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ICE-Nutzung bei Ausfall IRE

Hallo, meine Tochter (14 Jahre) ist von Hamburg nach Berlin und zurück gefahren. Sie ist im Besitz eines Behindertenausweises mit Zusatzkarte für Fahrten im gesamten Bundesgebiet mit Nahverkehrszügen. Auf der Hinfahrt ist der IRE 4273 um 6.55 Uhr ausgefallen und auf Nachfrage am Bahnsteig durfte sie den ICE 703 um 7.38 Uhr nehmen. Bei der Kontrolle im Zug war alles problemlos. Auf der Rückfahrt wollte sie den IRE 4272 um 17.02 Uhr nehmen, welcher auch ausfiel. Nach telefonischer Rücksprache mit der Bahn-Hotline (um 11.01 Uhr) wurde mir gesagt, meine Tochter dürfte aufgrund des Zugausfalls, den ICE nehmen. Nun fuhr sie mit dem ICE 1508 um 17.38 Uhr Richtung Hamburg. Bei der Kontrolle wurde von ihr verlangt ein Ticket nachzulösen. Daraufhin hat mich meine Tochter angerufen und das Problem geschildert. Sie hatte bis auf 5 Euro auch kein Geld bei sich. Glücklicherweise hat die Kontrolleurin später vergessen, sie nochmal anzusprechen. Welche Aussage ist denn nun Richtig? Von der Bahn-Hotline oder der Kontrolleurin? MfG Kay

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kabo
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Richtig ist, dass man mit einem reinen Nahverkehrsticket keinen Anspruch auf Mitfahrt im ICE ohne Nachzahlung hat, auch nicht bei Ausfall des Nehverkehrszuges.
Den Beleg über die Nachzahlung kann man beim Servicenter Fahrgastrechte einreichen. Ob man da dann die Nachzahlung erstattet bekommt, hängt davon ab, welches Ticket man für den Nahverkehrszug hatte.
Wie es dabei bei Freifahrt aufgrund von Wertmarke ist, da bin ich überfragt.
Die Information, dass man ohne Zuzahlung den ICE hätte nutzen können, war auf jeden Fall nicht richtig.

Hallo 123Kay123,

die Aussagen von kabo sind korrekt.

Sofern nach den Fahrgastrechten eine Weiterreise in einer höheren Produktklasse zulässig ist, ist dafür eine neue Fahrkarte zu erwerben. Diese Fahrkarte kann über das Servicecenter Fahrgastrechte zur Erstattung eingereicht werden. /ti

Bei "normalen" Nahverkehrs-Fahrscheinen wird ja verlangt, dass der Aufpreis zunächst vorgestreckt und später durch das SC FGR erstattet wird. Meine Frage dazu wäre: Kann man sich nicht einfach eine Fahrpreisnacherhebung ausstellen lassen, welche dann später nicht erhoben wird? Das Nachlösen hat eigentlich ja nur interne Gründe in Bezug auf die Verteilung des Geldes zwischen den NV-EVU und DB Fernverkehr.

Warum bekommt man dann von der, auch noch kostenpflichtigen, Hotline eine falsche Antwort? Auf der Hinfahrt haben wir direkt am Servicepunkt am Bahnsteig gefragt. Dann wohl auch hier eine falsche Auskunft. Warum klappte es bei der Hinfahrt bei der Kontrolle? Was soll meine Tochter denn machen, wenn sie kein bzw. nicht genug Geld dabei hat? Gruß Kay

Aus Kulanz wird man in den meisten Fällen mitgenommen. Aber: Genau wegen solchen Fällen lieber etwas Bargeld oder eine Kreditkarte mitnehmen. Es kann schließlich sein, dass man irgendwo strandet, mit dem Taxi weiterfahren muss und keine DB Info zur Ausgabe von Taxigutscheinen vorhanden ist. Ohne da vorzustrecken schaut man auch in die Röhre.

Der IRE von Berlin nach Hamburg ist ein Angebot mit stark ermäßigten Fahrpreis. (Tickets für 19,90). Da gibt es theoretisch nix zurück von den Fahrgastrechten, wenn man stattdessen einen ICE benutzt und diesen bezahlt. Es wird nur das IRE-Ticket erstattet. So stand es bis gestern abend noch auf der DB-Seite bei den Baustellen. Heute ist der Hinweis weg, es steht nur noch da: Reisende mit IRE-Ticket können ihre Ansprüche auf Basis der Fahrgastrechte geltend machen.
Was aber sehr schwammig ist, da der Fahrpreis definitiv ein Angebot mit stark ermäßigten Fahrpreis ist.

kabo
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kabo

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Ja.
Bei diesen Sondertickets, die nur im IRE gelten, bekommt man keine Erstattung.
D.h. bei Zugausfall hat man die Auswahl zwischen: a) Gar nicht fahren und 100% dws Ticketpreises zu bekommen, b) ohne Mehrkosten mit einem anderen Regionalzug fahren, was ewig dauert, c) einen ICE nehmen und auf den Mehrkosten sitzen bleiben.
Das gleiche gilt für SchönesWochenende und QuerDurchsLand.
Bei einem Flexpreisticket würde man den Mehrpreis des ICE erstattet bekommen.
Aber was wäre bei einem Schwerbehindertenausweis mit Wertmarke?
Ich fürchte, da bleibt man auch auf den Mehrkosten des ICE sitzen, wenn man die langsame Nahverkehrsalternative nicht nutzen will.

Neptun
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In einem anderen Bahnforum vertritt der Nutzer "D." die Meinung, dass die Einschränkungen in den Beförderungsbedingungen gegenüber der relevanten EU-Verordnung bezüglich "erheblich ermäßigter" Fahrkarten weitgehend unzulässig seien. Erlaubt sei, die Regel der 20-Minuten-Verspätung nicht anzuwenden, bei Ausfall/Verspätung ab 60 Minuten seien keine Einschränkungen möglich. Bei Ausfall eines IRE müsse ersatzweise die Weiterfahrt im ICE gestattet werden.
Link: https://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?109,8667...

kabo
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Die dort vertretene Ansicht geht fehl - bzw. wird dort aus einer richtigen Aussage ein falsche Schlussfolgerung gezogen:

"Die Oeffnungsklausel fuer Fahrausweise mit "erheblich ermäßigtem Beförderungsentgelt" gemaess § 5 EVO betrifft nur die Rechte gemaess § 17 Abs. 1 Nr. 1 EVO, die ueber die aus der VO 1371/07 hinausgehen. An die Basisrechte aus der EU-VO kommt man nicht ran."
-> Das ist richtig.

Allerdings ist die Beförderung mit einem höherwertigen Zug überhaupt kein Basisrecht aus der EU-VO. Denn die EU-VO geht immer nur von einer Weiterbeförderung unter vergleichbaren(!) Beförderungsbedingungen aus. Dass in Deutschland bei "nicht-Sonderangebots-Tickets" ab einer absehbaren Verspätung von 20 min auch auf einen höherwertigen Zug ausgewichen werden kann, ist eine Regelung, die zugunsten der Kunden über die EU-VO hinausgeht.
Dass die DB bei "erheblich ermäßigten Tickets" dies einschränkt und nur die Basisrechte aus der EU-Verordnung bietet, ist zulässig. Und diese Basisrechte sehen keinen Anspruch auf einen höherwertigen Zug vor, weder bei 20min noch bei 60min Verspätung. Die EU-VO mutet einem Kunden mit Nahverkehrsticket zu, auch im Verspätungsfall weiter nur Nahverkehr zu fahren - für die entstehende Verspätung steht ihm dann ja die Verspätungsentschädigung zu (25% ab 60min, 50% ab 120min).
Das was die DB mit den IRE-Kunden macht, die ein "IRE Berlin-Hamburg"-Ticket, ein SchönesWochenende-Ticket oder ein QuerDurchsLand-Ticket haben, bleibt nicht hinter dem zurück, was die EU-VO verlangt. Die EU-VO verlangt einfach nicht mehr, als das was die DB bietet - das scheint nicht allen in dem verlinkten Forum bewusst zu sein.

@tbsn @123Kay123 @kabo 

Die Regelung, dass bei Ausweichen auf den Fernverkehr mit einem Nahverkehrs-Ticket eine neue Fahrkarte erworben werden muss, gilt auch bei vorheriger Nutzung des Nahverkehrs mit einer Wertmarke. Mehr dazu hier unter "So erstatten wir die Kosten für die Nutzung anderer Züge".

In solch einer Situation müssen die Kosten für die neue Fahrkarte zuerst vom Fahrgast ausgelegt werden. Die Nutzung eines Fernverkehrszuges ohne Geldmittel ist nicht zulässig und hat die Ausstellung einer Fahrpreisnacherhebung zu Folge. Danach kann der Sachverhalt nur durch die zuständige Fahrpreisnacherhebungstelle geprüft und bewertet werden. /ju

@Bahnfrosch

Das IRE Berlin-Hamburg-Ticket ist eine stark ermäßigte Fahrkarte. Daher gilt weiterhin, dass bei einer zu erwartenden Verspätung von mehr als 20 Minuten am Zielbahnhof kein Anspruch auf die Weiterfahrt in einem höherwertigeren Zug geltend gemacht werden kann. Dennoch können einzelne ICE-Züge freigegeben werden. /ju

@Neptun

Die Weiterfahrt mit einem höherwertigeren Zug ist bei stark ermäßigten Tickets nicht zugelassen. Dies hat kabo bereits ausführlich beantwortet. /ju

Braunschweiger
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Beim IRE würde ich allerdings noch betrachten, was unter "vergleichbare Beförderungsbedingungen" zu verstehen ist. Gebucht ist eine Fahrt Hamburg - Berlin (oder umgekehrt) ohne Umstieg mit einer Dauer von 2:48 Stunden. Die Beförderung erfolgt in alten IR-Wagen, die sowohl im RE, im IRE und im IC-Verkehr eingesetzt werden.

Da scheint mit die Nutzung von direkten ICs mit einer Reisezeit von 2:04 und identischem Wagenmaterial deutlich vergleichbarer als eine Fahrt mit 1-3 Umsteigen und einer Reisezeit von über 4 Stunden.

Übrigens wird in dieser Diskussion https://community.bahn.de/questions/1718168-komme-quer-du... von einer Erstattung der Fahrkarte durch das Servicecenter gesprochen wird, die drei Wochen später hier nun verneint wird

Und nebenbei erwähnt die EU-Verordnung weder den Begriff "Nahverkehr" noch den Begriff "erheblich ermäßigt". "Fernverkehr" kommt in folgendem Zusammenhang vor:
"(25) In einigen Mitgliedstaaten könnte es für die Eisenbahnunternehmen mit Schwierigkeiten verbunden sein, sämtliche Bestimmungen dieser Verordnung ab ihrem Inkrafttreten anzuwenden. Die Mitgliedstaaten sollten deshalb die Möglichkeit haben, vorübergehende Ausnahmen von der Anwendung der Bestimmungen dieser Verordnung auf inländische Schienenpersonenverkehrsdienste im Fernverkehr zu gewähren."
Wenn das nach 11 Jahren immer noch die Begründung sein sollte: Wann wird die DB denn soweit sein, diesen Punkt komplett umzusetzen?

Beim IRE Berlin-Hamburg-Ticket besteht kein derartiger Anspruch, da es sich um ein produktgebundenes Aktionsangebot handelt.

Unsere Antwort vom 10. August 2018 habe ich dahingehend korrigiert. /ju

Neptun
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Natürlich ist mir bewusst, dass die Beförderungsbedingungen einschließlich der speziellen Regelungen für den IRE Hamburg - Berlin eine Weiterreise mit dem Fernverkehr nicht zulassen. In diesem Sinne habe ich auch in einem anderen Thread geantwortet.
Auf der "Metaebene" sollte jedoch die Frage zulässig sein, ob die DB bei der Erstellung der Bedingungen die EU-Verordnung nicht zu sehr eingeschränkt hat mit der definitionsmäßigen Festlegung, eine Fahrt im IRE sei ausschließlich mit Fahrten in anderen Nahverkehrszügen vergleichbar. Siehe die Ausführungen von Braunschweiger!
Bei "Netzkarten" wie dem SWT mag es Gründe geben, höherwertige Züge auszuschließen, beispielsweise wenn bei einer geplanten Tour von München nach Hamburg der 1. Umstieg schiefgeht und der Reisende für den Rest der Fahrt Anspruch auf einen durchgehenden ICE erhebt.
Bei dem Angebot "IRE-Ticket" handelt es sich jedoch um eine einfache Fahrt ohne Umstieg, so dass im Regelfall (Abfahrt am Startbahnhof ohne größere Verspätung) ein Missbrauch praktisch unmöglich ist.

kabo
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Man darf nicht vergessen, wie dieser IRE Hamburg-Berlin eigentlich entstanden ist.
Es sollte ein Zug her, der
-- preissensible Kunden anspricht, die sonst Fernbus fahren würden [Hamburg-Berlin war zumindest mal die Verbindung, auf der die Fernbuskonkurrenz am größten war]
-- aber gleichzeitig ICE-Kunden nicht(!) anspricht, damit möglichst keine treuen ICE-Fahrer zum neuen Billig-Zug abwandern.

Dazu gehört zum einen, dass der IRE klar als Regionalzug positioniert wird und sich nach unten vom ICE abhebt - was Komfort, Service und eben auch Fahrgastrechte einschließt. Eine Vergleichbarkeit zum Fernverkehr ist nicht gewünscht.
Kunden, die Komfort, Service und Fahrgastrechte auf Fernverkehrsniveau haben wollen, sollen vom IRE gerade nicht angesprochen werden - diese Kunden sollen IC/ICE-Tickets kaufen.

Signal
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Der IRE wird mit ehemaligen IR-Wagen gefahren, die auch in einigen IC-Zügen eingesetzt werden. Somit ist eine Vergleichbarkeit mit dem Fernverkehr der Produktklasse B (IC/EC) durchaus gegeben.