Diese Frage wartet auf Beantwortung

Zugbindung, Verspätung von 19min ?

Mir ist unklar, auf welcher Grundlage (Fahrgastrechte oder Beförderungsbedingungen)
es eine Weiterfahrt im folgenden Fall gibt (Hinweis: das ist nur ein hypothetisches
Beispiel, ähnliches ist mir aber schon mal passiert).

Geplant ist eine Fahrt von Lübben nach Erfurt via Berlin, z.B.:
Lübben(Spreewald) ab 09:26
Berlin Ostkreuz an 10:08

Berlin Ostkreuz (S) ab 10:16
Berlin Südkreuz (S) an 10:30

Berlin Südkreuz ab 10:37 mit ICE 507
Erfurt Hbf an 12:29

Angenommen, der RE der ODEG aus Lübben hat Verspätung und die S-Bahn am Ostkreuz
wird nicht mehr erreicht, und deshalb der ICE507 nicht mehr erreicht wird.

Dann bestünde als nächte Reisemöglichkeit nach Erfurt:

Berlin Südkreuz ab 11:11 mit ICE 1632
Erfurt Hbf an 12:48

Ich wäre dann 19min später als geplant in Erfurt.

Jetzt die Fragen dazu:

1) Nach Aufdruck auf dem Online-Ticket gilt:
"Bei einer zu erwartenden Verspätung ab 20 Minuten am Zielbahnhof Ihrer Fahrkarte ist die Zugbindung Ihrer Fahrt ohne besondere
Bescheinigung aufgehoben."

Da die Verspätung aber nur 19min beträgt, ist demnach die Zugbindung nicht automatisch aufgehoben.

2) Nach der Defintion von "Zugbindung" auf https://www.bahn.de/faq/view/pk/de/buchung/zugbindung.shtml gilt:
"Aufhebung der Zugbindung bei Verspätung
Wenn Sie durch Verschulden der DB Ihren Anschlusszug nicht erwischen oder
allgemein eine Verspätung von mehr als 20 Minuten erwartet werden muss, wird die Zugbindung automatisch aufgehoben."

Da es in diesem Fall kein Verschulden der DB, sondern der ODEG (z.B. verspätete Bereitstellung des Zuges) ist, ist auch
hier die automatische Zugbindung nicht gegeben.

Ist es dann so, dass eine "manuelle" Aufhebung der Zugbindung durch DB-Information oder Zugbegleiter nötig ist?
Und wenn das so ist, wo ist das dokumentiert?

buenavista
buenavista

buenavista

Ebene
3
3493 / 5000
Punkte

Antworten

Raceroaer
Raceroaer

Raceroaer

Ebene
4
5000 / 5000
Punkte

Nein, die Zugbindung ist ab 20 Minuten aufgehoben und nicht nach 19 Minuten. Das wird Ihnen auch die DB Information so mitteilen und Sie sind an die auf dem Ticket gebuchten Züge (Fernverkehr) gebunden.

Beste Grüße

Sparflieger
Sparflieger

Sparflieger

Ebene
4
5000 / 5000
Punkte

Dies bedeutet dann ja, dass buenavista sich ohne eigenes Verschulden eine neue Fahrkarte kaufen muss und das Geld im Schornstein gelandet ist.

Es gibt dazu noch folgende Veröffentlichung ohne Eingrenzung auf 20 Minuten

https://inside.bahn.de/zugbindung-sparpreis/

Wobei es egal ist, durch welches EVU die Verspätung verursacht wurde.

Das ist quatsch. Sie haben gebucht mit Zugbindung ICE 507. Sollten sie diesen Anschluss wegen Verspätung der Regionalzüge im Vorlauf in Berlin Südkreuz nicht erreichen, ist die Zugbindung automatisch aufgehoben, unabhängig, wann sie am Endziel in Erfurt ankommen. Da gibt es keine 20 Minuten Regel. Wie sollen sie sonst in Südkreuz wegkommen, ohne einen anderen Zug zu nehmen? Ob sie dann einen Zug nehmen, der schneller fährt oder nicht, ist alleine ihre Entscheidung und hat nix mit der Aufhebung einer Zugbindung zu tun.

Ob der Schuldige die DB oder die ODEG ist, hat den Kunden nicht zu interessieren. Alle Verkehrsunternehmen haben die gleichen EU-Fahrgastrechte anzuwenden. Die DB verrechnet dann die Ausgleichszahlungen intern mit der ODEG, ohne dass das Kunde mitbekommt.

Elementarteilchen
Elementarteilchen

Elementarteilchen

Ebene
4
5000 / 5000
Punkte

Die 20min-Regel gilt immer bezüglich der konkret gebuchten Verbindung und bzgl. Zielbahnhof.
D.h. wenn sie wie gebucht fahren, und dann wegen Verspätungen mit den gebuchten Zügen mindestens 20 min später ankommen würden, ist die Zugbindung aufgehoben. Ist die Verspätung so gross, dass einer der gebuchten Züge gar nicht mehr erreicht werden kann, ist die Verspätung am Ziel zwangsläufig unendlich (und damit größer als 20 min). Die Zugbindung ist hier natürlich auch aufgehoben, denn sie können in dem Fall so wie gebucht gar nicht ankommen.

Generell gilt diese Regel aber nur, wenn die komplette Reise auf einem Ticket gebucht ist, nicht bei gestückelten Tickets. Ist alles mit einem Ticket abgedeckt, spielt es dann auch keine Rolle, welche Eisenbahnunternehmen die einzelnen Züge stellen.

Eine explizite Aufhebung der Zugbindung durch Stempel auf dem Ticket am Bahnhof ist generell nicht nötig (oft hat man keine Zeit sich am Bahnhof anzustellen, oder es gibt gar keinen (offenen) Schalter/Info-Point mehr), kann allerdings durchaus nützlich sein, wenn man sich nicht sicher ist.

DB
DB

DB

Ebene
4
5000 / 5000
Punkte
Team

Hallo Sparflieger, Drehrumbum und Elementarteilchen,

danke für die richtigen Antworten. /ka

DB
DB

DB

Ebene
4
5000 / 5000
Punkte
Team

Hallo buenavista,

die Antwort von Raceroaer stimmt leider nicht. Die nachfolgenden Informationen der Community sind richtig.

Entscheidend ist die Ausstellung der Fahrkarte, komplett oder getrennt.
Haben Sie eine Fahrkarte zum Sparpreis über die komplette Strecke gebucht und Sie erreichen aus Bahnverschulden Ihren gebuchten Fernverkehrszug nicht, ist die Zugbindung aufgehoben und Sie können den nächsten Zug (auch höherwertig) für die Weiterfahrt nutzen. /ka

buenavista
buenavista

buenavista

Ebene
3
3493 / 5000
Punkte

Hallo *,
vielen Dank für die Informationen.

Jetzt noch eine Zusatzfrage:
Wenn ich z.B. am Einsteigebahnhof in Lübben schon weiss (z.B. wegen verspäteter Bereitstellung des Zuges), dass ich den Anschluss in Berlin nicht erreiche, könnte ich dann auch z.B. auf einer anderen Strecke -via Cottbus und Leipzig- nach Erfurt fahren, obwohl es die Verbindung mit 19min verspäteter Ankunft und Umstieg in Berlin gibt ?

"Weiterreise mit geänderter Streckenführung" setzt ja nach den Fahrgastrechten eigentlich ein Verspätung von 20min voraus, die ich aber bei Fahrt über Berlin dann nicht hätte.

Die 20 Minuten Verspätung beziehen sich auf den Zielbahnhof, d.h. hier Erfurt. Wenn Erfurt 20 Minuten später erreicht wird, ist die Zugbindung aufgehoben. Wenn ein Anschlusszug verpasst wird ist es egal, wieviel Minuten Verspätung daran schuld sind. Wenn Sie den ICE 507 nicht erreichen können, besteht keine Zugbindung mehr. Für einen anderen Zug hat es doch nie eine Zugbindung gegeben.

Ansonsten siehe auch hier:
https://community.bahn.de/questions/1850063-gilt-aufhebun...

DB
DB

DB

Ebene
4
5000 / 5000
Punkte
Team

Hallo buenavista,

die Antwort von Joeopitz ist korrekt.
Empfehlenswert ist in diesem Fall, das Gültigschreiben der Fahrkarte durch einen DB Mitarbeiter. /ka

Wenn ich in einem Zug sitze und eine dafür gültige Fahrkarte vorweisen kann und es ergibt sich eine reale oder erwartete Verspätung am Ziel von 20 Minuten oder mehr, dann wird eine (vorhandene) Zugbindung automatisch aufgehoben - unabhängig davon, ob es sich nun um die konkret gebuchte Verbindung handelt oder nicht.
Ansonsten könnte es ja sein, dass ich in einem Nahverkehrszug sitze, der Stunden lang Verspätung hat, und dieser ständig von ICEs und ICs überholt wird. In diese darf ich dann sicher beim nächsten Bahnhof einsteigen.