Frage beantwortet

Zugbindung - Nahverkehr - Verspätung

Hallo Community,

ich habe eine Frage zu folgender Konstellation:

Folgende Verbindung wurde gebucht (Sparpreis): IC -> ICE -> ME

Eine Woche vor Fahrtantritt steht fest: IC fährt pünktlich, ICE kommt wegen Fahrplanänderung 9 min. verspätet an, ME würde verpasst. Stattdessen könnte man aber mit einer S-Bahn das Ziel mit insgesamt 14 min. Verspätung erreichen.

Wird die Zugbindung, weil die Verbindung, so wie ich sie gebucht habe, nicht mehr besteht, komplett aufgehoben? Oder muss ich mit IC und ICE fahren, weil ich mit dem nicht-zuggebundenen Nahverkehr mein Ziel anderweitig mit weniger als 20 min. Verspätung erreichen kann?

Vielen Dank für eine Auskunft!
Winfried

Die Antwort wurde von DB Bahn bestätigt
kabo
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Hier ist aber die Besonderheit, dass die gebuchte Verbindung zwar nicht mehr besteht, aber dennoch das Ziel mit weniger(!) als 20min Verspätung erreicht wird.
Und da besteht zumindest nach den aktuellen Beförderungsbedingungen kein Anspruch auf Aufhebung der Zugbindung.

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Weitere Antworten

Hallo Winfried,

Deine Frage wurde hier schon mehrere Male beantwortet - wenn wegen einer Fahrplanänderung (oder durch ungeplante, aber bei Reiseantritt schon absehbare Verzögerungen am Reisetag) die Verbindung, die Du gebucht hast, so nicht mehr besteht, Du also mit genau den Zügen, die in Deinem Reiseplan stehen, gar nicht oder erst mit mehr als 20 Minuten Verspätung an Dein Ziel kommst, ist die Zugbindung aufgehoben. Du musst nicht nachforschen, welcher Zug ausfällt oder Verspätung hat, oder welcher Anschluss durch eine Verspätung verpasst wird - deshalb ist es auch egal, ob es sich bei dem verspäteten/ausgefallenen/nicht mehr erreichbaren Zug um einen Nahverkehrs- oder einen Fernzug handelt.

Gute Reise!

kabo
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Hier ist aber die Besonderheit, dass die gebuchte Verbindung zwar nicht mehr besteht, aber dennoch das Ziel mit weniger(!) als 20min Verspätung erreicht wird.
Und da besteht zumindest nach den aktuellen Beförderungsbedingungen kein Anspruch auf Aufhebung der Zugbindung.

Hallo kabo und DB Bahn,

warum hat die Bahn in dem Thread https://community.bahn.de/questions/1588661-unklarheiten-... dann Folgendes geschrieben:

"Wenn Sie ein Ticket buchen und es ändert sich etwas in der Planung, sodass die Verbindung, so wie gebucht, nicht mehr besteht, dann ist ebenfalls die Zugbindung aufgehoben. Wenn Sie also auf bahn.de die Verbindung so eingeben, wie Sie es vorher gemacht haben und diese steht nicht mehr zur Verfügung, dann sind Sie nicht verpflichtet, zu schauen, was mit den einzelnen Zügen jetzt genau ist. Manchmal kann es nur eine kleine Zeitanpassung sein, sodass der eine Anschluss nicht mehr erreicht werden kann und schon wird die Verbindung nicht angeboten."

Und wo in den Beförderungsbedingungen steht das genau? Ich lese nur Folgendes:

"9.1.1 Muss vernünftigerweise davon ausgegangen werden, dass der Reisende mit einer
Fahrkarte der Produktklassen ICE, IC/EC oder mit einer zuggebundenen Fahrkarte am
Zielbahnhof gemäß Beförderungsvertrag mindestens 20 Minuten verspätet ankommen wird,
hat er unverzüglich die Wahl zwischen (i) der Fortsetzung der Fahrt oder der Weiterreise mit geänderter Streckenführung bis zum Zielbahnhof bei nächster Gelegenheit oder (ii) der
Fortsetzung der Fahrt oder der Weiterreise mit geänderter Streckenführung bis zum
Zielbahnhof zu einem späteren Zeitpunkt."

"Gemäß Beförderungsvertrag" komme ich bei einem absehbaren Verpassen eines Anschlusses überhaupt nicht ans Ziel - sondern eben nur mit veränderter Streckenführung (z.B. S-Bahn statt RE). Dann habe ich laut Beförderungsbedingungen aber auch die Wahl, gänzlich anders (also ohne Zugbindung) zum Ziel zu reisen.

Welche DB Bahn hat nun recht? Viele Grüße!

Also wenn mich die Bahn nicht mit genau den Zügen, die auf meinem Ticket stehen, mit maximal 20 Minuten Verspätung an mein Ziel befördert, erfüllt sie ihren Beförderungsvertrag nicht (der umfasst laut Beförderungsbedingungen auch nicht nur ICs und ICEs, sondern alle Züge bis zum "Zielbahnhof"). Wenn ich das schon vor Fahrtantritt weiß, ist es mir auch überhaupt nicht zuzumuten, selber nachzuschauen, ob ich z.B. statt zum RE zu irgendeiner S-Bahn auf einem völlig anderen Gleis hetzen muss, um noch innerhalb von 20 Minuten am Ziel anzukommen. Meiner Meinung nach haben in diesem Thread kabo und die DB Bahn unrecht.

Hallo WinLamm, vielleicht wäre es hilfreich, wenn Sie der Community einmal den vollständigen Reiseplan nennen, für die Sie eine Fahrkarte mit Zugbindung gebucht haben:

  • Reisetag, Startbahnhof, Abfahrtszeit: 
  • 1. Umsteigebahnhof mit Ankunftszeit: 
  • Abfahrtszeit des Anschlusszuges am 1. Umsteigebahnhof: 
  • 2. Umsteigebahnhof mit Ankunftszeit: 
  • Abfahrtszeit des Anschlusszuges am 2. Umsteigebahnhof: 
  • Ankunftszeit an Ihrem Zielbahnhof: 

Vielen Dank. /ch

Hallo DB Bahn,

spannend hier. Ich als Fragesteller poste mal meinen Reiseplan:

Reisetag: 27.12.2018
IC 2441
Köln Hbf ab 09:13
Hannover Hbf an 12:18

ICE 882
Hannover Hbf ab 12:36
Hamburg-Harburg an 13:42

ME 82122
Hamburg-Harburg ab 13:51
Hamburg Hbf an 14:01

Durch eine Fahrplanänderung kommt nun der ICE 882 jetzt erst um 13.51 in Hamburg-Harburg an, dadurch verpasse ich den auf meinem Ticket angegebenen Metronom, der in dieser Minute abfährt. Weil meine Fahrt (mit S-Bahn statt Metronom, die dann um 14.15 an Hamburg Hbf ankommt) nun 5.02h dauern würde, möchte ich natürlich direkt ab Köln andere Züge nehmen, bei denen die Fahrtzeit insgesamt nur 4.15h dauert.

DiaLin
DiaLin

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Also Leute, warum einfach, wenn es auch kompliziert geht…

Kommt WinLamm mit der Verbindung, die die Bahn ihm auf dem Ticket angeboten hat, ans Ziel? Nein, weil er den Metronom in Harburg nicht erreicht.

Ist die Zugbindung dann aufgehoben? Ja.

Die Bahn schreibt selber auf https://www.bahn.de/faq/view/pk/de/buchung/zugbindung.shtml:
„Wenn Sie durch Verschulden der DB Ihren Anschlusszug nicht erwischen oder allgemein eine Verspätung von mehr als 20 Minuten erwartet werden muss, wird die Zugbindung automatisch aufgehoben.“ – da steht nur „Anschlusszug“, nicht „zuggebundener Anschlusszug“ o.ä. Und das mit der „Verspätung von mehr als 20 Minuten“ gilt IMMER nur für die Züge, die auf dem Ticket des Kunden stehen. Wenn die gar nicht oder nur so fahren, dass ein anschließender Zug, der auch auf dem Ticket steht, nicht erreicht wird, ist es egal, ob man mit anderen Zügen das Ziel innerhalb von 20 Minuten erreichen kann. Wenn die DB das anders regeln wollte, müsste sie sinngemäß schreiben: „Wenn Sie durch Verschulden der DB Ihren Anschlusszug nicht erwischen UND das Ziel auch mit alternativ angebotenen Anschlusszügen nicht mit einer Verspätung von maximal 20 Minuten erreicht werden kann …“

Übrigens: Dass die Zugbindung im Nahverkehr nicht gilt, ist als Service für den Kunden gedacht, damit dieser ggf. früher und ohne Stress zum Fernverkehrszug anreisen oder sich länger am Zielbahnhof des Fernzugs aufhalten kann. Dass die Zugbindung im Nahverkehr nicht gilt, soll und kann also die Bahn nicht „entschuldigen“, den Kunden nicht wie vertraglich vereinbart zu seinem Ziel zu befördern und ihn quasi zu zwingen, sich seine veränderte Fahrtstrecke bei Fahrplanänderung selber rauszusuchen. Er kann dann an dem Tag so reisen, wie er das möchte – vom Start- bis zum endgültigen Zielbahnhof.

Wenn man das anders sieht, würde die Aufhebung der Zugbindung im Nahverkehr ja bedeuten, dass die Bahn von sich selber sagt: „Im Nahverkehr sind wir sowieso oft unpünktlich, da muss dann jeder selber sehen, wie er innerhalb von 20 Minuten an sein Ziel kommt. Wenn das irgendwie klappt, müssen wir nix zahlen/leisten/tun und er muss mit den verspäteten IC/ICE fahren.“

Ich versteh nicht, warum die Bahn hier die Antwort von kabo bestätigt hat. Viele Grüße in die Runde!

Hallo WinLamm, vielen Dank für die ergänzenden Angaben. Die Zugbindung wird für die Fernzüge nicht aufgehoben, da Sie mit weniger als 20 Minuten am Zielbahnhof ankommen werden und es statt des metronoms eine S-Bahn ab Hamburg-Harburg gibt.

Der Screenshot kann die Sache hoffentlich etwas verdeutlichen. /ch

kabo
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"Also wenn mich die Bahn nicht mit genau den Zügen, die auf meinem Ticket stehen, mit maximal 20 Minuten Verspätung an mein Ziel befördert, erfüllt sie ihren Beförderungsvertrag nicht"
-> Richtig.
Aber schauen Sie genau auf Ihr Ticket: Da steht der ME82122 nicht drauf, sondern nur "NV".
Bei einem Onlineticket ist das Ticket nur der Kasten oben links. Das was groß in der Mitte des Tickets bei "Reiseverbindung steht" ist nicht verbindlicher Bestandteil des Tickets, sondern nur eine Information (ohne rechtliche Bindungswirkung).

Der Beförderungsvertrag umfasst also die Fahrt von Köln nach Hannover mit dem IC2441, dann die Fahrt mit dem ICE882 bis Harburg und dann eine Fahrt mit einem Nahverkehrszug bis Hamburg. Diesen Vertrag kann die DB mit weniger als 20min Verspätung am Zielort erfüllen.

Ich bleibe dabei - nach dem Wortlaut der Beförderungsbedingungen besteht kein Anspruch auf Aufhebung der Zugbindung.
Allerdings klaffen bei der DB bekanntlich Theorie und Praxis auseinander.
Die Praxis zeigt, dass man in solchen Fällen wohl fast immer eine Aufhebung der Zugbindung bekommt, wenn man vorher am Servicepoint freundlich nachfragt.
Aber einfach so einen anderen Zug zu nehmen, ohne vorher einen Stempel am Servicepoint abzuholen, erscheint mir "mutig".

Hallo Christian von DB Bahn,

vielen Dank für die Bemühungen - die im Screenshot angezeigte Verbindung hatte ich ja schon selber in meiner Antwort erwähnt. Ich war in der Zwischenzeit bereits im Reisezentrum, die Zugbindung wurde aus den Gründen, die troemer, JaninaW und DiaLin genannt haben, aufgehoben.

Wie die Bahn selber schildert: ich erreiche durch das Verschulden der DB meinen "Anschlusszug" (da steht nicht "Fernverkehrszug") nicht -> Zugbindung ist aufgehoben (die Verspätung wird nur mit der Konjunktion "oder" erwähnt, also alternativ, nicht kumulativ - und gemeint ist auch nur eine eventuelle Verspätung der gebuchten Züge, nicht die Verspätung am Zielbahnhof nach Nutzung anderer Züge).

Danke für die rege Teilnahme und frohe Weihnachten!

kirroyal
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Es gibt hier einen wichtigen Punkt, der noch nicht betrachtet worden ist: Die vielzitierte "20-Minuten-Regel" ist Bestandteil der Fahrgastrechte, und diese gelten erst am Reisetag. Hier wäre dann tatsächlich der Beförderungsvertrag maßgeblich, der im Nahverkehr keine Zugbindung vorsieht.

Im hier geschilderten Fall gibt es aber eine Fahrplanänderung im Vorwege, sodass die gewünschte Verbindung nicht mehr existiert. Hier kann man sich die Fahrkarte immer für eine andere Verbindung umschreiben lassen, man könnte sogar vom Vertrag zurücktreten. Die 20 Minuten sind irrelevant, genauso die Unterscheidung, ob der Nah- oder Fernverkehrsanteil der Auslöser ist (z.B. bei Schienenersatzverkehr).

Hier
https://community.bahn.de/questions/1716643-zug-braucht-a...
wurde eine entsprechende Antwort von der DB bestätigt.

Hier
https://community.bahn.de/questions/1722654-gelten-fahrpl...
geht es um die "Grundsatzdiskussion", wann welche Rechte gelten.

Vielen Dank für die Klarstellung, kirroyal, und auch für die weiterführenden Links. Wenn ich das richtig verstehe, waren die Antworten von kabo und DB Bahn also falsch.

Wann die Fahrplanänderung (nicht unvorhergesehene Verspätung, sondern tatsächlich Änderung!) eintritt (erst am Reisetag oder schon Tage vorher), dürfte doch aber eigentlich für meine Rechte nicht von Belang sein - sonst würde das zu dem wie ich finde absurden Ergebnis führen, dass ich meine sich aus der Fahrplanänderung ergebenden Rechte (Umschreiben auf einen anderen Zug, Aufhebung der Zugbindung) nur bis einen Tag vor Reiseantritt ausüben könnte, am Reisetag selbst dann aber gezwungen wäre, die teils verspäteten Fernverkehrszüge, die auf meinem Ticket verzeichnet sind, zu nutzen, sofern ich mit einem anderen Nahverkehrszug dann meinen Zielbahnhof maximal 20 Minuten verspätet erreiche.

Zusammengefasst würde das also heißen (so ähnlich, wie troemer das in seiner ersten Antwort auch formuliert hat): Immer wenn ich in den Tagen vor meinem Reiseantritt eine Mail von verspaetungsalarm erhalte, dass sich Änderungen an meiner Verbindung ergeben haben (oder wenn ich eben selbst die Verbindungsdaten auf bahn.de eingebe und meine Verbindung nicht mehr genau so angezeigt wurde wie gebucht), kann ich sofort die Zugbindung aufheben lassen - völlig unabhängig davon, ob meine gebuchten Züge nur eine Verspätung von ein paar Minuten haben, ob ich einen Anschluss verpasse oder einer der gebuchten Züge womöglich gar nicht mehr fährt. Und ich könnte auch vollständig vom Vertrag zurücktreten und mein Geld zurückerhalten. Stimmt das so?

Hallo WinLamm, es sieht so aus, dass im Vorfeld die Zugbindung aufgehoben wird/ein Rücktritt von der Reise möglich ist, wenn der Fahrplan der beiden Fernverkehrszüge sich geändert hat. Ein Reiserücktritt am Reisetag ist nur möglich, wenn Sie aufgrund der Betriebslage mit mehr als 60 Minuten Verspätung am Zielbahnhof ankommen würden.

In Ihrem Fall bedeutet das:

  • im Vorfeld wird die Zugbindung aufgehoben oder Sie können zurücktreten
  • am Reisetag müssten Sie die Verbindung so nutzen, da Sie unterhalb der 20 Minuten bleiben

Viele Grüße /ch

Hallo zusammen,

also dass man am Geltungstag nicht mehr einfach zurücktreten kann, versteh ich noch - da braucht die Bahn Planungssicherheit, und den Rücktritt hätte man sich ja auch vorher überlegen können. Aber dass man bis einen Tag vor der Reise das Recht hat, wegen der Fahrplanänderung jeden anderen Zug zu nehmen, sich dann am Reisetag aber doch in die verspäteten Züge setzen muss, finde ich schon seltsam. Sonst steht immer überall, man könne, müsse sich aber nicht eine Bestätigung für die Aufhebung der Zugbindung im Reisezentrum holen, und hier hat man jetzt den einzigartigen Fall, dass man zwar ein Recht auf Aufhebung hat, dies aber nur bis einen Tag vor Reiseantritt. Wo steht das genau in den Beförderungsbedingungen?

Und könnten Sie dann wenigstens die Bestätigung der Antwort von kabo wieder zurücknehmen, um andere Reisende nicht zu verunsichern? Und stattdessen die letzte Antwort von Christian von DB Bahn als richtige Antwort markieren? Zumindest wenn das tatsächlich richtig sein sollte, dass WinLamm am Reisetag selbst das Recht auf Aufhebung der Zugbindung verliert, was ich immer noch nicht ganz glauben kann...

Hallo troemer,

dies steht nirgends in den Beförderungsbedingungen, da dies kein Bestandteil der Fahrgastrechte ist. Die Fahrgastrechte greifen am Geltungstag der Fahrkarte und in den Fahrgastrechten ist geregelt, dass ein Rücktritt vom Beförderungsvertrag erst ab einer zu erwartenden Verspätung von 60 Minuten möglich ist. /ti