Frage beantwortet

Fahrgastrechte bei Semesterticket mit IC-Nutzung

Hallo,

ich besitze ein Semesterticket der Uni Marburg, welches insofern außergewöhnlich ist, als dass es neben der Funktion als Netzkarte im RMV, NVV und VGWS auch in allen IC/EC-Zügen in Hessen und bis zu einigen Bahnhöfen darüber hinaus gilt. Ich fahre häufig nach Frankfurt (bzw. einer S-Bahn-Station am Rand der Stadt), gelegentlich auch nach Bensheim. Nun ist die Leistung von DB Fernverkehr auf der Main-Weser-Bahn bestenfalls unterdurchschnittlich und es kommen mit verpassten Anschlüssen mindestens alle zwei Wochen mal 60 Minuten Verspätung zusammen.

Ich habe mehrfach Fahrgastrechtsformulare ausgefüllt, davon ausgehend, dass bei einer Zeitkarte des Fernverkehrs 5 Euro pro Verspätung erstattet werden. Erhalten habe ich unterschiedlich begründete Ablehnungen, in einem Schreiben heißt es, dass der Entschädigungsbetrag unter 4 Euro liegen würde und daher nicht ausgezahlt werde (wie hoch er genau sei, stand nicht darin), in einem anderen Brief hieß es, dass es eine Regelung gebe, laut der eine Entschädigung beim Semesterticket nur gezahlt werde, falls mindestens drei Fälle in einem Kalendermonat zusammen gekommen sind. Dem Asta der Uni als Vertragspartner der DB Fernverkehr weiß von so einer Regelung nichts und war auch verwundert. Auf Anruf beim SC FGR wurde mir manchmal gar nicht geglaubt, dass es Semestertickets gebe, die im IC gültig seien, einer wollte mich überzeugen, dass das sicher nur "irgendeine begrenzte Freigaberegelung" sei (ist es definitiv nicht!) und Erstattungsregelungen des Nahverkehrs anzuwenden seien. Ein etwas kompetenterer Kollege von ihm wollte den Sachverhalt an den Kundendialog von DB Fernverkehr weiterleiten, das ist jetzt etwa einen Monat her, vom Kundendialog habe ich seitdem nichts gehört

Wie ist der Sachverhalt aus Sicht der DB zu bewerten? Falls das SC FGR die Entschädigung zurecht verweigert, wie begründen sie das Abweichen von der publizierten 5-Euro-Pauschale? Wo ist dies geregelt?

milad
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"Wo ist dies geregelt?"
Hier (https://www.bahn.de/p/view/mdb/bahnintern/agb/gesamt_2018...) ab Seite 42 "Bedingungen für das Angebot IC/EC-Semesterticket“, konkret unter Nummer 6.1, die da lautet:

(Zitat Anfang)
6.1 Für Inhaber, die innerhalb der Geltungsdauer des IC/EC-Semestertickets wiederholt Verspätungen/Anschlussverluste (mindestens 3/Monat) mit jeweils mindestens 60 Minuten erleiden, gelten die Nummern 9.2 und 9.3 BB Personenverkehr mit der Maßgabe, dass der Inhaber eine Entschädigung in Höhe von 1,30 € je Einzelfall, maximal 4 €/Monat erhält.
(Zitat Ende)

Ergo: Die Information, dass mindestens 3 Fälle pro Monat zusammenkommen müssen, um überhaupt etwas erstattet zu bekommen, war richtig. Es gibt auch nur 1,30€ Erstattung pro Fall. Und mehr als 4 Fälle pro Monat braucht man auch nicht einreichen, da mit 4 Fällen schon die Maximal-Erstattung von 4€ pro Monat erreicht wird.

Allerdings ziemlich trauriges Bild, dass weder der AStA Marburg noch DB Fernverkehr etwas von der Regelung weiß.
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"Wo ist dies geregelt?"
Hier (https://www.bahn.de/p/view/mdb/bahnintern/agb/gesamt_2018...) ab Seite 42 "Bedingungen für das Angebot IC/EC-Semesterticket“, konkret unter Nummer 6.1, die da lautet:

(Zitat Anfang)
6.1 Für Inhaber, die innerhalb der Geltungsdauer des IC/EC-Semestertickets wiederholt Verspätungen/Anschlussverluste (mindestens 3/Monat) mit jeweils mindestens 60 Minuten erleiden, gelten die Nummern 9.2 und 9.3 BB Personenverkehr mit der Maßgabe, dass der Inhaber eine Entschädigung in Höhe von 1,30 € je Einzelfall, maximal 4 €/Monat erhält.
(Zitat Ende)

Ergo: Die Information, dass mindestens 3 Fälle pro Monat zusammenkommen müssen, um überhaupt etwas erstattet zu bekommen, war richtig. Es gibt auch nur 1,30€ Erstattung pro Fall. Und mehr als 4 Fälle pro Monat braucht man auch nicht einreichen, da mit 4 Fällen schon die Maximal-Erstattung von 4€ pro Monat erreicht wird.

Allerdings ziemlich trauriges Bild, dass weder der AStA Marburg noch DB Fernverkehr etwas von der Regelung weiß.
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milad
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Vielen Dank. Jetzt stellt sich nur noch die Frage, inwiefern diese Witzsumme mit der EU-Verordnung vereinbar ist, die von einer "angemessenen Entschädigung" bei Zeitkarten spricht, aber da erwarte ich hier keine brauchbare Antwort.

kabo
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"aber da erwarte ich hier keine brauchbare Antwort."
-> Dann werde ich meine Ausführungen mal knapp halten, wenn sie ohnehin schon wissen, dass sie unbrauchbar sind.

Bei der BC100 (2.Kl) beträgt die Erstattung pro Fahrgastrechtefall 85,5% des Tagespreises. (BC100 kostet 11,70€ pro Tag. Im Fahrgastrechtefall beträgt die Erstattung 10€.)

Beim Marburger Semesterticket beträgt die Erstattung pro Fahrgastrechtefall 127,4% des Tagespreises. (Marburger Semesterticket kostet 1,02€ pro Tag. Im Fahrgastrechtefall beträgt die Erstattung 1,30€.)

Da wird wird ein Unangemessenheit schwer zu verargumentieren sein, wenn die Erstattung (a) relativ gesehen höher ist als beiner BC100 und (b) schon bei einer Verspätung am Tag mehr als 100% des Tagespreises beträgt.

milad
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Die Argumentation mit dem Tagespreis ist hoffentlich ein Witz: Das Semesterticket lohnt sich bei deutlich weniger Fahrten als bei einer BC100 und wird üblicherweise nicht jeden Tag im Fernverkehr genutzt, auch dürfte ein Semesterticketfahrer im Schnitt deutlich weniger FGR-Fälle haben als ein BC100-Inhaber. Der Zeitverlust ist der selbe, und dass eine Stunde Lebenszeit nur 1,30 EUR wert sein soll ist ziemlich traurig - der Mindestlohn in Deutschland liegt bei knapp 9 EUR für eine Stunde...

kabo
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"Die Argumentation mit dem Tagespreis ist hoffentlich ein Witz:"
-> Ich bin da ziemlich humorlos.

Der Ticketpreis ist das einzige Kriterium, das die EU-Fahrgastrechteverordnung überhaupt als Maßstab für die Entschädigungshöhe nennt. Nutzunghäufigkeit, Mindestlohn, Wert einer Stunde Lebenszeit und die Frage, wann sich ein Ticket "lohnt", sind Aspekte, die ich zwar nachvollziehbar finde - in der EU-Fahrgastrechteverordnung aber keinen Widerhall finden.

Sie können natürlich den Rechtsweg beschreiten. Ich als Kunde würde Ihnen da einen Erfolg von Herzen gönnen. Aber als Realist sehe ich Ihre Chancen da bei höchstens 1%. Auch wenn Sie das als Witz sehen - gegen das Argument mit dem Tagespreis werden Sie juristisch nicht ankommen. Im Verhältnis zum Preis ist die Erstattungsregelung beim Semesterticket eben nicht "schlechter" als bei der BC100. Das werden Ihnen die Juristen der DB auch vorrechnen.

kabo
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Nachtrag: Aussichtsreicher dürfte es sein, sich an den AStA-Marburg zu wenden. Die Verträge zum Semesterticket werden ja regelmäßig neu abgeschlossen, so dass man mittelfristig auch eine höhere Erstattung im Fahrgastrechtefall vertraglich festsschreiben könnte. Es kommt also auf das Verhandlungsgeschick des AStAs an - und das scheint ja ziemlich gut zu sein. Immerhin ist das Marburger Semesterticket bundesweit gesehen sowohl vom Leistungsumfang als auch vom Preis-Leistungs-Verhältnis ganz weit vorne. Und kein AStA außer Marburg hat es geschafft, ICE-Nutzung ins Semesterticket hineinzuverhandeln. Einer oberflächlichen Internetrecherche zufolge läuft der aktuelle Semesterticket-Vertrag bis einschl. Sommersemester 2019, d.h. zum Wintersemsester 2019/2020 kann eine neue Regelung getroffen werden. Sie könnten also mal ausloten, ob der AStA bereit ist, eine bessere Fahrgastrechteregelelung anzustreben und welche Preissteigerung der AStA dafür bereit ist, in Kauf zu nehmen.