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Wie gestaltet sich die Aufhebung der Zugbindung in Verbindung mit Mobilitätshilfen?

Ich möchte einen Fall schildern, der mir regelmäßig widerfährt. Ich bin intensiver Bahnfahrer, bin allerdings seit einigen Jahren auf einen Rollstuhl angewiesen. Das generelle Problem, dass an vielen Terminen eine gewünschte Reise aufgrund des Platzangebotes nicht möglich ist, weil der gewünschte Stellplatz auf einer langen Reise bspw. nur auf einem kurzen Teilabschnitt bereits belegt ist, ist bereits ärgerlich und aus rein technischer Sicht (Entfernung einer einzigen weiteren Sitzreihe?) schwer nachzuvollziehen. Auf eine Verbesserung kann hier nur gehofft werden.

Das auftretende Problem besteht nun darin: Ich möchte zu einer bestimmten Zeit reisen, kann dies laut Mobilitätszentrale allerdings nicht. Nun muss ich einen anderen Zug buchen, der gegebenenfalls erheblich teurer ist. Der einzige Grund ist aber, dass ich auf den Rollstuhlplatz angewiesen bin. Ich komme also in diesen Fällen nicht nur sehr viel später an, als jeder gesunde Bahnkunde, sondern muss dafür auch noch mehr Geld bezahlen.

Dem Prinzip eines Nachteilsausgleich diametral entgegen steht hier also eine doppelte Ungleichbehandlung.

Hier mein Lösungsvorschlag: Ich kaufe (wie jeder andere Fahrgast) das gewünschte Ticket. Erst im Anschluss überprüfe ich die Möglichkeit einer Hilfeleistung. Ist diese nicht gegeben, trifft der Passus zu, nachdem eine zu erwartende Verspätung von mehr als 20 Minuten die Zugbindung automatisch aufhebt. Mein Sparpreis ist nun nicht mehr an den Zug gebunden. Ich bin ja möglicherweise Stunden später am Ziel als gewünscht.

Allein moralisch scheint mir das eigentlich eindeutig und im Grunde sogar rechtlich, denn ich habe alles so gemacht wie ein nicht behinderter Kunde. Die Verspätung liegt ja in Verantwortung der Bahn. Wenn das für wetterbedingte Verzögerungen gilt, muss es ja erst recht für bewusst in Kauf genommene Kapazitätsknappheiten gelten.

Das Problem ist nun aber: Anders als eine allgemeine Zugverspätung kann dies vom Zugführer auf dem Folgezug nicht über das System überprüft werden. Eine schriftliche Auskunft der verweigerten Hilfeleistung ist über die Moblitätszentrale nicht vorgesehen.

Ich hoffe, Sie können mir weiterhelfen!

Das Leben und besonders das Reisen im Rollstuhl ist beschwerlich. Dass ich auf Dauer bei jeder dritten Reise mehr bezahlen muss als jeder andere Fahrgast, ist auf Dauer nicht zu ertragen.

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Als Einzelperson werden Sie mit so einem Vorschlag wohl kaum Erfolg haben - aber wollen Sie das nichtmal gemeinsam mit dem VdK erstreiten?

Hallo ChristianGwenner,

da wir hier in der Community auch erst einmal keinen Lösungsvorschlag machen können oder auch sagen können, ob Ihr Vorschlag so realisiert werden kann, haben wir die Frage bzw. Ihren Vorschlag einmal an den entsprechenden Fachbereich weitergeleitet. Bis wir hier eine Antwort erhalten, bitte ich Sie um Geduld. /tr

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Haben Sie bereits jetzt vielen Dank für Ihre Mühe!

ChristianGwenner , leider dauert es noch etwas, bis wir Ihnen abschließend antworten können. Es müssen da noch einige Sachverhalte abgeklärt werden. Ich entschuldige mich bei Ihnen, dass es so lange dauert, bis wir Ihnen final antworten kann. /ci

Hallo ChristianGwenner,

wir haben jetzt eine Antwort vom Fachbereich erhalten.

Leider ist die von Ihnen gewünschte tarifliche Änderung nicht umsetzbar. Jedoch möchte ich vorausschicken, dass die Kollegen das Thema grundsätzlich für wichtig halten und dazu mit den betroffenen Fachbereichen weiter im Gespräch sind. Ob im Ergebnis eine Lösung gefunden werden kann, die Ihrem speziellen Wunsch entgegenkommt, ist allerdings heute nicht absehbar.

Von der DB Fernverkehr werden alle bestehenden Vorgaben, insbesondere der maßgeblichen europäischen Verordnung (EG VO 1300/2014) eingehalten.

Danach sind mindestens 2 und in Abhängigkeit von der Zuglänge bis 4 Rollstuhlstellplätze vorzuhalten. Hinzu kommt, dass wir für Menschen, die mit einem Faltrollstuhl reisen, auch gern andere Sitzplätze vorsehen. Dies gilt auch zum Beispiel, wenn ein Kunde in einem speziellen Wagen reisen will, wenn gleichzeitig noch freie Rollstuhlstellplätze im Zug verfügbar wären.

Die Anzahl der Rollstuhlstellplätze genügt in aller Regel der Nachfrage. Die Buchungsquote ist deutlich geringer als bei anderen Plätzen. Von einem Kapazitätsengpass kann somit nicht gesprochen werden. Allerdings kann es dennoch im Einzelfall dazu kommen, dass keiner der Rollstuhlstellplätze reserviert werden kann, wie es auch generell für alle anderen Platzarten im Zug gilt. Wenn ein Kunde einen speziellen Platz, z. B. im Kleinkindabteil, im Fahrradabteil, im Ruhebereich der 1. Klasse etc. benötigt, können wir diesem Wunsch in einigen Fällen ebenfalls nicht gerecht werden.

Wir haben großes Verständnis für die Situation von Menschen, die mit einem Rollstuhl reisen, da für sie der Planungsaufwand für eine Reise erhöht ist und die Sicherheit und
Zuverlässigkeit der Planung eine besondere Rolle spielt. Andererseits möchten wir Ausnahmen im Tarifsystem vermeiden, zumal dies Folgewirkungen für andere Personengruppen nach sich ziehen müsste.

Neben der eingangs erwähnten weiteren Diskussion tariflicher Änderungen möchten wir an dieser Stelle auch darauf hinweisen, dass wir die Online-Buchbarkeit von Rollstuhlstellplätzen bei zukünftigen Veränderungen in die Überlegungen einfließen lassen wollen. /tr