Diese Frage wartet auf Beantwortung

Warum werden im DB Navigator falsche Informationen zu Zügen dargestellt?

Es ist immer wieder zu beobachten, dass verspätete Züge laut App (Funktion "Ist mein Zug pünktlich?") angeblich schon einen Bahnhof verlassen haben, der real erst noch erreicht werden muss. Dies betrifft sowohl Fern- als auch Nahverkehrszüge der DB. Die Abweichung kann meiner Beobachtung nach beliebig groß werden; es geht hier nicht um wenige Minuten.
Wie erklärt sich diese Diskrepanz zwischen tatsächlicher Zugposition und Angaben in der App? In den internen Systemen der DB ist die korrekte Repräsentation des Zuges ja auch zwingend notwendig, so dass sich mir nicht erschließt, warum an die Kunden fehlerhafte bzw. extrapolierte Daten übermittelt werden.

Togg
Togg

Togg

Ebene
1
476 / 750
Punkte

Antworten

Hallo Togg,

es gibt Echtzeitdaten und Prognosedaten, welche auch im DB Navigator landen. Die Verspätungsminuten werden nicht extrapoliert. Sofern keine Echtzeitdaten oder automatischen Prognosedaten angezeigt werden, ist der Zug auch noch nicht abgefahren. Wenn Sie ein explizites Beispiel oder einen Screenshot haben, lässt sich das vielleicht noch einmal besser erklären. /ti

Joeopitz
Joeopitz

Joeopitz

Ebene
4
5000 / 5000
Punkte

Hallo Togg,

ich versuche es an einem stark vereinfachten Beispiel zu erklären.

An bestimmten Stellen wird der Zug erfasst, wenn er diese Stellen passiert. Da hat man dann in Echtzeit Zugnummer, Uhrzeit und Position die an das System gemeldet werden. Solche Zugmeldestellen können z.B. bestimmte Signale, Bahnhöfe etc. sein.

Beispiel:
angenommener Fahrplan:
----------------------------------------------------------------------------------
12:00 Signal XX (Zugmeldestelle)
+
12:05 Bahnhof(A) an
12:06 Bahnhof(A) ab (Ausfahrtsignal ist Zugmeldestelle)
+
12:15 Bahnhof(B) an
12:16 Bahnhof(B) ab
----------------------------------------------------------------------------------
jetzt hat der Zug 6 Minuten Verspätung und passiert Signal XX um 12:06. Das geht in Echtzeit ins System. Gehen wir davon aus, es gibt auf dem nächsten Streckenabschnitt nichts, was eine Fahrzeitverkürzung oder auch Verlängerung wahrscheinlich macht, dann hat der Zug die Verspätung auch noch im Bahnhof(B). In deiner App wird angezeigt:
----------------------------------------------------------------------------------
[ ]12:05 [12:11] Bahnhof(A) an
[ ]12:06 [12:12] Bahnhof(A) ab
[ ]
[ ]12:15 [12:21]Bahnhof(B) an
[ ]12:16 [12:22]Bahnhof(B) ab
----------------------------------------------------------------------------------
Kurz nach der letzten Zugmeldung wird der Zug unerwartet zum Bremsen gezwungen. (Menschen oder Tiere auf dem Gleis) Der Zug passiert langsam die Gefahrenstelle. Dadurch entstehen weitere 5 Minuten Verspätung. Die kennt aber das System nicht, weil Bremsung und Langsamfahrt nicht eingeplant waren.
Um 12:11 ist der Zug noch 5 Minuten vom Bahnhof entfernt.
Um 12:12 ist der Zug noch 4 Minuten vom Bahnhof entfernt.
Da es aber noch keine neue Zugmeldung gab, ist diese Info noch nicht im System. Es hat (noch) keine Info. Um 12:13 ist der Zug noch 3 Minuten vom Bahnhof(A) entfernt. Die vom System errechnete Abfahrtszeit ist allerdings vorbei.
Anzeige deshalb:
----------------------------------------------------------------------------------
[I]12:05 Bahnhof(A) an
[I]12:06 Bahnhof(A) ab
[I]
[ ]12:15 [12:21]Bahnhof(B) an
[ ]12:16 [12:22]Bahnhof(B) ab
----------------------------------------------------------------------------------
Um 12:16 fährt der Zug in Bahnhof A ein. Um 12:17 fährt er weiter und passiert das Ausfahrtsignal (Zugmeldestelle). Damit hat das System eine neue Echtzeitinformation. Anzeige nun:
----------------------------------------------------------------------------------
[I]12:05 Bahnhof(A) an
[I]12:06 Bahnhof(A) ab
[I]
[ ]12:15 [12:26]Bahnhof(B) an
[ ]12:16 [12:27]Bahnhof(B) ab
----------------------------------------------------------------------------------

Leo
Leo

Leo

Ebene
4
5000 / 5000
Punkte

Weil die Programmierung so extrem dumm erfolgte, wie von Joeopitz gut erklärt:

„entstehen weitere 5 Minuten Verspätung. Die kennt aber das System nicht, weil Bremsung und Langsamfahrt nicht eingeplant waren.
Um 12:11 ist der Zug noch 5 Minuten vom Bahnhof entfernt.
Um 12:12 ist der Zug noch 4 Minuten vom Bahnhof entfernt.
Da es aber noch keine neue Zugmeldung gab, ist diese Info noch nicht im System. Es hat (noch) keine Info. Um 12:13 ist der Zug noch 3 Minuten vom Bahnhof(A) entfernt. Die vom System errechnete Abfahrtszeit ist allerdings vorbei.
Anzeige deshalb:
----------------------------------------------------------------------------------
[I]12:05 Bahnhof(A) an
[I]12:06 Bahnhof(A) ab
[I]
[ ]12:15 [12:21]Bahnhof(B) an
[ ]12:16 [12:22]Bahnhof(B) ab
----------------------------------------------------------------------------------
Um 12:16 fährt der Zug in Bahnhof A ein. Um 12:17 fährt er weiter und passiert das Ausfahrtsignal (Zugmeldestelle). Damit hat das System eine neue Echtzeitinformation. Anzeige nun:“ → auf korrekte Verspätung.

Und genau für diese vermurkste Programmierung habe ich kein Verständnis!

Wenn der Zug tatsächlich nur die vom System angenommene Verspätung hätte, müsste er schon längst um 12:13h am Ausfahrtssignal vorbeigekommen sein – da er das nicht ist, wüßte das System bei halbwegs intelligenter Programmierung, dass die Verspätung nun mindestens +7 beträgt, um 12:14 mindestens +8,… und um 12:17 müßte das System mangels seit 11 Minuten erwarteter Vorbeifahrt schon VOR der Vorbeifahrt +11 melden.

Mit solch simplen Mitteln könnte man die Information für den Kunden schon erheblich zuverlässiger machen:

Ich hetze oft zum Bahnhof, um die als angeblich pünktlich angezeigte BOB in Holzkirchen zu erreichen, obwohl die immer noch in Miesbach auf den Gegenzug wartet. Fast 20 Minuten nach der planmäßien Abfahrtszeit in Miesbach wird in der App und am Bahnhof in Holzkirchen dagegen immer noch +0 gemeldet; erst wenn der Gegenzug gekreuzt wurde und endlich die Abfahrt am Kreuzungsbahnhof und die Erfassung durch durch das strohdoofe System erfolgte, springt die Verspätung ZWANZIG MINUTEN NACH DER PLANMÄSSIGEN ABFAHRTSZEIT dann plötzlich von +0 auf +20. (Am Bahnhof selbst macht der mitdenkende Fahrdienstleiter zwar gelegentlich schon vorher eine Durchsage, aber vor dem Losspurten erfahre ich da natürlich nichts, und da die Info von DB-Netz kommt, auch nicht bei anderen Apps.)

In einem winzigen Schritt von Programmier-Intelligenz (einen Zug, der schon vor zwanzig Minuten hätte passieren müssen, kann ich doch unmöglich als pünktlich melden!) könnte man ja die Verspätung mindestens gemäß dem aktuellen Wert automatisch hochzählen, bis der Zug endlich erfasst wird.

Wenn ich als regelmäßiger Kunde ein solches Hochzählen der aktuellen Verspätung feststelle, kann ich natürlich von Hand die aktuelle Verspätung des Gegenzuges kontrollieren und so die tatsächlich zu erwartende Verspätung bis zur Kreuzung ausrechnen. Damit wäre mir im Vergleich zum jetzigen Zustand ja schon sehr geholfen.

In einem zweiten Schritt von programmiertechnischer Intelligenz könnte man so etwas sogar automatisieren und eine Verknüpfung der aktuellen Verspätung mit der Verspätung des Gegenzuges herstellen, auf den man gerade wartet:
Aktuelle Gegenzug-Verspätung minus planmäßige Rest-Aufenthaltszeit nach Einfahrt des Gegenzuges gleich aktuelle Verspätungs-Prognose.
Sobald sich der Gegenzug von Holzkirchen auf den Weg nach Miesbach gemacht hat, kann man schon die Verspätung des in Miesbach wartenden Zuges halbwegs verläßlich prognostizieren – und nicht erst bei Abfahrt in Miesbach 20 Minuten nach Plan dann plötzlich von +0 auf +20 springen wie z.Z.!

Aber anscheinend überfordert solch simple Logik die Programmierkompetenzen der DB-IT – oder sie müssen Wichtigeres nach Meinung der uneinsichtigen DB-Bosse erledigen wie neue Angebote oder neue Stornierungsmodalitäten mit allen Nebenwirkungen implementieren…

Ein anderer Effekt ist ein Stau vor der S-Bahn-Stammstrecke z.B. in München. Obwohl sich schon etliche S-Bahnen stauen, werden alle S-Bahnen munter weiter als pünktlich angezeigt, bis sie sich in den Stau eingefädelt haben und am Anfang der Stammstrecke erfasst wurden. Wenn innerhalb der letzten halben Stunde alle S-Bahnen sich auf der Stammstrecke etwa 10 Minuten Zusatz-Verspätung eingefahren haben, ist wohl etwas vermessen, dass bei den S-Bahnen NICHT zu erwarten, die sich gerade erst eingefädelt haben...

Haben die DB-ITler schon mal was vom Prinzip der Stau-Prognose gehört, was in Navis im Autoverkehr selbstverständlich ist? Nein? Dann empfehle ich mal Nachhilfe bei den offenbar wesentlich kompetenteren Kollegen von z.B. TomTom – die kriegen das im Echtzeitbetrieb recht gut hin!

Bahncard100Nutzer
Bahncard100Nutzer

Bahncard100Nutzer

Ebene
1
119 / 750
Punkte

Moin!

Ich kann keine Antwort geben, erlebe das Problem, das Togg hier schildert, auch immer wieder. Gerade eben wieder. Da fährt der RE 14063 mit Verspätung in Bremen Hbf ab nach Osnabrück. Er soll dort planmäßig um 15:23 ankommen und um 15:34 als RE 4460 nach Bremerhaven zurück fahren. Gegen 15:00 wird der RE 14063 mit +22 angezeigt. Das heißt, zu diesem Zeitpunkt ist bereits klar, dass der RE 4460 nicht pünktlich um 15:34 ab Osnabrück abfahren kann, sondern ca. 15 Minuten Verspätung haben wird. Eine entsprechende Prognose gibt es im DB RIS allerdings nicht. Die gibt es auch nicht bis zur Planabfahrtszeit und auch danach nicht. Ab 15:34 wird der 4460 fahrend angezeigt, aber ohne Echtzeitinformation. Um 15:46 trifft der RE 14063 dann mit +23 in Osnabrück ein. Und erst um 15:52, das dürfte der Zeitpunkt gewesen sein, an dem der RE 4460 tatsächlich am Ausfahrsignal in Osnabrück vorbei gefahren ist, taucht im RIS die Verspätung +18 auf. Meine erste Frage, wieso gab es keine Verspätungsprognose? Die hätte es spätestens ab 15:00 geben können und hätte den Kunden frühzeitig informiert. Die zweite, das System hätte doch spätestens um 15:36 merken müssen, eigentlich hätte der RE 4460 seit zwei Minuten am Ausfahrsignal Osnabrück vorbeikommen müssen. Ist er aber nicht, also hat er zwei Minuten Verspätung und das hätte auch im RIS angezeigt werden sollen. Und dann hätte die Verspätungsanzeige bis 15:52 immer um eine Minute hochgezählt werden müssen. Ist für den Kunden natürlich auch blöd, weil der nicht weiß, wie lange dieses Hochzählen noch weiter geht. Da sollte das System spätestens nach fünf Minuten dem Disponenten den Hinweis geben, du hast vergessen eine Verspätungsprognose einzugeben, hol das jetzt mal dringend nach. Viel besser wäre natürlich, andere EVUs wie die Nordwestbahn haben so etwas, eine automatische Umlaufprognose ins System zu installieren. Da macht das System vollkommen selbständig und frühzeitig die Prognosen und aktualisiert sie auch fortlaufend. Wäre schön, von der DB-Fachseite etwas zu dieser Problematik zu hören.

Übrigens, ein unter "Meine Bahn" eingestellter Verspätungsalarm für den RE 4460 kam auch nicht, ich hätte eigentlich eine Mail bekommen müssen. Bei der Streckenagent-App gab's einen Alarm, allerdings viel zu spät erst um 15:56.

Eine Frage noch an /ti. Wie stellt man hier Screenshots ein, kann dazu leider keine Informationen finden? Dann könnte ich das eben Geschilderte auch bildlich darstellen.

Gruß
BahnCard100Nutzer

Hallo Bahncard100Nutzer,

es ist korrekt, dass die Transportleitung manuell die Prognose pflegen muss, wenn die Vorleistung verspätet ist. Der DB Navigator kennt diese nicht und rechnet daher die Verspätung nicht weiter. Die Transportleitung versucht diese natürlich immer zu pflegen, wenn es nötig und möglich ist. Das systemseitige Hochrechnen der Prognosen auf die nächsten Umläufe birgt allerdings auch Risiken. Das System muss die Lenkzeiten der Lokführer z. B. berücksichtigen. Wenn dann plötzlich +30 min im DB Navigator sieht, der Zug dann aber mit +10 min ankommt, weil er in der Wende genug Puffer hatte oder ein anderer Lokführer den Zug übernehmen konnte, kann man den Zug verpassen, weil man nicht rechtzeitig am Bahnhof war und hat letztlich noch mehr (persönliche) Verspätung.

Sofern keine Echtzeitdaten/Prognosedaten im DB Navigator dargestellt werden, ist der Zug auch noch nicht unterwegs.

Bilder kann hier nur das Moderationsteam hochladen. Wenn Sie Screenshots zeigen wollen, nutzen Sie bitte ein Uploadportal und verlinken Sie das Foto. /ti

Bahncard100Nutzer
Bahncard100Nutzer

Bahncard100Nutzer

Ebene
1
119 / 750
Punkte

Moin!

Diese Ziel setzt sich die DB selbst, siehe "Meine Reise":

https://abload.de/img/beschreibungdbnavigat9ajw9.jpg

Dass die Realität anders aussieht haben Togg, Leo und ich dargestellt. Ich will das ganze nun auch noch einmal visualisieren und auf die Aussagen von ti/ (Tilo) eingehen.

Zitat /ti: "es ist korrekt, dass die Transportleitung manuell die Prognose pflegen muss, wenn die Vorleistung verspätet ist."

Es müsste jedem klar sein, dass man auf diese Weise oft keine aktuellen Prognosen liefern kann. Gerade bei Betriebsstörungen fällt eine derartige Datenflut an, die händisch gar nicht zu bewältigen ist. Aber auch im Normalbetrieb gibt es oft keine Prognosen, obwohl schon längst feststeht, dass der Zug verspätet fahren wird:

https://abload.de/img/bahnhofdeho15176ojfe.jpg

Der RE9, Ankunft 15:23, endet in Osnabrück und fährt planmäßig um 15:34 zurück nach Bremerhaven. Und wenn, wie hier zu sehen ist, der ankommende Zug mit ca. +20 prognostiziert wird, wird der abfahrende Zug mit ca. +15 abfahren müssen. Angezeigt wird dies aber nicht und der Kunde wird davon ausgehen, dass er pünktlich fahren wird.

In der DB-Fahrplanauskunft, und damit auch im DB Navigator, sieht das so aus:

https://abload.de/img/140631512arj34.jpg

Ankunftsprognose 15:46

https://abload.de/img/44601513lak8e.jpg

Abfahrtsprognose Fehlanzeige, obwohl schon längst feststeht, dass der RE 4460 erst gegen 15:50 wird abfahren können.

Drei Minuten vor Abfahrt des RE9 um 15:34 gibt es immer noch keine Prognose:

https://abload.de/img/bahnhofdeho15317ekqe.jpg

Zitat /ti: "Die Transportleitung versucht diese natürlich immer zu pflegen, wenn es nötig und möglich ist"

Hier wäre es nötig gewesen und im Prinzip auch möglich gewesen, die Prognose zu pflegen, da die Verspätung der Vorleistung schon seit langem bekannt war. Wurde sie aber nicht. Und dies ist kein Einzelfall, sondern immer wieder zu sehen. Am gleichen Tag noch mindestens zweimal beim RE9. Ein eindeutiges Zeichen, dass es mit der händischen Prognose nicht funktioniert und sie damit immer wieder für keine, schlechte und nicht aktuelle Fahrgastinformation sorgt.

Zitat /ti: " Der DB Navigator kennt diese nicht und rechnet daher die Verspätung nicht weiter."

Nach meiner Kenntnis ist der DB Navigator ein reines Anzeigemedium und berechnet selbst nichts. Er zeigt Daten an, die ihm aus Vorsystemen geliefert werden. In diesem Fall dürften die Daten aus dem Betriebsleitsystem kommen. Und da im Betriebsleitsystem vermutlich keine automatische Umlaufprognose implementiert ist, wird auch keine Folgeverspätung für den RE9 um 15:34 berechnet und angezeigt. Und so kommt es dann in Verbindung mit der fehlenden händischen Prognose zu dieser Falschinformation für die Fahrgäste.

Zitat /ti: " Das systemseitige Hochrechnen der Prognosen auf die nächsten Umläufe birgt allerdings auch Risiken. Das System muss die Lenkzeiten der Lokführer z. B. berücksichtigen. Wenn dann plötzlich +30 min im DB Navigator sieht, der Zug dann aber mit +10 min ankommt, weil er in der Wende genug Puffer hatte oder ein anderer Lokführer den Zug übernehmen konnte, kann man den Zug verpassen, weil man nicht rechtzeitig am Bahnhof war und hat letztlich noch mehr (persönliche) Verspätung."

Der Normalfall bei der RE9-Wende in Osnabrück ist wie bei allen Kurzwenden der, dass der ankommende Lokführer wieder zurück fährt oder er hat Pause oder Feierabend und ein anderer Lokführer fährt zurück. Unter Berücksichtigung, dass die Fahrgäste ein- und aussteigen müssen (eventuell auch Rollstuhlfahrer) und der Lokführer vom Führerstand im Steuerwagen zum Führerstand der Lok am anderen Zugende wechseln muss, oder der neue Lokführer den Zug übernehmen muss, kann man wohl grundsätzlich von einer Wendezeit von fünf Minuten ausgehen. Das wäre der Normallfall, der wahrscheinlich in 90% der Fälle zutrifft und den man im Betriebsleitsystem programmieren könnte. In außerplanmäßigen Fällen, der Lokführer muss z.B. eine längere Lenkzeitpause nach Ankunft in Osnabrück einlegen, oder der ablösende Lokführer ist nicht da und es muss auf einen anderen gewartet werden, wird die Transportleitung rechtzeitig darüber informiert sein. Alles andere wäre traurig. Und in solchen Fällen muss dann natürlich von Hand eingegriffen werden, das lässt sich nicht automatisieren. Nur sind das Einzelfälle und das stellt nicht den Normalfall dar.

Zitat /ti: " Wenn dann plötzlich +30 min im DB Navigator sieht, der Zug dann aber mit +10 min ankommt, weil er in der Wende genug Puffer hatte"

Wenn das passiert, ist die Wendezeit im Betriebsleitsystem falsch programmiert und gehört korrigiert.

Zitat /ti: " Sofern keine Echtzeitdaten/Prognosedaten im DB Navigator dargestellt werden, ist der Zug auch noch nicht unterwegs."

Dazu gibt es auf inside.bahn aber eine andere Information:

https://abload.de/img/beschreibungdbnavigatn0j6m.jpg

Das heißt für mich, wenn keine Echtzeitdaten und Prognosen zu sehen sind, liegen keine Echtzeitdaten vor. Deswegen kann der Zug aber trotzdem unterwegs sein und die Echtzeitdaten fehlen aufgrund eines technischen Fehlers im System. Also, das muss man differenziert sehen.

Dieses Bild

https://abload.de/img/4460154037kwx.jpg

lässt mich als Kunden demnach rätseln, der Zug müsste in Osnabrück abgefahren sein, es gibt aber keine Echtzeitinformation. Warum? Ist das Echtzeitsystem gestört, aber der Zug fährt? Oder fährt der Zug gar nicht? Ich bin also im unklaren.

Das Bild zeigt auch einen zweiten Fehler im System auf. Den hat Leo auch schon beschrieben. Bei pünktlicher Abfahrt in Osnabrück hätte der Zug spätestens um 15:35 am ersten Messpunkt, dem Ausfahrtsignal vorbei kommen müssen und eine Positionsmeldung liefern müssen. Da das System aber so programmiert ist, dass es nicht in der Lage ist, eine ausbleibende Positionsmeldung zu interpretieren, ist hier auch keine Verspätungsanzeige zu sehen. Wenn das System richtig funktionieren würde, müsste zu diesem Zeitpunkt eine +6 zu sehen sein und der Kunde wäre korrekt und aktuell informiert.

Auch um 15:53 gibt es immer noch keine Verspätungsanzeige:

https://abload.de/img/446015531rkew.jpg

Erst eine Minute später kommt sie dann mit +18:

https://abload.de/img/44601554e4j3v.jpg

Dass diese Verspätung auftreten wird, ist seit mindestens 40 Minuten bekannt, angezeigt wird sie aber erst jetzt, viel zu spät.

Noch einmal zur Erinnerung:

https://abload.de/img/dbnavigatorlxko9.jpg

Übrigens, ein unter "Meine Bahn" eingestellter Verspätungsalarm, hat, wie immer in der jüngeren Vergangenheit nicht funktioniert. Das müsste auch mal überprüft werden. Ein in der App Streckenagent eingestellter Verspätungsalarm kam, allerdings auch viel zu spät, erst um 15:56.

Gruß vom BahnCard100Nutzer

Leo
Leo

Leo

Ebene
4
5000 / 5000
Punkte

"Wenn dann plötzlich +30 min im DB Navigator sieht, der Zug dann aber mit +10 min ankommt, weil er in der Wende genug Puffer hatte oder ein anderer Lokführer den Zug übernehmen konnte, kann man den Zug verpassen, weil man nicht rechtzeitig am Bahnhof war und hat letztlich noch mehr (persönliche) Verspätung."

Das Problem hatte ich schon gelöst:

"In einem zweiten Schritt von programmiertechnischer Intelligenz könnte man so etwas sogar automatisieren und eine Verknüpfung der aktuellen Verspätung mit der Verspätung des Gegenzuges herstellen, auf den man gerade wartet:
Aktuelle Gegenzug-Verspätung minus planmäßige Rest-Aufenthaltszeit nach Einfahrt des Gegenzuges gleich aktuelle Verspätungs-Prognose. "

Bei einer Wendeist der Zug sein eigener Gegenzug, der Rest läuft nach intelligentem Schema F, wie angegeben:

Also +30 (aktuelle Verspätung) -20 (planmäßige Standzeit an der Endstation) = +10

Die Prognose ist eher zu pessimistisch, weil ja die minimale Wendezeit hier mit 0 angenommen wird, wenn der Zug erst nach der planmäßigen Abfahrtszeit ankommt. (In einer Ausbaustufe dann in diesem Fall gerne +3 oder so für diesen Effekt:)

Also bitte keine Ausreden!

Guten Abend Bahncard100Nutzer, ich verstehe Ihre Punkte und auch die Kritik an der vorher fehlenden Info. Das Beispiel ist hier auch sehr gut. Die Info von meinem Kollegen ist jedoch nicht falsch, als er sagte "Sofern keine Echtzeitdaten/Prognosedaten im DB Navigator dargestellt werden, ist der Zug auch noch nicht unterwegs." Normalerweise fährt der Zug über einen Signalpunkt und die Daten werden ins System gespielt. Vor der Abfahrt kann auch noch keine automatische Info erfolgen, da er nicht über einen Signalpunkt gefahren ist. Ja, es gibt durchaus auch mal ein technisches Problem, dass keine Echtzeitdaten vom Zug geliefert werden, aber das ist nicht die Regel, wenn nichts angezeigt wird.
Letztendlich ist es auch der Grund, warum nicht automatisch schon früh genug angezeigt wird, ob der Zug Verspätung haben wird, wenn es nicht manuell eingepflegt wurde. Die Daten aus der Vorleistung werden nicht automatisch gezogen. Ob generell eine Verknüpfung im Hintergrund über die ganzen Vorleistungen gegeben werden kann, kann ich nicht sagen, so wie es Leo an sich als guten Vorschlag genannt hatte.
Solange es jedoch keine Lösung gibt, muss es vor dem Start manuell eingetragen werden, oder aber automatisch, wenn der Zug über den ersten Signalpunkt fährt. /no