Frage beantwortet

Warum gibt es keinen morgendlichen Zug von NRW nach Erfurt?

Die DB preist ja gerne die Vorteile der Bahn als Verkehrsmittel für Geschäftsreisen an (siehe z. B. https://www.bahn.de/p/view/service/geschaeftsreisen/index...). Wenn ich mir aber die Verbindungen von NRW nach Erfurt anschaue, frage ich mich, wie man diese als Geschäftsreisender sinnvoll nutzen soll. Der erste umsteigefreie Zug nach Erfurt fährt in Dortmund erst um 10:43 ab. Die Ankunft in Erfurt ist erst nach 14:30. Obwohl die Fahrzeit nur knapp 4 Stunden beträgt ist es unmöglich einen Tagestermin mit dem Zug wahrzunehmen, denn der letzte Zug von Erfurt nach NRW fährt schon um 13:18 ab, also bevor der erste Zug aus NRW überhaupt angekommen ist. Eine Ausnahme gibt es nur am Freitag und Sonntag.
Wenn die DB auf dieser Strecke eine Alternative zum Auto sein soll, wäre ein morgendlicher Zug von NRW nach Erfurt (Abfahrt Dortmund z. B. 7:43) und eine tägliche abendliche Verbindung von Erfurt nach NRW (Abfahrt Erfurt so zwischen 17:00 und 18:00) unbedingt erforderlich. Mich interessiert, warum es solche Züge nicht gibt.

Mir ist klar, dass man mit Umsteigen auch zu anderen Uhrzeiten fahren kann. Diese Verbindungen sind für mich aber keine Alternative, weil

  • ich die Zeit des Umsteigens nicht fürs Arbeiten nutzen kann,
  • diese Verbindungen alle länger dauern und
  • ich bei der Pünktlichkeit der DB bei meiner Planung eigentlich immer davon ausgehen muss, dass ein Anschluss nicht klappt.

Br624
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Sparflieger
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Die damaligen IC mussten dem neuen RRX Konzept weichen. Ein stündlicher RE und ein zweistündlich IC mit fast gleichen Unterwegshalten gibt diese Strecke nicht her, daher hat man sich für den RRX entschieden.

Hierzu gib es einen Beitrag unter
.
https://inside.bahn.de/winterfahrplan/?dbkanal_007=L01_S0...

Sehen Sie sich bitte den Beitrag vom 25.10.2016 um 19:43 an, die Antwort stammt sogar von /si

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maverick1411
maverick1411

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Ich habe jetzt beispielhaft für den 15.01. geschaut.
Die Verbindung Dortmund Hbf --> Erfurt Hbf wird schon ab 6 Uhr angeboten und das im 20/30 Minutenrhythmus.
Umsteigefrei wären hier 6:23, 6:39, 7:25, 8:39.
Also Verbindungen gibt's genug.

Ebenso von Erfurt Hbf --> Dortmund Hbf, auch hier werden Verbindungen im 30/60 Minutenrhythmus angeboten
Hier wären umsteigefrei 17:30, 18:33, 18:50 usw.

Br624
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Ich habe mir die Verbindungen mal angeschaut. Diese dauern alle mindestens 30 Minuten länger als die Fahrt mit dem direkten IC und dieser hat mit knapp 4 Stunden schon keine attraktive Fahrzeit. Insbesondere ist bei allen Verbindungen aber mindestens ein Umstieg erforderlich. Das macht sie für mich (und auch viele andere Reisende) sehr unattaktiv.

Bahnfrosch
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"ich die Zeit des Umsteigens nicht fürs Arbeiten nutzen kann,"

--->Hoffentlich. Mich stören diese tastenklappernden Yuppies, welche denken, der Zug gehört ihnen alleine und einen 4er-Platz für sich alleine nutzen und denken, die ZuB's sind ihre Leibeigenen auch... ;)

maverick1411
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maverick1411

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Hmm.. dass es Alternativen gibt, hast du ja auch festgestellt. Natürlich kann man es nie einen recht machen. Mit einem Umstieg (hatte mich oben vertan) kann man aber m.W. gut leben.

Mit dem Auto wäre ein Arbeiten auch nicht möglich, sofern man selbst der Fahrer ist.

Letztlich wird es für dich dann keine attraktiven Verbindungen geben.

DB
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Hallo Br624,
Sie haben ja bereits einige Antworten erhalten. Danke dafür an maverick1411.

Ich vermute, Sie sprechen die Fahrplanveränderung seit dem Fahrplanwechsel im Dezember an. Leider ist es so, dass sich nicht alle Veränderungen für jeden Fahrgast positiv auswirken. /si

Br624
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Br624

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Guten Tag si,

die sehr deutlichen Einschnitte auf der Strecke Düsseldorf - Hamm - Kassel-Wilhelmshöhe - Erfurt - ... liegen schon einige Jahre zurück. 2006 zum Beispiel fuhr der erste Zug ab Dortmund um 4:43. Danach fuhr ca. alle 2 Stunden ein Zug. Man konnte Erfurt also sogar vor 9:00 Uhr erreichen. Der letzte Zug von Erfurt nach NRW fuhr um 19:30 ab. Auch in der Richtung gab es einen ungefähren 2-Stunden-Takt. Einen Tagestermin in Erfurt konnte man bequem per Bahn wahrnehmen.
Dass sich nicht alle Fahrplanänderungen für jeden Fahrgast positiv auswirken, ist mir klar. Von dem Kahlschlag auf dieser Strecke dürfte aber wohl kaum jemand profitiert haben. Dabei geht es auch nicht nur um Dortmund und Erfurt, sondern auch um andere Städte, die jetzt schlechter erreichbar sind. Dass einzelne Züge eingestellt werden, weil sie sich nicht lohnen, kann ich ja noch verstehen. Warum die DB auf der Strecke nicht zumindest einen weiteren Zug am Morgen und einen Abend einsetzt, sodass man auch als Geschäftsreisender wenigsten eine sinnvolle Verbindung vorfindet, würde ich wirklich gerne wissen. Wenn man sich die Verbindungen von München, Berlin und Frankfurt nach Erfurt anschaut, muss man ja wohl zur Erkenntnis kommen, dass Erfurt als Reiseziel durchaus ein gewisses Potential bietet.

DB
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Vielleicht ist der folgende Artikel interessant für Sie: https://inside.bahn.de/der-fahrplan/
Und auch hier gibt es mehr Infos: https://www.deutschebahn.com/pr-leipzig-de/aktuell/presse...
/si

Sparflieger
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Die damaligen IC mussten dem neuen RRX Konzept weichen. Ein stündlicher RE und ein zweistündlich IC mit fast gleichen Unterwegshalten gibt diese Strecke nicht her, daher hat man sich für den RRX entschieden.

Hierzu gib es einen Beitrag unter
.
https://inside.bahn.de/winterfahrplan/?dbkanal_007=L01_S0...

Sehen Sie sich bitte den Beitrag vom 25.10.2016 um 19:43 an, die Antwort stammt sogar von /si

Leo
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„Wenn man sich die Verbindungen von München, Berlin und Frankfurt nach Erfurt anschaut, muss man ja wohl zur Erkenntnis kommen, dass Erfurt als Reiseziel durchaus ein gewisses Potential bietet.“

Soso! Die Frage ist nur, wieviele Leute wirklich in Erfurt EIN- und AUS-Steigen, ohne diejenigen, die hier nur Umsteigen statt früher in Naumburg oder Leipzig.

Da wurde in bewährter Manier möglichst viel Geld verschleudert, um Politiker zu bedienen:

https://www.welt.de/wirtschaft/article171431132/Die-Beule...

Zitate:

„Die Beule in der neuen Rennstrecke kostet 20 Minuten und 2 Milliarden

Nur einer fehlt: Bernhard Vogel. „Ich bin nicht eingeladen“, sagt der 84-Jährige. Der Mann, der zwölf Jahre Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz war und elf Jahre in Thüringen. „Warum, weiß ich auch nicht“, sagt Vogel. Dabei hätte es die 623 Kilometer lange ICE-Strecke ohne ihn so nie gegeben.

VDE 8 ist ein weiteres Beispiel dafür, wie Milliardenvorhaben aus dem Ruder laufen, wenn die Politik mit am Planungstisch sitzt. „Diese Hochgeschwindigkeitsstrecke hätte Jahre früher fertig sein und Milliarden Euro billiger werden können. Und trotzdem wären die Züge noch schneller von Berlin nach München“, sagt Martin Vieregg.
Der Mann muss es eigentlich wissen. Vieregg ist Betriebswirt, Schienenexperte und leitet eine Verkehrsberatung. Anfang der 1990er-Jahre hatte er eine Route für die Rennstrecke ausgearbeitet, die sich an der Luftlinie zwischen beiden Metropolen orientiert. Im Auftrag der Bahn. Als sie fertig war, wollte das Unternehmen nichts mehr davon wissen.
Denn in der Zwischenzeit war Bernhard Vogel aktiv geworden. Der hatte als Ministerpräsident Thüringens einen Umweg über die Landeshauptstadt durchgesetzt – die „Erfurter Beule“. Und deshalb gibt es jetzt zwar viele Passagiere, die sich über die schnellere Verbindung als früher freuen. Aber es hätte noch schneller gehen können.
Eine Stadt ohne Fernverkehrsanbindung
Und es gibt viele, die diese Strecke zu Verlierern macht. Sie sitzen dort, wo die Streckenführung am sinnvollsten gewesen wäre, wo man sie politisch aber nicht haben wollte. An der Nahtstelle von Sachsen und Thüringen. Und ganz besonders in Gera.

Steuerzahler wird unnötig belastet
„Die Umweg-Linienführung und die Umfahrung der Bevölkerungsschwerpunkte bewirken, dass nur rund sechs Millionen Reisende pro Jahr die neue Bahnstrecke benutzen werden“, schreiben die Autoren der Denkschrift unter Verweis auf mehrere Studien. Fazit des Papiers, das das Büro Vieregg ausgearbeitet hatte: „Der geringe Nutzen des Projektes (VDE8) führt in Kombination mit den daraus resultierenden hohen Kosten zu einer äußerst mangelhaften Wirtschaftlichkeit, so dass der Steuerzahler über Jahrzehnte unnötig belastet wird.““

Also: Nur damit Erfurt nicht nur mit einer ICE-Strecke (Frankfurt-Leipzig-Dresden), sondern unbedingt landeshauptstätisch-standesgemäß mit zwei ICE-Strecken verknüpft wird, hat man Jena und Gera komplett vom Fernverkehr abgekoppelt – und ist dank 2 Mio Euro Mehraufwand 20 Minuten länger unterwegs zwischen Berlin und München!
Aber immerhin können da auch Güterzüge fahren, mit Tücken:
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-81136870.html
Zitat: „Ein KCW-Experte bezeichnete Deutschlands teure ICE-Trassen unlängst als "Neuschwanstein der Moderne".“
So ein Eingehen auf Politiker-Wünsche hat ja durchaus Tradition – zwischen Köln und Frankfurt. Die NRW-Wünsche konnte man ja noch recht günstig durch die Umbenneng des Bahnhofs Siegburg erfüllen, aber die Wünsche von Rheinland-Pfalz und Hessen wurden etwas teurer:

https://www.zeit.de/2001/31/Operation_Groessenwahn/komple...

Sparflieger
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@Leo

Zum Thema Erfurt und VDE8 gibt es folgende Meldung

https://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?002,8785887

Br624
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Guten Tag Sparflieger,
danke für die Antwort und den Link.

Grundsätzlich finde ich ja es gut, wenn es ein zweichen Nah- und Fernverkehr abgestimmtes Konzept gibt. In diesem Fall hat das aber leider zu erheblichen Nahchteilen für die bisherigen Fernverkehrskunden geführt. Insgesamt werde ich den Eindruck nicht los, dass die DB auf der Strecke Hamm - Paderborn - Kassel-Wilhelmshöhe - Erfurt kein besonders großes Interesse an ihren Fahrgästen hat. Zwischen Hamm und Kassel-Wilhelmshöhe kann man immerhin noch die Nahverkehrszüge von Abellio nutzen. Zwischen Kassel-Wilhelmshöhe und Erfurt sind die Nahverkehrszüge merklich länger als der Fernverkehr unterwegs und scheiden als Alternative deswegen leider häufig aus.
Ich finde es schade, dass sich die Situation auf absehbare Zeit wohl auch nicht verbessern wird.