Frage beantwortet

Taxi-Gutschein bei Verspätung von NE-Bahn nicht möglich?

Bei einer Fahrt mit planmäßiger Ankunft am Ziel um ca. 23:30 Uhr war beim Umstieg im Bahnhof Köln Messe/Deutz klar, dass ich mit der nächsten verfügbaren Verbindung erst gegen 1:30 Uhr ankommen würde. Da die planmäßige Ankunft vor Mitternacht war, kam eine nachträgliche Erstattung von Taxi-Kosten gemäß Fahrgastrechten also nicht in Betracht. Außerdem hatte auch der Info-Schalter noch geöffnet, was dies ebenfalls ausgeschlossen hätte. Also fragte ich nach, ob man aufgrund der großen Verspätung ein Taxi spendieren würde oder ich Pech hätte und die nächstmögliche, wenn auch erheblich spätere Zugverbindung nehmen sollte. Die beiden freundlichen Mitarbeiterinnen sagten, dass sie grundsätzlich einen Taxigutschein ausgeben würden, jedoch für meine heutige Verbindung leider nicht, da der erste verspätete Zug in meiner Verbindung von einer NE-Bahn betrieben wurde. Den pünktlichen Anschluss an den übernächsten Zug hätte ich allerdings auch dann noch verpasst, wenn die NE-Bahn pünktlich gewesen wäre, da auch der in der Reisekette nachfolgende IC ebenfalls Verspätung hatte. Die Mitarbeiterinnen haben sich zwar Zeit genommen und lange hin und her überlegt, wollten das Risiko aber nicht eingehen. Sie sagten ferner, dass es bei Strecken bis 100 km (wenn ich mich richtig erinnere) eigentlich kein Problem sei, den Taxi-Gutschein auszugeben, da ich aber von Köln noch bis nach Bielefeld weiter wollte, dies leider zu weit sei.

Somit habe ich folgende Fragen:

  • Spielt es tatsächlich eine Rolle, ob der die Verspätung verursachende Zug von einem NE- oder DB-Unternehmen betrieben wird?
  • Spielt es, wie im konkreten Fall, eine Rolle, welches der erste verspätete Zug war, auch wenn nachfolgende (DB-)Züge ebenfalls verspätet waren und dadurch dennoch dieselbe verspätete Ankunft am Zielbahnhof verursacht worden wäre, auch wenn vorherige Züge pünktlich gewesen wären?
  • Gibt es eine interne Regelung, nach der Taxikosten bis zu einer bestimmten Entfernung (etwa 100 km) übernommen werden und darüber nicht? Aus den Fahrgastrechten geht darüber nichts hervor.

Mir ist bewusst, dass ich im konkreten Fall keinen Anspruch auf einen Taxi-Gutschein oder die nachträgliche Erstattung von Kosten hatte. Da die Mitarbeiterinnen jedoch sagten, dass sie grundsätzlich trotzdem einen Gutschein hätten ausstellen können, wollte ich mich nach den entsprechenden Regelungen erkundigen, um in Zukunft besser informiert zu sein, falls eine solche Situation noch einmal auftreten sollte.

Die Mitarbeiterinnen in Deutz möchte ich ausdrücklich loben, da sie ca. 20 min geduldig versucht haben, die möglichen Optionen zu klären. Andere Fahrgäste mussten dadurch nicht länger warten; hinter mir war niemand ;)

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"Spielt es tatsächlich eine Rolle, ob der die Verspätung verursachende Zug von einem NE- oder DB-Unternehmen betrieben wird?"
-> Ja
Für die Kosten einer Ersatzbeförderung haftet am Ende die Bahn, die den ersten Anschlussverlust verursacht hat. Bei einem Taxigutschein rechnet die Taxifirma direkt mit der DB ab. Wenn die DB einen Taxigutschein ausgibt, obwohl eine NE-Bahn haftet, dann freut sich die NE-Bahn (weil sie sich vor den Kosten drücken konnte) und die DB schaut in die Röhre (weil die DB die Taxi-Rechnung bekommt, obwohl die NE-Bahn haften müsste). Deshalb gibt es einen Taxigutschein von der DB nur, wenn auch die DB haften muss.

"Spielt es, wie im konkreten Fall, eine Rolle, welches der erste verspätete Zug war, auch wenn nachfolgende (DB-)Züge ebenfalls verspätet waren und dadurch dennoch dieselbe verspätete Ankunft am Zielbahnhof verursacht worden wäre, auch wenn vorherige Züge pünktlich gewesen wären?"
-> Ja. Denn die Bahn, die den ersten Anschlussverlust verursacht, haftet.

Wenn Sie mal eine Taxiquittung nachträglich beim Servicecenter Fahrgastrechte einreichen, dann steht auf der Abrechnung, die man per Post vom Servicecenter bekommt, drauf, welche Bahn letztendlich die Taxi-Rechnung zahlen musste. (Bei der Überweisung, die man bekommt, steht zwar "Servicecenter Fahrgastrechte" als Absender drauf - aber das Geld kommt letztendlich von der Bahn, die den ersten Anschlussverlust verursacht hat.)

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"Spielt es tatsächlich eine Rolle, ob der die Verspätung verursachende Zug von einem NE- oder DB-Unternehmen betrieben wird?"
-> Ja
Für die Kosten einer Ersatzbeförderung haftet am Ende die Bahn, die den ersten Anschlussverlust verursacht hat. Bei einem Taxigutschein rechnet die Taxifirma direkt mit der DB ab. Wenn die DB einen Taxigutschein ausgibt, obwohl eine NE-Bahn haftet, dann freut sich die NE-Bahn (weil sie sich vor den Kosten drücken konnte) und die DB schaut in die Röhre (weil die DB die Taxi-Rechnung bekommt, obwohl die NE-Bahn haften müsste). Deshalb gibt es einen Taxigutschein von der DB nur, wenn auch die DB haften muss.

"Spielt es, wie im konkreten Fall, eine Rolle, welches der erste verspätete Zug war, auch wenn nachfolgende (DB-)Züge ebenfalls verspätet waren und dadurch dennoch dieselbe verspätete Ankunft am Zielbahnhof verursacht worden wäre, auch wenn vorherige Züge pünktlich gewesen wären?"
-> Ja. Denn die Bahn, die den ersten Anschlussverlust verursacht, haftet.

Wenn Sie mal eine Taxiquittung nachträglich beim Servicecenter Fahrgastrechte einreichen, dann steht auf der Abrechnung, die man per Post vom Servicecenter bekommt, drauf, welche Bahn letztendlich die Taxi-Rechnung zahlen musste. (Bei der Überweisung, die man bekommt, steht zwar "Servicecenter Fahrgastrechte" als Absender drauf - aber das Geld kommt letztendlich von der Bahn, die den ersten Anschlussverlust verursacht hat.)

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Vielen Dank für die detaillierte Antwort! Somit kann wohl man sagen, dass in Fällen, wie dem beschriebenen, der Fahrgast einfach Pech hat, wenn die erste Verspätung von einer NE-Bahn ausging und diese zum fraglichen Zeitpunkt nicht erreichbar ist, um ggf. selbst einen Gutschein auszugeben.

Jetzt fällt mir aber noch folgendes ein: Wenn die Ankunft bei der letzen planmäßigen Verbindung des Tages vor 0 Uhr liegt, jedoch ein Zug nicht ausgefallen, sondern nur verspätet war und trotzdem der letzte Anschluss weg ist, greift ja scheinbar keiner der beiden Möglichkeiten zur Kostenerstattung. Heißt es dann Pech gehabt und Taxi oder Hotel auf eigene Kosten?

Man nehme ferner an, die planmäßige Ankunft _wäre_ zwischen 0 und 5 Uhr gewesen und kein Schalter mehr offen/vorhanden. Mit dem Taxi von Köln nach Bielefeld zu fahren kostet deutlich mehr als 80 EUR. Wäre man auf dem Rest der Kosten sitzen geblieben?

Und schließlich gelten all diese Ansprüche ja nur, wenn "der Kunde mit dem Eisenbahnunternehmen - aus von diesem zu vertretenden Gründen - nicht in Kontakt treten kann". Heißt das, wenn noch ein Schalter offen ist, können die dortigen Mitarbeiter auch einfach verfügen, dass der nächste Zug um sagen wir 5:30 Uhr als Alternative zu akzeptieren ist?

Hallo WurstCase,

der Fall mit dem letzten verpassten Anschluss findet sich unter "Ersatz von Kosten für Übernachtung". Ist die Fortsetzung der Fahrt nicht mehr möglich oder zumutbar, können Sie auch hier ein Hotel oder Taxi nutzen.

Die Taxikosten werden bis maximal 80 Euro erstattet. Kosten darüber werden nicht erstattet. Hier bestünde dann noch die Möglichkeit, sich das Taxi mit anderen Fahrgästen zu teilen, sofern vorhanden.

Ich kann zwar nicht ausschließen, dass Ihnen das jemand am Schalter sagen wird. 5 Stunden in der Nacht auf den nächsten Zug zu warten, fällt aber nicht mehr unter zumutbar. /ti

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Hallo Tilo,

vielen Dank für die Ergänzung! Zum Glück kommen solche "Spezialfälle" im Großen und Ganzen ja doch nicht allzu häufig vor.