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Unklarheiten bei Zugbindung

Bahnfahren ist immer noch extrem kompliziert. Gerade letzte Woche gab es mal wieder Probleme, da die Züge nicht wie gebucht gefahren sind. Damit beim nächsten Mal nicht wieder eine Diskussion mit dem Zugbegleiter notwendig ist, würde ich gerne die aufgekommenen Fragen klären.

Inzwischen habe ich herausgefunden, dass es für Regionalbahnen keine Zugbindung gibt und die Zugbindung bei einer zu erwartenden Verspätung ab 20 Minuten am Zielbahnhof aufgehoben ist.

Die gebuchte Verbindung Recklinghausen-Bremen RE10225-IC2026 wurde in der App DB Navigator nicht angezeigt (auch nicht mit „Schnelle Verbindungen nicht bevorzugen“). Es wurde nur die Verbindung Recklinghausen-Bremen IC2004-IC2026 angezeigt.
Bei der Abfrage nur der ersten Strecke Recklinghausen-Münster waren die beiden Züge RE10225 und IC2004 sichtbar.
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Halt | Datum | Zeit | Gleis | Produkte | tatsächliche Zeit | Verspätung

Recklinghausen | 28.02. | ab 17:05 | 2 | RE10225 | ab 17:14 | +9
Münster | 28.02. | an 17:50 | 14 | | an 18:05 | +15

Recklinghausen | 28.02. | ab 17:05 | 2 | IC2004 | ab 17:11 | +6
Münster | 28.02. | an 17:33 | 12 | | an 17:36 | +3

Münster | 28.02. | ab 17:57 | 12 | IC2026 | ab 18:26 | +29
Bremen | 28.02. | an 19:16 | 10 | | an 19:36 | +20
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1. Ist die Zugbindung aufgehoben, wenn die gebuchte Verbindung in der App DB Navigator nicht angezeigt wird?

2. Ist der Kunde verpflichtet, jede einzelne Strecke ständig separat abzufragen? Das bereitet bereits bei zwei Zügen Schwierigkeiten, bei drei oder mehr Zügen schätze ich dies als unmöglich ein.

3. Darf der Kunde grundsätzlich trotz Buchung eines RE einen IC nehmen?

4. Ist der Kunde verpflichtet einen IC zu nehmen, wenn ein RE nicht oder verspätet fährt, um den Anschlusszug zu erreichen? Damit wäre dann die Zugbindung für den Anschlusszug nicht aufgehoben. Das würde auch bedeuten, dass der Kunde verpflichtet wird, knapp eine Stunde bei -10°C auf dem Bahnsteig zu warten.

5. Zu welchem Zeitpunkt muss grundsätzlich die erwartete Verspätung einer Verbindung mindestens 20 Minuten sein, damit die Zugbindung aufgehoben ist?
Z. B. vor dem ersten Zug (16:55), während des ersten Zugs (17:15), vor dem zweiten Zug (17:55), während des zweiten Zugs (18:30) oder nur zu irgendeinem Zeitpunkt?

6. Darf der Kunde anstelle eines RE einen IC oder einen anderen Zug nehmen, wenn der Anschluss kritisch ist?

7. Ist die Zugbindung aufgehoben, wenn der Anschluss als kritisch eingestuft ist?

8. Wie ist es zu bewerten, wenn 2 Züge zum gleichen Zeitpunkt vom gleichen Gleis abfahren (RE10225 und IC2004)?

9. Wie kann es sein, dass um 19:32 Uhr eine voraussichtliche Ankunftszeit 6 Minuten später sein soll, der Zug jedoch bereits 4 Minuten später ankommt? Ich schätze es als unwahrscheinlich ein, dass ein Zug innerhalb dieser paar Minuten ganze 2 Minuten gutmacht. (IC2026)

Vielen Dank für eine Antwort.

KiWood
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Guten Abend KiWood, ich habe überlegt, wie ich Ihnen antworte, ob ich auf die Fragen einzeln reagiere, oder ob ich es ausführlich erkläre. Ich denke, dass es besser ist, wenn ich noch einmal ausführlich möglichst alles erkläre, denn manche Fragen erübrigen sich vielleicht dadurch. Grundsätzlich gelten die Fahrgastrechte aber nur dann, wenn es sich um eine durchgängig gebuchte Fahrkarte handelt. Sollte man seine Fahrkarte stückeln, dann gelten die angesprochenen Regelungen so nicht für die komplette Fahrt.

Erst einmal ist es richtig, dass man auf Nahverkehrszüge keine Zugbindung hat.
Ebenfalls ist es richtig, dass bei einer zu erwartenden Verspätung am Zielbahnhof von mindestens 20 Minuten die Zugbindung aufgehoben ist. Ebenfalls ist sie aufgehoben, wenn der Anschluss durch einen vorherigen Zug (der verspätet ist) verpasst wird.
Wenn Sie ein Ticket buchen und es ändert sich etwas in der Planung, sodass die Verbindung, so wie gebucht, nicht mehr besteht, dann ist ebenfalls die Zugbindung aufgehoben. Wenn Sie also auf bahn.de die Verbindung so eingeben, wie Sie es vorher gemacht haben und diese steht nicht mehr zur Verfügung, dann sind Sie nicht verpflichtet, zu schauen, was mit den einzelnen Zügen jetzt genau ist. Manchmal kann es nur eine kleine Zeitanpassung sein, sodass der eine Anschluss nicht mehr erreicht werden kann und schon wird die Verbindung nicht angeboten.
Die 20 Minuten Regel gilt jederzeit, also auch beim Start. Wenn man einen RE gebucht hat, darf man auch einen höherwertigen Zug wie IC oder ICE nutzen. In diesem Fall muss dann im Zug aber erst einmal die Differenz bezahlt werden und nachträglich die Kosten beim Servicecenter Fahrgastrechte eingereicht werden. Dies gilt aber nicht für stark ermäßigte Tickets wie zum Beispiel Länder-Tickets oder Schönes-Wochenende-Ticket.
Wenn die Zugbindung aufgehoben wird, gilt es für die komplette Verbindung, man muss dann also nicht zwingend die anderen gebuchten Züge versuchen zu erreichen. Man kann es aber machen, um vielleicht eine Reservierung noch nutzen zu können.
Wenn der Anschluss "kritisch" ist, also wenn abzusehen ist, dass aufgrund einer hohen Verspätung der Anschluss wahrscheinlich nicht mehr erreicht wird, dann ist ebenfalls die Zugbindung aufgehoben.
Normalerweise kommt es nicht vor, dass zwei Züge zur gleichen Zeit am gleichen Gleis abfahren sollen. Hier gilt dann, dass man sich erst einmal die Lage vor Ort anschaut, sicher gibt es dann auch eine Gleisänderung für einen der beiden Züge.
Und noch eine Info zu Punkt 9. Bei den Verspätungsangaben handelt es sich nur um Prognosen, nicht um feste genaue Angaben. Es kann also durchaus sein, dass man 6 Minuten Verspätung eingeschätzt hat, diese aber leicht minimiert werden konnte.

Ich hoffe, ich konnte etwas Licht ins Dunkel bringen. /no