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Wieso ist die Pünktlichkeitsanzeige vollkommen falsch?

Hallo,
meine Frau fährt jeden Morgen die Strecke von Rastede nach Bremen um 06:43 und wie jeden Morgen schauen wir in die App um zu sehen, ob der Zug Verspätung hat. So wie heute morgen auch. Die Anzeige sagte 12 Min. Verspätung. Ich musste meine Frau aber dennoch pünktlich zum Gleis bringen weil ich selbst zur Arbeit muss.
Kaum waren wir da, stand auch schon ihr Zug am Gleis. Pünktlich!!! Obwohl 5 min. vorher um 6:38 die Verspätung auf 15 min. angehoben wurde. Wie kann das sein??

kerets
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Naja, dass jede Störung praktisch live ins System eingespielt werden kann, ist unmöglich. Verzögerungen wird es immer geben.

Beispiel: der Zug hält an einem Bahnhof, eine Tür ist gestört und geht nicht mehr zu. Der Schaffner geht hin und prüft, ob der das gleich beheben kann. Das dauert schon mal ein paar Minuten. Meint er, dass das doch länger dauert, gibt er die Störung durch und Sie wird ins System eingepflegt, was dann aber auch Zeit benötigt, vermutlich gibts da auch erst noch einige Entscheidungen zu treffen (wie z.B.: lässt man den nachfolgenden Zug warten, oder soll der überholen, usw.) was dann auch Auswirkungen auf andere Züge haben kann. Das kann dann sogar dazu führen, dass der Zug mit der Türstörung trotz Behebung der Störung noch länger warten muss, falls diese Entscheidungen das erfordern (z.B. die Strecke dann durch überholende Züge belegt ist). Dann steigt die prognostizierte Verspätung ggfs. stark an. Und dann kommt’s am Ende doch nicht so schlimm, weil die Türstörung sich doch schneller lösen lässt, und die kompletten Umorganisationen lassen sich vermeiden und dann läuft wieder alles wie geplant. Nur dass das einpflegen der Änderungen eben wieder etwas Zeit braucht und natürlich erst nach den Entscheidungen über den weiteren Verlauf stattfinden kann.

Das Beispiel ist rein fiktiv, soll aber zeigen, dass das ganze nicht trivial ist, speziell weil auf einer Strecke ja nicht nur ein Zug fährt. D.h. Kleine Störungen können große Auswirkungen auf das ganze System haben.

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Die angezeigten Verspätungen sind nur Prognosen. Die können sich kurzfristig durchaus ändern. Gründe dafür kann es viele geben.
Z.B. Wenn der Zug an einer Baustelle warten muss, und die Arbeiter die Strecke für den Zug dann doch früher als erwartet freigeben, bei einer Störung am Zug, die sich doch früher als erwartet beheben lässt, usw.

Es lohnt sich daher meist, sich die prognostizierten Verspätungen nicht nur am eigenen Bahnhof anzusehen, sondern auch die an vorherigen Bahnhöfen. Nur wenn sich die Verspätung schon eine längere Zeit und Strecke hinzieht, kann man sich einigermaßen darauf verlassen, dass diese am eigenen Bahnhof noch nicht ganz aufgeholt ist. Aber auch hier gilt: das ist alles nur eine Prognose, wenn möglich versuchen Zugführer die Verspätung aufzuholen. Z.B. wenn an einem Bahnhof z.B. 10 min Halt eingeplant ist (z.B. weil der dort von einem schnelleren Zug überholt wird), hält der verspätete Zug ggfs. nur 2 min und hat so schon 8 min aufgeholt.

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Danke für die ausführliche Antwort.
Das ist auch soweit alles klar und einleuchtend, aber was ich trotzdem nicht verstehe ist, dass die Verspätung kurz zuvor noch aktualisiert und erhöht wurde, obwohl der Zug in den nächsten 3min. pünktlich ankommen wird. Irgendwo her muss ja die Information kommen, dass der Zug sich wohl noch mehr verspäten muss, was aber in diesem Fall absoluter Unsinn war.
Abfahrt Rastede geplant: 06.43
Abfahrt Rastede in der App: 06:58
Abfahrt Rastede tatsächlich: 06.43
Das witzige daran ist ja auch, dass der Zug in der App noch nicht mal am vorherigen Bahnhof angekommen ist.
Dort stand dann:
Ankunft Varel verpätet: 06:47
Dabei stand der Zug ja schon hier in Rastede...
Also kann ich pauschal sagen, dass ich den Prognosen besser nie Beachtung schenken sollte und besser trotzdem pünktlich am Gleis stehen müsste um sicher zu gehen.

Bei dem genannten Zug handelt es sich nicht um einen Zug der DB sondern um einen Zug der Nordwestbahn.

Bei Zügen anderer Bahnunternehmen ist mir auch schon mehrfach aufgefallen, dass Informationen zu Verspätungen oder Ausfällen in den Auskunftssystemen der DB oft nur mit erheblicher Verzögerung oder auch gar nicht aktualisiert werden.

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Naja, dass jede Störung praktisch live ins System eingespielt werden kann, ist unmöglich. Verzögerungen wird es immer geben.

Beispiel: der Zug hält an einem Bahnhof, eine Tür ist gestört und geht nicht mehr zu. Der Schaffner geht hin und prüft, ob der das gleich beheben kann. Das dauert schon mal ein paar Minuten. Meint er, dass das doch länger dauert, gibt er die Störung durch und Sie wird ins System eingepflegt, was dann aber auch Zeit benötigt, vermutlich gibts da auch erst noch einige Entscheidungen zu treffen (wie z.B.: lässt man den nachfolgenden Zug warten, oder soll der überholen, usw.) was dann auch Auswirkungen auf andere Züge haben kann. Das kann dann sogar dazu führen, dass der Zug mit der Türstörung trotz Behebung der Störung noch länger warten muss, falls diese Entscheidungen das erfordern (z.B. die Strecke dann durch überholende Züge belegt ist). Dann steigt die prognostizierte Verspätung ggfs. stark an. Und dann kommt’s am Ende doch nicht so schlimm, weil die Türstörung sich doch schneller lösen lässt, und die kompletten Umorganisationen lassen sich vermeiden und dann läuft wieder alles wie geplant. Nur dass das einpflegen der Änderungen eben wieder etwas Zeit braucht und natürlich erst nach den Entscheidungen über den weiteren Verlauf stattfinden kann.

Das Beispiel ist rein fiktiv, soll aber zeigen, dass das ganze nicht trivial ist, speziell weil auf einer Strecke ja nicht nur ein Zug fährt. D.h. Kleine Störungen können große Auswirkungen auf das ganze System haben.

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"Also kann ich pauschal sagen, dass ich den Prognosen besser nie Beachtung schenken sollte und besser trotzdem pünktlich am Gleis stehen müsste um sicher zu gehen."

Ja, das kann man so pauschal sagen.

Die Verspätungsanzeige ist - in beide Richtungen - ungefähr so zuverlässig wie eine Glaskugel.
Ich saß vor kurzem in einem Nahverkehrszug, der bereits seinen ersten Halt erreicht haben sollte, als er noch immer im Startbahnhof stand.
Am Wochenende wurde ein Zug, der ca. eine halbe Stunde vor der fahrplanmäßigen Abfahrt auf der Infotafel in der Eingangshalle des Bahnhofs mit "fällt aus" gekennzeichnet war, bis kurz vor dieser planmäßigen Abfahrt als pünktlich gekennzeichnet, sodass Fahrgäste, die zu diesem Zeitpunkt noch eine alternative Verbindung hätten erreichen können, dann mit erheblicher Verspätung ans Ziel kamen.

Hallo kerets,

bei einem perfekt funktionierenden Bahnverkehr würde es keine Verspätungen geben. Leider kann man nicht alles voraussehen was den Betriebsablauf stört, so entstehen Abweichungen vom Plan, Verspätungen halt. Genauso kann man bei einem gestörten oder verspäteten Verkehr nicht immer genau voraussagen, wie sich die Störung entwickelt. Manchmal werden Verspätungen noch größer als prognostiziert, manchmal kleiner oder ganz abgebaut.

Die App ist kein „Verspätungshellseher“. Die Prognosen werden über einen Algorithmus aus den verfügbaren Daten zur Verkehslage ermittelt. Dazu zählen die Position des Zuges zu einem bestimmten Zeitpunkt. Die Position anderer Züge, die den Verkehr beeinflussen. Bekannte Störungen im Zugverkehr. Fahrzeitreserven. Dauer von geplanten Halten uvam. Die Verspätungsprognose arbeitet ziemlich zuverlässig, ist aber noch nicht unfehlbar.

Da von der Bahn natürlich versucht wird eine Verspätung abzubauen, können auch Entscheidungen von Menschen getroffen werden, die vorher nicht bei der Verspätungsprognose berücksichtigt werden konnte. Wird ein Zug deutlich verspätet am Zielbahnhof eintreffen, so ist es sehr wahrscheinlich, dass auch die nachfolgende Fahrt verspätet begonnen wird. Entsprechend ist die Verspätungsprognose. Evtl. bietet sich dann aber die Möglichkeit einen anderen Zug bereitzustellen und die Abfahrt ist wieder pünktlich.

Genauso kann eine Verspätung durch warten auf einen anderen Zug entstehen und wird entsprechend angezeigt. Vergrößert sich die Verspätung des anderen Zuges weiter wird nun evtl. der Anschluss doch aufgegeben und anstatt mit Verspätung fährt der Zug nun nach Plan weiter.

So genau läst sich nicht immer alles prognostizieren. Leider. Der Computer ist nicht immer unfehlbar. Und der Mensch auch nicht.

Beste Grüße

DB
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Hallo kerets,

aufgrund einer Stellwerksstörung gab es heute Morgen auf der Strecke große Verspätungen. Wie hier schon geschrieben wurde, handelt es sich dabei immer um Prognosen, die sich auch jederzeit ändern können.
Die WFB 82400 mit Abfahrt um 6.43 Uhr in Rastede hatte heute eine Verspätung von 46 Minuten und fuhr um 7.29 Uhr ab Rastede. Die Verspätung baute sich zwischen Wilhelmshaven und Sande auf. Der Zug ist schon mit +9 Minuten in Wilhemshaven gestartet und die Verspätung vergrößerte sich dann bis Sande bzw. Varel auf 45 Minuten. /tr

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Danke nochmal für die vielen Antworten,
und welchen Zug hat meine Frau dann mysteriöserweise um genau 6:43 genommen, wenn der Zug angeblich nicht da war?
Sie ist ja nicht selbst nach Oldenburg gelaufen. Es ist schon klar, dass dieses System nicht perfekt ist oder überhaupt sein kann, aber dennoch ist irgendwas gewaltig schief gelaufen.

Wahrscheinlich ist Ihre Frau mit dem 82302 gefahren. Wenn der 28 Minuten Verspätung hat, fährt der um 6:43 h in Rasrede ab und kommt 6:53h in Oldenburg an.

46 Minuten später kam dann der von Ihnen in der App nachgeschaute Zug verspätet an.