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Sitzplatzreservierungen mit der BC 100 2. Klasse?

Liebes Bahn-Team,

Ich weiß, diese Frage wurde bereits gestellt, aber wann wird es Besitzern der Bahncard 100 2. Klasse endlich auch möglich sein, Sitzplätze zu reservieren bzw. zumindest ein Kontingent (40+ pro Monat) an Sitzplatzreservierungen zu bekommen?

Meine Freundin pendelt zweimal wöchentlich Berlin - Hannover, da lohnt sich der Kauf von 46 Reservierungen für 46 Euro nicht, weil sie die nicht in 31 Tagen aufbrauchen kann. (Warum gibt es dieses Tageslimit eigentlich?).

Da das Passagieraufkommen gerade morgens von Berlin nach Hannover aber extrem hoch ist, bekommt sie ohne Reservierung keinen Sitzplatz, muss fast täglich in den Gängen auf dem Boden sitzen. Das ist meines Erachtens nach eine absolute Zumutung für jemanden, der jährlich mehr als vier TAUSEND Euro an ihr Unternehmen zahlt. Die Comfort-Plätze sind auch keine Lösung, denn die sind auch stets belegt. Auf dem Boden im Gang sitzen zähle ich als a) unhygienisch, b) unsicher, c) gesundheitsgefährdend und d) unkomfortabel. Wenn sie also schon keine Reservierungen zugestehen wollen, dann schicken sie doch bitte mehr Züge auf die Strecke Berlin - Hannover, gerade morgens.

Zusammengefasst hätte ich von Ihnen bitte gerne Antworten auf die folgenden Fragen:

  • Kommt ein Sitzplatzreservierungskontingent für BC100 2. Klasse Kunden, wenn ja, wann, wenn nein, WARUM nicht?
  • Wann werden mehr ICEs auf der Strecke Berlin - Hannover eingesetzt, gerade morgens, die Züge sind überfüllt?
  • Warum gibt es das Limit von 31 Tagen auf die 46 Reservierungen? Warum nicht ohne Zeitimit?
  • Wenn all dies nicht geschieht, inwiefern rechtfertigen sie das Sitzen auf dem Gang? Bitte erklären Sie mir, inwiefern dies kein Gesundheitsrisiko (Erkältungen durch Zugluft, Schmutz etc.), Sicherheitsrisiko (was passiert im Falle einer Notbremsung oder Unfalls mit den Menschen im Gang?), hygienerisiko (der Boden ist ja nicht sonderlich sauber, so viele Menschen wie da dauernd drüber laufen) und keine Komforteinschränkung darstellt.

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Siehe hier:
https://community.bahn.de/questions/1614285-bahncard-100-2-klasse-kommt-reservierungskontingent

Ansonsten:
"Meine Freundin pendelt zweimal wöchentlich Berlin - Hannover, da lohnt sich der Kauf von 46 Reservierungen für 46 Euro nicht, weil sie die nicht in 31 Tagen aufbrauchen kann. (Warum gibt es dieses Tageslimit eigentlich?). "
46 Reservierungen = 23 Tage Hin+Rückfahrt. Da ein normaler Monat bei einem Arbeitnehmer mit 5-Tage Woche meist 23 Werktage hat, ist 46 genau die Zahl an Reservierungen, die ein Tagespendler im Monat für den Arbeitsweg benötigt. Und die meisten BC100-2.Kl-Kunden sind Tagespendler, da eine BC100-2.Kl aufgrund des enthaltenen City-Tickets oft schon auf relativ kurzen Strecken lohnenswerter ist als ein normales Monatsticket.

Die DB steht immer im Spagat, einerseits die 2.Klasse annehmlich zu gestalten, andererseits in der 1.Klasse einen Mehrwert zu haben. Wenn es für 2.Klasse-Kunden das gleiche Angebot gibt, wie für 1.Klasse-Kunden, dann sind immer weniger Leute bereit, den 1.Klasse-Preis zu zahlen. Und nach meiner persönlichen (nicht repräsentativen) Einschätzung als Kunde, ist bereits jetzt der Komfort-Unterscheid zwischen 1.Klasse und 2.Klasse nicht so groß, dass der Mehrpreis in der Höhe gerechtfertigt ist.

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Ich weiß, dass sich die 46 Reservierungen auf Tagespendler beziehen, das ist schon klar. Also wie die Berechnung zustande kommt. Aber warum das künstliche Limit, das ist vollkommen willkürlich und arbitär? Das müsste doch nicht sein. Man könnte ja auch sagen "Wer so viele Reservierungen kauft, bekommt sie zum vergünstigten Preis von 1€ pro Reservierung und kann alle über, sagen wir, ein Jahr aufbrauchen." Man MUSS das doch nicht so einschränken, dass es nur für tägliche Pendler nutzbar ist. Kann man machen, klar, aber sonderlich servieorientiert ist das nicht.

Und der Unterschied zwischen erster und zweiter Klasse sollte rein im Komfort liegen, die Mehrleistung "Sitzplatzreservierung" sollte nicht genutzt werden, um Klassenunterschiede zu zementieren. Mehr Beinfreiheit, bequemere Sitze und generell weniger Nutzen sollten Argument genug für einen höheren Preis sein. Das geht, wie ich geschrieben habe, auf Kosten der Gesundheit, Sicherheit, Hygiene und des Komforts der zweiten Klasse-Fahrer. Diese Rechtfertigung kann also nicht ernsthaft gelten.

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Klar man MUSS das nicht so einschränken, aber auch ein Jahr wäre eine Schranke. Wo ist die Grenze, dass das noch sinnvoll ist. Es muss irgendwo Unterschiede zu den anderen Angeboten und Klassen geben. Allein dass es ein derartiges Angebot zum Dumpingpreis gibt, ist schon ein Privileg für BC100-Nutzer. Dass das nicht für alle perfekt ist, ist klar, das ist überall anders auch so. Man selbst ist leider nie der Nabel der Welt, nach dem sich alle richten.

kabo
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Der Preisunterschied zwischen BC100-1.Klasse und BC100-2.Klasse beträgt 69,2%. Allein mit besseren Sitzen / Beinfreiheit kann man diesen (doch recht großen) Preisunterschied nicht rechtfertigen. Ich kann es zumindest nachvollziehen, wenn die DB auch an anderen Stellen den 1.Klasse-Kunden einen Mehrwert bietet, den sie 2.Klasse-Kunden bewusst nicht bieten will.

Ich fahre oft und viel - meist 2.Klasse. Die DB überflutet mich mit Werbeaktionen, um mich häufiger für die 1.Klasse zu begeistern. Manchmal fahre ich dann auch 1.Klasse und meistens habe ich am Ende dann das Gefühl "1.Klasse ist ganz nett - aber so toll, dass man freiwillig ca. 70% mehr dafür bezahlt, ist es auch nicht." - Rein betriebswirtschaftlich ist es also sinnvoll, den Leistungsunterschied zwischen 1.Klasse und 2.Klasse hochzuhalten.

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Es ist erlaubt, einen einzelnen Sitzplatz für 4,50 zu reservieren. Falls dies der Gesundheit Ihrer Freundin wert ist, können Sie auch davon Gebrauch machen.

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1.) Die Comfort-Plätze sind keine Lösung, wie ich eingangs geschrieben habe, da immer schon besetzt.

2.) Wenn der Unterschied zwischen 1. und 2. Klasse NICHT nur durch den Komfort gerechtfertigt werden kann, ist schlicht und ergreifend der Preis für die 1. Klasse-Tickets zu hoch. Den Preis zu rechtfertigen, indem man in Kauf nimmt, das Kunden, die mehrere TAUSEND Euro zahlen, auf dem Boden sitzen müssen, ist ganz ganz ganz schlechtes Management. Generell ist überhaupt das Vorhandensein zweier Klassen fragwürdig (aber das führt jetzt zu weit), aber wenn man dann noch so auf sehr viel Geld zahlende Kunden scheißt, ist es einfach unter aller Sau. Das ist - alle Wirtschaftlichkeit hin oder her, die ja durchaus auch gerechtfertigt ist - einfach schlecht. Nicht ein bisschen schlecht, sondern UNFASSBAR schlecht. Wenn Züge überfüllt sind und Leute keinen Sitzplatz kriegen zu behaupten, man habe ja nicht genug Geld, dann sind irgendwo falsche Management-Entschheidungen gefallen, dann muss man halt insgesamt mal wieder alle Tickets teurer machen, aber einfach schlechten Service stehen zu lassen - das geht halt auch nur weil die Bahn ein krankes Monopol hat, sowas könnte sich keine anderes Unternehmen leisten.

3.) Die Reservierung jedes mal mit 4,50 zusätzlich bezahlen zu müssen für ne normale humane Leistung (ein Sitzplatz, nicht mehr...) bei einem Preis von 4270 Euro im Jahr (!) ist unverschämt... das wären bei meiner Freundin nochmal 430 Euro mehr im Jahr, wo sie schon 4200 Euro an die DB zahlt... das ist doch lächerlich.

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Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. 4,50 kostet nicht der Sitzplatz. Diese können gratis eingenommen werden. Sie bezahlen für die Platzgarantie. Außerdem kann man sich vorab seinen Wunschplatz sichern. Wie viel das Ihnen Wert ist, entscheiden Sie selbst. Wie schon gesagt; man kann, muss aber nicht.

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Auf der betreffenden Verbindung sind aber so viele Menschen unterwegs, dass es keinen Sitzplatz ohne Reservierung gibt. Der Unterschied ist also Haarspalterei und rein theoretisch. Praktisch gibt es keine gratis Sitzplätze, das ist ist ja das Problem. Wenn die Züge nicht überfrequentiert wären, gäbe es das Problem ja auch gar nicht. Wie auch eingangs geschrieben: Mehr Züge würden das Problem durchaus auch lösen...

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Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, aber ich glaube, Sie haben eine falsche Vorstellung von der "Wertigkeit" des BC100-Preises.

Eine BC100-2.Klasse kostet 4270€ bei Einmalzahlung. Das sind 11,70€ am Tag.
Kunden mit Billig-Angeboten wie dem Schönes-Wochenende-Ticket zahlen mehr.

Von den 11,70€ am Tag sind übrigen 1,86€ Mehrwertsteuer, so dass nur 9,84€ bei der Bahn bleiben.

Eine Express-Trasse mit einem Hochgeschwindigkeitszug von Berlin nach Hannover an einem Werktag zur Berufsverkehrszeit kostet ca. 3500€ (one-Way und pro Tag). Das sind ziemlich genau 5€ pro Reisendem (ein ICE1 hat ca. 700 Sitzplätze) und Richtung. Das sind nur die Schienenbenutzungsgebühren ("Gleis-Maut"). Da ist weder der Stromverbrauch, noch der Lohn für Lokomotivführer und Zugbegleiter noch Anschaffung / Verschleiß der Züge enthalten.

Sie sehen also, dass ein Tagespendler, der mit BC100-2.Kl von Berlin nach Hannover und zurück fährt, für die DB ein Minusgeschäft ist (2x 5€ Kosten, aber nur 9,84€ Einnahme).
Ein zusätzlicher ICE würde sich für die DB also betriebswirtschaftlich nur lohnen, wenn der mit "normal" zahlenden Kunden besetzt ist, nicht jedoch wenn BC100-2.Kl-Kunden drin sitzen.

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Wenn sich das so verhältnismäßig einfach nachrechnen lässt (danke für die Einblicke übrigens, sehr interessant!), warum ist die Bahncard100 dann so "billig"? Wenn es ein Minusgeschäft ist, dann liegt hier doch eine offensichtliche Fehlkalkulation der Bahn vor, mit der sie sich selbst betriebswirtschaftlich in den Ruin treibt. Theoretisch. Praktisch legt man aber also einen Teil der finanziellen Last auf die Normalzahler um, die ja deutlich mehr zahlen. Gleichzeitig hat man durch die verlässlichen Bahncard-Käufer etwas finanzielle Planungssicherheit und zumindest einen Grundstock.

Wenn nun aber all dies bedeutet, dass ich die Bahncard 100 nur zu einem so billigen Preis anbieten kann, wenn ich in Kauf nehme, dass Leute auf dem Boden sitzend transportiert werden, stimmt doch was mit dem Angebot nicht...? Dann muss die Bahncard 100 eben von vornherein teurer werden, damit es a) nicht solch ein Minsugeschäft ist und ich b) den Kunden zumutbare Beförderungsbedingungen bieten kann.

Das momentane Geschäftsmodell lockt mit einem billigen Preis, verrät aber die wahren Kosten nicht (z.B. dass man eben noch zusätzlich oft VIEL mehr Geld ausgeben muss, wenn man einen Sitzplatz sicher haben will). Meines Erachtens ist es aber nicht extrem viel verlangt, dass man bei einer doch sehr teuren Karte (4000+ Euro sind für die allermeisten Menschen weit mehr als ein kompletter Monatslohn) zumindest während der Fahrt sitzen kann, oder liege ich hier falsch? Das ist doch keine unverschämte Forderung, das sind normale, sichere Beförderungsbedingungen. Mit ihren Ausführungen kann man eigentlich nur festhalten, dass es sich dann um ein grenzwertiges Lockangebot handelt, bei dem die Kunden entweder versteckte Kosten zu erwarten haben (wenn sie einen Sitzplatz wollen) oder ziemlich bescheidene Konditionen in Kauf nehmen müssen (auf dem Boden sitzen). Über beides wird vor dem Kauf von Seiten der Bahn nicht informiert. All das ist nur aufgrund der Monopolstellung der Bahn möglich, weil sie die einzigen sind, die schnelle Zug-Fernverbindungen anbieten. Auf einem wahrlich freien Markt (der hoffentlich kommt, man kann Flixbahn nur die Daumen drücken) würde solch ein Geschäftsverhalten niemals bestehen können.

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Ich kann natürlich nachvollziehen, dass Ihre Freundin sich lieber das Geld für die Reservierung sparen möchte. Aber es ist ja nicht so, dass sie für die 4.270 Euro keine Gegenleistung erhalten würde.
Eine ICE-Fahrt 2. Klasse von Berlin nach Hannover kostet (tagesabhängig) ca. 72 Euro, bei 4 Fahrten pro Woche und 45 Wochen pro Jahr (hab mal willkürlich 7 Wochen ohne Pendeln angesetzt) würde das mit Flexpreis 12.960 Euro kosten. Mit einer BC50 immerhin noch 6.735 Euro. Und das auch jeweils ohne Reservierung. Ich kann also nicht erkennen, wo Ihre Freundin da 'benachteiligt' wird.

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Ich glaube, sie verstehen mich ebenfalls falsch... es geht nicht um eine Benachteiligung oder das Fehlen einer Gegenleistung, es geht darum, dass das Leistungsspektrum der Bahncard100 2. Klasse so derzeit sehr schlecht oder zumindest intransparent ist, obwohl das leicht zu beheben wäre. Wenn eine hohe Wahrscheinlichkeit vorliegt, dass man keinen Sitzplatz bekommt, solange man nicht reserviert, dann sollte das von der Bahn VORAB ganz klar so kommuniziert werden (damit klar ist, dass man mehr zahlen werden muss). Oder aber ich nehme das ganze mit in den Anfangspreis mit auf (der dann dadurch steigt, klar), aber dann habe ich wenigstens ein wirklich solides und gutes Angebot mit fairen Konditionen für beide Seiten. Oder ich schicke mehr Züge auf die Strecke.

Die Bahn tut aber all das nicht, sondern bietet ein schlechtes Kompromisspaket zu einem Billig-Lockpreis und nimmt in Kauf, dass sie Passagiere in Gefahr bringt. Das ist schlecht aus Sicht der Kunden die sich mehr Transparenz und einen menschenwürdigen/marktüblichen Transport wünschen, langfristig schlecht aus Sicht der Bahn (Kunden sind unglücklich) und, wie gesagt, nur möglich, weil die Bahn Monopolist ist.

Bleibt also die Frage, warum die Bahn dann solch ein Angebot überhaupt macht? Klar, es bringt kurzfristig Gewinn und weil man keine Konkurrenz fürchten muss, geht es halt. Aber ist das wirklich im Interesse der Bahn? Wenn man wirklich Service bieten wollte, dann wäre zB. wenigstens ein Öffnen der "46 Reservierungen für 46 Euro" hinsichtlich einer Entfristung zB. sinnvoll um wenigstens die "versteckten" Kosten nicht mehr ganz so massiv zu gestalten...

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Das Leistungsspektrum ist doch ganz klar: enthalten ist die Fahrt auf allen DB-Strecken sowie diversen Verkehrsverbünden - und zwar ohne Reservierung.
Für andere Reisende, die andere Strecken oder dieselbe Strecke zu anderen Zeiten nutzen, existiert das von Ihnen geschilderte Problem Ihrer Freundin nicht. Warum also sollten denen Zusatzkosten für inkludierte Reservierungen entstehen?
Ich bin (mit BC50) sehr häufig beruflich mit der Bahn unterwegs. In den seltensten Fällen benötige ich eine Reservierung. Allerdings gibt es einige Züge, in die ich nie ohne Reservierung steigen würde, weil die eben voll sind.
Wenn Ihre Freundin auf solche Züge angewiesen ist, dann hat sie leider Pech gehabt.

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"Wenn es ein Minusgeschäft ist, dann liegt hier doch eine offensichtliche Fehlkalkulation der Bahn vor, mit der sie sich selbst betriebswirtschaftlich in den Ruin treibt. "
-> Dass ein BC100-Kunde, der täglich eine dreistellige Kilometerzahl fährt, für die DB ein betriebswirtschaftliches Minusgeschäft ist, das ist kein großes Geheimnis. Zum Glück für die DB fahren die wenigsten BC100-Kunden wirklich täglich. (Pendler haben auch mal Wochenende ...)

"Praktisch legt man aber also einen Teil der finanziellen Last auf die Normalzahler um, die ja deutlich mehr zahlen. Gleichzeitig hat man durch die verlässlichen Bahncard-Käufer etwas finanzielle Planungssicherheit und zumindest einen Grundstock."
-> Ja. BC100-Kunden sind betriebwirtschaftlich dann "gut", wenn Sie Züge füllen, die sonst leer wären. Dummerweise fahren die meisten BC100-Kunden dann, wenn die Züge ohnehin voll sind, nämlich zur besten Pendlerzeit. Und ein BC100-Kunde, der einem Normalzahler einen Platz wegnimmt, ist betriebswirschaftlich "schlecht". Die DB fände es verständlicherweise besser, wenn die Züge voller Normalzahler wären. Ein BC100-Kunde, der abspringt, aber seinen Platz für einen Normalzahler frei macht, ist für die DB kein Verlust - das wird gerne vergessen.
Wenn die DB pfiffig wäre, würde Sie kostenlose Reservierungen für Normalzahler auch in der 2.Klasse anbieten - aber keine kostenlosen Reservierungen für BC100-Kunden.

"All das ist nur aufgrund der Monopolstellung der Bahn möglich, weil sie die einzigen sind, die schnelle Zug-Fernverbindungen anbieten. "
-> Auch ein Wettbewerber müsste kostendeckend arbeiten. Für einen schnellen Pendlerzug von Berlin nach Hannover (morgens hin, abends zurück) müssten grob über den Daumen 12000€ Ticketeinnahmen pro Tag generiert werden um auf Null zu kommen. Das wären 20€/Tag incl. MwSt bei einem 700-Plätze Zug, wenn(!) dieser hin und zurück voll ausgelastet wäre. Das ist wesentlich teurer als eine BC100.
Ja, die BC100 bewirkt durch ihren "Billigpreis", dass es Wettbewerber schwer haben. Denn auch Flixtrain muss Ticketpreise nehmen, die oberhalb des Tagespreises einer BC100 liegen.

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Sie scheint ja aber nicht die einzige mit diesem Problem zu sein, das zeigen ja schon die ganzen anderen inhaltsgleichen Anfragen hier im Forum. Also so ganz kann eine "Ist ja nur eine Minderheit"-Argumentation nicht ziehen.

Natürlich wäre eine Preiserhöhung für diejenigen, die es nicht nutzen können bzw. nicht brauchen (wie Sie) ärgerlich. Aber dann sollte die Bahn doch wenigstens den Kunden, die eh schon mehr als 4000 Euro zahlen eine wenigstens ermäßigte Reservierungsoption anbieten (siehe meine Idee mit den unbefristeten 46 Reservierung für 46 Euro, dagegen hat immer noch niemand ein brauchbares Argument bringen können)...

Und wie gesagt: Eigentlich sind ja die überfüllten Züge das Problem, auf einigen Strecken eben. Bei keinem anderen Langstrecken-Personentransport ist es möglich, ohne Sitzplatz zu enden, weder bei den Reisebussen noch im Flugzeug, Nur bei der Bahn natürlich. Schon eine reichlich schwache Leistung. Ich weiß, wem ich kein Geld mehr gebe, sobald es eine ordentliche Konkurrenz gibt. Hoffentlich kommt dieser Tag früher als später.

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Sie kommen schon wieder mit Ihren "mehr als 4.000 Euro". Wenn dafür Leistungen in Anspruch genommen werden, die deutlich mehr als 4.000 Euro wert sind: Warum sollte dann durch kostenfreie oder sehr kostengünstige Reservierungen noch ein weiterer Kostenvorteil entstehen?
Auch Besitzer von DB-Wochen- oder Monatskarten müssen die Reservierungen extra bezahlen.

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" "All das ist nur aufgrund der Monopolstellung der Bahn möglich, weil sie die einzigen sind, die schnelle Zug-Fernverbindungen anbieten. "
-> Auch ein Wettbewerber müsste kostendeckend arbeiten. Für einen schnellen Pendlerzug von Berlin nach Hannover (morgens hin, abends zurück) müssten grob über den Daumen 12000€ Ticketeinnahmen pro Tag generiert werden um auf Null zu kommen. Das wären 20€/Tag incl. MwSt bei einem 700-Plätze Zug, wenn(!) dieser hin und zurück voll ausgelastet wäre. Das ist wesentlich teurer als eine BC100.
Ja, die BC100 bewirkt durch ihren "Billigpreis", dass es Wettbewerber schwer haben. Denn auch Flixtrain muss Ticketpreise nehmen, die oberhalb des Tagespreises einer BC100 liegen."

Das ist doch Augenwischerei. Ich gehe mal von ihren 12.000€ für Hin- und Rückfahrt aus und den 700 Plätzen. Nehmen wir mal an, nur 50% der Plätze kann ich verkaufen, also 350 (was bei den Preisen, die ich gleich vorlegen werde, keinerlei Problem darstellen sollte...).

Davon seien 200 normal zahlende Kunden (mit Sitzplatzgarantie), 150 Kunden, die ein Abo mit Sitzplatzgarantie gebucht haben, für ein Jahr, ausschließlich für diese Strecke. In Zeiten von Computersystemen und Handytickets kein größeres Problem.

Von den normal zahlenden Kunden verlange ich 35,70€ für eine Strecke und liege damit unter den Preisen der Bahn (meistens), netto bleiben 30 Euro bei mir. Für die Jahreskarte verlange ich 4.000€, netto bleiben mir 3361,34 €, ergibt (bei 10 Fahrten pro Woche, also 5 mal hin und her, sprich jeden Wochentag), für mich einen Nettoertrag von 7 Euro pro Fahrt.

An dem Tag fahren diese 350 Kunden hin und zurück, macht insgesamt Nettoeinnahmen von 14.100€ Euro, ich liege also bereits bei halber Auslastung des Zuges UND Preisen, die doch recht deutlich unter denen der Bahn liegen, im Gewinnbereich. Fülle ich den Zug mit Abokunden auf kann ich bis zu 19.000€ machen, ergo einen Reingewinn von 7.000€ an einem Tag.

Für mich klingt das nach einer eigentlich ziemlich kuscheligen Situation für Wettbewerber.

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Wenn es so einfach und profitabel ist - wer hindert Sie dran, den Wettbewerb zu eröffnen?

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Übrigens weiß ich nicht, wie Sie auf die 20€/Tag und Sitzplatz gekommen sind. Bei mir sind 12.000 Euro durch zwei (Hin- und Rückfahrt) und durch 700 gerade mal 10,20€ incl. MwSt.

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Mir fehlt das Startkapital.

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"Übrigens weiß ich nicht, wie Sie auf die 20€/Tag und Sitzplatz gekommen sind. Bei mir sind 12.000 Euro durch zwei (Hin- und Rückfahrt) und durch 700 gerade mal 10,20€ incl. MwSt."
-> 10,20€ pro Fahrt sind doch etwa 20€/Tag wenn man als Tagespendler täglich hin und zurück fährt. Mir ist nicht klar, wo Sie da einen Fehler sehen.

Kleine Korrektur übrigens zu einer Zahl weiter oben: In den 3500€ Trassenpreis Berlin-Hannover für einen Expresszug (one-way) mit hoher Geschwindigkeit an einem Werktag zur Berufsverkehrszeit sind die Stromkosten wahrscheinlich doch schon enthaltelten.

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"Für mich klingt das nach einer eigentlich ziemlich kuscheligen Situation für Wettbewerber."
Ja. Wenn man es tatsächlich schaffen würde, ausreichend Vollpreistickets zu verkaufen, könnte man auch als Wettbewerber den Rest des Zuges mit Flatrate-Kunden (Monatskarten, BC100) auffüllen.
Praktische Probleme:
-- Man müsste für den Zug eine Höchstzahl an Flatrate-Plätzen definieren ("in diesem Zug dürfen maximal 200 Reisende mit BC100 und 200 Reisende mit Monatskarten mitfahren, der Rest ist für Vollpreiszahler reserviert")
-- Man darf nicht zu viele BC100 / Monatkarten verkaufen, denn wenn plötzlich zu viele BC100-Kunden/Monatskarteninhaber gleichzeitig mitfahren wollen, hat man man keinen Platz mehr für Vollzahler und rutscht in die Verlustzone.
-- Die BC100 / Monatskarte darf preislich nicht zu attraktiv sein, sonst verkauft man zu wenig Vollpreistickets, die den Zug wirtschaftlich tragen.

Aus diesem Grund bietet meines Wissens weder Flixbus noch Flixtrain derzeit etwas, was einer Monatskarte oder einer BC100 ähnlich ist.

Hallo Paradox und alle anderen User hier. Wie es aussieht, hat sich hier eine rege Diskussion entwickelt, wo auch schon viele Punkte angesprochen und genannt wurden. Vielen Dank an alle erst einmal für die wirklich interessante und rege Kommunikation untereinander.
Die meisten Fragen wurden hier eigentlich auch schon ausführlich beantwortet, aber ich möchte noch einmal kurz auf die Punkte eingehen.
Erst einmal ist es aktuell nicht geplant, ein Sitzplatzreservierungskontingent für die zweite Klasse anzubieten. Dieses Angebot gibt es für die 1. Klasse aus dem Grund, weil bei Fahrkartenbuchungen in der 1. Klasse auch die Sitzplatzreservierung inkludiert ist. Mit einer BahnCard 100 First fährt man zwar 1. Klasse und hat sozusagen auch ein Ticket, aber keine inkludierte Reservierung. Daher ist man dem mit diesem Angebot nachgekommen.
Die BahnCard 100 ist von den Konditionen her auch klar erstellt. Man hat mit der BahnCard 100 keine Zugbindung und kann innerhalb der Laufzeit im Geltungsbereich beliebig oft fahren. Nirgendwo ist angegeben, dass auch eine Sitzplatzreservierung enthalten ist bzw. ein Sitzplatz mitbezahlt wird oder man Anspruch darauf hat. Man bezahlt nur für die Beförderung von A nach B, mehr nicht. Jeder Fahrgast hat, wie mit einem normalen Ticket auch, selbst zu entscheiden, ob man eine Reservierung nehmen möchte oder man lieber das Risiko eingeht und ggf. steht. Man braucht beim Kauf der BahnCard 100 aber auch nicht darauf hinweisen, dass eventuell eine Reservierung bezahlt werden muss, da wie gesagt, die Entscheidung bei einem selbst liegt und auch nirgends suggeriert wird, dass ein Sitzplatz inklusive ist.
Vorteil ist aber ebenfalls mit der BahnCard 100, dass man keine Zugbindung hat. Man muss also nicht zwingend einen Zug nehmen, der recht voll ist, sondern kann auf eine frühere oder spätere Verbindung ausweichen. Eventuell wäre auch eine Fahrt mit dem IC möglich, denn auch hier gibt es Direktverbindungen.
Die zeitliche Begrenzung kommt daher, dass die Dauerreservierung für Pendler ist. Also für einen Kundenkreis, die eine Strecke so gut wie täglich fahren. Dies wurde ja auch mit der Beispielrechnung zusätzlich erklärt. Spontanfahrer oder eben Pendler, die nicht so oft fahren, bleibt nur die normale Reservierung. Hier kann man den Vergleich mit der BahnCard 50 und dem Kundenkreis ziehen. Auch hier gibt es kein besonderes Angebot für Reservierungen, auch wenn man mit der BahnCard pendelt.
Da hier sehr viele Kommentare waren, hoffe ich, dass ich zumindest die wichtigen Punkte noch einmal angesprochen und ich nichts vergessen habe. /no