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Ticket für verspäteten Zug

Guten Abend,

ich gehöre zu den Menschen, die auch immer mal flexibel mit der Bahn reisen. Dies bedeutet: ich bleibe z.B. so lange wie es halt dauert im Geschäftsmeeting, gehe dann einfach zum Bahnhof und schaue, wann der nächste Zug geht. Zuvor informiere ich mich lediglich, wann der letzte Zug geht.
Nun hatte ich hierbei neulich ein komisches Erlebnis, zu welchem ich gerne nähere Auskünfte von Ihnen hätte:
Ich kam an den Bahnhof und schaute in der DB App, wann der nächste Zug kommt. Es zeigte sich: er kommt in ca. 5 Minuten. Eigentlich hätte er schon abgefahren sein sollen, doch bei der Auskunft zu der Verbindung hieß es, es gäbe einen Unfall an einem Bahnübergang und es wurde angezeigt, dass der Zug verspätet sei. Nun wollte ich mir eine Karte in der App für diesen Zug kaufen. Es hieß dort allerdings, eine Preisauskunft sein nicht möglich. Auch eine sonstige Verbindung mit dem selben Zuglauf gab es an diesem Tag nicht mehr. Es gab schon noch spätere Verbindungen, doch die hatten andere Umsteigebahnhöfe und andere Preise - ich war mir somit unsicher, ob ich ein solches Ticket hätte nutzen dürfen. Zudem war ungewiss, ob und wann diese Verbindungen fahren würden, da der Unfall am Bahnübergang an einer Stelle war, welche alle diese Züge passieren mussten. Dies stand auch bei diesen Verbindungen dabei.
So stellte sich für mich die Frage: wie soll ich mir jetzt mein Ticket kaufen? Es ging technisch nicht ("Preisauskunft nicht möglich") - obwohl der Zug erst in ca. fünf Minuten einfahren sollte. Ich habe es dann für mich so gelöst, dass ich einen Screenshot von dem Problem angefertigt hatte und ohne Ticket in den Zug einstieg und dort noch ein paar mal probierte. Es stellte sich heraus: Es ist offensichtlich für die Möglichkeit ein Ticket zu lösen nicht die tatsächliche Abfahrtszeit entscheidend, sondern die formale. Daher war auch nicht möglich, von einem der nächsten Zwischenhalte aus ein Ticket zu lösen - lt. Fahrplan war der Zug dort nämlich schon vorbei. Somit löste ich mir über die App ein Ticket mit dem Abfahrtbahnhof, welcher als nächstes buchbar war, das war in diesem Fall der nächste Umsteigebahnhof ca. 20 min. vom Startbahnhof entfernt. Dort hätte ich nämlich einige Zeit Aufenthalt gehabt.
Als ich heute im Bahnhof war, fragte ich dort, was man in einem solchen Fall machen solle. Die Dame hinter dem Schalter sagte mir:
"wenn der Zug eigentlich planmäßig schon abgefahren ist, können Sie kein Flexpreis-Ticket mehr für diese Verbindung kaufen. Und wenn an dem Tag dieser Zuglauf gar nicht mehr befahren wird, sondern Ihr Ziel nur noch über andere Umstiegpunkte und mit anderen Arten von Zügen erreichbar ist, können Sie auch kein Flexpreis-Ticket für einen späteren Zug kaufen, welcher diese Verbindung kaufen und dieses dann für die aktuelle nutzen. Sie dürfen dann in diesen Nahverkehrszug nicht einsteigen, sonst sind Sie Schwarzfahrer. Sie müssen auf den nächsten Zug warten, für welchen Sie sich noch regulär ein Ticket kaufen können." Auf meine Rückfrage, dass es dann ja bei einem Unfall auf der Strecke leicht passieren kann, dass ich dadurch an dem Tag nicht mehr ankomme, erhielt ich die für mich sehr überraschende Antwort, dass dies keine Rolle spiele. Man könne halt nur Tickets für Züge kaufen, welche planmäßig noch nicht abgefahren seien. So seien die Regeln."
Hier meine Frage: Ist das wirklich so? Hätte ich wirklich den Zug wegfahren lassen müssen ohne einsteigen - mit der Ungewissheit überhaupt noch an diesem Tag mit dem Zug nach Hause zu kommen? Welche Logik hat es, dass man nicht einfach flexibel zum Bahnhof gehen und den nächsten Zug nehmen kann, weil rein formal dieser Zug ja schon abgefahren ist (auch wenn er real erst in einige Zeit einfährt)? Die Konsequenz wäre, dass man eigentlich gar nicht mehr einfach zum Bahnhof gehen kann um sich dann für den nächsten einfahrenden Zug spontan ein Ticket zu kaufen. Denn wenn Züge für diese Verbindung an diesem Tag viel Verspätung haben, wäre man faktisch Schwarzfahrer.

Ich fahre seit vielen Jahren Bahn, hatte jahrelang eine Bahncard 100 und bin eigentlich Bahnfan und möchte eigentlich auch die Bahn unterstützen. Doch wenn es den großen Vorteil Flexibilität nicht mehr gibt, weil halt die App-Software der Bahn bei Zugverspätungen einen Ruck-Zuck zum Schwarzfahrer werden lässt, fände ich das schade.

Vielen Dank im Voraus für Ihre Antwort.
Frank Daniel

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kabo
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"Hier meine Frage: Ist das wirklich so? "
-> Zumindest kann man weder über die App noch über die Webseite Tickets für Verbindungen buchen, deren Soll-Abfahrtszeit schon vorbei ist, selbst wenn die Ist-Abfahrtszeit noch in der Zukunft liegt. Das haben Sie ja schon festgestellt.

"Welche Logik hat es, dass man nicht einfach flexibel zum Bahnhof gehen und den nächsten Zug nehmen kann, weil rein formal dieser Zug ja schon abgefahren ist (auch wenn er real erst in einige Zeit einfährt)? "
-> Dass man nach der Plan-Abfahrtszeit keine Tickets mehr kaufen kann, hat einen ganz einfachen Grund. Viele Reisende würden nämlich ohne Ticket einsteigen und erst dann, wenn der Schaffner in Sichtweite ist, schnell mobil ein Ticket buchen. Das wird jetzt verhindert.

FrankDaniel
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An die Mitarbeiter*innen der Deutschen Bahn, welche hier Fragen beantworten:

Die Antworten von kabo helfen mir bislang nicht weiter. Daher würde mich doch eine Antwort der Bahn selbst interessieren.

Meine Frage "Ist das wirklich so?" bezog sich einerseits auf die Frage danach "Hätte ich wirklich den Zug wegfahren lassen müssen ohne einsteigen?" und anderseits darauf, ob das generell so ist. Dass es bei mir bei einem einzigen Zug so war, heißt ja noch nicht, dass die App so programmiert ist, dass es immer so ist.

Die zweite Antwort von kabo hat nichts mit meiner Frage zu tun. Mir geht es darum, dass wenn ein Zug Verspätung hat und dies auch in der App so angezeigt ist, warum man dann nicht bis zur tatsächlich in der App angezeigten verspäteten Abfahrtszeit sein Ticket kaufen kann.

Wenn es tatsächlich so ist, dass man sogar für einen Nahverkehrszug der 60 Minuten Verspätung hat, kein Ticket mehr online kaufen kann, wäre das ja sehr komisch. Nicht selten ist es ja so, dass wenn Züge viel Verspätung haben, dass dann die Folgezüge ganz ausfallen oder man mit diesen so gar nicht mehr ans Ziel kommt. Daher würde mich doch interessieren, warum man nicht bis zur in der App angezeigten tatsächlichen Abfahrtzeit ein Ticket kaufen kann. Denn dann ist der Zug noch nicht losgefahren und der Schaffner noch nicht in Sichtweite.

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Dass man wg. Verspätung und Datumswechsel kein Ticket mehr kaufen kann, kommt ja vermutlich recht selten vor.

Meine Empfehlung wäre: es am Automaten probieren. Wenn das auch nicht geht: in den Zug einsteigen und sich umgehend an den Zugbegleiter wenden. Es ist ja im Prinzip dieselbe Situation, die entsteht, wenn ein Automat defekt ist.

Dass das System 'smart' auf so was wie Verspätungen reagiert, ist bei der Behäbigkeit der IT-Abteilung wahrscheinlich innerhalb des nächstens Jahrzehnts nicht zu erwarten.

Diesmal muss ich die IT in Schutz nehmen, die Abfahrzeiten sind in einer Datenbank hinterlegt, bei den Angaben im Navigator handelt es sich nur um Prognosen, ein ständiger Abgleich der Soll- und Ist Zeiten würde eher dazu führen den Ticketverkauf erheblich zu verlangsamen, dazu kommen noch diverse Verkehrsunternehmen die keine Verspätungen melden und im System gar nicht berücksichtigt werden können.

FrankDaniel
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@Benutzerin: mit Datumwechsel hat das Ganze nichts zu tun. Verspätung kommt hingegen bekanntlich sehr häufig vor. Daher dürfte auch mein geschilderter Fall gar nicht mal selten sein. Zumindest sofern die Bahn auch Kunden anziehen möchte, die mal spontan das Auto stehen lassen, zum Bahnhof gehen und dort den nächsten Zug nehmen wollen.

Mich interessieren weniger Vermutungen von Benutzern, sondern eine Antwort der Deutschen Bahn.

Hallo FrankDaniel,

was Ihnen kabo hier schreibt, stimmt schon. Hinzu kommt, dass man als Reisender verpflichtet ist, vor geplantem Fahrtantritt alle notwendigen Reiseunterlagen beisammen zu haben.

Auch das Beispiel von kabo ist hier ganz gut.

Was man dann machen kann, ist im Zug bei den Kollegen ein Ticket inklusive Bordpreis zu erwerben. Bitte gehen Sie aktiv auf meine Kollegen zu. Wie Sie als Vielfahrer sicher wissen, können Sie im Zug nur mit Kreditkarte und Bargeld zahlen. /di

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"mit Datumwechsel hat das Ganze nichts zu tun"
Ich hatte es so verstanden, dass Sie auch deshalb kein anderes Ticket für eine spätere Verbindung kaufen konnten, weil es am Reisetag keine spätere Verbindung für die von Ihnen gewünschte Strecke mehr gab.
Wenn sowas z.B. am Mittag passiert, wird man in der Regel ja noch eine identische Verbindung zu einem späteren Zeitpunkt finden.

FrankDaniel
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Hallo Deutsche Bahn,

ich stieg in einen Nahverkehrszug ein. Dort gibt es keinen Zugbegleiter sondern nur gelegentlich Kontrolle. Darf ich in einen solchen einsteigen, wenn ich kein Ticket habe und auch keines kaufen konnte, weil es für verspätete Züge keine Möglichkeit gibt ein solches zu kaufen oder gelte ich dann als Schwarzfahrer? Dies war meine ursprüngliche Frage und hier fehlt mir leider noch Ihre Antwort.

Sie schreiben, man müsse dann den Bordpreis, also einen Zuschlag zahlen. Ich konnte doch kein Ticket kaufen. Warum muss ich dann mehr zahlen? Über eine Antwort wäre ich Ihnen auch hierzu dankbar.

Ja, ich bin wie Sie schreiben Vielfahrer. Doch ich kaufe meine Tickets per App, das ist für mich eine moderne Form des Ticketkaufs.

Da Sie die Antwort von kabo als nachvollziehbar einordnen, nochmal zur Verdeutlichung: ich wollte mein Ticket nicht während der Fahrt kaufen, sondern vor Abfahrt des verspäteten Zuges. Der Zeitpunkt des Erwerbs der Fahrkarte hätte somit vor der Zeit gelegen, welche als verspätete Ankunftszeit von der Bahn angegeben war. Somit wäre es gar nicht möglich gewesen, erst mal abzuwarten, ob ein Schaffner kommt.

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Gab es dort, wo Sie in den Zug gestiegen sind, eigentlich keinen Ticket-Automaten?

Neptun
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Verkaufen die Automaten in solch einem Fall Tickets? Ich befürchte, das geht auch nur fahrplanbasiert.

Soweit ich weiß, muss aufgrund der Beförderungspflicht jeder (spontan) Reisende die Möglichkeit haben, am Abfahrtsort bis 5 Minuten vor Abfahrt eine Fahrkarte gegen Bargeld zu erwerben. Entfällt die Beförderungspflicht bei verspäteten Zügen? Falls nicht, und der Automat auch nichts verkauft, dürfte man einsteigen und ohne Aufpreis im Zug nachlösen.

Hallo FrankDaniel,

wie es hier auch schon geschrieben wurde, muss jeder Fahrgast vor Reiseantritt im Besitz einer gültigen Fahrkarte sein. Laut der Eisenbahnverkehrsordnung EVO §9 erlischt der Anspruch auf Ausgabe eines Fahrausweises fünf Minuten vor Abfahrt des Zuges.
Im DB Navigator ist es technisch nicht möglich, für "abgefertigte" Züge Tickets zu buchen. Sie haben allerdings immer die Möglichkeit, Tickets telefonisch, am Ticketautomaten oder im DB Reisezentrum zu erwerben. Sollte keine dieser Möglichkeiten bestehen, sollten Sie sich unverzüglich beim Zugpersonal melden. /ka

FrankDaniel
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Wie ich geschrieben hatte, war es ein Nahverkehrszug. Da gibt es, wie Sie sicherlich wissen, kein Zugpersonal. Meine diesbezügliche Frage, was dann zu tun ist, haben Sie leider immer noch nicht benantwortet. Es gibt an vielen Bahnhöfen keinen Schalter mehr und am Automaten konnte ich auch kein Ticket mehr für den verspäteten Zug erwerben, ich hatte es versucht.

Und dass ich immer die Möglichkeit hätte, telefonisch ein Ticket zu erwerben, ist ebenfalls eine nicht praxistaugliche Antwort. Nach meiner Erfahrung hängt man oft sehr lange in der Warteschleife und somit ist ein tel. Ticketkauf in der Praxis oft auch vielleicht zehn Minuten vor der Abfahrt nicht mehr möglich. Zudem wäre auch hier die Frage, ob man telefonisch ein Ticket für einen längst noch nicht eingetroffenen stark verspäteten, aber formal schon abgefahrenen Zug, kaufen kann. Und wie soll dieses Ticket dann zum Vorzeigen im Zug vielleicht innerhalb von 15 Minuten zu mir kommen?

Somit mein Fazit: ich habe mir nun viel Mühe gegeben Ihnen meinen Fall zu schildern in der Hoffnung auf klare Antworten auf eine konkrete Fragen. Und auch in der Hoffnung, dass die Bahn dieses Problem erkennt und entsprechend nicht nur mir sondern auch ihren anderen Kunden dafür eine Lösung bietet. Sie antworten mir stattdessen mit Empfehlungen, welche schlichtweg aufgrund der Rahmenbedingungen, welche die Bahn ihren Kunden bietet, in der Praxis oft nicht umsetzbar sind. Vielleicht stehen diese in Paragraphen, doch Paragraphen sind nicht die Praxis. Offensichtlich denkt und handelt die Bahn immer noch wie eine starre Behörde und nicht im Sinne ihrer Kunden. Schade. Ich werde nicht weiter nachfragen und in Zukunft versuchen, mir alternative Möglichkeiten wie Car-Sharing, Fahrrad, eigener Pkw oder Mitfahrer als Transportmittel zu suchen.

Hallo Frank,

findet im Nahverkehr kein Verkauf im Zug statt, müssen Sie in der Regel mit gültigem Ticket den Zug besteigen. Ausnahme ist, wenn alle Automaten am Bahnhof defekt sind, kein DB Reisezentrum vorhanden ist und somit keine Möglichkeit des Fahrkartenerwerbs besteht.

Natürlich können Sie bei Ihrem Fall auf das Zugpersonal zugehen. Allerdings sind Sie in dem Moment tariflich ein Schwarzfahrer.

Bis wann das Recht zum Fahrkartenerwerb besteht, wurde Ihnen ja schon erläutert.

Warum erwerben Sie das Ticket denn erst, wenn Sie schon direkt am Bahnhof sind? Der Kauf über die App wäre ja auch schon möglich, wenn Sie das Meeting gerade beendet haben. /ti