn der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft von Karlsruhe nach Muggensturm unterwegs.“ Aufgedruckte Reiseverbindung: Möskental (ab 13:17) – Muggensturm (an 09:30, Tag 2), Wegetext in etwa: NV * Hamburg-Altona * ICE 273 * Frankfurt(Main)Hbf * (Tag 2:) ICE 1571 * Karlsruhe Hbf * NV. Stempel vom ICE 1571 auf dem Ticket. Ticket wird in der S-Bahn nicht anerkannt, Rest analog.
Sofern das Eisenbahnpersonal keine „Kulanz“ walten lässt (aus seiner Sicht): Welche Möglichkeiten hat der Fahrgast? Falls eine „Auswahlmöglichkeit“ besteht, welche Variante sollte gewählt werden? Beispiel: Ausschluss von der Fahrt nicht möglich (kein weiterer Halt vor dem Zielbahnhof), Kauf eines Flexpreises wird angeboten; Alternative wäre bei Nichtzahlung „erhöhtes Beförderungsentgelt“.

kabo
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Rechtlich besteht keine andere Möglichkeit als sich erstmal der Entscheidung des Zugpersonals zu fügen.
Der Gesetzgeber hat es ganz bewusst so geregelt, dass sich kein Schaffner auf eine Diskussion im Zug einlassen muss - auch wenn der Fahrgast meint im Recht zu sein, oder sogar im Recht ist. Etwa wie bei der Schiedsrichterentscheidung im Fußball.
Letztendlich bleibt dem Fahrgast nur, im Anschluss an die Fahrt nachträglich sein Recht geltend zu machen.