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Warum führen 10 cm Schnee immer noch zu Weichenstörungen ?

Habe gerade über eine Stunde versucht, per S-Bahn oder Regionalbahn von Darmstadt nach Frankfurt zu kommen (und aufgegeben).

Florian50
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Auch zu tiefen Bundesbahnzeiten gab es bereits viele Weichenheizungen mit Strom oder Propangas.
Wer oder was zwingt eigentlich die DB, diese idiotische Zentralisierung durchzuführen? Dresden Hbf hat z. B. keinen eigenen Fahrdienstleiter mehr vor Ort! An vielen Bahnhöfen nur noch Automaten, Kameras, Lautsprecher, Laufschrift. Personal?
Dass Weichentechnik nicht für längere Betriebszeit im Freien gedacht ist, mag bei der DB so sein. In Rußland oder Teilen von Nord-China funktionieren Weichen unter ganz anderen Bedingungen. Es geht also auch anders. Ich muss mich nicht als Reisender mangelhafter Technik anpassen, sondern die Technik muss sich den Gegebenheiten anpassen. Ca. 10 cm Schneefall führen bereits zu den beschriebenen Zuständen. Was würde erst passieren, wenn es, wie z. T. in anderen Ländern, tagelang landesweit schneit? Ich wage eine Voraussage: Überwiegende oder komplette Betriebseinstellung. Manche Prognosen sagen ja auch für Deutschland zukünftig ungewohnte Wetterphänomene voraus: Starkregen, Starkschnellfall, heftige Stürme.

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kabo
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a) weil nicht alle Weichen beheizt sind
b) weil oft gar nicht die Weiche an sich eingefroren ist, sondern der Sensor beeinträchtigt ist, der erkennt, ob die Weiche richtig eingestellt ist.

Auch wenn es etwas vom Thema weg führt:
Dass es heute (zumindest gefühlt) mehr wetterbedingte technische Störungen gibt, liegt einfach daran, dass es heute mehr Technik gibt. Es heißt dann oft, es gäbe heute deshalb mehr Technik, weil die Bahn Personal einsparen will. Das ist aber nur halb richtig. Das "Mehr" an Technik (welches natürlich dann auch mehr Störungen verursachen kann) resultiert aus einem "Mehr" an Sicherheit. Wenn Sie wüssten, wie wenig technische Sicherungen es früher gab, und die Unfallfreiheit der Bahn zu fast 100% darauf basierte, dass die vielen Mitarbeiter schon gut genug aufpassen und alles richtig machen, dann wären Sie froh, dass es heute Technik als Sicherung gibt.

Beförderungsfall
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Die Weichentechnik ist nicht dafür bestimmt, über längere Zeit im Freien in Betrieb zu sein. Dass es dort immer wieder zu Schneefall kommt, sollte eigentlich jeder Reisende wissen. Zumal mehrfach auf den plötzlichen Wintereinbruch hingewiesen wurde.

031010
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Hallo Kabo,

Ihre technischen Erklärungen führen aber zu anderen Fragen:
a) Warum besitzen nicht alle Weichen Heizungen? Dieses Vorsorgesystem ist uralt, ausgereift und effektiv. Insbesondere in einem Knoten wie Leipzig, einem Bahnhof, der besonders im Weichenbereich vor einiger Zeit mit viel tam tam und für viele Mio. Euro umgebaut wurde, völlig inakzeptabel.

b) Wieso ist dieser Sensor so störanfällig an-/eingebaut?

kabo
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Früher hatten alle Weichen eine temporäre Heizung. Die bestand daraus, dass der Bahnmitarbeiter des nächstgelegenen Stellwerks ein Schaufel mit glühenden Kohlen unter die Weichenmechanik gelegt hat. Das funktionierte deshalb, weil (a) eine Weiche früher keinen elektrischen Antrieb hatten, der durch die Glut geschädigt werden konnte und (b) keine Weiche so weit vom nächsten Stellwerk entfernt war, dass man ihn nicht zu Fuß mit einer Schaufel glühender Kohle bewältigen konnte.
Beide Voraussetzungen sind nicht mehr gegeben.

031010
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Auch zu tiefen Bundesbahnzeiten gab es bereits viele Weichenheizungen mit Strom oder Propangas.
Wer oder was zwingt eigentlich die DB, diese idiotische Zentralisierung durchzuführen? Dresden Hbf hat z. B. keinen eigenen Fahrdienstleiter mehr vor Ort! An vielen Bahnhöfen nur noch Automaten, Kameras, Lautsprecher, Laufschrift. Personal?
Dass Weichentechnik nicht für längere Betriebszeit im Freien gedacht ist, mag bei der DB so sein. In Rußland oder Teilen von Nord-China funktionieren Weichen unter ganz anderen Bedingungen. Es geht also auch anders. Ich muss mich nicht als Reisender mangelhafter Technik anpassen, sondern die Technik muss sich den Gegebenheiten anpassen. Ca. 10 cm Schneefall führen bereits zu den beschriebenen Zuständen. Was würde erst passieren, wenn es, wie z. T. in anderen Ländern, tagelang landesweit schneit? Ich wage eine Voraussage: Überwiegende oder komplette Betriebseinstellung. Manche Prognosen sagen ja auch für Deutschland zukünftig ungewohnte Wetterphänomene voraus: Starkregen, Starkschnellfall, heftige Stürme.

Leo
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Ähnlich geht es in England zu:

https://www.railway-technology.com/features/feature1526/

Fazit: Man kann eine Bahn relativ wintersicher betreiben (siehe Japan, insbesondere Hokkaido, Kanada,...) aber das kostet...

In unserem Landkreis sparte man vor einigen Jahren nach einigen milden Wintern an Schneezäunen an Straßen - das gab dann ein totales Chaos...

031010
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Hallo Leo,

eben! Mich ärgert es immer, wenn technische Unzulänglichkeiten quasi aus sich heraus als vorhanden zu akzeptieren sind aber in Wirklichkeit ein überzogenes Profitstreben maßgeblich zu diesen Mißständen beiträgt bzw. beigetragen hat (Herr Mehdorn lässt grüßen!).
Ich hatte einmal in einer privaten Diskussion mit einem Bahnoberen die äußerst geringe Ausfallrate von Flugzeugen aufgrund technischer Probleme angesprochen. Antwort: "Technisch im Bahnbetrieb machbar, aber unbezahlbar."

Florian50
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Danke für die Antworten.
Wenn es auf der stark befahrenen Strecke von Frankfurt nach Heidelberg/Mannheim unbeheizte Weichen gibt, wundert mich das schon.
Wenn es an den Sensoren liegt, kann ich mich nur 030310 anschließen.
@kabo: Ich weiß, dass heute sehr viel mehr Sicherheitstechnik im Einsatz ist und finde das auch gut und notwendig. Allerdings habe ich (nach 20 Jahren Pendeln und Fernverkehr) auch den Eindruck, dass die Fehlerquote nicht gerade gering ist. Gerade im dicht befahrenen Rhein-Main-Gebiet höre ich im Schnitt einmal pro Woche "Weichenstörung" oder "Signalstörung".

Letzten Endes scheint es -wie wohl viele Dinge bei der DB AG- eine Kostenfrage zu sein.

031010
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Hallo Florian50 und andere,

ich habe drei interessante Links zu dem hier behandelten Thema am Beispiel Leipzig Hbf (Vollsperrung). Diese hier beschriebenen Unzulänglichkeiten im Netz der DB hat inzwischen eine beachtliche Dimension erreicht.... Insbesondere die Ausführungen in der ersten Quelle sind sehr interessant

http://www.netzwerk-bahnen.de/news/netzsperren-geduld-der...

https://www.transdev.de/de/neuigkeiten/transdev-beklagt-e...

https://www.abellio.de/de/deutschland-mitteldeutschland/u...

Es sind also nicht nur ein paar überkritische Fahrgäste, die sich aufregen...

Leo
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https://www.berliner-kurier.de/bahnchef-mehdorn--dann-fah...

Zitat aus dem Artikel vom 30.12.2002: „Es hört sich zwar an wie ein Neujahrs-Scherz, aber Bahn-Chef Hartmut Mehdorn scheint es wirklich ernst zu meinen: Er denkt darüber nach, den Zugverkehr bei extremen Witterungsverhältnissen künftig ganz einzustellen!Mehdorn reagiert mit der irrwitzigen Androhung auf die anhaltende Kritik an der Bahn wegen der vielen Verspätungen und Zugausfälle zu Weihnachten. Stundenlang hatten die Zugfahrenden wegen Eisregens auf Bahnhöfen und in den Zügen ausharren müssen - oft ohne jede Information. … Allerdings scheint Mehdorn seine Überlegung nicht mit seinem Unternehmen abgesprochen zu haben: Entsetzt widersprach die Bahn ihrem Chef - natürlich werde man auch bei extremem Wetter Züge fahren lassen, … Den über Weihnachten vielerorts zusammengebrochenen Schienenverkehr erwähnte die Bahn AG dabei allerdings nicht.“

Mittlerweile ist das keine irrwitzige Androhung mehr, sondern anscheinend offizielle Unternehmenspolitik der DB Netz:

https://www.abellio.de/de/deutschland-mitteldeutschland/u...

Zitat aus der Abellio-Mitteilung von gestern: „Abellio reagiert mit Unverständnis auf die Einstellung des Zugverkehrs am Wochenende. „Nach den Stürmen im Herbst sorgten nun Tage im Voraus angekündigte Schneefälle für ein beispielloses Verkehrschaos in Mitteldeutschland. Mit derartigen Aktionen wird das Vertrauen der Reisenden in den Verkehrsträger Eisenbahn nachhaltig zerstört.“

Danke für die deutlichen Worte, sogar ich als unverbesserlicher Bahnfan, der gerade im Winter fast immer sein Auto stehen ließ, hab es jetzt endlich kapiert: Wer sich im Winter auf die Bahn verläßt, ist verlassen und wird durch zynische Interpretation der EUROPÄISCHEN Fahrgastrechte gezwungen, sich gemeinsam mit all den anderen Lemmingen am einzigen Geltungstag in das Bahn-Chaos zu stürzen: Bis „großzügige“ Kulanz gewährt wird, sind ja wohl schon etliche Hotelgutscheine verteilt worden… Im Ruhestand werde ich mich daher besonders im Winter auf das Auto konzentrieren und meine Fahrten eben auf Tage mit günstigeren Straßenverhältnissen verschieben.

„Der Infrastrukturbetreiber DB Netz muss endlich wetterfest werden.“„Ungeheizte Weichen im Winter an wichtigen Knotenpunkten oder fehlendes Personal zur Sicherstellung des Betriebes dürfen nicht sein. Ich fordere die Aufsichtsbehörden auf, die technische und personelle Ausstattung der DB Netz AG grundlegend auf den Prüfstand zu stellen“, unterstreicht Krenz.“

kabo
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Der springende Punkt verbirgt sich im ersten Link relativ weit unten:
Zu viel hängt bei der DB an der Verspätungsstatistik. Ein Zug, der ausfällt, wird in der Statistik als "0 Minuten Verspätung" gezählt.
Während man früher beider Bahn noch Ehrgeiz hatte, bei widrigen Bedingungen lieber verspätet als gar nicht zu fahren, geht heute deshalb die Tendenz zu "lieber gar nicht fahren als mit Verspätung, denn dann bleibt die Statistik schön".

Leo
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„Zu viel hängt bei der DB an der Verspätungsstatistik. Ein Zug, der ausfällt, wird in der Statistik als "0 Minuten Verspätung" gezählt. … deshalb die Tendenz zu "lieber gar nicht fahren als mit Verspätung, denn dann bleibt die Statistik schön".“

Volle Zustimmung! Das hat bei der S-Bahn München lange Tradition:

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/puenktlichkeit-der-s-...
Und seit einiger Zeit:

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/deutsche-bahn-wenn-s-...

Erklärung:

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/s-bahn-muenchen-puenk...

Zitat: „Andreas Barth, Münchner Sprecher des Fahrgastverbandes Pro Bahn, nennt die jüngsten Zahlen denn auch eine "Jubelstatistik, die mit der Realität nichts zu tun hat". So werden etwa Züge, die ausfallen oder bei größeren Störungen vorzeitig in Pasing, am Hauptbahnhof oder am Ostbahnhof enden, nicht in der Statistik geführt. Und auch wenn die sogenannten Taktverstärker gestrichen werden - Züge, die zur Rush-Hour einen Zehn-Minuten-Takt bieten - fällt dies in der Statistik nicht auf. Zudem lasse die Bahn immer wieder mal Züge an Stationen vorbeirauschen, um Verspätungen aufzuholen. "Man muss sich schon fragen, fährt die S-Bahn für die Statistik oder für die Fahrgäste", sagt Barth….Die Pünktlichkeit, die in den offiziellen Wert einfließt, wird an zwei Stationen an der Stammstrecke gemessen: an der Hackerbrücke und der Rosenheimer Straße. An den Außenästen, kritisiert Barth, seien die Werte aber oftmals im roten Bereich.“

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/oeffentlicher-nahverk...

„An diesem Desaster wirken alle Partner seit Jahrzehnten sehr konstruktiv mit: Der Bund, der Freistaat, die Stadt und allen voran die Deutsche Bahn. Die ist Meister im Krisenmanagement. Nicht weil sie besonders rasch Störungen beheben kann, sondern weil sie ihr Totalversagen sofort mit bunten Werbesprüchen zukleistert. Just am Mittwoch präsentierte sie ihr Konzept "Zukunft S-Bahn München - besser werden für die Mobilität von Morgen". Von "Heute" war wohlweislich nicht die Rede. Denn vorgestellt wurde vor allem eine weitere neue Fahrplan-App (wichtig für "Pendler Pursuit"-Spieler!), aber natürlich keine Lösung dafür, wie ein stabiler Betrieb über alle Jahreszeiten hinweg garantiert wird.

Das Problem: Mit solchen PR-Nummern kam der Staatskonzern bei der Politik immer wieder durch. Was wurde seit Anfang des Jahrtausends nicht alles an Zehn-Punkte-Programmen, an Ertüchtigungs- und Ausbaukonzepten verkündet, und natürlich gab es auch Verbesserungen. Nur das Wichtigste gelang nie: Die S-Bahn München zu einem zuverlässigen und leistungsstarken Verkehrssystem für mehr und mehr Menschen auszubauen. Hoch rentabel ist dieses System, das jeden Tag 840 000 Fahrgäste transportiert.
Dreist ist, dass sich die Bahn jede Verbesserung teuer bezahlen lässt
Die Erlöse verbessern die Bilanz des DB-Konzerns, nicht aber den Zustand von Weichen und Stellwerken. Reihenweise Pannen bei gar nicht so außergewöhnlichen minus 15 Grad sind der Beweis dafür, dass der DB Netz die Infrastruktur der S-Bahn nicht so arg wichtig gewesen sein kann. Dreist ist, dass sich der Konzern zudem jede weitere Verbesserung im Fahrplan vom Freistaat teuer bezahlen lässt. Und bei den Verhandlungen über einen neuen MVV-Tarif stellt ausgerechnet die Bahn die höchsten Forderungen.“

Ich bin heilfroh, dass ich mich aus diesem Spiel „Pendler Persuit“ in Richtung Ruhestand verabschiedet habe:
„"Pendler Pursuit" besteht im Wesentlichen darin, möglichst viel Geld für Monats- und Jahreskarten auszugeben, sich mit Fahrplänen und allen verfügbaren elektronischen Abfahrtszeiten-Gadgets auszustatten und trotzdem eine größtmögliche Verspätung anzuhäufen, zum größtmöglichen Schaden des Arbeitgebers, der Volkswirtschaft und selbstverständlich der eigenen Gesundheit….“

031010
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Guten Morgen Leo,

hast Du schön geschrieben. Vollkommen d'accord.

Leo
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Ich hab es eigentlich nur zitiert - und zwischendurch noch eine kurze Bemerkung eingefügt.

Auch mir hat besonders der zuletzt zitierte SZ-Artikel sehr gut gefallen.

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Hallo Leo,

noch eine Pressestimme zum Betriebchaos Leipzig Hbf

http://www.lvz.de/Leipzig/Lokales/GDL-Chef-Weselsky-Manag...